Mit ihrem Roman „Munin oder das Chaos im Kopf“ ist Monika Maron ein Thema auf der Leipziger Buchmesse. Ihm wurde sogleich das Etikett „umstritten“ angeheftet, weil dem Buch der Transport einer falschen Gesinnung unterstellt wurde. Achgut.Pogo sprach mit Monika Maron.
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Liebe Frau Maron, vielen Dank für das sehr gute Interview. Ich kann nur hoffen, dass Ihnen Frau Meiselbach nicht auch "Gefengnis" wünscht, "isolierte Einzel Zelle. Im Keller". Denn dann braucht man sich ja mit Ihrer, offensichtlich falschen, Meinung nicht weiter auseinander zu setzen (oder auseinanderzusetzen?).
Frau Maron hat recht. Wenn man von zwei sich gegenüberstehenden Gruppen ausgeht : die Gruppe derer, die schon länger hier leben und die Gruppe, der nach September 2015 gekommenen, dann beobachten wir eine Aggression innerhalb der jeweiligen Gruppe. Die „Flüchtlinge“ sind sich häufig untereinander alles andere als grün. Und die, die schon länger hier leben, geraten in Streit untereinander. Nicht nur im Sinne des üblichen Links-Rechts, Willkommenskultur-Abschottung-Schemas, sondern es entsteht eine unbestimmte, nicht zielgerichtete, aggressive Grundstimmung, die so zuvor nicht vorhandene war. Aggression, die kein Ventil nach außen findet, findet dieses nach innen. Aggression, die unterdrückt wird, will trotzdem ausgelebt werden. Sie sucht sich Wege, ähnlich dem fließenden Wasser. Sie kann dann gegen sich selbst oder aber auch gegen andersdenkende Freunde, Nachbarn gelenkt werden. Oder gegen Personen, die mir zufällig begegnen. Wenn ich gezwungen werde, Millionen von Menschen aufzunehmen und von mir erwartet wird, mich darüber zu freuen, entsteht wahrscheinlich Aggression. Und wahrscheinlich ist es diese Aggression, die wir im täglichen Leben neuerdings wahrnehmen. Es liegt wohl daran, dass diese massenhafte Aufnahme von Menschen, die ich vorläufig ernähren muss, die sich teilweise kriminell und undankbar zeigen, eine für den Menschen unnatürliche Handlung darstellt. Es überschreitet natürliche Grenzen der Selbstlosigkeit. Daraus kann Aggression entstehen. Und es gelingt nicht immer zuverlässig diese gegen „Rechte“ zu lenken. Sie bleibt sozusagen in Lauerstellung. Sie wartet darauf entweichen zu können. Irgendwann platzt ein Fahrradschlauch, wenn ich immer nur weiter Luft hineinpumpe.
Ich habe dieses Buch gerade gelesen. Jeder Satz ein Genuss. Ich empfehle es jedem, der unsere gegenwärtige, von einer großen Schriftstellerin dargestellte (unhaltbare) politische Lage verstehen will. Der Bezug zu den Wirren des Dreißigjährigen Krieges ist sehr klug gewählt und drängt sich angesichts des mehr und mehr in Deutschland herrschenden Chaos auf. Ich gehe davon aus, dass unsere Kanzlerette, fragte sie jemand nach dem Werk, dieses als "nicht hilfreich" abschmettern würde. Und das, ohne dass sie auch nur eine Zeile gelesen hätte.
In Zeiten des Internets ist die Buchmesse überflüssig. Jeder kann seine Bücher so vermarkten wie es ihm genehm ist, auch Lesungen in kleinen Buchhandlungen sind oft viel interessanter als sich auf der Buchmesse vielleicht noch zu rechtfertigen, weil man "umstritten" sein soll. WER bestimmt eigentlich den Geschmack des Publikums ?? Außerdem hat sich in all den Jahren anscheinend noch nicht rumgesprochen, daß vor allem die "verpönten"Bücher ,die mit der "falschen Gesinnung" , besonders schnell weggehen wie die warmen Semmeln. Frau Marons Buch wird bestimmt nicht wie Blei in den Regalen liegen, wie so manches PC Buch mit der "richtigen Gesinnung."
Beeindruckende Frau! Man sollte auf sie hören.
Ich denke doch, dass Frau Maron versucht hat, ein Kunstwerk zu schaffen. Ein wesentliches Merkmal der Kunst ist deren angeborenen Mehrdeutigkeit. Ohne sie ist Kunst nur Propaganda. Wenn Kunst politisch wird, liegt das an den Aussagen, die auf Ihrer Deutung beruhen. Aber diese Deutung ist das Werk des Deutenden, also des Rezipienten, nicht das des Autors. Der mag seine eigene Deutung haben seines Werk, der mag Intentionen haben oder auch nicht, der mag politische Ansichten haben oder auch nicht: das Kunstwerk als solches wird davon nicht berührt. Hier wird ein Interview mit der Autorin geführt, wie sie selbst ihr Werk auslegt. Eine interessante Frage, aber weder muss man die Antwort kennen, wenn man sich mit dem - fiktionalen - Text beschäftigt, also ihn liest und den Inhalt sich aneignet, noch ist es auch nur hilfreich, dies zu wissen, weil hierdurch der Aneignungsprozess, der dem Leser auch viel über sich selbst verraten kann, gestört oder verunreinigt wird. Bitte schön: Sammelt weder hier noch dort Scharen um Euch, um politische Schlachten zu führen - und lasst mir die Kunst in Ruhe. Allerdings ist diese Art, mit Autoren umzugehen, keineswegs "neu"; Martin Walser musste dies mehrmals erleben und erfahren (und hat es gegen eigene bessere Einsicht auch provoziert!). Zuerst Ende der sechziger , als er als Kommunist galt und dann - späterhin - als er zuerst als unverbesserlicher Nationalist, Deutschtümler und schließlich als Antisemit diffamiert wurde. Immer ging es um die Frage, welche "Haltung", "Gesinnung", "Weltanschauung" der Autor hat und unter diesen Gesichtspunkt wurde dann das Werk geprüft, verworfen oder gelobt. Das ist - klar gesagt - das Werk von Einfältigen, Dummköpfen und Ignoranten, denen die Kunst offenbar so wenig bedeutet, dass sie die Kunst zum Gegenstand ihres schmutziges Polititgeschachers, zum Büttel ihrer ideologischen oder religiösen Dogmen machen wollen. Lasst die Kunst in Ruhe.
@ellen widmaier, wenn Ihre Tage mit der „üblichen unruhigen Stimmung“ beginnen, so sollten Sie versuchen, einen Beitrag für Wirtschaft und Gesellschaft zu leisten. Das erfüllt Ihr SoSein und Ihre unruhige Stimmung, man könnte diese auch als destruktiv, bzw. als kognitive Dissonanz interpretieren, weicht dem Bewusstsein, sich mit Taten konstruktiv, im Rahmen Ihrer Möglichkeiten, täglich eingesetzt zu haben. Deo volente.☝️