Peter Grimm / 31.07.2016 / 16:00 / 6 / Seite ausdrucken

Erst vergewaltigt, dann gelogen

Welche extremen Folgen Ideologieabhängigkeit haben kann, das beweisen Selbstmordattentäter mittlerweile regelmäßig. Doch man vergisst angesichts ihrer Präsenz derzeit vielleicht, dass neben den fanatischen Anhängern Allahs und seines Propheten auch andere Ideologien zu einer krankhaften Verleugnung des eigenen Individuums führen können. Besonders bedenklich sollte es stimmen, wenn es dabei um ideologische Weltbilder geht, die auch staatliche Förderung genießen.

Inzwischen geht das, was einmal als Engagement gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit begonnen haben mag, so weit, dass beispielsweise eine junge Frau, ein Vergewaltigungsopfer, erst die Vergewaltigung durch Zuwanderer verschweigen will und dann die Täterherkunft verschleiern möchte, indem sie fälschlicherweise auch Deutsche der Tat beschuldigt.

Der Fall der Selin Gören machte schon in der Presse die Runde. Die linke Nachwuchspolitikerin erntete neben Kopfschütteln auch unerträglich böse Schadenfreude und das, was man neudeutsch hatespeech nennt. Jetzt kommt  sie selbst in einem „Panorama“-Beitrag zu Wort und der Zuschauer sieht vor allem ein bedauernswertes Opfer der Ideologieabhängigkeit. Sie ist besessen von dem Gedanken, dass es eigentlich nicht sein darf, dass Zuwanderer Täter waren. Auch wenn sie es selbst erlebt hat, muss es falsch sein, denn es hilft doch als Argument den „Rechten“. Damit die Menschen mit Vorbehalten gegen die Massenzuwanderung nicht noch mehr Bestätigung erfahren, will sie eigentlich schweigen. Doch Vergewaltigungen müssen auch angezeigt werden und letztendlich tut sie es, mit der richtigen Täterbeschreibung.

Eigentlich will man nach einem Aussteigerprogramm rufen

Wenn man nun  hört und sieht, wie sehr Selin Gören  unter ihrer vermeintlichen Schuld leidet, sie hätte mit ihrer Anzeige bei der Polizei all denen geholfen, die „gegen Flüchtlinge“, bzw. ihre unkontrollierte  Aufnahme sind und sie deshalb öffentlich alle „Flüchtlinge“ um Verzeihung bittet, will man eigentlich nach einem Aussteigerprogramm für diese Art der selbstzerstörerischen Ideologieabhängigkeit rufen.

Aber dieses ideologische Moment ist eines, das in unzähligen öffentlich geförderten Programmen verbreitet wird. Ihr Tenor zusammengefasst: Zuwanderung ist richtig, gut, nützlich, unausweichlich und eine Bereicherung während negative Nachrichten über Zuwanderer beispielsweise als Kostenfaktor oder Täter immer verdächtig sind und wenn sie stimmen mindestens relativiert werden müssen.  Auch der „Panorama“-Beitrag lässt ahnen, dass die Autorin das schlechte Gewissen, wegen der Anzeige der Vergewaltigung, sehr gut nachvollziehen kann. Auch wenn die Vergewaltiger  Zuwanderer waren, die arabisch beziehungsweise kurdisch gesprochen haben, endet die ARD-Kollegin nicht nur mit dem Hinweis, dass die Täter nicht gefasst worden seien, sondern sie weist besonders darauf hin, dass man ja deshalb nicht wissen könne, ob es sich wirklich um „Flüchtlinge“ gehandelt habe.

Natürlich ist das nicht ganz falsch. Es könnte auch eine marokkanische Reisegruppe gewesen sein.

Das Interview mit Selin Gören sehen Sie hier.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Peter Grimms Blog Sichtplatz hier.

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Karin Müller / 01.08.2016

Im Wikipediaeintrag “Vergewaltigung” können sich die Herren ja mal einen Überblick verschaffen, was es darüber so zu wissen gibt. Dunkelziffern, wie oft Täter und Opfer sich kennen oder nicht, solcherlei. Da erscheint der Fall von Frau Gören vielleicht speziell wegen der Beweggründe für ihr Verhalten bei der Anzeige, letztlich aber doch mutig und gar nicht so ungewöhnlich hinsichtlich der von ihr im weiteren erfahrenen Reaktionen. Immerhin hat Herr Ben Wilmes hier einigermaßen erkannt, woran sich die übrigen Herren gerade beteiligen. Es fehlen eigentlich nur noch ein paar Bemerkungen über den Namen “Selin Gören”, dann hätte die kleine Debatte hier ihr endgültiges Niveau erreicht.

Wilfried Mutschler / 01.08.2016

Sie schloss politisch messerscharf, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Wie weit muss die politische (Ver-)Leugnung gehen, wenn man schon leugnet, was man -im wahrsten Sinn des Wortes- am eigenen Leib erfahren hat.

Paul Siemons / 31.07.2016

Es könnten sogar Altkatholiken von den Fidji-Inseln oder Thor-Anhänger aus Stavanger gewesen sein, die sich zur Tarnung das Gesicht schwarz bepinselt haben. Es kann jedenfalls nicht sein, was nicht sein darf. Der edle Syrer aus Casablanca oder Algier würde so etwas niemals tun, zudem er als Mikrobiologe, Anästhesiespezialist oder Kraftwerks-Ingenieur eigentlich gar keine Zeit hat, um sich an Frauen zu vergreifen. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass er hierzulande durch sexistische Werbung traumatisiert wurde und die ihn tagtäglich durch ihre aufreizende Kleidung provozierenden Frauen keinerlei Rücksicht auf seine Befindlichkeiten nehmen, ist in Wirklichkeit ER das Opfer. So wie die ungezählten anderen orientalischen Fachkräfte, denen vergleichbare Gefahren drohen. Frau Gören soll sich mal nicht so haben!

Martin Schau / 31.07.2016

Mit anderen Worten: Für Selin Gören war es weniger verwerflich, Deutschen eine Straftat wahrheitswidrig anzulasten…

Ben Wilmes / 31.07.2016

Die junge Frau hat genug durchgemacht. Häme ist hier nicht angebracht. Klar war ( oder ist) sie unendlich naiv. Klar hat sie so gehandelt wie sie es nach dem Vorfall für angemessen und richtig empfunden hat. Man sollte ihr einfach die Chance geben, die Realität mal nicht durch eine ideologisch gefärbte Brille zu betrachten. Wer jetzt auf ihr rumhackt, liefert ihr ( ungewollt) Argumente, dass es doch letztlich richtig war, den “Rechten” ( wen oder was auch immer sie darunter versteht) keine Munition zu liefern. Sie ist in zweifacher Hinsicht Opfer: Zum einen wegen der brutalen Vergewaltigung, zum anderen wegen ihres kruden Weltbildes. Wir sollten sie mit Nachsicht und Verständnis behandeln. Spott und Verachtung hat sie nicht verdient, aber Argumente und Mitgefühl, eine nachdrückliche Korrektur ihres Weltbildes und Respekt davor, dass sie doch noch mit der Wahrheit herausgerückt ist. Mag ich in ihren Augen auch ein “Rechter” sein, so sollte mir das meine Menschlichkeit nicht nehmen. Sie hat es gut gemeint , dass darf ich unterstellen. Und vielleicht lernt sie ja etwas aus diesem Erlebnis ?! Ich wünsche es ihr von Herzen.

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