In der “Akademie der Künste” am Pariser Platz im Zentrum Berlins wird z.Zt. unter dem Motto “Kunst und Revolte” des sog. “künstlerischen Erbes” von 1968 gedacht.
In der gleichnamigen Ausstellung läuft u.a. der Spielfilm “Alma Mater”, der von Rolf Hädrich im Jahre 1969 für den NDR produziert wurde. Der Film erzählt die Geschichte eines Professors an der FU Berlin, der als Jude im Dritten Reich emigrieren mußte und der nach 1945 freiwillig nach Deutschland zurückkehrte. Während der Studentenrevolte wird er mit zahlreichen mehr oder weniger militanten Protest- und Störaktionen radikaler Studenten im Rahmen seiner Lehrveranstaltungen konfrontiert, so daß er sich am Ende dazu entschließt, Deutschland ein weiteres Mal zu verlassen und in die Vereinigten Staaten auszuwandern. Selbst einem seiner liberalen Kollegen, der die neuen “alternativen” Protestformen der Studentenbewegung verteidigt, ergeht es kaum besser. Dieser wird in der letzten Szene des Films von radikalen Studenten mit Eiern und Tomaten beworfen und aus der Universität getrieben…
Der Film “Alma Mater” machte durch Analogieschlüsse zwischen der NS-Studentenbewegung der 30er Jahre und der radikalisierten Achtundsechzigerbewegung in den späten 60er Jahren Furore. Historische Bezüge wie die zwischen NS- und Achtundsechziger-Studentenbewegung waren damals eine bevorzugte Domäne der von den linken Studenten als “rechts” verschrieenen Totalitarismustheorie, die in Wirklichkeit auf solche einer rechten Gesinnung vollkommen unverdächtigen Theoretiker wie z.B. Hannah Arendt, C.J. Friedrich oder Zbigniew Brzezinski, den späteren Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter zurückgeht.
Daß die These von der ideologischen Affinität der Achtundsechziger zu ihren NS-Vätern von den Apologeten der Studentenbewegung bereits 1969 als “Skandalon” empfunden wurde, vermag kaum zu verwundern. Vor dem Hintergrund von Götz Alys Buch “Unser Kampf”, das z.Zt. dabei ist, so manches “Veteranentreffen” der mittlerweile selbst ca. 68 Jahre alten Altachtundsechziger nachhaltig zu stören, gewinnt der Film “Alma Mater” aus dem Jahre 1969 eine neue Aktualität, die zumindest bedenkenswert erscheint.
Was der Präsident der “Akademie der Künste”, Klaus Staeck, dagegen von der These der strukturellen Ähnlichkeit der NS-Studentenbewegung mit der Achtundsechzigerbewegung hält, kann man seinem Editorial zu dem die o.g. Ausstellung begleitenden Flyer entnehmen. Dort heißt es zu Götz Alys provokanter These, derzufolge ein “Achtundsechziger das Kind eines Massenmörders ist, das einem Massenmörder (sprich Mao Tse Tung) hinterherläuft”:
“Die deutsche Bevölkerung war nie in Gefahr, den Lehren des Großen Vorsitzenden Mao oder dem Massenmörder Pol Pot zu folgen. Um so peinlicher spreizt sich jetzt eine ‘Mea-Culpa-Literatur’ ehemaliger Extremisten (Götz Aly), die mit ihrem eigenen politischen Versagen die gesamte Bewegung als faschistisch oder kommunistisch ins Zwielicht rücken wollen. Es kann nicht sein, daß eine elitäre Minderheit von damals im Nachhinein eine ganze Bewegung für ihre Ideologien haftbar macht.”
Nicht schlecht, Herr Staeck, möchte man meinen. Doch während der frühere Extremist Götz Aly vierzig Jahre danach offensichtlich aus seinen damaligen Fehlern und Verirrungen gelernt hat, gefällt sich unser “Akademie”-Präsident Klaus Staeck nach wie vor in der Attitüde des selbstgerechten anti-amerikanischen Altachtundsechzigers und selbsternannten Moralapostels, der gemeinsam mit seinem literarischen Vorbild Günter Grass keine Gelegenheit ausläßt, zumindest im Geiste weiterhin die berühmt berüchtigte Achtundsechzigerparole “USA-SA-SS” zu skandieren und die Amerikaner als die größten “Völkermörder” der Geschichte an den Pranger zu stellen, wie dies zum Beispiel mit der Ausstellung des Plakats von George Maciunas geschieht, auf dem ein US-Sternenbanner zu sehen ist, das statt der Sterne 50 Totenköpfe zeigt.
Tja, so kommt es, wenn man als guter Deutscher wie Klaus Staeck, der selbstredend aus der Geschichte gelernt hat, es, wie schon sein großes Vorbild Günter Grass, den primitiven, kaugummikauenden amerikanischen “Nigger-GIs” offenbar niemals verziehen hat, daß sie es waren, die das deutsche Volk im Jahre 1945 mit Waffengewalt und nicht, wie von Klaus Staeck bevorzugt, mit Lichterketten und PACE-Fahnen vom Faschismus befreit haben!