Die Schöne und das Biest

Alexandria Ocasio-Cortez heißt die 29-jährige telegene Großhoffnung der Demokratischen Partei der USA, einer Partei, in der es im Moment an geeigneten Persönlichkeiten einen erschreckenden Mangel gibt. Schlitzohr Joe Biden läuft sich für 2020 warm, hoffend, dass seine biografischen Lügen bis dahin vergessen wurden, ebenso die zweiprozentige Cherokee-Indianerin Elizabeth Warren, die ein ebenso eigenwilliges Verhältnis zur Wahrheit hat. Der Erz-Sozialist Bernie Sanders will’s auch noch mal wissen, ebenso höchstwahrscheinlich die unvermeidliche und unverbesserliche Hillary Clinton – alles in allem bisher ein Cast, wie ihn sich Trump für ein „The Apprentice – DC” zusammenstellen würde, um den ausgelobten Job selbst zu behalten.

Medial jedoch werden alle Kandidaten derzeit von Alexandria Ocasio-Cortez in den Schatten gestellt, obwohl diese aufgrund ihres jugendlichen Alters 2020 als Kandidatin für das Präsidentenamt noch gar nicht in Frage kommt. AOC, ihr inoffizielles Namenskürzel, hat den Begriff, der sich für mich mit dieser Abkürzung verbindet – das französische Schutzsiegel „Appellation d’Origine Contrôlée“ – bei Google bereits hinter sich gelassen.

Das Gefährliche an dieser AOC aus kontrolliertem sozialistischen Anbau ist aber gerade nicht, dass sie dumm ist, wie manche Tweeds und Facebook-Posts oberflächlich behaupten. Das wäre eine einfache Erklärung, doch solche Dinge sind bekanntlich nie einfach. Ocasio-Cortez ist gefährlich, weil sie intelligent und machthungrig ist, weil sie wie Bambi guckt, wie Cinderella tanzt und wie Kermit spricht, aber wie Maduro fühlt und wie Stalin denkt. Hinter der Fassade der Ballkönigin lauert, bildlich gesprochen, eine machtgeile Busfahrerin mit abgebrochener Jesuitenausbildung, die ein ganzes Land nach ihrem Gusto auf Links drehen möchte. Wen kümmert es schon, dass sie dazu – wieder bildlich gesprochen – ein Massaker mit dem Sparschäler an der amerikanischen Wirtschaft anrichten will.

Staatliche Bevormundung? Nicht in den USA

Doch während ihre grünen Gedankengeschwister in Deutschland Ocasio-Cortez noch zujubeln und ihren „Green New Deal“, also die totale Gretafizierung der amerikanischen Wirtschaft, für den ganz heißen Scheiß halten, geht sie vielen ihrer Landsleute langsam aber gewaltig auf die Ketten. Amerikanische Medien sind zum Glück nicht zimperlich, wenn es um die Vermessung des ökologischen Fußabdrucks dieses demokratischen „Freshman“ geht, um einen moralischen Lackmustest zu machen, den deutsche Nachwuchstalente wie Kerosin-Kathi als „rechte Troll-Angriffe” wegwischen.

Doch in Amerika ist „Moral“ nicht nur so allgegenwärtig wie Erdnussbutter, man achtet auch peinlich genau darauf, wer seinen Löffel im Glas hat und ob dieser Löffel sauber ist. Deshalb war beispielsweise ein John McCain glaubwürdiger als ein Joe Biden. Man nahm im ab, was er sagte, denn er sagte, wofür er stand und lebte auch selbst danach. Küchenpolitiker wie AOC hingegen bemerken die Gräben nicht einmal, die ihr Reden vom eigenen Handeln trennt – und das vor laufender Kamera!

AOC hält sich, was ihren ökologischen Fußabdruck angeht, zwar für „Tinker Bell“, doch der Feenstaub verfängt längst nicht bei jedem, wie in einem bissigen Artikel in der „New York Post” zu lesen ist. In Sachen CO2-Bilanz können AOC selbst grüne deutsche Nachwuchspolitikerinnen kaum das Benzin reichen, welches sie im Wahlkampf reichlich verbrannte, während sie gleichzeitig mit Begeisterung vom öffentlichen Nahverkehr und der vollständigen Dekarbonisierung der amerikanischen Wirtschaft schwärmte. Das stößt potenziellen Wählern westlich des Atlantiks deutlich stärker auf als deutschen Grünwählern, die mehrheitlich einer etatistischen Staatsidee anhängen und staatliche Eingriffe und Bevormundung für etwas prinzipiell Gutes halten – eine Vorstellung, die in den Staaten noch nicht ganz so weit verbreitet ist, um es vorsichtig auszudrücken.

Trump hat beinahe schon gewonnen

Es lohnt sich bei allen Politikern, die gern wie AOC mit ihrem „Green New Deal“ mit „Moral“ Wechselgeld geben, auf das „Vorgelebte“ zu schauen. Die „New York Post“ seziert in ihrem Artikel genüsslich ein Instagram-Video von Ocasio-Cortez, in dem sie neben zahlreichen anderen Verstiegenheiten auch über Plastiktüten schimpft (und sich wünscht, diese existierten überhaupt nicht) und dabei ungerührt ihre Süßkartoffelreste im selben Behälter entsorgt, wie die Plastikabfälle zuvor.

Der auf Mülltrennung konditionierte Deutsche wendet sich ab mit Grausen und amerikanische Nichtmülltrenner fragen sich zu recht, warum sie ihr Gewissen belasten sollten, wenn es nicht einmal jene tun, die vorhaben, sie anzuführen. Die Aufgabe ihrer Politiker „to lead“, also anzuführen, verstehen Amerikaner mehrheitlich eben nicht als treibendes „Vorwärts!“ aus der Etappe, sondern eher als „Mir nach!“ von der Front. Als Vorbild und „Anführer“ taugt Alexandria Ocasio-Cortez ganz offensichtlich nicht, und wenn sie tatsächlich das Beste ist, was die Demokratische Partei zu bieten hat, hat Trump seine zweite Amtszeit schon beinahe im Sack.

Noch eine Bemerkung zum Schluss: Ocasio-Cortez ist ja Politikerin, keine Köchin – aber sie macht Politik so, wie sie kocht, beides ist im Video nur schwer mit anzusehen und anzuhören. Jeffrey A. Tucker nimmt ihr „Sweet-Potatoe-Massacre“ unter dem Aspekt von menschlicher Entwicklung, Welthandel und Marktwirtschaft im „The Tennessee Star” trefflich auseinander. Doppelmoral und Scheinheiligkeit am Spieß mit extra scharfer Soße. Guten Appetit!

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Leserpost

netiquette:

klaus blankenhagel / 05.03.2019

Ihr Problem ist ihr Hintergrund!

Robi Habaeck / 05.03.2019

Das Foto kann nicht AOC sein, die Dame hat ja den Mund zu.

Michael Liebler / 05.03.2019

Sawsan auf amerikanisch?

Thorsten Helbing / 05.03.2019

Diese Dame ist hübsch. Telegen. Und kann scheinbar - medial mit dem Kopf in die Suppe rammend - kochen, was wirkungsvoll zum Vorteil der Demokraten in den USA hochgepusht wird. Ohne viel dazu zu sagen, die AfD kann davon lernen. Denn auch im alten Germany funktioniert es so und die Grünen maches es erfolgreich vor. Sex sells, oder, das Gesicht im TV. Robert & Annalena, dazu eine infantile Blondine aus Bayern, welche auch schonmal über Silvester zum Eisessen nach Kalifornien fliegt und unliebsame Kommentare bei Twitter kurzerhand blockiert - so geht scheinbar Demokratie. Trotzdem, ein Gauland ist nunmal nicht mehr taufrisch und in Talkshows wenig angriffslustig und spontan, schon gar nicht progressiv. Vermehrt wird schon gefragt wer eigentlich älter ist, sein Jacket oder seine Krawatte - oder Gauland selbst. Kleiner Scherz, natürlich ist das Jacket älter! Scherz! Liberal-konservative Inhalte zu transportieren muss nicht zwangsläufig der Prototyp eines Konservativen wenn Wähler erreicht werden sollen. Die Politik welche dahinter steht ist immens wichtig. Aber bei Gott, leider, ist der Transporter heute mindestens genauso wichtig um sich mit ihm zu indentifizieren. Muss man nicht mögen, die Realität ist aber eben diese.

Richard Löwe / 05.03.2019

als Wirtschaftsphilosoph finde ich Dummheit einfach nur abstoßend, aber AOC, deren Brillengläser mehr Dioptrien haben als sie IQ-Punkte, finde ich super sympathisch. Die kann sagen und machen, was sie will, ich finde sie ‘cute’. Die einzige Erklärung für meine ungewohnte Gefühlswelt ist, daß sie die Democrats, also die, die AOC-Generation geschaffen hat, komplett unwählbar für weite Teile der Bevölkerung macht. Keine Flugzeuge, keine Kühe, kein Plastik, keine Autos mehr - das ist zwar niedlich, aber eben auch komplett inakzeptabel. Daß AOC selbst fliegt, SUV fährt, etc.  ist kein Widerspruch (sie steht ja öffentlich auch dazu), wenn man bedenkt, daß sie so dumm ist, daß Handeln und Wollen bei ihr nichts miteinander zu tun haben. Man muß nur das Gute wollen, dann kann man tun was man will. Deswegen wählen in Deutschland so viel die AOC-Parteien. In den USA nicht und deswegen freue ich mich auf eine historische Wahlschlage der Democrats in 2020. Ich hoffe auch, daß sie die Verstöße gegen das Parteienfinanzierungsgesetz nicht in Gefängnis bringen. Nimmt ihr eh keiner ab, daß sie so smart war, den Betrug auszuhecken. Zu blöd, um verurteilt zu werden, aber nicht um Gesetze zu machen.

Martin Landvoigt / 05.03.2019

Das sich mit dem persönlichen Eindruck, attraktiven Aussehen und medialer Darstellung Wähler gewinnen lassen, mag man wohl zu recht kritisieren, aber bestreiten kann man die Wirksamkeit wohl nicht: Es ist leider Menschlich und ein grundsätzlicher Webfehler der Demokratie. Kritische Zeitgenossen achten dagegen mehr auf Inhalte und Positionen. Für welche Politik steht der Kandidat letztlich? Und da erscheinen die Kandidaten der Demokraten wahrlich verblendet und schädlich, allen voran hinsichtlich der vermeintlichen Notwendigkeit des Klimaschutzes.

Rudolf George / 05.03.2019

Dass Amerikaner auch einen besseren Sinn für originellen wie kritischen Humor haben, beweist die Verballhornung ihres Namens zu Alexandra Occasional-Cortex.

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