Wolfgang Röhl / 23.12.2013 / 18:23 / 5 / Seite ausdrucken

Schwule vor, noch ein Tor!

Ich habe nie ein Frauenfußballspiel länger als fünf Minuten verfolgt. Schaue mir ja auch nicht das Sandbahnrennen in Hechthausen an. Wenn ich Motorsport haben will, dann gleich die Formel 1. Wenn schon Sport, dann nur die Kracher. Fußballernde Frauen laufen zu langsam, foulen nicht brutal genug, haben keinen richtigen Wumm im Schussbein. Fußball geht anders. Fußball, das sind Blutgrätsche und Körpercheck. Das sind Testosteronbündel, die sich aufführen wie Moschusochsen in der Brunft. Das sind Trainer mit verzerrten Visagen, die am Spielfeldrand toben wie Affen, denen man die Banane klaut. In den Kurven ein enthemmter Mob, der Latrinenparolen brüllt. Herrlich! Frauenfußball wirkt dagegen irgendwie behindert. Ich gucke auch nie Paralympics, das ist klar.

Aus Hamburg kommt die Nachricht, dass 2015 ein sportliches Großereignis an der Elbe stattfinden wird. Es soll den Focus auf eine auch sportiv unterschätzte Minderheit richten, die dringend der Inklusion bedarf. „Die schwul-lesbische Fußball-EM kommt nach Deutschland“, jubelte der „Sportverein Startschuss SLSV Hamburg“, welcher den Zuschlag von der vielleicht noch nicht weithin bekannten „International Gay And Lesbian Football Association“ (IGLAFA) bekommen hat. Der Leiter des Organisationskomitees verspricht: „Wir machen es vor, wie normal es ist, schwul oder lesbisch zu sein und guten Fußball zu spielen.“

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, SPD, hat die Schirmherrschaft übernommen und will damit ein Zeichen für „Gleichstellung und Gleichbehandlung“ setzen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Ole von Beust, CDU, ist er definitiv nicht schwul. Scholz ist nur ein ganz gewöhnlicher Ranwanzpolitiker, der zwecks Stimmenfang jedwede Gruppe bedient, die lautstark was von Ausgrenzung kräht.

Ist ja auch okay. Obwohl, fühlt sich normaler Fußball nicht eigentlich schon schwul genug an? Dieses Aufeinanderspringen der Jungs nach jedem besseren Tor – ist das nicht öffentlich zelebriertes Schwulsein? Und wenn schwule Spitzenspieler, die es bestimmt gibt, sich nicht direkt outen mögen, was geht das den Rest der homosexuellen Menschheit an? Was wollen schwule oder lesbische Fußballamateure mit ihrer „Europameisterschaft“ überhaupt beweisen? Dass es fast jeder Dösbaddel schafft, mit seinen Füßen einen Ball zu bewegen, zumindest auf dem Niveau der dritten Kreisliga? Ist es das, was der politische Teil der Schwulen- und Lesben-Community unter gesellschaftlicher Inklusion versteht?

Und dann, wie geht es weiter? Welche diskriminierten Minderheiten kommen fußballmäßig noch auf uns zu? Wird es bald eine EM der Transgender-People geben, bei der selbstredend auch Menschen aus den Sparten Androgynie, Bigender, Cross-Dressing, Drag King und Drag Queen mitkicken dürfen (Schirmherrschaft Claudia Roth)? Kommt die EM der ost- und südosteuropäischen Straßenbettlermafia, Schirmherrschaft Margot Käßmann? Das Brüsseler Bürokratenheer, sollte es nicht Fußball spielen, um sein Arschgeigen-Image aufzupolieren (Schirmherrschaft: Martin Schulz)?

First things first! Wenn es eine Gruppe gibt, die den großen Fußball-Event benötigt, um auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam zu machen, dann sind es die deutschen Liberalen. Die werden von fast allen Wählern verschmäht, noch vom letzten Lokalblättchen niedergeschrieben, vom talentfreiesten TV-Kabarettisten verhöhnt. Ein Stück weit selber schuld, klar. Aber Ausgegrenzte brauchen Hilfe. Das große FDP-Inklusions-Turnier tut not. Motto: „Wir machen vor, wie normal es ist, politisch erfolglos zu sein und guten Fußball zu spielen.“

Bloß, wer übernähme die Schirmherrschaft? Da fällt einem im Moment kein Name ein.


 

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Leserpost

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Rudolf Gottfried / 24.12.2013

“Fußballernde Frauen laufen zu langsam, foulen nicht brutal genug, haben keinen richtigen Wumm im Schussbein. Fußball geht anders.” Was der gute Herr Röhl mal wieder vergisst , ist die Tatsache, dass “fußballernde Frauen” schneller laufen und einen erheblich größeren “Wumm im Schussbein” haben, als 95% der männlichen Bevölkerung Deutschlands. Und was die Fähigkeit zum richtig brutalen Foul betrifft, wussten sie, dass viele Frauenfussballvereine extra für diesen Zweck Trainings-Dummies mit ihrem Gesicht angeschafft haben? Na dann, fröhliche Weihnachten. :D

Thomas Schweighäuser / 24.12.2013

Wer sich je darüber gewundert hat, was den Wolfgang Röhl, anstatt einfach mal still zu sein, so antreibt, der findet einen Hinweis in diesem Artikel: Es ist die Sehnsucht nach einer überschaubaren Welt, die Sehnsucht nach einer Zeit, in der man mit “Blutgrätsche und Körpercheck” noch Fußballspiele gewinnen konnte, eine Zeit, in der Herren Herrenwitze machten über Fußball spielende Frauen, eine Zeit, in der jeder körperliche Kontakt zwischen Männern unter dem Verdacht des “Schwulseins” stand, kurz: die Zeit, in der Röhl jung war.

Holger Pabst / 23.12.2013

Den Schirmherrn könnte doch Rösler machen. Der geht doch jetzt zum Schweizer Wirtschaftsforum.

Martin Friedland / 23.12.2013

Sandbahnrennen ist ein extrem aufregender und spannender Sport, weit mehr als Formel 1. Um diese irgendwie aufregend zu finden, muß man schon auf schwere Unfälle hoffen. “Frauenfußball”: niemand zwingt Herrn Röhl, irgendetwas anzusehen. Seine Überheblichkeit ist aber albern. Er kann sicher sein, daß er als Teilnehmer in einem Spiel der führenden Vereins- oder Nationalmannschaften nach 10 Minuten halbtot vom Platz getragen werden müßte.

Ulrich Elkmann / 23.12.2013

Marina Weisband. Oder dürfte die nur als Maskottchen durchgehen?

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