Am 8. Mai 2025 fand in Biel eine Stolpersteinlegung für jüdische Menschen statt, die während der Zeit des Holocaust von den Schweizer Behörden an die Nazis in Deutschland ausgeliefert worden waren. An der Karl-Neuaus-Straße waren dies Clara Winograd und am Mon-Désir-Weg die Familie Sonabend. Sie wurden allesamt in deutschen Konzentrationslagern ermordet. Abgerundet wurde der Anlass im Garten des Neuen Museums Biel mit viel Prominenz. Der Historiker Jakob Tanner geißelte die damalige Flüchtlingspolitik, Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss nahm den Faden auf, stellte einen direkten Bezug zur heutigen Flüchtlingspolitik her, und unsere Stadtpräsidentin Glenda Gonzales mahnte, dass man aus der Geschichte lernen müsse.
Man sprach viel über die Juden als Opfer. Der Elefant im Raum waren die heutigen Juden, die sich mit dem Zionismus eine Antwort auf die 3.000 Jahre alte Verfolgung ihres Volkes gaben. Sie gründeten einen Staat mit dem Vorsatz, nie wieder Opfer zu werden.
Seither ist in unserer Stadt einiges passiert. Palästinaflaggen und israelfeindliche Kleber prägen in Teilen unser Stadtbild. Die Sängerin Yuval Raphael – eine Überlebende des Hamas-Überfalls vom 7. Oktober – wurde von einem anonymen Verein „Les Venusiennes“ während des Public Viewing kurzerhand stumm geschaltet. Dass der Verantwortliche dieser Aktion der Sohn unserer Stadtpräsidentin war, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Wer mit dem Zug nach Bern fährt, sieht den Spruch, den man auch auf dem Strandboden mit Kreide gemalt lesen konnte: „Kill your local Zionist“. Ein Gewaltaufruf erster Güte. Der Vorstand des Vereins „Fair“ beschloss, sich der Bewegung „Apartheidfreie Zone“ anzuschließen und damit jüdische Bürger, vom „Haus pour Bienne“ auszuschließen. Wegen interner Proteste steht der Vollzug allerdings noch aus.
Die JUSO-Stadträtin Nina Schlup verteidigte die Ausschreitungen bei der Palästinademo vom vergangenen Oktober in Bern mit den Worten: „Wenn friedliche Demonstrationen ignoriert werden, sind die Leute frustriert.“ Pikant: Während der Demonstration mussten jüdische Mitbürger, die sich zur Synagoge begeben wollten, von der Polizei vor einem wütenden Mob geschützt werden.
Unheimlich betroffen, heimlich unbetroffen
In Bern und anderen Städten ist ohnehin der Teufel los. Eine kleine Auswahl: Die Scheiben des Caffè Sempre von Nicoletta de la Valle, einer bekennenden Freundin des Staates Israel, wurden zertrümmert und mehrfach beschmiert. Die jüdische Schule in Zürich sowie die Synagogen in unserem Land müssen von der Polizei bewacht werden. Die Galerie einer jüdischen Kunsthändlerin in Zürich wurde antisemitisch beschmiert, ein Jude auf der Straße von einem Kosovaren verprügelt. Zuvor wurde ein orthodoxer Mitbürger von einem 15-jährigen Islamisten hinterrücks niedergestochen. Mehrere befreundete Familien in Biel und Bern berichteten uns, dass ihre Kinder sich nicht mehr getrauen, zu ihrer Religion zu stehen.
Und nun hat das Bieler Kadermitglied der sozialdemokratischen Jugendpartei JUSO, Masashi Tom Miyoshi, auf Instagram den allseits bekannten SA-Kampfruf „Juda verrecke“ aktualisiert in „Israel verrecke“ gepostet. Seine Entschuldigung, er habe vom historischen Kontext nichts gewusst, ist exakt die gleiche Verteidigungsstrategie, welche Rechtsextreme jeweils vorbrachten, wenn sie gegen Juden oder Israel hetzten. Es gab nicht wenige, die auf diese Entgleisung eine Strafanzeige forderten. Nach Lektüre seiner weiteren Posts sollte man davon absehen. Wer die Gewaltphantasien dieses jungen Mannes liest – er wünscht auch den USA und dem Kapitalismus den Tod – muss zur Überzeugung kommen, dass dieser eher psychologische Hilfe braucht als einen Richter.
Aber er scheint durchaus auf Parteilinie zu sein. Christoph Lörtscher, SP-Präsident der Sektion Madretsch, findet die Wortwahl seines Genossen zwar fehl am Platz, beurteilt aber meine Mitgliedschaft bei der Vereinigung Schweiz-Israel als viel skandalöser. Wie man den Vernichtungswunsch von Herrn Miyoshi doch etwas vornehmer ausdrücken kann, zeigte die JUSO in ihrem neusten Pamphlet: Sie fordert, den Staat Israel aufzulösen und in einem einzigen demokratischen Staat mit den Palästinensern zu fusionieren. Damit ist die Jugendorganisation zweite Partei der Schweiz, die das Existenzrecht von Israel offen bestreitet. Die erste war die rechtsextreme PNOS. Und unsere Stadtpräsidentin? Sie schrieb mir, dass sie diesen Post ihres Parteigenossen nicht gutheiße, dass sie aber nicht auf jede Aussage öffentlich reagieren könne. Unheimlich betroffen, heimlich unbetroffen.
Für Masashi und die JUSO ist klar: Israel muss weg. Und sie treffen damit auf eine Grundstimmung. Und weil dieser Staat seinen Gegnern nicht einfach den Gefallen tut, sich aufzulösen, sucht man sich die hier lebende jüdische Minderheit als Ziel aus. 2025 war übrigens weltweit das tödlichste Jahr für Juden außerhalb Israels seit 1994. Vielleicht erinnern Sie sich: Damals kamen bei einem vom Iran organisierten Bombenattentat auf das jüdisches Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires an die 100 jüdische Argentinier um.

Der (Ex-?)Jude Gilad Atzmon berichtet aus seinen Jugendtagen von Schulunterricht in Israel, in dem nicht nur die Shoah, sondern auch die anderen Pogrome und Ausschlussverfahren gegen Juden im Verlauf ihrer langen Geschichte wieder und wieder thematisiert worden seien.
Da habe er sich einmal mit einer Frage an die Lehrerin gewandt: Warum hat nahezu der Rest der Welt den Juden immer wieder Leid angetan? Als ich das las, dachte ich: „Pass auf, jetzt wird er gelobt, weil er eine Steilvorlage geliefert hat, zu sezieren, wie inhärent schlecht nahezu alle anderen sind…“ und sah mich jäh getäuscht. Klein Gilad musste sich in die Schäm-Ecke stellen und schweigen.
Warum? Die Lehrerin muss gespürt haben, dass diese Frage in andere Worte gekleidet auch heissen könnte: „Was führen oder führten denn die, die unsere Vorfahren piesackten, jeweils als Gründe für ihr Handeln an? Warum immer wieder wir? Was warf und wirft man uns vor?“ Klar, es gibt die valable Antwort: „Um Gründe ging es nie. Die Täter wollten uns aus Prinzip und eben aus Hass Übles antun.“
Und hier scheiden sich in meinen Augen die Geister der Welt. Es gibt Menschen, die sagen: „Mich erschrickt das Verhalten der Israelis gegenüber der indigenen Bevölkerung. So geht man nicht mit Gastgebern um. Die sollen verflixt nochmals ihr Verhalten ändern und auch akzeptieren, dass Menschen, die sich besatzt fühlen, sich wehren dürfen – sogar mit Waffengewalt. Ändert euer Verhalten! Jetzt!“
Die schematische, kollektivierte und betäubende Antwort läuft immer auf dasselbe Format hinaus: „Wenn man uns beschränkt, dann müssen wir sterben – und das könnt ihr ja nicht gemeint haben.“ Das ist ein argumentatives „Er-oder-Ich“. Wer zur Gewinnmaximierung alles auf eine Karte setzt, muss sich im klaren darüber sein, dass die Antwort manchmal „Doch! Dann will ich es“ heisst. Der Vorwirf Judenhass mag mehr als blosse Unterstellung sein, als Gesamtdeutung reiht er sich ein in die Verweigerung, Beschränkung und Verhalten zu thematisieren.
„…sozialdemokratischen Jugendpartei JUSO, Masashi Tom Miyoshi, auf Instagram den allseits bekannten SA-Kampfruf “Juda verrecke„ aktualisiert in “Israel verrecke„ … Es gab nicht wenige, die auf diese Entgleisung eine Strafanzeige forderten. Nach Lektüre seiner weiteren Posts sollte man davon absehen. Wer die Gewaltphantasien dieses jungen Mannes liest – er wünscht auch den USA und dem Kapitalismus den Tod – muss zur Überzeugung kommen, dass dieser eher psychologische Hilfe braucht als einen Richter.“
NEIN! NEIN! NEIN! NEIN! NEIN! NEIN! NEIN! NEIN! NEIN! NEIN! NEIN! NEIN! NEIN! NEIN!
FALSCH! FALSCH! FALSCH! FALSCH! FALSCH! FALSCH! FALSCH! FALSCH! FALSCH!
Das ist kein tragischer psychologischer Notfall oder Einzelfall. Das ist das Gedankengut des globalen linken Mainstreams.
Juden töten gehört zum Lehrplan jeder renommierten westlichen Universität.
Im Lehrplan steht nicht „Juden töten“, aber es ist so gemeint. Judenmörder-Universitäten! Hass gegen Juden, Zionismus, Israel wird unterrichtet. Die „Endlösung der Judenfrage“ wird nicht angesprochen, sondern augenzwinkernd angedeutet.
Weiße, westliche, europäische, amerikanische, jüdische, kapitalistische, bürgerliche, demokratische, liberale Menschen sind der auszurottende Klassenfeind.
Linke, farbige, migrantische, muslimische, palästinensische, queere Menschen sind das zu befreiende Proletariat.
Israel und die Juden stehen symbolisch für die erfolgreiche westliche Zivilisation.
Die linken Abfallprodukte der westlichen Gesellschaft verbünden sich mit allen anderen bluttriefenden Versagern der Welt gegen die überlegene humanistische westliche Zivilisation.
„Juda, USA, Kapitalismus verrecke“ heißt was?
USA steht für Marktwirtschaft, Demokratie, Meinungsfreiheit, Leistungsdenken, westliche Zivilisation, europäische Aufklärung. Wir sind die „neuen Juden“.
Die Linken fordern Kommunismus, Antisemitismus, Islam. Hitler-Stalin-Mohamed-Pakt.
Mit „Juda verrecke“ ist die westliche Zivilisation gemeint.