Ein Skandal macht die Welle in den Medien. In der 6.000-Seelen-Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde im Sauerland haben Unbekannte in der Nacht zu Samstag 40 Deutschlandfahnen aufgehängt. Seitdem die einstige Bundeskanzlerin Merkel bei einer Feier empört eine Deutschlandfahne zur Seite geschmettert hat, gilt die Bundesflagge als mutmaßlich rechts.
In der Verfassung unseres Landes, jenem großartigen Grundgesetz, steht jedoch im Artikel 22 Absatz 2 sehr schlicht: Die Bundesflagge ist schwarz-rot-gold. Diese Fahne aufzuhängen, ist folglich nichts weniger als ein Ausdruck der Verfassungstreue. Sie auf fremdem Grund und Boden ungefragt aufzuhängen könnte in der Tat Hausfriedensbruch sein. Das macht man nicht. Allerdings ist nicht jedes rechtswidrige Handeln auch gleich schon zwingend rechts. Wenn also eine aufgeschreckte Bürgermeisterin hier gleich eine rechte Aktion vermutet, ist das schlicht lächerlich. Es könnte auch Populismus sein. Hier wappnet sich eine hehre Streiterin gegen rechts.
Mindestens ebenso lächerlich wie die Reaktion der Bürgermeisterin ist das im Ort unter einem Funkturm aufgehängte Schild mit der Aufschrift: „Nationalstolz ist kein Verbrechen“. Als nationalstolzer Sauerländer hätte man doch bitte mindestens noch ein Kurkölsches Kreuz auf das Schild malen können. Tradition! Und überhaupt, eine deutsche Nation ist ein derart schwammiger Begriff, dass er nahezu unbrauchbar ist.
Die jetzige Bundesrepublik Deutschland, der gegenwärtige deutsche Staat, in den aktuell international anerkannten Grenzen, ist die Folge zahlreicher Kriege und – man muss es leider so sagen – fast ebenso vieler Niederlagen. Wenn es etwas gibt, worauf man stolz sein kann, dann ist es die Friedfertigkeit dieses Landes, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und nicht zuletzt die Tatsache eine friedliche Überwindung des Kommunismus und der Teilung hinbekommen zu haben. Darauf kann man stolz sein, das hat aber mit dem Begriff Nation nur am Rande zu tun. Den Zusammenhang mit der Fahne herzustellen, verlangt einen Blick in die Geschichte.
Die Farben finden sich bereits im Wappen des Heiligen Römischen Reiches
Folgt man nämlich der historischen Spur dieser Fahne, dann landet man im Mittelalter, das so finster gar nicht war, wie man ihm immer andichtet. Politisch rechts und links waren damals noch völlig unbekannt. Die beiden Farben Schwarz und Rot sowie das Metall Gold (welches auf Fahnen mit Gelb dargestellt wird) finden sich bereits im Wappen des Heiligen Römischen Reiches. Dort wurde ein schwarzer Adler mit rotem Schnabel und roten Krallen auf goldenem Grund abgebildet. Das Reich war jedoch keine Nation im modernen Sinne. Es vereinte fast alle Fürstentümer Europas unter der römischen Kaiserkrone.
Die nächste Spur dieser Farben findet sich sehr viel später in den Befreiungskriegen. Im Kampf gegen Napoleon bildeten sich Freiwilligenverbände. Zu den bekanntesten gehörten die „Lützower Jäger“. Ihre Uniformen waren schwarz, mit roten Aufschlägen und goldenen Knöpfen. Die Farben somit zu einem Symbol des Kampfes für die Freiheit. Im Jahr 1815 gründete sich in Jena die Urburschenschaft. Diese wählte jene drei Farben für ihre Verbindung und verwendete sie als Fahne etwa beim Wartburgfest 1817.
Hier wurde für die Einheit „Deutschlands“ demonstriert, wobei einschränkend zu sagen ist, dass damals niemand genau definieren konnte, was denn dieses Deutschland am Ende sein solle. Von der Maas bis an die Memel und von der Etsch bis an den Belt, hat es nie ein Deutschland gegeben. Das waren immer nur Träume von Romantikern.
Eher träumerisch war auch der Deutsche Bund. Hier wurde Schwarz-Rot-Gold zu den Farben der revolutionären Bewegung. Der Bundestag des Deutschen Bundes in Frankfurt beschloss diese Farben 1848 offiziell als die Farben und die Fahne des Bundes. Das Scheitern dieser Revolution ist hinreichend bekannt. Weitaus realistischer war Bismarck, der als Folge seiner preußischen Großmachtpolitik zunächst mit dem Norddeutschen Bund ab 1868 und dann 1871 als Folge des Deutsch-Französischen Krieges eine kleindeutsche Lösung unter preußischer Führung erreichte. Die Fahne dieses Reiches war Schwarz-Weiß-Rot. Dabei stand Schwarz-weiß für Preußen und Rot für die Hansestädte.
Da treibt die Fantasie doch unvermittelt wilde Blüten
Erst mit der Weimarer Verfassung kehrte Schwarz-Rot-Gold zurück und ist – unterbrochen durch die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten – seitdem die freiheitlich- demokratische deutsche Fahne schlechthin. Ausgerechnet die bei rechten Kräften so verhasste Farbkombination wird nun als „rechts“ geframt und natürlich will eine Provinzbürgermeisterin im Märkischen Kreis sich dabei nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Ein 40-fach schwarz-rot-gold beflaggtes Kaff des Sauerlandes? Das geht gar nicht! Da treibt die Fantasie doch unvermittelt wilde Blüten und sieht man in Gedanken förmlich „den Führer“ im offenen Wagen durch die Dorfstraße fahren und – oh, Moment: Die Farben sind falsch! Egal! Der Staatsschutz ermittelt. Damit nicht anderswo Nachahmer auf die Idee kommen, setzt man auf die volle Bandbreite der Abschreckung.
Dass die Verhältnisse etwas aus dem Ruder gelaufen sein könnten, auf die Idee kommt man erst gar nicht. Sollten da tatsächlich irgendwelche „rechten Kräfte“ am Werk gewesen sein, dann müsste man sehr ernsthaft fragen, warum es ausgerechnet die Fahne ist, die in unserem Land für Einigkeit und Recht und Freiheit steht. Es ist die Flagge, die immer dann zum Einsatz kam, wenn es darum ging, das Land in Freiheit und Frieden zu einen und eine demokratische Regierung zu errichten.
Von Hambach nahmen diese Farben ihren Weg über Frankfurt nach Weimar, gingen unter im Berlin der NS-Zeit. Sie wurden wiedergeboren in Bonn. Letztendlich hisste ein wiedervereinigtes Volk die Fahne am 3. Oktober 1990 in Berlin über dem nun geeinten Land. Diese Fahne ist, man muss es einmal sagen, ein Graus für jeden Heraldiker. Und dennoch: in dieser Gestalt steht sie für die Freiheit, für die Demokratie und für den langen Weg der deutschen Völker hin zu einer noch immer mühsamen nationalen Einheit.
Es gibt im Zusammenhang mit dieser Fahne wirklich etwas, worauf wir stolz sein können: das ist unser Rechtsstaat, unsere Freiheit und nicht zuletzt die Einheit. Und als hinge dieser Aspekt wirklich ausgerechnet an diesem (heraldisch) schlampig zusammengenähten Lappen, gerät beides – Fahne und Freiheit – gerade jetzt zeitgleich unter Druck und unter den Verdacht „rechts“ zu sein. Die mutmaßlichen Lausbuben (und -mädchen) von Nachrodt-Wiblingwerde haben das falsche Schild aufgehängt. Es hätte heißen müssen: „Einigkeit und Recht und Freiheit sind keine Verbrechen!“
Peter Winnemöller, studierte Elektrotechnik und Theologie, seit 2005 Autor, Blogger und Journalist, 2019 bis 2024 Onlineredakteur bei der Wochenzeitung „Die Tagespost“.
„Sie [Die Flagge] auf fremdem Grund und Boden ungefragt aufzuhängen könnte in der Tat Hausfriedensbruch sein. Das macht man nicht. Allerdings ist nicht jedes rechtswidrige Handeln auch gleich schon zwingend rechts.“ -- Sehr gut beobachtet. Hatte nicht bereits am kommenden Freitag auf Indymedia die Antifa die Verantwortung übernommen worden haben werden?
@Martin Müller: „Die Farben der funktionierenden Demokratie.“ der Deutsche funktioniert halt unter allen Farben. Schwarz-Weiss-Rot, Schwarz-Rot-Gold, Regenbogen, ob vor Stalingrad, unter der Windmühle oder unterm Grosshamasmufti von Jerusalem. Was genau an der Demokratie noch funktioniert, steht allerdings auf keiner der bunten Fahnen. Vielleicht hat ja Fähnrich Müller eine Antwort drauf?
„ … und nicht zuletzt die Tatsache eine friedliche Überwindung des Kommunismus .. “ Sie sollten ins Kabarett wechseln, Herr Winnemöller. Mal abgesehen von Nordkorea, Kuba und Venezuela, blüht der Kommunismus mehr als in der BeÄrrDee. Lediglich Hammer und Zirkel haben die Flagge (vorläufig?) verlassen.
Immerhin wissen wir jetzt, dass der Staatsschutz für Hausfriedensbrüche zuständig ist – beruhigend, angesichts der zahlreichen Übergriffe auf privates Eigentum!
@Roland Müller, sehr interessant Ihr Beitrag. „weil der Walter Ulbricht und der Erich Honecker gut getarnte Hitler-Fans waren.“ als was sind Sie getarnt? Aus welchen Quellen schöpfen Sie ihr Wissen? Oder hatten Sie nur eine schlimme Kindheit? Dann hier mein Trost, sie ist noch nicht zu Ende. Es wäre unhöflich sie nur einen Spinner zu nennen, deshalb mache ich das nicht.
@Thomas Thürer … Nein, Herr Winnemöller kann das nicht besser. Als Katholischer Theologe (ob mit oder ohne Abschluß), der sich Selbst als rechts-katholisch bezeichnet, ähnlich der historischen Zentrums-Partei, ist Er immer ein linker Globalist. Das bringt die Katholische Ideologie, Kirchenstruktur (Organisation) so mit sich. Als ob die Konklave etwas anderes wäre, als ein etwas feudaler ausgestattetes Politbüro. Was meinen Sie denn, Herr Thürer, wo sozialistische Systeme ihre Organisation abgekupfert hatten?
@Regina Becker @Roland Müller … völlig richtig beschrieben. Ulbricht, Honecker, Wehner kamen alle aus dem Arbeiter-Milieu, sonst hätten sie das Hotel Lux zu Moskau auch nicht überlebt. Stalin ließ alle intellektuellen Deutschen Kommunisten in der Lubjanka per Kopfschuß beseitigen. Es gab vor Jahrzehnten mal eine WDR-Doku, längst aus jeder Mediathek beseitigt, wo klar kolportiert wurde, daß Wehner, um selbst zu überleben, um die 3k Genossen verraten hatte, die alle draufgingen. Man kann auch davon ausgehen, daß Honecker & Ulbricht patriotischer als Hitler gesinnt waren. Für Hitler war „das Volk“ eher ein Instrument, recht alttestamentarisch im Ansatz. (Westen, *1965).
„Ausgerechnet die bei rechten Kräften so verhasste Farbkombination“, was soll diese Aussage bedeuten? Rechte Kräfte = AfD? Das wäre aber eine etwas svhräge Aussage, denn gerade in dem Punkt steht die Afd zu unserem Nationalsymbol, denn das ist die schwarz-rot-goldene Fahne doch wohl, auch wenn sich Grünlinks incl. Ex-Kanzlerin davor ekelt, vor dem Wort als auch vor der Fahne. Sollten Sie allerdings die schwarz-weiß-rote Fahne meinen, ist auch die Aussage nicht stimmig, denn die sog. „Reichsbürger“ sind keine „Rechten Kräfte“, das sind schlicht Extremisten bis hin zu Terroristen. Oder meinen Sie die Rollator-Prinzengarde, die einen „Umsturz“ plante? Na, wer die Trottel ernst nimmt, den kann man nicht ernst nehmen!