Neulich habe ich lange mit Emrah Erken telefoniert. Gespräche dieser Art verlaufen selten linear. Man tastet sich vor, prüft Analogien, verwirft sie wieder – und bleibt dann an einem Vergleich hängen, der sich nicht mehr abschütteln lässt. Genau das ist passiert. Wir waren uns schnell einig: Darüber muss man schreiben. Es ging um Araber, um den Islam – und vor allem um ein Missverständnis, das in Europa hartnäckig gepflegt wird: das Missverständnis, islamische Gesellschaften funktionierten im Kern nach denselben sozialen, moralischen und politischen Codes wie westliche. Tun sie nicht. Insbesondere im Nahen Osten gilt ein anderes Selbstverständnis, eine andere Logik von Macht, Ehre, Loyalität und Schwäche.
Israel liegt mitten in dieser Region. Ein Teil seiner Bevölkerung ist selbst arabischen Ursprungs. Genau deshalb weiß man dort sehr genau, wie gesprochen, gedacht und gehandelt wird – und wie gehandelt werden muss, um zu überleben. Israel kennt die Region nicht aus Seminaren, sondern aus Erfahrung. Aus existenzieller Erfahrung. Die israelische Politik reagiert deshalb entschlossen, hart und illusionslos. Nicht aus Grausamkeit, nicht aus Lust an Eskalation, sondern aus Selbsterhaltung. In dieser Region ist Zögern kein Zeichen von Humanität, sondern von Einladung. Wer dort Schwäche zeigt, verschwindet. Nicht symbolisch, sondern real.
Schwäche wird als Einladung zum Raumgewinn gelesen
Von dort aus schwenkten wir nach Deutschland – und der Kontrast könnte größer kaum sein. Hier wird vieles, was im Zusammenhang mit arabischer Migration geschieht, systematisch verharmlost. Getragen wird diese Verharmlosung von sogenannten „Islamverstehern“, die weder die gesellschaftlichen Codes noch die inneren Machtlogiken islamisch geprägter Milieus kennen oder ernst nehmen wollen. Man glaubt, mit westlichen Maßstäben messen zu können, was sich westlichen Maßstäben entzieht.
Aus Angst, als hart zu gelten, verzichtet man auf klare Regeln. Aus falsch verstandener Toleranz verzichtet man auf deren Durchsetzung. So entsteht ein fatales Signal: Schwäche. Und Schwäche wird in diesen kulturellen Kontexten nicht als Einladung zum Dialog gelesen, sondern als Raumgewinn. Die eine Seite fühlt sich gehemmt, die andere bestärkt. Die eine Seite relativiert sich selbst, die andere radikalisiert ihre Ansprüche. Auf diese Weise verliert ein Land nicht plötzlich, sondern schleichend seine Durchsetzungskraft – und mit ihr seine kulturelle und politische Identität.
Israel kennt diesen Mechanismus. Deshalb weiß man dort, wo der Hammer hängt – und benutzt ihn, wenn es notwendig ist. Nicht, um jemandem zu gefallen. Nicht, um moralische Applauspunkte in europäischen Feuilletons zu sammeln. Sondern um nicht sehenden Auges das Schicksal zu teilen, das andere Länder bereits riskieren oder längst erleiden. Das ist keine Frage von Sympathie oder Antipathie. Es ist eine Frage von Realitätssinn.

Genauso wie der Autor es beschreibt ist es. Israel zeigte in Gaza in den letzten beiden Jahren die einzige Form des Umgangs, die der arabische Bückbeter wirklich versteht. (Es scheint, sie kennen ihr semitisches „Brudervolk“.) 600 Lkw täglich werden nach dort von den Kuffern gefordert, die Herrschaften zu versorgen. Das geht seit Jahrzehnten so. Geboten werden im Gegenzug Terror und eine abartige Reproduktionsrate.
Wer in Europa die im Artikel beschriebene mohammedanisch-arabische Mentalität nicht zu kapieren scheint, wird der Identität und Kultur unseres Kontinents bleibend schaden. Ich nehme sowas als Verräter wahr. Paßt aber zur insgesamt veranstalteten bürgerfeindlichen, antideutschen Politik.
@Dirk Jungnickel @HJG … Das liegt nur an Ihrem Unvermögen zu glauben. Bin kein Atheist. Sie werden daher nicht verstehen, daß dieser primitive Hirtenkult aus dem Orient (dem Sie anhängen), den ich dem Verständnis halber, als antiken Marxismus bezeichne, exakt von mir für Sie geschrieben wurde, damit Sie überhaupt eine Idee davon bekommen können, was ich meine. Denn, warum sollte etwas auf einer spirituellen Ebene im Himmel funktionieren, wenn es schon in unserer schlichten Realität, auf Erden, nicht funktioniert? Wenn ich kein Mitgefühl mit meinesgleichen, wie Ihnen hätte, Herr Jungnickel, würde ich erst gar nicht schreiben.
„Im Jemen und Iran sowie in Saudi-Arabien, Katar, Pakistan, Afghanistan, Somalia und in Mauretanien (StGB aus dem Jahre 1984, Art. 306) kann Abfall vom Islam noch heute mit dem Tode bestraft werden, und es werden vereinzelt auch Hinrichtungen durchgeführt, so etwa im Jahre 2000 bei einem somalischen Staatsbürger. Daneben können Atheisten in Malaysia, Nigeria, den Vereinigten Arabischen Emiraten und auf den Malediven zum Tode verurteilt werden.“ Das behauptet die deutsche Wikipedia unter „Apostasie im Islam – Rechtslage in der Gegenwart.“ Das muss doch gelogen sein, sonst wären die Bessermenschen in Deutschland und sonst im Westen doch islam-avers. Die würden da doch niemals nicht einfach wegschauen wie seinerzeit bei den Nazis weggeschaut wurde. Wird viel zu selten thematisiert. Austreten aus dem Islam sollte in keiner Debatte über den Islam fehlen.
In Berlin wird 2026 ein neuer Gedenktag eingeführt…15. März gegen Islamfeindlichkeit.
Warum? Ein Zugeständnis an laute Schreihälse? Angst vor gewaltbereiten Demonstranten? Mit Zahlen aus einer Polizeistatistik kann es nicht untermauert werden. Christen sind weltweit die am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft. In Deutschland müssen Weihnachtsmärkte, Synagogen und jüdische Einrichtungen polizeilich geschützt werden. Jüdische Kindergärten in Deutschland machen Terror-Notfallübungen…
Warum also kein Gedenktag gegen religiösen Hass? Oder gegen Hass auf Religionen? Wo bleiben die Petitionen in Hinblick auf die Gleichstellung? Wo die Proteste von Politikern und Kirchen? Wo bleibt die faktische Untermauerung der Notwendigkeit eines solchen Tages? Oder ist es Anbiederung?
Leider habe auch ich die Erfahrung machen müssen, dass in bestimmten kulturellen Kreisen Freundlichkeit mit Schwäche gleichgesetzt wird.
Es wäre schön, wenn bei den Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses ein paar Mails mit Nachfragen hinsichtlich der Notwendigkeit eines solchen Tageseingehen würden
@Ekki Schneider: Wie stets mit ihrer Ausgeglichenheit, wenn so ein Messerkünstler ihnen selbiges an die Kehle hält, ihre Frau entführt und ihre Tochter auf ner Party massakriert, nur weil der glaubt, dass im Himmel Freibier gibt? Wedeln sie dann betroffen mit der Regenbogenfahne und melden sich zum gewaltfreien Stricken beim Bund grüner Mädels an?
Schwiegervater (Ingenieur) war dienstlich vor einigen Jahren im arabischen Raum für ein internationales Unternehmen tätig. Seine Arbeitseinstellung hatte sich in den Monaten vor Ort radikal geändert. Teamarbeit funktionierte dort nur, wenn er deutlich den harten Chef rauskehrte, Zusammenarbeit auf Augenhöhe war mit einheimischen (!) Mitarbeitern leider nicht möglich. Diese Erkenntnis hat ihm mental und moralisch einige Zeit schwer zu schaffen gemacht, sie dann als notwendigen, da einzigen Weg, akzeptiert.
Sayin Ahmet Bey, danke, daß Sie die Schlüsselwörter Raumgewinnung und Selbsterhaltung benennen. In meiner mehrjährigen Tätigkeit in der Türkei der 70er Jahre (wo man so gut wie keine Kopftücher etc. gesehen hat und wo ich bei einer türkischen Familie in Antalya wohnte) habe ich lange gebraucht, um zu begreifen, wie wichtig die Raumgewinnung und -behauptung selbst in so einer modernen Stadt immer noch ist. Es ist der uralte Selbsterhaltungstrieb von Gesellschaften, die keine Waren produzieren und mit Herden und Familien umherziehen. Sie erobern und verteidigen Wasserstellen, Flußübergänge, Bergpässe usw., wo man mit Wegezoll, Beute, Lösegeld und Menschenhandel sein Dasein fristen kann. In Neukölln z.B. gibt es massenhaft Schutzgelderpressung und Menschenhandel in Form der Zuhälter, das funktioniert aber nur, wenn man den Raum (die Straße, das Stadtviertel, den Bahnhofsvorplatz etc.) „beherrscht“. Das fängt schon in den Klassenzimmern an, wo bei jedem neu Auftauchenden ein Kampf um die Rangordnung losgeht (jeder Lehrer kann ein Lied davon singen). Die Germanen und die meisten Völker des heutigen Europas dagegen sind schon seit über 1500 Jahren seßhafte Ackerbauer und Viehzüchter (seit den mittelaterlichen Städten auch Handwerker und Warenproduzenten) und haben diesen Instinkt einfach nicht mehr. Wir sind zu borniert und geschichtsvergessen, um den Unterschied zu begreifen.