Von Hans-Herrmann Tiedje.
Über Martin Schulz ist alles geschrieben worden, nur noch nicht von jedem. Schulz (SPD) aus Würselen will Kanzler werden, Schulz hat kein Abitur, weil er sich mehr fürs Fußballspielen interessierte als fürs Lernen, Schulz hat wenig Haare und viel Mut. Mit dem Thema Gerechtigkeit will er punkten.
Dazu folgende Richtigstellung:
Vor Schulz liegt ein langer Weg. Schon Wilhelm Busch wusste: „Wer der Gerechtigkeit folgen will durch dick und dünn, muss lange Stiefel haben.“ Schulz und die Gerechtigkeit – das erinnert an die genialen Detektive Schulz & Schultz bei Tim & Struppi: „Die Waage unterscheidet nicht zwischen Gold und Blei.“
Will sagen: Die SPD existiert, seit es sie gibt, vom Streit um Gerechtigkeit. Anders: Wenn irgendwer, zum Beispiel das Bundesverfassungsgericht, mal letztendlich klären könnte, was gerecht ist, könnte die SPD auch die Selbstauflösung beantragen. Gerechtigkeit ist eine schöne Hoffnung – mehr nicht. Hätte Schulz „Anstand, Fairness, Chancen“ propagiert, dann wäre das wenigstens neu gewesen. So gilt, was Walther Rathenau, der legendäre Außenminister und AEG-Chef, bitter erkannte: „Gerechtigkeit entspringt dem Neid, denn ihr oberster Grundsatz ist: Allen das Gleiche.“
Gewiss hat Schulz den guten Ghandi nicht gelesen, der wusste: „Life itself is unfair.“ Der Publizist Willy Meurer hat es so formuliert: „Der Gerechte hat einen gesunden Schlaf, der Gelinkte hat meist Albträume.“
Zum Schluss Oscar Wilde: „Es gibt zwei Klassen von Menschen: Die Gerechten und die Ungerechten. Die Einteilung wird von den Gerechten vorgenommen.“
Touché. Noch Fragen, Schulz?
Zuerst erschienen im Euro am Sonntag
Beitragsbild: Oxfordian Kissuth CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
Gerechtigkeit ist eine menschliche Erfindung, die das Zusammenleben in sozialen Gruppen erleichtern soll. Die Natur kennt keine Gerechtigkeit. Die Katze frisst die Maus. Was ist daran "gerecht"? Es ist halt Natur. Und wenn sie einer anderen - kranken - Katze eine Maus vorbeibringt, ist es Goodwill. Man sieht sich eben immer zweimal im Leben, auch bei Katzen. Ein natürlicher Anspruch auf "ausgleichende Gerechtigkeit" besteht hier wie dort nicht.
Zum Schluss Oscar Wilde: „Es gibt zwei Klassen von Menschen: Die Gerechten und die Ungerechten. Die Einteilung wird von den Gerechten vorgenommen.“ Ein wunderbarer Satz.
Danke, Herr Tiedje, für dieses feine, treffende Verbalflorett ! Platon hatte Recht: Die schlimmste Art der Ungerechtigkeit ist die vorgespielte Gerechtigkeit.
Falsch: "Es gibt zwei Klassen von Menschen: Die Gerechten und die Ungerechten" Die Einteilung wird von den SELBSTGERECHTEN vorgenommen.
Gerechtigkeit ist die Kunst des Gebens und des Nehmens. Leider schlägt sie leicht in Selbstgerechtigkeit um, besonders bei Karrieristen.
Gerechtigkeit ist in erster Linie Chancengerechtigkeit, nicht Verteilungsgerechtigkeit.