Gastautor / 15.10.2018 / 06:25 / Foto: Pixabay / 102 / Seite ausdrucken

Schul-Klassenkampf: Darf ich als Schüler mal was sagen?

Von Christoph Schrön.

Es herrscht Aufregung in der Schulwelt: Die AfD Hamburg und nun auch die AfD-Landtagsfraktion von Baden-Württemberg haben Meldeportale im Internet eingerichtet, mit denen man politisch unausgewogene Lehrer und deren Unterricht melden kann. 

Die Kritik: Es handele sich hierbei um Denunziation. Das Schulklima werde vergiftet, es erinnere an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte und die DDR. Nun schilderte ich hier auf Achgut.com bereits 2016, wie Lehrer ihre Position zur Indoktrination von Schülern missbrauchen. Mittlerweile 17 Jahre alt, mache ich in einem halben Jahr mein Abitur und würde im Folgenden gerne einmal schildern, wie ich als Schüler die aktuelle Lage in den deutschen Schulen und die Aktion der AfD-Fraktionen bewerte. 

Dass Lehrer im Klassenzimmer politischen Einfluss auf ihre Schüler haben und auch nehmen, ist bekannt. Ebenso weiß man in Zeiten von „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“, wohin die politische Reise im deutschen Bildungssystem geht. Wenn Schulen anfangen, sich klar als politisch links zu positionieren, darf man sich den Gemeinschaftskunde-Unterricht an diesen Schulen ähnlich einseitig vorstellen. 

Der Beutelsbacher Konsens schreibt hierzu ganz klar vor: „Es ist nicht erlaubt, den Schüler – mit welchen Mitteln auch immer – im Sinne erwünschter Meinungen zu überrumpeln […]. Indoktrination […] ist unvereinbar mit der Rolle des Lehrers in einer demokratischen Gesellschaft und der – rundum akzeptierten – Zielvorstellung von der Mündigkeit des Schülers.“  

Lehrer dürfen sich demnach also nicht manipulativ und indoktrinierend verhalten. Das Gegenteil jedoch ist in den deutschen Schulen Alltag, ich spreche aus Erfahrung. 

Jetzt herrscht Empörung, weil es zwei Fraktionen der AfD Schülern ermöglichen wollen, ihre Lehrer anonym zu melden, um eine Überprüfung der Lehrkraft durch die Schulbehörde zu initiieren. Kritisiert wird das als Denunziation. Aha, das ist interessant. 

Kampf um die Vorherrschaft im Bildungssystem

Polizisten sollen anonymisierte Kennungen tragen, sodass im Falle von Polizeigewalt der betroffene Polizist direkt gemeldet werden kann. Ein Richter, der nicht neutral urteilt, muss prompt und zurecht eine Dienstaufsichtsbeschwerde erhalten. Niemand würde auf die Idee kommen, das als Denunziation zu bezeichnen. Ein Lehrer allerdings darf nicht anonym gemeldet werden, wenn er gegen seine Pflicht zur faktischen Neutralität verstößt und Schülern seine Meinung diktiert? Wer seinen Lehrer eines unrechtmäßigen Verhaltens bezichtigt, ist ein Denunziant, ein Verräter?

Natürlich kann man sich auch ohne eine AfD-Website an die Schulbehörde richten. Bei der derzeitigen Durchsetzung des deutschen Verwaltungsapparates mit Alt-68ern dürfte allerdings klar sein, wie erfolgsversprechend das ist. Dass der Name der Eltern und/oder deren Kinder zu den Lehrkräften vordringt, ist anzunehmen. Die AfD weiß das und hat ein Interesse daran, ein Bild über die Ausmaße der deutschen Schulpropaganda gegen eine demokratisch legitimierte Partei zu erlangen. Vor dem Hintergrund, vielleicht bald selbst in die Position zu gelangen, mit Ministern Bildungspolitik gestalten zu können, ist es für die AfD nicht unwesentlich, wie es um die politische Ausgewogenheit und Neutralität in deutschen Klassenzimmern steht. Ein Schelm, wer hier denkt, der linke Lehrapparat käme ins Schwitzen um die eigene Vorherrschaft im Bildungssystem und würde deshalb so laut „Denunzianten!“ rufen. 

In der aktuellen Debatte spricht man immer über den Schüler hinweg, deshalb möchte ich nun auf seine Stellung in dieser Situation zu sprechen kommen. Zunächst aber noch ein Wort über die Schule allgemein:

Eine Schule ist eine Bildungseinrichtung. Im Unterricht sollen die Schüler neben einer Wissensvermittlung zu kritischen und mündigen Bürgern erzogen werden. Die Demokratie ist hierbei ein allgemeiner Konsens, der als Grundlage für den Politikunterricht verstanden wird. Dem zuwider läuft allerdings der Versuch vieler Lehrkräfte, den Schülern die „richtige“ Meinung aufzudrücken. Es gibt in der Schule vielen Themen, bei denen manche Argumente nicht genannt werden dürfen. Es gibt in Schulen demokratisch legitimierte Meinungen, die von Schülern oft nicht ausgesprochen werden dürfen. Wer es doch tut, wird meist gebrandmarkt und hat mit vielerlei Nachteilen zu rechnen. Das ist zutiefst undemokratisch und widerspricht dem Gedanken des Meinungspluralismus und der Idee der Schule als Ort, an dem mündige und selbstständige Bürger geschaffen werden sollen. Die politische Indoktrination durch die Lehrkräfte kommt mehrheitlich von links.

Es gibt viele konservative und regierungskritische Jugendliche

Nun zur Situation der Schüler: Es gibt viele konservative und regierungskritische Jugendliche im deutschen Schulsystem. Viele davon fühlen sich politisch isoliert und hören jeden Tag, dass die Haltung, die sie insgeheim für richtig halten, rechtsradikal und falsch sei. Manche wagen es, sich zu artikulieren. Ein Fehler, wie diese Schüler bald darauf bemerken werden. Ich persönlich wurde aufgrund meines oben genannten Achse-Beitrags gut ein Jahr später zur Schulleitung zitiert. Ich würde die Schule öffentlich schlecht reden, der Schulgemeinschaft schaden. Daher, so die Schulleiterin, hätte ich auch damit zu rechnen, beispielsweise keine Schulpreise mehr zu bekommen. Auch wenn ich die Schule wechseln würde, was für sie eine ernstzunehmende Alternative war, würde man an der neuen Schule ja auch sehr schnell von derartigen Artikulationen wie dem Achse-Beitrag wissen. Ich habe mich also mit Derartigem stark zurückzuhalten. Seither bin ich bei der Lehrerschaft hinlänglich als der, freundlich gesagt, „extrem konservative“ Schüler bekannt, wie mir eine Lehrerin letztens selbst zu verstehen gab. 

Natürlich ist es nicht sehr ehrenhaft, seinen Lehrer zu melden, ohne mit ihm das Gespräch zu suchen. Das ist auch der Grund, wieso ich mich selbst dagegen entschieden habe, diese Plattform zu nutzen. Wer aber etwas gegen seine Lehrer unternehmen möchte, ist auf eine anonyme Meldeplattform – von wem auch immer – nahezu angewiesen. Denn mit Verlaub, wer mit seinem Lehrer selbst das Gespräch über dessen Unausgewogenheit im Unterricht sucht, ist naiv und wird es meistens bereuen. Ein Schüler, der beispielsweise wie ich ein sehr gutes Abitur für die Zulassung zum Wunschstudium Medizin benötigt, würde gut daran tun, sich in der Schule weder politisch positioniert zu äußern, noch seine Mitschüler von der eigenen Haltung wissen zu lassen. Der konservative Schüler in Deutschland wird mundtot gemacht.

Es gibt für viele Schüler keine Möglichkeit, sich dem pädagogischen Meinungsdiktat zu entziehen. Was man tun kann, ohne seine guten Noten zu verlieren, ist, seinen Lehrer anonym der Indoktrination zu bezichtigen. Dass die AfD bei dieser undemokratischen Schieflage an deutschen Schulen versucht zu handeln, ist nur konsequent. Übrigens wären es die linken Lehrer selbst, die einen Kollegen, der im Unterricht über die Grünen schimpft und die AfD als einzige Alternative zum Altparteienkartell präsentiert, sofort melden würden. Und das wäre auch richtig so!

Gesellschaftliche Spaltung des Pausenhofs 

Das Schulklima wird daher nicht vom anonym meldenden Schüler vergiftet. Vielmehr wird es von Lehrern vergiftet, die ihre „politisch unkorrekten“ Schüler im Unterricht attackieren. Die deren Abituraufsätze im Fach Deutsch wegen „AfD-Rhetorik“ schlechter bewerten und dann ihrem nächsten Deutschkurs erklären, dass dies ein Korrekturmaßstab zu sein hat. Eine gesellschaftliche Spaltung des Pausenhofs entsteht durch Schülergottesdienste mit politischer Botschaft und Jugendliche, die im Unterricht nur darauf warten, eine Provokation gegenüber den andersdenkenden Mitschülern zu äußern. 

Der DDR-Vergleich und die Nazi-Keule von Seiten der Lehrerschaft hinken hier. Wenn jemand einen DDR-Vergleich anbringen kann, dann die Schüler: Es gibt schon fast ein „Bildungsregime“ und es gibt auch „Regimekritiker“. Sie werden denunziert, ihnen wird „AfD ist scheiße!“ als beleidigend gemeinter Versuch einer Parole von Zehntklässlern (die diese Meinung nur dank ihres Politik-Unterrichts vertreten) hinterher gerufen, und ihnen wird der Schulwechsel nahegelegt, gleichwohl sie sich auch auf einer anderen Schule mit den gleichen Problemen konfrontiert sehen würden.

Die deutschen Lehrer, zumindest die indoktrinierenden, brauchen sich demnach nicht als Opfer von Denunziation darzustellen. Sie begehen ideologischen Totschlag an der kritischen Haltung junger Menschen. Das Melden von Lehrern im Internet ist keine Denunziation. Es ist der Hilferuf einer unterdrückten Jugend, die ihre schulische Karriere bedroht sieht. Es ist der Versuch einer mundtot gemachten Gruppe, sich ein Stückchen Gerechtigkeit, ein Stückchen Freiheit zurückzuholen. 

Der Autor ist Schüler an einem württembergischen Gymnasium.

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Leserpost

netiquette:

Armin Reichert / 15.10.2018

An der Schule unseres Sohnes wurde im letzten Jahr eine “Wahlsimulation” zur Bundestagswahl durchgeführt. Im Vorfeld wurde diese Aktion im Unterricht vorbereitet und Schüler der höheren Klassen wurden zu “Wahlhelfern” geschult. Nun scheinen das einige wohl missverstanden zu haben, denn unser Sohn wurde in der Wahlkabine von so einer “Wahlhelferin” angesprochen, er “werde ja hoffentlich nicht die AfD wählen”. Nachdem ich davon erfuhr, bat ich die Schulleitung um Stellungnahme. Zuerst versprach man Aufklärung, dann leugnete man glatt, dass der Vorfall so stattgefunden habe, unser Sohn habe das wohl “missverstanden”. Als ich nicht nachgab, forderte man mich dazu auf, den Namen der “Wahlhelferin” mitzuteilen, was ich zunächst nicht getan hatte. Man werde mit ihr reden und mich dann informieren. Es gab ein Gespräch mit der “Wahlhelferin” und als ich nachfragte, was denn nun Sache sei, teilte die Schulleitung mir mit, man dürfe mir keinerlei Auskunft über den Inhalt des Gesprächs geben und die Sache sei erledigt! Ich forderte die Schule daraufhin nochmals auf, mir Auskunft zu erteilen, ohne Erfolg. Ich wandte mich daraufhin an das Kultusministerium, schilderte den Vorfall und bat um Aufklärung. Das Ministerium kontaktierte die Schule und auf Nachfrage teilte man mir mit, die Schule habe angegeben, es sei überhaupt nichts vorgefallen. Für das Ministerium sei die Angelegenheit damit erledigt, ich solle mich direkt an die Schule wenden. Ich nenne so etwas: Vertuschen und Mauern. Deutschland 2018. Merkelland.

Jürgen Keil / 15.10.2018

Auch ich bin gegen jede Form politischer Einflussnahme auf Schüler. Schüler müssen zu selbstständigen, kritischen Denken erzogen werden. Aber ich halte Denunziation für ein unlauteres Mittel. Man stellt sich auf eine Stufe mit den Denunzianten der Antifa. Ich halte es für richtig, anwaltlich gegen offensichtliche Indoktrination und Benachteiligungen vorzugehen. Ich bin mir bewusst, dass das ein langwieriger Kampf ist, zu dem man Mut braucht. Das war aber in der DDR nicht anders.

Gertraude Wenz / 15.10.2018

Toller Beitrag! Es ist erstaunlich, über welche Reife, Klarheit des Denkens und welchen Gerechtigkeitssinn und MUT Sie, lieber Christoph Schrön, in Ihrem zarten Alter schon verfügen! Wie die anderen Kommentatoren auch bin ich sehr beeindruckt. Ich denke, Ihnen steht eine großartige Zukunft ins Haus. Ein Mensch mit Ihrer Geradlinigkeit sollte irgendwann in die Politik gehen. Solche Menschen braucht das Land! Ihre Schule sollte stolz auf Sie sein!

Horst Lange / 15.10.2018

Moin, mir ging es mitunter selbst mit einer liberalen, den Kapitalismus gutheißenden Meinung so. Im Gegensatz dazu liefen Schüler mit linksextremen Symbolen und Bildern kommunistischer Größen frei unter den Augen der Lehrerschaft herum. Im Unterricht ähnliche Erfahrungen.

Sabine Heinrich / 15.10.2018

Lieber Christoph, ich bewundere Ihren Mut! Phantastisch auch Ihre Formulierungskunst! Davon kann sich so manch ein Lehrer eine Scheibe abschneiden! Als pensionierte Lehrerin weiß ich, wovon ich rede. Nun bin ich gespannt, welche Folgen Ihr Beitrag für Sie hat. Übrigens - als Schülerin in einem schleswig-holsteinischen Gymnasium in den 60er Jahren wurden wir von sehr selbstbewusst auftretenden charismatischen linken Lehrern derart indoktriniert, dass es - salopp formuliert - auf keine Kuhhaut ging! Wir wurden sogar mehr oder weniger genötigt, an einer Demonstration gegen die Notstandsgesetze teilzunehmen - selbstverständlich während der Unterrichtszeit. Nicht mitzumachen - das haben wir wenigen, die das nicht in Ordnung fanden, uns nicht getraut, weil wir nicht als Außenseiter dastehen wollten. Daraus habe ich für mich als Lehrerin gelernt. Ich bin mir sicher, dass ich nie versucht habe, Schüler zu indoktrinieren. Wenn ich von ihnen nach meiner Meinung gefragt wurde, habe ich sie ehrlich gesagt, es gab durchaus hitzige Diskussionen, die aber - das war mir wichtig - fair abliefen. Auch Neonazis - und da gab es in den 80er und 90er Jahren an meiner Hauptschule wirklich ganz üble Typen -  wurden nicht schlechter beurteilt als andere. Rückblickend - mein Gymnasium im Kreis Steinburg betreffend - glaube ich, dass die meisten Lehrer nicht links waren, wohl aber die Schüler, die einem Lehrer das Leben zur Hölle machen konnten. Die eher Konservativen haben sich nur zurückgehalten. Was im Lehrerzimmer abgelaufen ist, weiß ich natürlich nicht. Lieber Christoph, Sie sind ein Lichtblick in dieser Zeit! Einerseits möchte ich einem Kommentator zustimmen, der Ihnen empfohlen hat, die Beine in die Hand zu nehmen und Deutschland so schnell wie möglich zu verlassen. Andererseits: Wir brauchen mutige, kluge Menschen wie Sie! Überlassen wir Deutschland nicht der rot-grünen Einheitspartei! In der Hoffnung, bald wieder etwas von Ihnen lesen zu können, grüße ich Sie herzlich! S. Heinrich

Alexander Hemzal / 15.10.2018

Dass ein Meldeportal zur Abwehr politischer Indoktrinationen Thema ist, unterstreicht das ideologische Drama an deutschen Schulen. Stellt aber auch einen Lichtblick dar. Die offizielle Empörung hierüber ist taktisch und wohlfeil. Offenbar fühlen sich verantwortliche Lehrkräfte und Schulleitungen bedrängt. Das waren sie bisher nicht gewohnt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie notwendig eine solche Meldemöglichkeit ist. Während meiner Schulzeit in den 1980er an einer Gymnasialen Oberstufe in Frankfurt galt unter nicht linken Schülern das Motto, sich auf keinen Fall zu erkennen geben. Schülern, denen dieses misslang oder die sich nicht wehren konnten, hatten mit dramatischen Konsequenzen zu rechnen. Diese wurden durch Lehrkräfte vor der versammelten Klasse bloß gestellt und auf das Schlimmste diffamiert. In einem Fall hat eine Mitschülerin die Oberstufe anschließend verlassen. Und die Lehrer zeigten sich zufrieden. Vor Wahlen kam es unverhohlen zu direkten politischen Einflussnahmen. Meine drei Jahre Frankfurter Oberstufe waren i.G. eine einzige Ideologisierung. Ein Vorfall, der in meiner Abwesenheit stattfand, war offenbar so abstoßend, dass ein Klassenkamerad mit dem Gedanken spielte, den betreffenden Lehrer bei der Polizeibehörde anzuzeigen. Ich möchte hier nicht auf die unappetitlichen Hintergründe eingehen. Vor nicht langer Zeit habe ich mich privat mit meinem Mitglied des damaligen Lehrkörpers getroffen. Er berichtete mir, dass er sich über die Zustände bewusst gewesen sei und diese natürlich insgeheim verurteilt hätte. Der überwiegend links ideologische Teil des Lehrkörpers sei jedoch einfach zu dominant gewesen. Ein Meldeportal hätte wahrscheinlich sogar ihm geholfen. Denn von den Schulbehörden ist sicherlich keine Hilfe zu erwarten.

M. Haumann / 15.10.2018

Oh ja, das hatten wir schon in den 80ern im Gymnasium, als die 68er einströmten. Unsere Lehrerin für Geschichte und Deutsch war Mitte 20, hart und völlig gnadenlos. Unser derzeitiger Aussenminister hat mich vom Typ immer an sie erinnert. Wenige von uns haben widersprochen, waren wir wirklich in dem Alter konservativ oder wollten uns nur nicht zum richtigen Denken zwingen lassen? Es folgten öffentliche Verbalhinrichtungen und schlechte Noten, was allerdings den Widerstand nur anstachelte. Einmal liess sie basisdemokratisch abstimmen über das nächste Werk im Deutschunterricht, es standen diverse linke Autoren zur Auswahl und die Schüler haben sich zu ihrem Zorn für ein Stück von Schiller entschieden. Das war natürlich die erste und letzte Abstimmung bei ihr. Aber keine Bange, Herr Schrön - das mit dem Medizinstudium hat bei dreien von uns aus der Aufrührer-Gruppe trotzdem geklappt. Ich wünsche Ihnen für Ihre Zukunft alle Gute und viel Erfolg und lassen Sie sich bitte weiterhin nicht verbiegen. Sie werden als Arzt auch als Persönlichkeit ein wichtiges Gegenüber für viele Menschen. Welcher Patient will in der Not da einem bangen Duckmäuser gegenübersitzen?

Paul Steinhäusee / 15.10.2018

Was Sie sehr eindrücklich und couragiert beschreiben, ist nichts anderes als der seit Jahrzehnten anhaltende linke Marsch durch die Institutionen in Aktion. In meinem ältesten Jugendfreund, Studienrat für Deutsch, Geschichte und Sozialkunde, hochintelligent und immens belesen, erkenne ich seit 2015 mit wachsender Beklemmung den rotstiftbewaffneten Tugendwächter, der mit salbungsvoll überlegener Oberlehrerhaftigkeit süffisant aber unduldsam das korrekte Denken in all seiner Clichéhaftigkeit durchdekliniert - vom “Ängsteschüren” über den Kulturrelativismus und die Kriminalgeschichte des Christentums bis zum unvermeidlichen Nazivorwurf. Solange diese linke Hegemonie in Schule, Universität und Medien nicht gebrochen wird, habe ich wenig Hoffnung, dass der Selbstmord Europas noch aufzuhalten ist.

Cornelia Gilsbach / 15.10.2018

Ich habe es von einer etwas anderen Seite in den 70er Jahren erlebt. Ich wurde für 2 (Rest)-Jahre auf einer Klosterschule im Rheinland unterrichtet. Mit Nonnen. Massive politische Indoktrination. Wer nicht spurte, verschwand von der Schule. Besonders in Erinnerung ist mir ein Vorfall in den ersten Monaten dort, als wir 2 Klassenarbeiten an einem Tag schreiben sollten, was laut Schulgesetz verboten war. Sr. E. wörtlich: “Och, so´n kleines Arbeitchen”, woraufhin eine Mitschülerin aufstand und sich dagegen aussprach und die Arbeit verweigerte. Sie wurde des Klassenzimmers verwiesen. Wir sahen sie nie wieder. Damit saß allerdings die Lektion bei allen anderen. “Bestrafe einen, erziehe hundert.” Es war aber wesentlich schlimmer. Im der ersten Deutsch-Klassenarbeit interpretierte ich fröhlich drauflos (Maria Stuart)... und kriegte zum ersten Mal die Arbeit mit einer fetten 5 zurück. Ich hätte mich an die im Unterricht besprochene Interpretation zu halten. Wie die bei - wiederum derselben Sr. E. - aussah, brauche ich wohl nicht zu schreiben. Künftig schrieb ich also, was erwünscht war und dachte mir meinen Teil. Wie sehr uns das selbständige Denken jedoch aberzogen wurde, und das bereits im Alter von 17-18 Jahren, wo man eigentlich meinen sollte, daß eine derartige Beeinflussung schwieriger ist, das wurde mir erst nach dem Ende dieser erstickenden Schulzeit klar. Es hat mir eine klarere Sicht auf Manipulaton verschafft. Viele der Klassenkameraden mögen Mitläufer sein, die auch nur nachblubbern, was ihnen vorgekaut wird. Einige sind offenbar echte Denunzianten, Blockwarte. Linke Denke ist niemals demokratisch. Genau diese Leute werden später klagen: “Aber wir haben es doch nicht gewußt. Aber wir konnten doch nichts machen.” BULLSH**. JEDER kann was machen. Ich lasse mir seit damals in der Klosterschule nie mehr den Mund verbieten. Politisch unkorrekt und stolz darauf!

Elmar Schürscheid / 15.10.2018

Indoktrination in Schulen? Einfach mal ein paar Wochen dem Unterricht an pädagogischen Fachschulen beiwohnen. Die jüngeren Schüler*innen sitzen da und kriegen vor Angst die Zähne nicht auseinander. Die älteren, so fern sie eine andere, nicht gewünschte Meinung äußern werden sofort nieder geredet. Passiert jeden Tag.

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