
Luther ist deutsches Tafelsilber, und so wird er letztlich poliert werden bis 2017, damit man ihn vorzeigen kann. Schäden an Juden werden als Kollateralschäden betrachtet. Und da ein Konsens besteht, heute so viel wie möglich auf Juden und dem Staat Israel abzuladen, oft zugunsten eindeutiger Antisemiten (Hamas, Iran) und man dabei in “guter” Gesellschaft ist, die man rhetorisch reflexhaft schützt, wird das kaum weiter auffallen. Daher stellt sich doch eher die Frage, ob Deutschland und darüber hinaus Teile von Europa von Natur aus unheilbar antisemitisch sind und ob Luther nur ein Opfer davon war, also fehlgeleitet von eingeborenem Antisemitismus. Stefan Zweig war bekanntlich der Ansicht, dass Erasmus der bessere Religionsgründer gewesen wäre, aber vielleicht werden die jeweils Besseren keine Religionsgründer. Mancher Sufi könnte ein Lied davon singen. Also bis 2017: Der Antisemitismus marschiert mit ruhig festem Schritt. Wer sich nicht ärgern will, sollte über Erasmus lesen. Oder Spinoza. Die Niederlande waren immer im echten Sinne liberaler (und auch sephardischer). Bauerntrottel machten nach Südafrika, woraus man auch den Schluss ziehen könnte, dass Deutschland nicht lange genug Kolonien hatte. Die beste Müllhalde hatten die Briten.
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