Es musste ja kommen, dass irgendjemand mir meine 68er Vergangenheit um die Ohren haut, und Richard Wagner ist der Erste, der diese total originelle Idee hatte. Gratuliere.
Ansonsten erinnert mich sein Beitrag inhaltlich und formal stark an Martin Walsers Paulskirchenrede: Man will uns wehtun, nicht wahr. Allein schon dieses volksgemeinschaftliche “Wir”, das den Beitrag durchzieht und offensichtlich mich und andere Nestbeschmutzer ausschließt, ist fatal.
Hinzu kommt dieser weinerliche Pseudopatrriotismus: “Schon eine Torte in Schwarzrotgold würde den Konditor zum Nazi des Monats machen”. Ja, wo leben Sie denn? Und wo waren Sie während der Fußball-WM? Ich war unter den Fans, die fröhlich Schwarzrotgold schwenkten, und schwenkte mit. Dieses “Wir dürfen nicht einmal Patrioten sein” ist normalerweise die Totschlagkeule der Hohmann, Möllemannund Co. und richtet sich normalerweise gegen den Zentralrat der Juden. Vielleicht sollte man froh sein, dass es diesmal andere Leute trifft. In diesem Falle Liberale und “Jakobiner” wie Posener.
Ansonsten ist der Beitrag offensichtlich mit der Repetiertaste geschrieben und hat mit dem Thema der Tagung des ZfA und mit den hier erschienenen Beiträgen nichts zu tun. Wagner ist sogar stolz darauf, wie einst Walser, dass er “die Selbstbezichtigungen satt hat” und schon deshalb keine Lust hat, sich mit dem Thema Fremdenfeindlichkeit in Deutschland und Europa genauer zu befassen. Muss er doch gar nicht. Niemand zwingt ihn, meine Beiträge zu lesen oder die entsprechenden Websites aufzusuchen, auf denen die tägliche Gewalt gegen Andersaussehende dokumentiert wird. Er kann wegsehen, wie Walser bei den Holocaust-Dokumentationen im Fernsehen, die ihm und “uns” so weh tun.
Nein, Kollege Wagner: Ich sage nicht Nazi, wenn ich Arschloch meine. Ich sage Arschloch.