Erik Lommatzsch, Gastautor / 12.04.2020 / 10:00 / 4 / Seite ausdrucken

Schöner stirbt sich’s in der Demokratie

Bescheidenheit und das politisch Korrekte gehören nicht zu den Kernkompetenzen der Echse. Wie Eingeweihte wissen, ist sie steinalt. Entsprechend viel hat sie erlebt und der Menschheit mitzuteilen. Nur Ignoranten halten sie nach wie vor für eine geniale Kreation des Puppenspielers Michael Hatzius.

Vom Urknall weiß die Echse zu berichten, sie hat direkt davorgesessen, viehisch laut. (hier, ab 1:09). Ihr Frauenbild entspricht nicht ganz den Anforderungen der Gegenwart (beispielsweise hier). Zu lernen ist von ihr, dass man auch innerhalb Deutschlands Menschen und Dialekte zu unterscheiden hat (hier). Der sich für die Talkshow-Mitbringsel der Echse interessierende Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert musste sich einst sagen lassen: Hände weg! Das kann doch wohl nicht wahr sein. Macht mit Königen rum und fummelt mir im Stoffbeutel! (hier, ab 3:58). Die Echse kann sogar erklären, warum es von Al-Quaida zu Alnatura nur ein kleiner Schritt ist (hier, ab 36:10).

Nun hat sich die Echse zu „Corona“ zu Wort gemeldet (hier). Auch wenn man ansonsten mit ihr partout nicht warmwerden mag – zumindest diesen Part sollte man sich ruhig zweimal ansehen, vor allem aber anhören. Sie meint da unter anderem:

Also, was ist los bei Euch Menschen? Die Regierungen, die Presse, alle rufen die Apokalypse aus, alle rufen Krieg aus, die Katastrophe, und ich frage mich: He, will man das? Will man denn, wenn man im Flugzeug sitzt und es zu Turbulenzen kommt, dass der Pilot die ganze Zeit ins Mikro brüllt: „Wir stürzen alle aaaab!“ Ja, vielleicht wären doch mal ein paar beruhigendere Worte professioneller. Und vielleicht kann ich Euch beruhigen, denn eins ist klar: Wir sind nicht im Krieg. Im Krieg sein heißt nicht, vor Netflix sitzen und ab und zu uff’n Balkon gehen und den Nachbarn anbrüllen, dass er reingehen soll.

Oder:

Leute, es geht doch bei allen Maßnahmen in der Krise immer um Verhältnismäßigkeit, ja? Wenn ich mit einem Fuß in Scheiße trete, ist es dann verhältnismäßig, das ganze Bein abzuscheiden, ja, und wer näht es dann wann wieder an? Mir als Echse kann‘s doch gleich sein, ob Ihr am Virus oder an Vereinsamung oder am Suizid wegen der Wirtschaftskrise sterbt, ja, aber ich sag Euch eins: Schöner stirbt sich‘s in der Demokratie. Und gerade tauschen alle ihr hart erkämpftes Grundgesetz gegen die letzte Rolle Klopapier. Und da gibt’s nur noch eine Wahrheit, he, bei Krankheiten ne professionelle Zweitmeinung einholen war durchaus mal üblich. Und die Ärzte gibt es. Die wandern zur Zeit nur alle auf den Scheiterhaufen. Und aus historischer Erfahrung darf ich sagen: Auch eine Hexenverbrennung ist eine Ansammlung von Menschen und daher verboten. Also: Haltet Euch an Regeln, seid solidarisch, aber bleibt kritisch. Informiert Euch. Und wenn die Ampel definitiv kaputt ist, dann wird die auch nicht grün. Dann muss man manchmal auch bei Rot über die Straße gehen, sonst kommt man nicht vorwärts.

Chapeau! Würde man die Flapsigkeiten (à la Wir sind nicht in Italien. Und wer keine italienischen Verhältnisse will, der sollte vor allem aufhören, Nudeln zu kaufen.) sowie ein paar Rückblenden (Ich weeß noch bei uns Dinos damals…) streichen und den Tonfall zähmen – die Ansprache wäre in der derzeitigen Situation eines Staatsmannes würdig. Eines würdigen Staatsmannes.

Foto: Pixabay

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Leserpost

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Kalle Brandt / 12.04.2020

Danke Michael Hatzius . You made my das . Jetzt sitzt der Frosch .

Sabine Schönfelder / 12.04.2020

Bin ein Riesenfan von Michael Hatzius. Er ist die allerfeinste menschliche Komposition aus Humor, scharfem Verstand und Zivilcourage, dazu ein Meister seines Fachs. Als unabhängiger Denker kommentiert er qua Puppen die Realität, veranschaulicht menschliches Verhalten, und läßt uns in seinem Puppen- Spiegel über unsere eigenen Unzulänglichkeiten kichern. Hatzius ist aber auch unbequem, eigen und vielschichtig. Seine kompromißlose, direkte Art ist nicht wirklich mainstreamkompatibel, sorgt aber für Suchtpotenzial innerhalb seiner Anhängerschaft. Danke Herr Lommatzsch, für diese wahrlich angenehme Osterüberraschung!

Ilse Polifka / 12.04.2020

Recht hat er !!! Schön dass sich mal jemand traut. Hut ab, denn die Gefahr nach solchen Worten in der Psychiatrie zu landen ist groß. Ich habe mich immer wieder gefragt, wie es zu einem dritten Reich kommen konnte. Langsam bekomme ich eine Ahnung davon.

Andreas Müller / 12.04.2020

Das hätte ich Steinmeier gar nicht zugetraut.

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