Der Londoner Fußballclub Arsenal hat den deutschen Spieler Mesut Özil für enttäuschende 50 Millionen Euro eingekauft. Damit steht fest, dass der bisherige Real-Madrid-Spieler deutlich günstiger zu haben war als neulich die Washington Post. Und für die Zeitungen und Zeitschriften, die die Funke-Gruppe dem Springer-Konzern abgekauft hat, hätten die Essener zehn Özils kriegen können. Wie hält ein junger Fußballer eine solche bedrückende Marktlage aus?
Özil scheint mit dem Preisschild, das ihm nun anhaftet, zunächst einmal ganz zufrieden zu sein. Vielleicht liegt es daran, dass die Londoner seinen Kumpel Lukas Podolski noch günstiger, nämlich zum Schnäppchenpreis von lächerlichen 13 Millionen gekauft haben. Wenn also einer Grund zur Depression hat, dann Poldi. Er ist nicht mal halb so viel wert wie Özil. 13 Millionen. Die paar Scheine würde Oprah Winfrey in Zürich wahrscheinlich für eine Handtasche hinlegen, wenn man sie ließe. Ja, schlimmer noch: Für das bisschen Geld kann man heute schon einen Bänker ohne jegliches Fußballtalent kriegen.
Andererseits hat auch Özil einigen Grund, Minderwertigkeitskomplexe zu entwickeln. Schließlich musste er mit ansehen, wie sein alter spanischer Klub den Briten Gareth Bale für hundert Millionen gekauft hat. Was für ein Wechselbad der Gefühle. Erst die Freude, mehr als doppelt so viel wert zu sein wie der eine Kollege aus Köln, dann der Schock, selber für einen Discountpreis verramscht worden zu sein, nur damit sich sein Verein ein hochwertigeres Einzelstück leisten kann. Im Prinzip also weggeworfen wie eine alte Windel - ein wahrer Horrortrip. Wer solchem seelischen Stress ausgesetzt ist, sollte unbedingt eine Selbsthilfegruppe mit Leidensgenossen bilden. Das ist auch für die Zukunft wichtig, denn ein Spielerkauf für 200 Millionen ist nur eine Frage der Zeit. Wie soll dann der 1oo-Millionen-Mann Bale diese Zurücksetzung verkraften!
Ich selbst habe auch schon mal den Verein beziehungsweise den Arbeitgeber gewechselt, wenngleich in einem anderen Metier. Ich weiß also, wovon ich rede. Mein Wert wurde nämlich noch niedriger eingestuft als der von Özil. Und das zur D.Mark-Zeit. Ich habe mal nachgerechnet und festgestellt, dass Mesut Özil glatte 50 Millionen Euro wertvoller ist als ich. Ganz zu schweigen von Gareth Bale. Ich brauchte eine halbe Flasche Morellino di Scansano und eine Pizza Margarita aus dem Holzkohleofen, um mich von dem Schock zu erholen.