Fahre ich jetzt meinen Computer hoch, kommen mir zwei Schlagzeilen entgegen. Sie ahnen es? Richtig, die eine lautet: Deutsche Bank macht Milliardengewinn, die andere, Ulla Schmidts Urlaub kostet den Steuerzahler 10.000 Euro.
Nein, ich habe nicht vor, Ihnen den Unterschied zwischen Ulla Schmidt und der Deutschen Bank zu erklären, obwohl es sich an dieser Stelle anbieten würde. Ich will ihnen auch nicht nahe legen, dass nicht die Globalisierung das große Problem wäre, sondern der Realitätsverlust der politischen Klasse. Nein, das soll jetzt nicht das Thema sein.
Ich möchte vielmehr auf die Gemeinsamkeiten zwischen der Deutschen Bank und Ulla Schmidt zu sprechen kommen. Beides sind Institutionen unserer Öffentlichkeit, beide mit einer wechselvollen Vergangenheit. So ist es noch gar nicht so lange her, dass man den Chef der Chefbank Deutschlands nicht etwa als Hoffnungsträger betrachtete, sondern als Imageverlusteinfahrer Nummer eins. Er hatte mit uneleganter Geste das Victory-Zeichen auf den Fluren eines Gerichts gezeigt, und damit für reichlich Empörung gesorgt. Als wäre die Öffentlichkeit in dem Verfahren Partei gewesen. War sie aber nicht.
Nun kann man gewiss sagen, das sei lange her, besonders, wenn man als Maßstab den Zeitbegriff unserer Öffentlichkeit anlegt. Schwamm drüber, hätte man früher gesagt. Ist Ackermann, mit seinem Milliardengewinn, nun ein Held unserer Zeit? Schwer zu sagen, angesichts der neueren Tendenz unserer Öffentlichkeit, sich ihren Launen hinzugeben. Für die Anleger seien die von Ackermann genannten Zahlen sogar enttäuschend, heißt es. Kann es sein, dass die Anleger unseriös sind? Unseriöser als ihre Bank?
Nicht ganz so altehrwürdig wie die Deutsche Bank, dafür aber dienstälteste Ministerin der Republik, mit knapp drei Legislaturperioden auf dem Buckel, ist auch Ulla Schmidt kaum aus der Geschichte und Gegenwart der Bundesrepublik wegzudenken. Bei ihr geht es allerdings mehr um ihr Leistungsbewusstsein als um die Leistung selbst. Wo sie behauptet, das Gesundheitswesen erfolgreich reformiert zu haben, sind ihre Kritiker der festen Überzeugung, sie habe mit seltenem Fanatismus die Sparte auf Dauer ruiniert.
An etwas so Grundsätzlichem scheitert man heute als Politiker aber nicht. Man scheitert schon eher an den 10.000 Euro, die der über die Pyrenäen geschubste Dienstwagen eingefahren hat. Es geht um eine Summe, unter der sich jeder was vorstellen kann. Und das genügt unserem bescheidenen Publikum bereits, allem voran seinem Gerechtigkeitsempfinden. Denn auch bei uns geht es nicht nur um den Rechtsstaat, sondern auch um die Gerechtigkeit. Und die wird gerne gefühlt, und zwar öffentlich. Wie der Puls, der Puls der Zeit.
Von dem was die Banken so treiben, hatte der Steuerzahler bis vor kurzem kaum eine Vorstellung, er machte sich aber gerne eine. Man empörte sich zwar über die unvorstellbaren Zahlen, in denen gelegentlich Managergehälter notiert wurden. Aber auch diese Millionen fallen in der allgemeinen Debatte nicht mehr ins Gewicht als die zehntausend der Ulla Schmidt, obwohl auch die Banken mittlerweile die hand aufhielten, außer der Chefbank, der deutschen.
Der Tatbestand könnte uns ratlos machen, gäbe es nicht das gute alte Prinzip der Tauschbörse. Die Lösung des Problems könnte vielleicht in einem Gestentausch bestehen: Ackermann übernimmt den Dienstwagen und überlässt Ulla Schmidt das Victory-Zeichen. Hätte Ackermann den Dienstwagen, würde das den Steuerzahler nicht tangieren, das Victory-Zeichen bei Frau Schmidt allerdings könnte schlecht ankommen.
Am besten wäre immer noch, sie geht. Ein Plätzchen in einem Aufsichtsrat, bei der Deutschen Bank etwa, dürfte sich finden lassen. Und ein Nachfolger im Ministeramt auch. Bleibt die Frage: Was wird aus dem Dienstwagen? Und das ist nun tatsächlich ein Problem.