Gideon Böss (Archiv) / 30.01.2016 / 14:47 / 3 / Seite ausdrucken

Schluss mit der Trollfütterung im Internet!

Aktuell etabliert es sich in Debatten, empfangene Hetzkommentare als Beweis dafür zu nehmen, dass die eigene Position richtig ist. Das ist eine problematische Entwicklung. Sie verzerrt die Realität zu einer Karikatur. Hasskommentare sind eben nicht repräsentativ. Von ihnen ausgehend Thesen über den Zustand der Gesellschaft zu entwerfen, ist absurd.

Es ist auch eine Frage des Anstandes, den Gesamteindruck nicht dadurch zu verzerren, abseitige Meinungen in den Mittelpunkt zu rücken. Im Grunde lassen sich nämlich immer Zeugen aufrufen, die ein Projekt diskreditieren können, auch die Nazis sind schließlich gegen TTIP. Dieses gemeinsame Empörtsein über Hasskommentare führt außerdem dazu, sich als verschworene Gemeinschaft zu verstehen. Der Leser fühlt sich schließlich mit angegriffen, da er ja die angegriffene Meinung teilt.

Mittlerweile kommt es vor, dass Leser nach dem Erscheinen eines neuen Zeitungs- oder Fernsehkommentars ihrer publizistischen Favoriten schon vorfreudig auf den sozialen Netzwerken darüber spekulieren, was für irre Hasspost dafür wohl wieder anfallen wird. So entsteht immer mehr eine “Wir gegen die”-Mentalität, die sich wunderbar für Straßengangs oder radikale Parteien eignet, aber mediale Debatten erheblich erschwert.

Zum ganzen Text: Schluss mit der Trollfütterung

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Leserpost

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Winnfried Gardner / 01.02.2016

Neues Medium, alter Hut. Eigentlich sollte ein demokratischer Meinungsaustausch stattfinden. Ein Demokrat wird seinen vollen Namen für seine Lesermeinung, wie auch der Author, seinen Artikel unterschreiben. Trolle, meist unter Alias schreibend, sind nichts anderes als furchtsame arme Würstchen die in Anoymität ihre Erfolglosigkeit und Frust loswerden. Es ist nichts Anderes als ein Progrom oder “Hanging Mob” wo man furchtlos in der Masse seine niederen Instinkte auslebt ohne Kosequenzen zu fürchten. Selbst wenn Hatemail oder Propagandamaterial in meinem Briefkasten landen werde ich meine Leserbriefe weiterhin mit vollem Namen unterzeichnen als Bürger und Demokrat. Anonymität solle Whistleblowern vorbehalten sein, nicht feigen Charakterschweinen.

Frank Jankalert / 31.01.2016

Das ist mir schon oft aufgefallen. Das Perfide daran ist einmal, dass die Redakteure Hasskommentare gerne für ihre Verteidigung heranziehen, während sie über die Praxis der Zensur in ihren Foren kein Wort verlieren. Verlogenheit unterstelle ich auch, wenn so getan wird, als sei man nur objektiver, journalistischer Beobachter und nicht, wie so oft, ein politischer Aktivist, der nur zu gerne mit der Feder auf seine Gegner eindrischt.

Ralf Schmode / 30.01.2016

Hallo, Herr Böss, es geht ja noch weiter: Wenn die Qualität eines redaktionellen Beitrags ernsthaft an der Zahl und Primitivität von Hasskommentaren gemessen wird, dann ist die Versuchung groß, selbst “nachzuhelfen” oder dies tun zu lassen. Je triumphierender jemand angeblich erhaltene “Hassmails” an die Öffentlichkeit zerrt, desto eher drängt sich aus meiner Sicht der Verdacht auf, dass mit einer false-flag-Operation gegen die andere Seite die eigene Position gewissermaßen “geadelt” werden soll.

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