Heute, am 11. Juni, ist ein ganz wichtiger Tag in Deutschland: der Hitzeaktionstag. Während draußen 19 Grad und Regen angesagt sind, mobilisiert die Republik gegen die Hitze. Kommunen organisieren Hunderte Veranstaltungen, Verbände veröffentlichen Positionspapiere, Hochschulen veranstalten Workshops, Initiativen klären die Bevölkerung über die Gefahren des Sommers auf. Von Hamburg bis München werden Klima-Spaziergänge durchgeführt, Hitzeschutzwochen eröffnet und Informationsstände aufgebaut. Studenten lernen, ihre „Klimagefühle“ besser zu verstehen, Bürger werden über Gesundheitsrisiken aufgeklärt, Experten diskutieren über die Widerstandsfähigkeit Deutschlands gegenüber der Hitze.
„Hitzeschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ein gemeinsames Vorgehen erfordert konsequentes Handeln auf allen Ebenen und verlangt klare Verantwortlichkeiten, ausreichende Ressourcen und eine wirksame Einbindung aller relevanten Akteur*innen“, so die politischen Forderungen der Initiative. Hier nur ein kleiner Überblick an Aktionen, die Kommunen deutschlandweit geplant haben.
- Schluck mit lustig - Hitzetag - Trinkberatung für mehr Wasser im Alltag, Hamburg
- Bürgerbeteiligung mit Verlosung - Gesucht: Kühle Orte für Kempten
- Hydration is key - die richtige Flüssigkeitsaufnahme, Hamburg
- Übergabe der ersten Hitzekiste für Kitas, Esslingen am Neckar
- Digitaler Fachtag „Klimawandel und Extremhitze: Wie schützen wir unsere Gesundheit“, Stuttgart
- Hitze, neue Risiken für Kinder und Ältere, Offenburg
- Hitzeknigge im Seniorentreffpunkt Altbürgerhaus, Bremerhaven
Und wie bei so vielen Themen – sei es Geschlechter, Toiletten oder Wohnen – verwandelt sich gefühlt ganz Deutschland auch bei der Hitze in eine Bewegung, die sich zum Ziel setzt, sie politisch zu besiegen. So absurd wie es klingt, bekommt auch dieses Thema dadurch viel Wirkungspotenzial. Nein, nicht weil man mit Politik das Hitzeproblem lösen kann. Sondern weil es für die Bürgerumerziehung instrumentalisiert wird.
Aus Sommertagen werden „Sommer. Sonne. Hitze. – Hitzeschutz vor Ort“, aus einem Glas Wasser wird „SCHLUCK MIT LUSTIG – HITZETAG –Trinkberatung für mehr Wasser im Alltag“ und aus einem schattigen Ort „Bürgerbeteiligung mit Verlosung – Gesucht: Kühle Orte für Kempten“.
Die Hitze zeigt sich bemerkenswert unbeeindruckt
Dabei denkt keiner mehr darüber nach, dass der Umgang mit Hitze keine Aufgabe der Quantenphysik ist. So viel Urteilsvermögen sollte man den eigenen Bürgern doch zutrauen, dass sie selbst darauf kommen, bei Hitze mehr zu trinken und einen schattigen Platz aufzusuchen. Und solange niemand auf die Idee kommt, öffentliche Einrichtungen mit Klimaanlagen auszustatten, wird es auch durch kollektive Hitze-Bekämpfung nicht kühler. Egal, wie viele Aktionswochen, Fördergelder, Mitarbeiter, Studenten und Schüler dafür in Bewegung gesetzt werden. Die Hitze – wenn sie mal da ist – zeigt sich davon bemerkenswert unbeeindruckt.
Eigentlich wollte ich zum Hitzeaktionstag eine Satire schreiben – wie ich sonst die Themen Klimaangst, Hitzeschutzpläne und so weiter behandle. Doch je absurder mir die Maßnahmen des Hitzeaktionstags vorkamen, desto weniger lustig fand ich das Ganze. Irgendwann schien mir das alles so pathologisch sozialistisch angehaucht, dass ich nicht mehr darüber lachen konnte.
Seltsam bekannt kam mir der ganze Irrsinn vor. Aus der Sowjetunion kenne ich noch allzu gut, wie ganze Teile der Gesellschaft zu gemeinsamen Anstrengungen, breiter Beteiligung, solidarischen Aktionen oder Bewusstseinsbildung mobilisiert wurden – um aufzuklären, kollektiv Verantwortung zu übernehmen, etwas zu erreichen oder etwas zu bekämpfen.
Den letzten Gedanken überlasse ich den sowjetischen Gesundheits-Parolen selbst:
„Jeder gesunde Bürger stärkt die Gemeinschaft!“
„Erholung dient der Kraft für neue Aufgaben!“
„Gesunder Körper – klarer Geist!“
„Morgens abhärten – jahrelang gesund bleiben!“
„Erholung ist keine Faulheit – Erholung schafft neue Kraft!“
Ekaterina Quehl, geboren in St. Petersburg und seit mehr als 20 Jahren in Deutschland, ist Journalistin, Redakteurin und Grafikdesignerin. Sie leitete jahrelang die Redaktion eines großen kritischen journalistischen Portals und schreibt heute auf ihrem eigenen Blog, wo dieser Beitrag zuerst erschien.
Beitragsbild: Marek Slusarczyk, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Ja, der Sozialismus ist unbesiegbar. Sowohl der Ochs noch der Esel haben die Hoffnung längst verloren. Als Russin sollte Frau Quehl dazu „Den Todeskult“ von Schafarewitsch gelesen haben; das Buch gibt es auch auf Deutsch. Dort ist vieles erklärt.
Ich habe noch nie gesehen , dass ein weisser, deutscher bei dreissig Grad Hitze und mehr
einen schattigen Platz aufsucht. Im Gegenteil, solange es noch keine vierzig Grad sind
fühlt er sich pudelwohl ! Nur eine Minderheit schützt sich vor brüllender Sonne und das
sind ausnahmslos sehr alte oder vernünftige Menschen. Meine Beobachtung seit 60 Jahren.
Das Thema wird auch in der Schafskälte genommen, weil das religiöse Vakuum auf einen Affen angewiesen ist. Der Klimaaffe ist auf alle Fälle geil genug, sogar für uns Senioren.
Ich befürchte, die von Lauterbach beschworenen Hitzetoten werden sich auch in diesem Jahr wieder beschränken auf: Kohlenmonoxidvergiftungen, weil man selbst im Juli noch den Holzofen anwerfen muss (Heizöl ist derzeit zu teuer). Auf derselben Grundlage Wohnungsbrände mit Todesfolge. Und wenn dann mal ein sonniges Wochenende vorkommen sollte, donnern alle zum Baggersee, wo etliche bei Verkehrsunfällen verunglücken oder mangels Schwimmfähigkeiten ertrinken. Oder sie ertrinken sturzbesoffen, weil man ohne Alkohol dieses Absurdistan fast nicht mehr ertragen kann.
Mich hat ihr Artikel zum Schmunzeln gebracht, dafür ein Dankeschön!
Das Fachblatt für Weltuntergang und Klimakteria „DAS Locus“ berichtet entsetzt: „Wichtige Kohlenstoffsenken
Mangroven der Erde drohen allesamt zu ertrinken“. ---> Haböck bitte hilf UNS ! …
„Symptomlose Hitze“,„Wir brauchen einen Hitze-PCR-Test!“ – Zitate aus anderen Stellen im Netz. – Es gibt akademische und promovierte Kreise, die sich intensiv damit befassen und sehr gut durch Steuergelder dafür bezahlt werden. So wird der Klima-Zirkus am Laufen gehalten.