Trumps Kehrtwende vor der UNO stellt Moskau bloß: Statt Kompromissbereitschaft signalisiert er Unterstützung für Kiews Maximalforderungen. Putins Kalkül, den Westen zu spalten, droht ins Gegenteil umzuschlagen.
Durch seine lange Vorgeschichte lässt sich der Krieg in der Ukraine nicht auf ein einzelnes Ereignis zurückführen. Gleichwohl markierte sein Beginn das Ergebnis einer folgenschweren Fehlkalkulation Wladimir Putins: der Annahme, die Ukraine binnen weniger Wochen niederzwingen zu können. Stattdessen geriet Russland in einen Abnutzungskrieg, auf den es weder militärisch noch wirtschaftlich vorbereitet war – und dessen Ausgang auch nach dreieinhalb Jahren ungewiss bleibt.
Seit vergangener Woche deutet sich an, dass womöglich auch das Ende dieses Krieges durch einen weiteren Fehlschluss des Kremls eingeläutet werden könnte. Moskau war offenkundig davon ausgegangen, Donald Trump lasse sich mit taktischen Gesprächsangeboten und demonstrativer Wertschätzung dauerhaft beschwichtigen. Doch die verschärften Angriffe auf die Ukraine haben das Gegenteil bewirkt.
Der amerikanische Präsident, der Kiew noch im Frühjahr territoriale Zugeständnisse nahelegte und Wolodymyr Selenskyj gar gefährliche Kriegstreiberei vorwarf, vollzog in New York eine radikale Kehrtwende. Vor den Vereinten Nationen stellte er die militärische Leistungsfähigkeit Moskaus offen infrage: „Alle dachten, Russland würde in drei Tagen gewinnen. Stattdessen sieht es jetzt schlecht aus, sehr schlecht.“ Damit degradierte er Russland erstmals offen zu einer gescheiterten Macht und erklärte sich zugleich zum Fürsprecher der vollständigen Wiederherstellung der ukrainischen Grenzen – jener Maximalforderung, die selbst wohlmeinende Unterstützer in Europa bislang als illusionär verworfen hatten.
Auch die moralische Verantwortung wies er klar zu: „Das war ein Krieg, der niemals hätte stattfinden dürfen. Er zeigt, was schlechte Führung anrichten kann.“ Verbunden war diese rhetorische Wende mit einer Drohung, die in Trumps erster Amtszeit kaum denkbar gewesen wäre. Sollte Russland nicht zu einem Friedensschluss bereit sein, seien die Vereinigten Staaten „vollständig vorbereitet, eine sehr starke Runde mächtiger Zölle zu verhängen, die das Blutvergießen schnell beenden würde“.
Seine schärfsten Worte richtete Trump indes gegen die europäischen NATO-Partner. Nach seiner Darstellung finanzierten diese „einen Krieg gegen sich selbst“, solange sie weiterhin russische Energieimporte tätigten. „Sie müssen sofort damit aufhören, sonst verschwenden wir alle unsere Zeit“, erklärte er – eine deutliche Abkehr von seiner bisherigen Haltung, die Europas Energieabhängigkeit bislang vor allem als deutsche Schwäche brandmarkte.
Das Bild eines Papiertigers
Die Kombination dieser Aussagen – die Herabstufung Russlands, die offene Schuldzuweisung an Putin, die Ankündigung neuer US-Zwangsmaßnahmen und die Bloßstellung Europas – markierte eine strategische Zäsur, die Moskau kaum ignorieren kann. Vor allem Berater wie Juri Uschakow geraten dadurch in Erklärungsnot, hatten sie Putin doch in seiner Überzeugung bestärkt, es sei möglich, die politischen Beziehungen zu den USA von den Ereignissen in Europa abzukoppeln.
So überrascht es nicht, dass Uschakow gegenüber der russischen Presse beschwichtigte. Der außenpolitische Berater Putins versuchte, Trumps Worte als taktisches Manöver einzuordnen: „Es gibt öffentliche Äußerungen, und es gibt Kontakte über geschlossene Kanäle. Wir berücksichtigen beide Signale.“ In gewisser Weise, so Uschakow, habe der US-Präsident in New York lediglich „seinen Gesprächspartnern entgegenkommen“ wollen.
Damit griff er ein Muster auf, das die russische Führung bereits 2018 nach dem turbulenten Helsinki-Gipfel beschwor: Trump schlage öffentlich scharfe Töne an, sei im vertraulichen Gespräch jedoch berechenbarer. Gleichwohl deutet die offizielle Reaktion des Kremls auf Nervosität hin – genährt durch Trumps Spott über Russlands militärische Schlagkraft, seine Hinweise auf eine schwächelnde Wirtschaft und die Aufforderung an die Europäer, auf russische Energieträger zu verzichten.
Doch damit nicht genug: Nur Stunden später legte Trump auf seiner Plattform „Truth Social“ nach. Die Ukraine sei, „mit Unterstützung der Europäischen Union“, in der Lage, „zu kämpfen und die gesamte Ukraine in ihrer ursprünglichen Form zurückzugewinnen“. Russland habe nach dreieinhalb Jahren Krieg nichts erreicht, was „eine wirkliche Militärmacht innerhalb einer Woche“ geschafft hätte. Das Bild, das sich daraus ergebe, sei nicht das einer überlegenen Nation, sondern das eines „Papiertigers“.
Noch deutlicher wurde Trump in seiner Schilderung der russischen Innenlage. In Moskau und den großen Städten, so prophezeite er, werde sich die Stimmung gegen den Kreml wenden, sobald die Menschen realisierten, „dass es fast unmöglich geworden ist, Benzin zu bekommen“ und dass die Ressourcen in eine Kriegswirtschaft flössen, „wo die meisten Mittel für den Krieg gegen die Ukraine ausgegeben werden“. Demgegenüber verfüge die Ukraine über einen „großartigen Geist, der immer stärker werde“. Deshalb sei eine Rückkehr zu den ursprünglichen Grenzen möglich – „und wer weiß, vielleicht sogar noch mehr“.
Brisante Rhetorik
In ungewöhnlich harschen Worten sprach Trump zudem von den „großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten“, in denen Russland stecke, und forderte Kiew auf, diesen Moment zu nutzen. Gleichzeitig stellte er klar, die Vereinigten Staaten würden weiterhin Waffen an die NATO liefern: „Und die NATO kann damit tun, was sie will.“
Unklar bleibt, welche politischen Folgen diese Kurskorrektur zeitigt. Fest steht jedoch: Trumps Rede war ein schwerer Rückschlag für den Kreml. Seit Kriegsbeginn versucht Moskau, den Eindruck internationaler Isolation durch Bilder von Auslandsreisen und Empfängen ausländischer Staatschefs zu überlagern. Putins Empfang in Alaska wurde zum Prestigeprojekt stilisiert – als Beweis, dass Sanktionen wirkungslos seien und Russland weiterhin Zugang zu den Machtzentren der Welt habe. Umso schmerzhafter war es, dass derselbe Trump Russland nun öffentlich verhöhnte und der Ukraine ausdrücklich die Rückeroberung sämtlicher besetzter Gebiete zutraute.
Unmittelbar vor seiner Rede hatten sich Trump und Selenskyj zu einem Gespräch getroffen. Vor der Presse bekräftigten beide ihre Positionen. Trump wurde gefragt, ob NATO-Staaten russische Flugzeuge abschießen sollten, die ihren Luftraum verletzen. „Ja“, antwortete er knapp. Ob die USA dann an der Seite ihrer Partner stünden, ließ er offen: „Das hängt von den Umständen ab.“ Selenskyj bedankte sich für die Unterstützung der USA und schloss sich Trumps Forderung an, europäische Energieimporte aus Russland einzustellen. Hinter verschlossenen Türen ging es um Frontverläufe, Drohneneinsätze und amerikanische Waffen.
Vor diesem Hintergrund bemühte sich Kreml-Sprecher Dmitri Peskow um Schadensbegrenzung. Trumps Rhetorik sei auf dessen Unterredung mit Selenskyj zurückzuführen. Doch die offizielle Gegenrede wirkte dünn: „Russland ist kein Tiger, Russland wird mit einem Bären assoziiert – und Papierbären gibt es nicht“, erklärte Peskow. Gerade dieser Vergleich verdeutlicht, wie sehr sich die russische Seite in die Defensive gedrängt fühlt. Beobachter verweisen darauf, dass der Kreml in solchen Momenten den Spagat versucht: einerseits Stärke zu demonstrieren, andererseits Trumps Aussagen nicht unnötig aufzuwerten.
Für Moskau ist die neue US-Rhetorik in mehrfacher Hinsicht brisant. Sie stellt mit der militärischen Leistungsfähigkeit und der Wirtschaftskraft genau jene Pfeiler infrage, die der Kreml seit Jahren als Garanten des Sieges und als Stabilitätsanker inszeniert. Zugleich kratzt sie am Nimbus Putins als klugen Staatschef und legt die strukturelle Verwundbarkeit eines Systems offen, in dem ein Einzelner alle wesentlichen Entscheidungen trifft.
Höhere Verluste als die Sowjetarmee in Afghanistan
Vor allem aber trifft sie einen wunden Punkt: die offenkundige Schwäche der russischen Streitkräfte. Nach den schweren Rückschlägen von 2022 brauchte die Armee lange, um sich zu konsolidieren; mit dem von Jewgeni Prigoschin angeführten Marsch auf Moskau stand das Regime ein Jahr später sogar am Rand einer existenziellen Krise.
Trotz punktueller Geländegewinne zahlt Russland für seinen Vorstoß einen hohen Preis. Die täglichen Verluste liegen teilweise im Bereich mehrerer Hundert bis etwa eintausend Gefallener und Verwundeter; insgesamt haben nach westlichen Schätzungen mehr als eine Million russische Soldaten seit Kriegsbeginn Leben oder Gesundheit eingebüßt. Unabhängige Analysen gehen von bis zu 250.000 Gefallenen aus – Dimensionen, die in der modernen russischen Militärgeschichte beispiellos sind. Die Verluste übersteigen jene der sowjetischen Armee in Afghanistan um das Achtzehnfache und liegen zehnmal höher als in beiden Tschetschenien-Kriegen zusammen.
Dafür kontrolliert Russland heute rund 18 bis 20 Prozent der ukrainischen Staatsfläche, darunter nahezu die gesamte Region Luhansk sowie große Teile von Donezk, Saporischschja und Cherson. Ein entscheidender ukrainischer Durchbruch ist derzeit nicht erkennbar; internationale Militärinstitute sprechen von einem „eingefrorenen Abnutzungskrieg“, in dem kurzfristig keine Seite mit durchschlagenden Geländegewinnen zu rechnen hat.
Dass Moskau den Krieg unter diesen Bedingungen dennoch fortführt, ist weniger eine ökonomische als vielmehr eine ideologische Entscheidung: Präsident Putin scheint aus persönlichen und machtpolitischen Gründen an der Eskalation festzuhalten. Vor diesem Hintergrund rückt eine zunehmend brutale Strategie in den Mittelpunkt – der gezielte Einsatz von Raketen und Drohnen gegen zivile Infrastruktur und Wohnviertel.
Besonders eindrücklich zeigte sich dies Anfang April, als ein ballistischer Raketenangriff auf Krywyj Rih ein Wohnviertel traf und zahlreiche Zivilpersonen, darunter Kinder, tötete. Stunden später folgten weitere Drohnenangriffe. Heute stehen solche Angriffe auf ihrem Höhepunkt. Militärexperten werten sie als gezielte Übergriffe auf die Zivilbevölkerung mit psychologischer Wirkung: Durch besonders blutige Schläge soll das kollektive Bewusstsein getroffen und die Widerstandsbereitschaft gebrochen werden.
Mittelstreckenwaffen statt neuer Truppen?
Die Hoffnung, die stagnierende Front durch den Einsatz zusätzlicher Kräfte aufzubrechen, hat Russland erstmals mit der Entsendung von 15.000 nordkoreanischen Soldaten erprobt. Doch das Verpuffen dieser Maßnahme und die Erkenntnis, dass es Moskau trotz numerischer und personeller Überlegenheit nicht gelingt, entscheidende Durchbrüche zu erzielen, verdeutlichen, wie sehr sich der Krieg inzwischen den klassischen Mustern militärischer Logik entzieht.
Statt immer neue Truppen in den Fleischwolf der Front zu schicken, setzt Kiew zunehmend auf Mittelstreckenwaffen gegen Ziele in Russland. Mit spürbarem Selbstbewusstsein warnte Präsident Selenskyj die amerikanische Presse, Moskau müsse im Falle von Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur im Winter mit Vergeltungsschlägen rechnen. Die jüngsten Attacken auf die russische Ölindustrie, die einen Produktionsrückgang von rund 20 Prozent und drastische Preisanstiege auslösten, belegen diese neue Asymmetrie. Der Kreml sah sich gezwungen, das Exportverbot für Benzin bis Jahresende zu verlängern.
In Moskau ist man sich der Brisanz dieser Entwicklung bewusst. Entsprechend zielt die wichtigste Priorität darauf ab, eine von Europa forcierte Aufwertung des ukrainischen Potenzials in diesem Bereich zu verhindern. Die dafür genutzten Hebel sind bekannt. Sie bestehen einerseits im Versuch, Washington durch gezielte Einflussnahme auf Donald Trump von Kiew zu distanzieren, andererseits in der Einschüchterung Europas durch Sabotageakte und Drohungen einer möglichen Ausweitung des Krieges.
So verletzten russische Flugzeuge in den vergangenen Wochen mehrfach den Luftraum von NATO-Staaten, während Außenminister Sergej Lawrow in New York mit scharfen Drohungen nachsetzte. Russland plane keinen Angriff auf die Allianz, betonte er, sondern sehe sich westlichen „Provokationen“ ausgesetzt. Jede „Aggression“ gegen sein Land werde eine „entschlossene Reaktion“ hervorrufen. Besonders hart attackierte er Deutschland: Die Bundesregierung folge einem „militaristischen Kurs“, in dem er „unverhohlene Zeichen einer Wiedergeburt des Nazismus“ zu erkennen glaubte.
Eine solche Argumentation ist selbst bei größtem Wohlwollen für die russische Perspektive nicht haltbar. Weder wird Deutschland von rechtsextremen Nationalisten regiert, noch ist es in der Lage, einen Krieg gegen Russland zu führen. Berlins Schwäche liegt nicht in Aggressivität, sondern vielmehr in außenpolitischer Unentschlossenheit – mit der Folge, dass es eigene Interessen aus dem Blick verloren hat und international zunehmend als Mitläufer wahrgenommen wird.
Trump erneut zum Umdenken bewegen?
Zur Vollendung der russischen Spaltungsstrategie machte Lawrow den Westen pauschal für den Krieg verantwortlich und schloss eine Rückkehr zum euroatlantischen Sicherheitsmodell von NATO, EU und OSZE kategorisch aus. Gegenüber Washington hingegen schlug er einen auffallend versöhnlichen Ton an: Den Vereinigten Staaten unter Donald Trump bescheinigte er „realistische Ansätze“ und die Bereitschaft zu einer „pragmatischen Zusammenarbeit ohne ideologische Scheuklappen“.
Doch nach Trumps jüngsten Äußerungen wirkt diese Annäherungsgeste deplatziert. Der Kreml hat sein eigenes Kalkül untergraben: Mit den parallel intensivierten Angriffen auf die Ukraine trug er selbst dazu bei, Trump zum Umdenken zu bewegen. Sollte der amerikanische Präsident seine Ankündigungen wahrmachen und Kiew zusätzliche militärische Mittel bereitstellen, würde sich die Lage für Russland fundamental verschärfen. Dann stünde Moskau nicht mehr nur einer zermürbenden Abwehrschlacht gegenüber, sondern einer zunehmend besser ausgerüsteten Armee, die seine wirtschaftlichen Schwächen durch gezielte Angriffe auf Energie- und Infrastrukturziele ausnutzt.
Putins Strategie, den Westen durch Eskalation und Drohungen zu spalten, droht ins Gegenteil umzuschlagen. Ausgerechnet die Taktik, mit der der Kreml seit Kriegsbeginn seine Gegner verunsichern wollte, könnte nun jene Geschlossenheit hervorbringen, die Russland am meisten fürchtet – und die seine Stellung im internationalen System dauerhaft schwächen würde. Am Ende wäre es nicht ein diplomatischer Kompromiss, sondern die Intensivierung der westlichen Unterstützung für die Ukraine, durch die Donald Trump als jener Präsident in die Geschichte eingehen könnte, der den Krieg beendet. Im Kreml sollte man sich keine Illusionen machen: Auch dieser Ausgang wäre für ihn durchaus akzeptabel.
Dr. Christian Osthold ist Historiker mit dem Schwerpunkt auf der Geschichte Russlands. Seine Monographie über den russisch-tschetschenischen Konflikt ist in der Cambridge University Press rezensiert worden. Seit 2015 ist Osthold vielfach in den Medien aufgetreten.
@sybille eden Richtig! Wo es doch um Freiheit, Demokratie und andere edle Ziele geht, die der böse Adolf-WiedergängerWladimir Wladimirowitsch in seinem Reich des Bösen nicht dulden will! Dieser Papiertiger, der statt es in drei Tagen zu schaffen drei Jahre braucht, um nicht einmal die Hälfte der Ukraine zu „befreien“, aber jetzt täglich die friedfertige NATO mit Drohnen bedroht, ein Verteidigungsbündnis, das sich nur an die russische Grenze vorschiebt um sich zu schützen. Weiß doch jeder, nur die geistig zurückgebliebenen Putin-Fans, die auf Achgut kommentieren wollen es nicht wahrhaben! Sie haben einfach kein Vertrauen in den selbstlosen Demokraten Selensky, sowie in die einzige Weltmacht und ihre grundehrlichen Politiker, wie Obama/Biden und Politikerinnen, wie zum Beispiel Victoria Nuland, die uns alle vor dem Bösen schützen wollen, notfalls mit einem Weltkrieg, den natürlich die Russen begonnen haben werden! Wer denn sonst? Wer war der hellsichtige CDU Politiker, der die Reihenfolge erkannte in der es der hinterhältige Russe anstellt? Erst Drohnen, dann Beschuss durch Flugzeuge und dann kommen russische Soldaten! Rüstet Euch bedrohte Europäer! Man will Euch Eure Billionenschulden rauben und die EU entzweien!
@sybille eden Ich frage mich auch, was das für Leute sind, die solche absurden Thesen vor sich hertragen. Nazi-Nostalgiker eher nicht, denn deren Ami-Haß paart sich in der Regel auch mit Russen-Haß, denn beide haben ihnen ja ihre „Schmach“ von 1945 beschert, an der sie so herumlaborieren. Altkommunisten? Die wohl auch eher nicht, denn Putin ist nun wirklich keine sozialistische Hoffnung, beim besten Willen nicht. Warum träumen Deutsche von russischer Großmacht, wie es ein Alexander Solschenyzin tat, der schon 1998 für eine Annexion der Ost- und Südukraine durch Rußland plädierte? Handelt es sich etwa um Rußlanddeutsche, die sich mehr als Russen fühlen denn als Deutsche? Das wäre noch am ehesten zu erklären. Ich kenne einen solchen Fall persönlich, dessen Sohn auch ganz begeistert vom Krieg der Russen ist, „seiner Leute“, und für ihren Sieg mitfiebert.
In der AfD wacht man ja langsam auch auf, und zumindest Alice weiß dass mit Russlandfreunden kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. Der Sammeltassenverschenker wird dagegen wohl so uneinsichtig bleiben wie seine Anhänger hier.
@ Fr. Eden: Was Sie über Kokalensky meinen erkannt zu haben, ist zwar richtig, der Rest ist aber nur die sich bei jeder Gelegenheit immer wieder und wieder wiederholende, typisch deutsche, anti-amerikanische Verschwörungsformel ;)
@ Marc Munich / Na und? Problem 1) bis 8) löst doch die KI. Das weiß Putin natürlich nicht!
@dr. gerhard giesemann: Danke fürs „Herzchen“ und gerne zurück. Zu Ihrer Erwiderung auf @Lucius: Was kümmern Sie sich um die russischen Kleptokraten? Haben die Ihnen schon irgendwas geklaut? Kümmern Sie sich besser um die hiesigen! Da gibt’s mehr als genug zu tun. Und DIE nehmen Sie und mich aus wie die Weihnachtsgans – nicht die Russen. Absolut übergriffige und anmaßende Herrscherallüren gibt’s von den westeuropäischen Kleptokraten noch gratis obendrauf. An welcher Stelle dagegen ist Deutschland von russischen Herrscherallüren betroffen? Für mich ist der Zweck der westeuropäischen Kriegstreiberei klar. Und deshalb sehe ich keinerlei Grund, mich an die Seite des dafür verantwortlichen Milieus zu stellen. Vielleicht können Sie einmal darstellen, worin Ihr gefühlter Erziehungsauftrag gegenüber den Russen fußt? Noch dazu, wo dieser keinerlei Aussicht auf Erfolg hat.
Ich bin uebrigens der Meinung, dass wir so oft wie nur moeglich sagen sollten, dass wir, die das tun, die russische Kultur schaetzen, die Puschkin und Tolstoj und Dostojewski und Bulgakov und Solchenyzin und Pasternak und Rachmaninov und Mussorgski und Strawinski und Tchaikowski und die Nebtrevko und Garifullina und Oistrach und Rostropovich und Richter und Ashkenayy und das Bolschoj-Ballet und den Feuervogel und Sacre und Schwanensee und Kandinsky und Chagall, auch wenn sie aus der SU emigriert sind, diese grossen Talente und viele andere. Vielleicht wird es dort gelesen. Sie muessen dort wissen, dass es Menschen hier gibt, die ihre Kultur achten. Ein Untergang Russlands wuerde zu dem fuehren, was Europa nach 1914 erlebt hat. 1913 war die Kultur noch vollkommen intakt. Florian Illies beschreibt sie in seinem gleichnamigen Buch. Es ist kein wuenschenswerter Zustand. Was wir heute statt dessen haben, ist eine unverbindliche hoch politisierte Beliebigkeitskultur, die im wesentlichen belanglos ist und in zwei politische Lager gespalten.