Der Tag der Arbeit, der 1. Mai, ist ein Tag der konservierten Rituale und provozierten Missverständnisse. Er reiht sich damit in die Klasse ideologisierter Feiertage ein, die gruppenbezogene Rechtschaffenheit simulieren.
Der 1. Mai ist heute überwiegend politische Folklore und deshalb besonders geistlos – weil er mit Feindbildern arbeitet, die längst überkommen sind. Man streitet zwar nicht mehr für Tarifautonomie, mehr Arbeitsschutz, mehr gerechten Lohn, bessere Arbeitsbedingungen, gegen Ausbeutung und Erzkapitalisten, weil diese Ziele längst erreicht, zudem ausgereizt sind – aber das weitere Beharren auf viele solcher Stereotype erscheint lächerlich. Der 1. Mai ist ein Familientreffen, mit Weihnachten zu vergleichen: Es gab in all den Jahren reichlich Geschenke, fette obendrein, aber man hat den eigentlichen Anlass des Festes aus den Augen verloren. Das haben die Arbeiter nun mit Jesus gemein: Ihr Feiertag ist ein hohles Ritual materialistischer Reizermüdung, aber die Subjekte, um die es einst ging, haben sich verflüchtigt. Durchaus verbittert singt man dennoch die alten Lieder.
Insofern ist die SPD, die ehemalige Arbeiterpartei, heute – wie die Kirchen – auf der Suche nach neuen Schäfchen, von den alten fühlt sie sich angeekelt. Die einstigen Arbeiterschäfchen weiden nun auf den blauen Wiesen anderer Hirten. Da hilft der 1. Mai und seine bleierne Dialektik auch nicht mehr. Die sind weg. Und ihre ehemaligen Chefs, die Unternehmer und vermeintlichen Ausbeuter sind als Feindbild auch bald von dannen. Wenn nicht außer Landes, dann mindestens insolvent, ruiniert, alle Angestellten entlassen. Dann müssen eine neue Verelendung und die dazugehörige Theorie her, damit revolutionäres Potenzial wieder zur Verfügung steht für den sozialdemokratisch-sozialistischen Komplex, der sich so liebend gern um Elende zu kümmern vorgibt. Aber die Klientel, die zu den falschen Hirten übergelaufen ist, wird diffamiert und der Demokratie für unwürdig erklärt. Man will bestrafen, ausgrenzen, Hass abladen auf die Abtrünnigen und Ketzer. Der 1. Mai in diesem Licht ist kein guter Tag für die Demokratie.
Brechstange des Sparens, Erzwingens, Verteuerns und Versagens
Kaum sind die Arbeiter sich ihrer selbst bewusst, werden sie aus dem System verstoßen. Dümmer kann eine demokratische Partei nicht agieren, die an ihren eigenen Umfragewerten sehen müsste, dass es fatal ist, die eigenen Fehler und Versäumnisse einfach nicht sehen zu wollen, aber den ehemalig Anvertrauten das Dilemma anzulasten und ihnen in den Hintern zu treten. Das ist die klassische Verkehrung von Ursache und Wirkung – und ganz mieser Stil dazu. Aber mit den verbliebenen Restbeständen ist der 1. Mai noch zu feiern und aufzubauschen – bitte alle skandieren: „Die ganze SpD hasst die AfD“ (kleines „p“ für kleine Partei). Veteranentreffen nennt man das. Irgendwann muss noch jemand bei der SPD das Licht ausmachen, wenn der vorletzte Veteran die Bühne verlassen hat.
Man müsste jetzt fragen (weil noch ein paar Leute mit Verve den Tag der Arbeit feiern wollen), an wen der Erste-Mai-Protest heute noch adressiert sein soll – etwa an „besserverdienende“ Selbstständige, an Handwerker, die Schwarzgeld einnehmen, an verschlafene Bürokraten im Wolkenkuckucksheim ihrer Pensionskassen, an das milliardenschwere Sondervermögen, über das sich die schwarz-rote Insolvenzregierung hermacht, wie Piranhas über ein ertrinkendes Pferd, oder vielleicht an ihre ehemaligen Schützlinge selbst, die Arbeiterschaft, die jetzt stinksauer ist, weil „die da oben“ (CDU/CSU und SPD) den Sprit für das fahrende Wohnzimmer zum klimaideologischen Luxusgut erklärt haben? Soll heißen: Alle drei Parteien haben ihre entweder christliche oder soziale Selbstverortung verraten – um einer Politik willen, die den neuen Menschen im kollektiv-ideologischen Konfektionsanzug heranziehen will mit der Brechstange des Sparens, Erzwingens, Verteuerns und Versagens (im doppelten Wortsinn).
Währenddessen weisen noch die ehemaligen Gegner in den Chefetagen beim Golfspielen schlechtere Handicaps auf als ihre mitspielenden Betriebsräte und Gewerkschaftsfunktionäre. Längst ist aus dem „Oben und Unten“ eine Kumpanei der Augenhöhe geworden, die eine flache Hierarchie gegenseitiger Begünstigung erschuf. Die Unternehmer wollten irgendwann einfach auch nicht mehr die Bösen sein, haben schlicht nachgegeben, aufgehört der Vernunft die Stange zu halten, haben stattdessen den NGOs, der Zivilgesellschaft, den Gebrauchsheiligen Gretas und Luisas den Diener gemacht, ihre betrieblichen Umsatzzahlen mit den Boni-Vereinbarungen verwechselt und ins ideologische Horn der Politdeuter geblasen – nur um trügerische Anerkennung einzuheimsen, welche ein trojanisches Pferd ist, in dessen Bauch die Schergen der Deindustrialisierung lauern.
Ein Tagträumer-Datum
Die Unternehmer, als ehemalige Gegenspieler der Arbeiterschaft, haben schon lange aufgehört um die Daseinsberechtigung der sozialen Marktwirtschaft zu kämpfen, zu der unbedingt starke Persönlichkeiten gehören. In Folge wird zunehmend der deutsche Staat zum verantwortlichen „Unternehmer“ und Verteiler, völlig unfähig zu solchen Aufgaben, was allein die zunehmende Staatsquote verdeutlicht, bei der schon heute allein der Apparat mehr als die Hälfte des Erwirtschafteten auffrisst. Aber die Politiker fantasieren sich eine Zukunft in einem „starken“ Staat herbei, der die soziale Frage, die dräuend am Horizont aufzieht, gar nicht beantworten kann, ohne dass heute und sofort erfolgversprechende seriöse Reformen vorgenommen werden müssten. Das wären doch Themen für den 1. Mai: Weniger aufgeblähter Staat, mehr Eigenverantwortung der Bürger, mehr Initiative zur Selbsthilfe, Zurückdrängung lähmender Bürokratie. Mehr Führungspersönlichkeiten mit sozialer Verantwortung und Verpflichtung zur Wahrheit. Weniger Parteien, die zum Selbstzweck ihrer eigenen Existenz täglich Staatsverrat begehen, weil ihnen Machtkalkül mehr als soziale Zukunft wiegt.
Der 1. Mai feiert heute eine hierarchielose, leistungsarme Wirtschaft innerhalb einer durch Subvention und planwirtschaftliche Eingriffe verzerrten Marktordnung, in der sich bisher alle sicher sein durften, dass sie vom Kuchen so viel abbekommen werden, dass die lästige Adipositas, inklusive Knie-OP und drei Wochen Reha abgefangen wird – bald nicht mehr. Derweil „revolutionieren“ sich Erste-Mai-Delegierte noch ins postmarxistische Delirium, während sie die eigentliche Gefahr nicht kommen sehen. Es ist genau diese Blindheit vor dem drohenden Kollaps der Systeme, die die Parteien nicht reformieren wollen und können: weil solches Unterfangen Verzicht auf Privilegien bedeutet, eine ehrliche Abkehr von sozialromantischen Träumereien, und die Bereitschaft, Macht und Einfluss abzugeben, um Vernunft walten zu lassen. Deshalb ist der 1. Mai ein Tagträumer-Datum, an dem soziale Utopien an der realexistierenden Dringlichkeit des Projekts „soziale Marktwirtschaft“ vorbei so laut wie möglich rezitiert werden. Die alte Leier im Angesicht der fatalen Entwicklung, ein Bocksgesang der linken Weltverbesserer.
Aus der Anerkenntnis zweifelhafter Erbmasse heraus noch zwei Schlussbemerkungen: Der 1. Mai ist ein gesetzlicher Feiertag seit 1933. Seitdem feiert man die Arbeit, indem man eben nicht arbeitet. Und in der Bundesrepublik Deutschland genießt man zudem seither so viel Muße und Freiheit, dass man sich entweder mit Pflastersteinen, Barrikaden, Mollis und Vermummung der Staatsgewalt entgegenwerfen durfte oder zumindest, um eine Hassfratze gegen Leistungsträger, Kapitalisten, Vermieter und Arbeitgeber aufzusetzen, die seit jeher der ökonomischen und sozialen Wirklichkeit absurd widerspricht. Mit Leuchtwesten, Trillerpfeifen, massenvorgefertigten Wink-Elementen und eingeübter Empörungslyrik an einer rituellen Gesinnungswaschung teilzunehmen: Das ist der 1. Mai fürs linksgesteuerte Wohlstandsproletariat. Wenn am Tag der Arbeit busladungsvoller Demonstrationstourismus als gesetzlich garantierte Freizeitbeschäftigung betrieben wird, dann hat man das den echten Nazis von damals zu verdanken.
Falls jemand schreit: „Es gibt aber so viel Ungerechtigkeit in Deutschland.“ Dem sei der Hinweis gegeben, dass es rund 27 Millionen Nettosteuerzahler in Deutschland gibt. Das sind denjenigen, die mehr Steuern zahlen als sie staatliche Transferleistungen erhalten. Wenn am 1. Mai also Solidarität und Umverteilung gefordert werden: Bei den Nettosteuerzahlern wird dies bereits realisiert. Sie liegen dem Staat nicht auf der Tasche, sie finanzieren ihn. Die Einkommenssteuerlast ist zudem ungleich verteilt: Die oberen 10 Prozent tragen ungefähr 55 Prozent des gesamten Einkommenssteueraufkommens. Die oberen 25 Prozent tragen fast 77 Prozent. Und die unteren 50 Prozent, die Einkommensschwachen, tragen gerade mal 7 Prozent zum Einkommensteueraufkommen bei. Die Hälfte der Steuerzahler zahlt also 93 Prozent, die andere Hälfte 7 Prozent. Was wird wohl passieren, wenn die obere Hälfte sich dieses Missverhältnis nicht mehr leisten kann? Das sollte sich der 1. Mai schleunigst fragen und hier vor allem die SPD, wenn sie noch am Mitreden interessiert ist.

Die Tassen bringen es an den Tag. Die rote Trude ist Rechtshänderin, während die violette Linkshänderin ist. Aber die Tassen sind leer und es wurde nicht aus ihnen getrunken. Abgesehen von der Kleinigkeit., dass der fette Handschuhfinger nicht durch den Henkel passt, die Damen können nicht trinken, ohne dass es Spuren gibt. Und wem gehört die dritte Tasse? Bansky?
„die unteren 50 Prozent, die Einkommensschwachen, tragen gerade mal 7 Prozent zum Einkommensteueraufkommen bei.“ –
Die unteren 50 Prozent, die Einkommensschwachen, erbringen 50 Prozent der Arbeitsleistung.
Das oberste 1 % der Einkommensbezieher spart rund 35 % des Einkommens.
Die unteren 50 % der Einkommensbezieher sparen nichts, sondern verschulden sich sogar mit rund 1,6 % bezogen auf ihr Einkommen.
NICHTS liegt näher, als Steuern in Richtung Niedrigverdiener umzuschichten. Dann sprudelt das Steuergeld nur so!
Win-Win: Auch der Konsum würde damit elegant reduziert. Weniger Konsum bedeutet weniger Binnennachfrage nach Produkten, unsere überhitzte Wirtschaft könnte endlich mal das redlich verdiente Päuschen einlegen!
Die Demokratie ist sicher. Oder glaubt jemand die AFD würde auf 50 Prozent der Stimmen kommen? Also, alles Theater.
Übrigens: Obwohl ich selbst mein ganzes Arbeitsleben lang Nettosteuerzahler war, verabscheue ich solche Leute. Weil es denen ganz egal ist, wofür sie das Geld erhalten, von dem sie dann den größten Teil gleich wieder abgeben müssen. Viele davon haben in ihrem ganzen Arbeitsleben keinen einzigen Wert geschaffen und trotzdem massig Kohle bekommen.
@Karsten Dörre: Ich bin fündig geworden:
Wolfsburg alias Adolf Hitlers Stadt
von Braunschweigischer Geschichtsverein
Veröffentlicht 15. Dezember 2020 · Aktualisiert 24. Februar 2021:
„Ein in Wolfsburg bis heute gern gepflegter Mythos lautet, dass die britische Besatzungsmacht 1945 entschieden habe, den seit der Stadtgründung 1939 verwendeten Namen “Stadt des KdF-Wagens„ durch den Namen “Wolfsburg„ zu ersetzen. Dabei hätten sich die Briten am Namen des Schlosses entsprechend der in Großbritannien gängigen Praxis, Städte nach nahegelegenen Adelssitzen zu benennen. Ein Nachvollzug der Quellen führt demgegenüber zu der Erkenntnis, dass der Name Wolfsburg schon vor 1945 geläufig war und dass er sich nicht vom Schloss, sondern von Hitlers Decknamen aus der Kampfzeit “Wolf„ ableitet, der auch in diversen Führerhauptquartieren wie Wolfsschanze oder Wolfsschlucht verwendet wurde.“
Robert Ley wird auch wiedergegeben: „Dürfen wir die Stadt nach Ihnen, mein Führer, benennen?“ In einer anderen Version soll er sogar gesagt haben: „Nach Ihnen, mein Führer, soll die Stadt ‚Wolfsburg‘ heißen“
Na, was sagen Sie nun, Herr Dörre. War keine gute Idee, sich ihr „Geschichtswissen“ bei Wikipedia abzuschreiben.
Teil 2. Ich zitiere aus dem Braunschweigischen Geschichtsblog: „Bei dieser Gelegenheit hat Ley, so das Zeugnis bzw. die Erinnerung einzelner Anwesender (Landrat Glehn, Koller, Speer) Hitler sinngemäß gefragt: “Dürfen wir die Stadt nach Ihnen, mein Führer, benennen?„ In einer anderen Version soll er sogar gesagt haben: “Nach Ihnen, mein Führer, soll die Stadt ‚Wolfsburg‘ heißen„ in Anlehnung an die “germanische Urform„ von Hitlers Vornamen. Denkbar ist auch, dass Ley den Namen “Adolf Hitler-Stadt„ im Sinne hatte als Pendant zu der gleichzeitig im Salzgittergebiet gebauten “Herman(n) Göring-Stadt„ (heute Salzgitter-Lebenstedt) als Werkssiedlung der Reichswerke.“ Und sehr hübsch, einen dreisten Treppenwitz der Geschichte nahelegend: „Es kann davon ausgegangen werden, dass (beim Beschluss der Stadtverordnetenversammlung im Mai 1945) den Vorschlagenden wie den Zustimmenden klar war, welche tatsächliche Bedeutung (d)er Name hatte und dass er informell schon vorher verwendet wurde.“ Mit tatsächlicher Bedeutung dürfte die Bedeutung im nationalsozialistischen Kontext gemeint sein und nicht die jahrhundertealte Wolfsburg.
Was sagt eigentlich Vicky Pedia dazu? Ich habe mich aus der Szene ausgeklinkt, als die ganzen Trullas aus dem öffentlichen Dienst mit Trillerpfeifen und selbstgebastelten Bleistiften auftraten. Die Haarfarben auf dem Bild passen. Aber haben die wirklich Warnwesten an, wie die Chaoten in der République? Und was sollen die Handschuhe von der Halbkreisingenieurin? Die Gillet Jaune werfen wenigstens Böller. … Ja, es ist schon lange her. Seitdem bin ich auch von Verdi weg und auch von Mozart und höre weitgehend AC-DC, weil ich die immer für Nazis gehalten habe. Gut ich könnte auch Feine Sahne Fischfilet hören, das mit dem Affen und dem Pferd, das ist noch nazier. Oder die Musik von SRF4. Man muss sich nur mal vorstellen, was für ein Schwachsinn, Bleistifte selbst zu basteln. Da versagt mein Denkzentrum. Haha, Denkzentrum, ich fasse es nicht! Als wenn das zentral wäre. Die meisten Leute denken mit der hinteren Ausbuchtung.
Naja die beiden Edalarbeiterinnen haben wenigstens den Ost-Berliner Fernsehturm hinter sich. Das verbindet sie intellektuell mit dem Sandmännchen.