Ganze vier Kaffeerunden hat es gebraucht, um einen Hardliner und Lieblingsfeind unserer fortschrittsbesessenen Nashörner zum Weichspüler der Nation umzuformen. Wenn das so weitergeht, wird man unseren Innenminister demnächst mit Norbert Blüm bei „attac“ zu sehen bekommen.
Was ist geschehen? Fast nichts, wenn man von den Fakten ausgeht, außer dass man von der programmatischen Verweigerung eines Einwanderungsgesetzes auf wundersame Weise zum multikulturellen Dialog gekommen ist. Vielleicht lag es ja am Kaffee. Ob er wohl türkisch zubereitet war, oder doch nur aus der bewährten italienischen Espressomaschine kam? Wir wissen es nicht.
Wir wissen nur: Die gefühlte Hallstein-Doktrin der Nichtanerkennung ist überwunden, seit gestern schon zum vierten Mal. Die Erfolgsmeldung lautet: Schäuble wird von den Muslimen Deutschlands als Innenminister anerkannt. Immerhin sind es laut neuester Studie 5% der Bevölkerung. Damit wäre man schon fast im Bundestag, mag an dieser Stelle Frau Pauli denken. Ja doch, vorausgesetzt, es gebe die Wahlpflicht und die Beschränkung der so gezählten Einwanderer auf eine Partei, die der Muslime.
Nun haben die gar nicht vor, sich auf so etwas Banales wie die Demokratie zu einigen. Nur ein Teil der Dialogpartner unterzeichnete eine Erklärung, die die Niederschlagung des Protests im Iran verurteilte und für die Meinungs-und Demonstrationsfreiheit eintrat. In Schäubles Runde sitzen alle Fraktionen und Schattierungen. Vom dogmatischen Imam bis zur atheistischen Akademikerin. Ohne Schäuble säßen diese beiden und noch ein paar andere bestimmt nicht an einem Tisch. Müssen sie das überhaupt? Frau Wagenknecht sitzt ja auch nicht an einem Tisch mit mir, und Deutschland geht trotzdem nicht unter.
Worauf ist Schäuble also stolz? Auf den Dialog sagen Sie? Das Zauberwort des deutschen Gutmenschen? Sollte der Minister ausgerechnet unter dieses Völkchen geraten sein, das, sobald das Wort Dialog fällt, den Eindruck gewinnt, es könne die Würfel ruhig in der Tasche lassen?
Zieht man die Bilanz der vier Ministerial-Kaffeerunden, findet man am Ende genau das vor, was auch am Anfang der Tischrunden bereits feststand, der Dialog. Der wichtigste Beschluss: Man will ihn fortsetzen.
Dieser Beschluss kommt einer Drohung gleich. Denn den Dialog wie bisher fortzusetzen, heißt, auch weiterhin zu keinem Ergebnis zu gelangen. Ist es, wenn die Imame sagen, der Islam müsse den anderen Religionen in Deutschland gleichgestellt werden, nicht doch ein bisschen wie seinerzeit mit der Frage der Anerkennung der DDR?
Bleiben wir bei der Sache, die ansteht. Beim Dialog wird trotz allem ja auch geredet. Zum Beispiel über Schwimm-und Sportunterricht für Mädchen. Man hat es in dieser Frage sogar zu Empfehlungen gebracht: Beim Schwimmunterricht, so heißt es in der Handreichung, bestehe auch für muslimische Mädchen grundsätzlich Teilnahmepflicht. Mit Beginn der Pubertät könnten sie allerdings vom gemeinsamen Schwimmtraining mit den Jungen in der Klasse befreit werden, wenn es zu Gewissenskonflikten wegen religiöser Bekleidungsvorschriften komme. Den Schulen werde in diesem Fall empfohlen, den Schwimmunterricht möglichst getrennt abzuhalten.
Grandios! Warum nicht gleich die Geschlechtertrennung an den Schulen generell einführen? Manche der altgedienten Feministinnen unter unseren Nashörnern würde die Maßnahme bestimmt gutheißen.
Spätestens jetzt sollte einem klar sein, das Problem sind nicht die Einwanderer, das Problem sind wir, die Deutschen. Wir haben den Verstand verloren und reden weiter von der Aufklärung, als ginge es darum, den Papst zu exkommunizieren und nicht die Menschenwürde gegen die Scharia zu verteidigen. Wenn der Papst gegen das Kondom ist, sind die Nashörner für die Burka.
Auf die Frage an Radio Eriwan, die sich an dieser Stelle anbietet, verzichten wir ausnahmsweise. Statt dessen wollen wir auf eine Initiative der hessischen Polizei hinweisen. Diese bietet Workshops zum Dialog mit Muslimen an. Den Hintergrund für den Dialog, erklärt man uns, ergebe aber nicht der terroristische Bedrohungsansatz, vielmehr gehe es darum, dass Muslime eine positive Einstellung zur Polizei entwickeln. Ein Blick in die Kriminalstatistik genügt, um zu wissen, was solche Sprüche wert sind.
Verabschieden wir uns vom Kitsch des Dialogs, kommen wir endlich zur Sache. Integration kann nur individuell gestaltet werden, aufgrund der verfassungsmäßig garantierten persönlichen Freiheiten. Hier geht es nicht um Muslime, hier geht es um Menschen, die von den Imamen unter eine totalitäre Herrschaft gezwungen werden, und die diese Art Herrschaft mit ihrer Menschenverachtung auch bei uns etablieren wollen. Dagegen sollten wir uns besser zur Wehr setzen, gemeinsam mit den moscheefernen Eingewanderten, die mit uns die Freiheiten, die das Abendland geschaffen hat, teilen wollen.