Henryk M. Broder / 01.12.2017 / 10:34 / 13 / Seite ausdrucken

Sawsan Chebli - jung, schön und auch noch klug?

Sawsan Chebli, Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales – was sich so ähnlich anhört wie Monty Pythons Ministerum für seltsame Gänge – flippt schon mal aus, wenn sie als jung und schön bezeichnet wird. Das sei übelster Sexismus.

Da sie bis jetzt niemand als „klug" charakterisiert hat, musste sie sich über ein so giftiges Kompliment auch nicht aufregen. Aber gemach, Genossinen und Genossen, das Wort liegt in der Luft.

Am 27. November hat Frau Chebli per Twitter diese Meldung in die Welt gesetzt: Heute eröffnet der #Weihnachtsmarkt am #Breitscheidplatz. Starkes Zeichen. Denn Terroristen dürfen unser Leben nicht bestimmen. 

Wenn das die „Terroristen" lesen, werden sie sich gleich einscheißen und ihre nächste Abenteuerreise nach Berlin, Nizza, London und Paris absagen. Sie haben sich viel Mühe gegeben, „unser Leben" zu bestimmen, aber wir haben sie ausgetrickst und ein „starkes Zeichen" nach dem anderen gesetzt.

Dazu gehört auch die Eröffnung des Weihnachtsmarktes am Breitscheidplatz, der zu einer Hochsicherheitszone umgebaut wurde. So macht Weihnachten richtig Spaß! Aber es kann natürlich keine Rede davon sein, dass die Terroristen, seien sie nun christliche Pfadfinder aus der Slowakei oder jüdische Wanderer aus Judäa und Samaria, unser Leben bestimmen. Nein, sie helfen uns nur, es sicherer zu machen! Außerdem: No risk, no fun! No pain, no gain!

Und nebenbei haben wir auch gelernt, wie man/frau sein muss, um in Berlin zur StaatssekretärIn berufen zu werden: Jung, schön und natürlich klug.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Dieter Büttner / 01.12.2017

Herrlicher Kommentar! Broder zeigt, dass man dem linksgrünen Geschwurbel nur satirisch begegnen kann. Ernst nehmen kann man die Phrasendrescherei nicht. Danke!

Stefan Bley / 01.12.2017

Aber Herr Broder, die Eröffnung des Weihnachtsmarktes am Breitscheidplatz geschieht doch allein vor dem Hintergrund des Einstehens für christliche Werte. Jesus sagt provokativ: „Wenn dich einer auf die linke Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“ (Matthäus 5,39). Empfahl nicht auch Frau Merkel jüngst mal wieder mehr in die Kirche zu gehen und Blockflöte zu spielen? Das solle doch helfen unbegründete Ängste abzubauen.

Brigitte Ernst / 01.12.2017

Bereits der dritte Artikel, in dem Broder sich in seiner besserwisserischen Art über die Schutzmassnahmen für Weihnachtmärkte mokiert.  Ich wäre dankbar, wenn er sich solche Geschmacklosigkeiten endlich mal sparen würde.

Fritz Kolb / 01.12.2017

Brilliant geschrieben und in der Kürze alles erwähnt, was über das zweifelhafte Ergebnis von parteipolitischen Postengeschacher zu berichten ist.

Gabriele Kremmel / 01.12.2017

Ein starkes Zeichen, in der Tat. Ein starkes Zeichen dafür, dass die Terroristen sehr wohl bereits einen Teil unseres Lebens bestimmen. Ich habe weder Vertrauen in die, neuerdings notwendigen, Sicherheitsmaßnahmen, noch in das trotzige Schönreden unserer offensichtlich nicht so klugen Politiker. Ob die Barrieren entschlossene Terroristen aufhalten können, bezweifle ich sehr. Einen LKW zu klauen und zu steuern ist viel schwieriger als z.B. Drohnen umzurüsten, die im Vorweihnachtsgeschäft gerade überall als Schnäppchen zu haben sind.

Joachim Gockeln / 01.12.2017

Danke, Herr Bruder. Ihre Artikel gehören zu den mit Abstand besten !!!, die ich finde. Leider haben die Tageszeitungen, die man bekommen kann, nicht den Witz in dieser Tiefe.

Richard Grünert / 01.12.2017

I love it.

Thomas Dornheck / 01.12.2017

Verlangen Sie bitte nicht zuviel, werter Herr Broder!

beat schaller / 01.12.2017

Einfach Klasse Herr Broder!  Ihre wortwahl macht das ganze Drama etwas erträglicher, aber nicht weniger schlimm. Alles Gute. b.schaller

Andreas Rochow / 01.12.2017

Ihre jüngste Plakat-Kampagne “Typisch deutsch-Gesicht zeigen-Farbe bekennen” hinterlässt einen sprachlos. Klug ist Sawsan Chabli keinesfalls, wenn Sie ihr Gastland auf Steuerzahlers Kosten in dieser Weise verhöhnt.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Henryk M. Broder / 16.05.2022 / 16:00 / 59

Eine Diktatur ist kein Ein-Mann-Betrieb

Man soll die Russen nicht für ihre Führung in Sippenhaft nehmen. Aber ohne  Mitläufer kann sich keine Diktatur entfalten. Der Apparat muss bespielt und jeder…/ mehr

Henryk M. Broder / 09.05.2022 / 16:00 / 37

Wo war Dr. Gysi?

Gregor Gysi war in Butscha. Sagt er zumindest. Ein paar kurze Video-Clips sollen das beweisen. Aber war es tatsächlich Butscha? Oder nur ein Potemkinsches Dorf…/ mehr

Henryk M. Broder / 01.05.2022 / 12:00 / 88

Schröder macht den Putin

Ein Interview, das Gerhard Schröder der New York Times gegeben hat, brachte den Ex-Kanzler der Bundesrepublik über Nacht zurück in die mediale Öffentlichkeit. Obwohl er…/ mehr

Henryk M. Broder / 24.04.2022 / 11:00 / 78

Alice Schwarzer und die maximale menschliche Hilfe

Die Verlegerin und Chefredakteurin der Zeitschrift Emma hat in einem Online-Beitrag die frühere Bundeskanzlerin Merkel und den jetzigen Bundespräsidenten und früheren Außenminister Frank-Walter Steinmeier gegen Vorwürfe verteidigt,…/ mehr

Henryk M. Broder / 16.04.2022 / 06:25 / 200

Hier irrt Roger Koeppel

Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die „Unschuldsvermutung". Auch im Falle von Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, meint Roger Koeppel. Henryk Broder widerspricht. Roger…/ mehr

Henryk M. Broder / 15.04.2022 / 14:00 / 30

Endlich Frieden im Nahen Osten?

„Das Problem ist: Mach einem Bekloppten klar, dass er bekloppt ist." – Man kann diesen Satz von Dieter Bohlen nicht oft genug zitieren, fasst er doch…/ mehr

Henryk M. Broder / 24.03.2022 / 15:00 / 71

Eine Option für alle, die den Sinn des Lebens suchen

An der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg gibt es seit kurzem eine Antisemitismus-Beauftragte. Sie hat sich viel vorgenommen. Auch in Bezug auf sich selbst. Nachdem inzwischen jedes Bundesland…/ mehr

Henryk M. Broder / 09.03.2022 / 14:30 / 63

Eine Frau will hoch hinaus

Zum Weltfrauentag erschien im Berliner Tagesspiegel ein Beitrag von Tessa Ganserer, einer grünen Bundestagsabgeordneten aus Bayern, die für „Geschlechtergerechtigkeit" eintritt. Lange hat man beim Berliner…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com