Stefan Frank / 30.10.2020 / 16:30 / 8 / Seite ausdrucken

Saudischer Top-Diplomat: „Palästinenser setzen immer auf die Verlierer“ (Teil 2)

In einem bemerkenswerten Interview sprach der saudische Top-Diplomat Bandar bin Sultan Klartext darüber, wer an der Misere der Palästinenser schuld habe: deren schlechte Führer. Saudi-Arabiens Königshaus, das über Jahrzehnte einer der größten politischen und finanziellen Förderer der PLO war, ist mit seiner Geduld am Ende. Bandar bin Sultan schildert detailliert, wie die Palästinenser eine Chance nach der anderen zunichtemachten, einen historischen Durchbruch zu erzielen.

Einen großen Teil seines ausführlichen Gesprächs mit Al Arabiya widmet Bandar bin Sultan der Schilderung, wie Saudi-Arabien seit Ende der 1970er Jahre immer wieder in Washington für die PLO geworben habe, diese Bemühungen aber immer wieder daran gescheitert seien, dass Jassir Arafat an Abmachungen jedweder Art nie Interesse gehabt und seine Gesprächspartner immer wieder versetzt habe.

Ende 1977, Anfang 1978 habe der damalige Prinz und spätere König Fahd mehrmals den damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter besucht. Diese Treffen habe der König stets dazu benutzt, um „über die palästinensische Sache“ zu diskutieren, „da sich die saudischen Führer daran gewöhnt hatten, niemanden zu treffen, ohne dass die palästinensische Sache die Hälfte, wenn nicht drei Viertel der Diskussion dominierte“. Fahd habe versucht, Präsident Carter „zu ermutigen, etwas zu tun und die palästinensische Sache in Bewegung zu bringen“. Carter habe sich bereit erklärt, die PLO als „Vertreter des palästinensischen Volkes“ anzuerkennen, ein PLO-Büro in Washington zu eröffnen und US-Diplomaten die Aufnahme von Gesprächen mit palästinensischen Beamten zu ermöglichen. Bandar weiter:

„Im Gegenzug hätte die PLO die UN-Resolutionen 242 und 338 [Resolution des UN-Sicherheitsrats vom 22. Oktober 1973, die den Jom-Kippur-Krieg beendete und die Parteien aufrief, „einen gerechten und dauerhaften Frieden im Nahen Osten herzustellen“; Stefan Frank] anerkennen und erklären müssen, dass alle Länder der Region das Recht haben, in Frieden zu leben. König Fahd, der zu dieser Zeit der Kronprinz des Königreichs war, kehrte nach Hause zurück und bat Abu Ammar [Jassir Arafat], ihn in Taif zu besuchen, was dieser auch tat. König Fahd erzählte ihm von Präsident Carters Angebot und sagte, dass es sich nur um vier Zeilen handele, die von Abu Ammar niedergeschrieben und unterschrieben werden müssten, bevor sie dem amerikanischen Botschafter übergeben würden. Am nächsten Tag werde eine bestimmte Zeit festgelegt, zu der beide Parteien die Vereinbarung gleichzeitig bekannt machen sollten.“

Von dem Gespräch mit Carter hätten ihm später König Fahd, Prinz Saud und auch Präsident Carter erzählt, so Bandar. Was sich aber zwischen Fahd und Arafat zugetragen habe, habe er, Bandar, „mit eigenen Augen gesehen“:

Arafat stellte den USA Bedingungen

„Ich sah Abu Ammar tanzen, lachen und sagen: 'Palästina ist frei.' Prinz Fahd sagte ihm, dass ‚wir gerade erst angefangen haben und Palästina hoffentlich frei sein wird’, und fragte ihn dann, ob er bereit sei zu unterschreiben.“

Arafat habe geantwortet, er sei bereit, dann aber um etwas Zeit gebeten,

„um nach Kuwait zu fliegen und mit seinen Genossen zu diskutieren, bevor er am nächsten Tag zur Ankündigung zurückkommen würde.“

Prinz Fahd habe zu Arafat gesagt, dass er einfach das Telefon benutzen könne, um sie anzurufen und zu informieren, doch Arafat habe darauf bestanden, sie persönlich zu treffen.

Fahd habe dann vorgeschlagen, den Emir von Kuwait zu bitten, Arafats Genossen noch am selben Abend an Bord eines Flugzeugs nach Saudi-Arabien zu fliegen, damit Arafat dort mit ihnen rede könne.

„Doch Abu Ammar bat erneut um die Möglichkeit, nach Kuwait zu fliegen und Prinz Fahd stimmte zu. Also reiste er nach Kuwait und einige Tage lang hörte niemand von ihm, während der amerikanische Botschafter Prinz Saud anrief und ihm mitteilte, dass Washington auf ihn warte. Am Ende teilte er ihm mit, dass alle Berater von Präsident Carter gegen das Angebot seien, während Carter darauf bestand, sein Wort zu halten, da diese Gelegenheit nicht verpasst werden dürfe.“

„Zehn Tage“ später sei Arafats schriftliche Antwort eingetroffen, so Bandar:

„Darin dankte er König Fahd und fügte einen offiziellen Brief bei, der vereinbarungsgemäß an Präsident Carter geschickt werden sollte. Prinz Fahd überprüfte den Brief und stellte fest, dass Abu Ammar zehn Bedingungen aufgenommen hatte, die die USA akzeptieren müssten, damit er die UN-Resolutionen 242 und 338 genehmigen und anerkennen konnte, dass alle Länder der Region das Recht hätten, in Frieden zu leben. Prinz Fahd sagte sich, dass selbst die Sowjetunion den USA keine Bedingungen diktiert habe. Glaubte Arafat wirklich, dass die USA seinen Bedingungen zustimmen würden?“

„Wollen nicht, dass die Palästinenser für das Scheitern verantwortlich gemacht werden.“

Einer der Beamten von Fahd habe diesem geraten, Arafats Antwort einfach an die USA weiterzuleiten und dann „zu sehen, was passiert“. Fahd aber habe befürchtet, dass Arafats Brief eine „anti-palästinensische“ Stimmung schüren könnte:

„Prinz Fahd war anderer Meinung und sagte: ‚Wenn dieser Brief an die Amerikaner überbracht wird, wird er an alle, die Presse und den Kongress, weitergegeben, was die anti-palästinensischen Gruppen dazu anstacheln wird, sie anzugreifen und die Situation zu verschlimmern, während wir versuchen, eine positive Veränderung herbeizuführen.'“

Fahd entschied, Arafats Brief nicht weiterzuleiten. Stattdessen schickte er selbst einen Brief an Carter, in dem er schrieb, dass er, Fahd, von dem Angebot „nicht überzeugt“ sei. Fahd nahm also die Verantwortung für das Scheitern von Carters Initiative auf sich und ließ Carter, um Arafat zu schützen, nicht wissen, was dieser wirklich geantwortet hatte. „Wir sind bereit“, habe Fahd gesagt, „gegenüber den Amerikanern die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass der Prozess nicht vorankommt. Wir wollen nicht, dass die Palästinenser für das Scheitern verantwortlich gemacht werden.“ So sei es „immer wieder“ geschehen, sagt Bandar,

„aber nie hat man einen saudischen Offiziellen darüber sprechen hören. Haben Sie jemals Saudis darüber sprechen hören, was zwischen 1977, 1978 und 1990 geschah, als die Palästinenser Saddams Besetzung Kuwaits unterstützten, oder als Reaktion darauf, dass sie auf die Straße gingen und in Nablus Fotos von Saddam Hussein schwenkten, als Riad von Raketen getroffen wurde? Nein, weil wir ein Ziel haben, nämlich dem palästinensischen Volk zu dienen, weil wir glauben, dass seine Sache gerecht ist. Es ist jedoch nicht unsere Schuld, dass Gott ihnen solche Führer gegeben hat. Wie ich bereits erwähnt habe, haben wir es mit einer gerechten Sache mit schlechten Anwälten zu tun …“

Saudische Friedensinitiative in der Reagan-Ära

In der Mitte der Reagan-Ära, erzählt Bandar, habe sich König Fahd wieder einmal im Weißen Haus dafür eingesetzt, dass Arafat eine weitere Chance bekommt. Der Türöffner, den Fahd zugunsten Arafats nutzen wollte, war die Iran-Contra-Affäre. Was hatte es damit auf sich?

Präsident Ronald Reagan war es wichtig, die antisandinistische Guerilla in Nicaragua zu unterstützen, der Kongress weigerte sich aber, das Geld dafür zur Verfügung zu stellen. Darum machte Reagan heimliche und illegale Waffengeschäfte, unter anderem mit dem Iran, mit dem Ziel, auf diese Weise eine schwarze Kasse zu füllen, aus der er die Contras bezahlen konnte. Es war der größte Skandal in Reagans Amtszeit.

Dass auch Saudi-Arabien daran beteiligt war, ist seit 1986 bekannt. Wie Bandar sagt, wollte König Fahd dem amerikanischen Präsidenten einen Gefallen tun, um im Gegenzug selbst um Gefallen bitten zu können – und zwar unter anderem für die PLO. Bandar wandte sich im Namen von König Fahd an Reagan und sagte, dass „die Palästinenser jetzt bereit sind, die UN-Resolution 242 zu akzeptieren“. Just die Resolution, so Bandar, „die sie 1973 abgelehnt hatten“ und die sie auch noch 1981 abgelehnt hatten, als Fahd einen Friedensplan für den Nahen Osten, die Fez-Initiative, gestartet hatte. Arafat und die PLO weigerten sich, ihr zuzustimmen, weil sie die darin enthaltene Formulierung ablehnten, wonach jeder Staat der Region das Recht habe, in Frieden zu leben.

1985 aber war Arafat scheinbar plötzlich dazu bereit, so Bandar. Reagan habe im Gegenzug die PLO anerkennen wollen und ihr gestatten, ein Büro in Washington zu eröffnen. Bandar sagt nicht, wann genau darüber gesprochen wurde; wahrscheinlich im Zuge der Gespräche zwischen Reagan und Fahd im Februar 1985. Nachdem PLO-Terroristen unter Führung von Arafats Handlanger Abu Abbas im Oktober 1985 das italienische Kreuzfahrtschiff Achille Lauro entführt, den teilgelähmten jüdischen Amerikaner Leon Klinghoffer ermordet und mit seinem Rollstuhl ins Meer geworfen hatte, hätte Reagan gewiss nicht mehr zugestimmt, dass die PLO ein Büro in Washington eröffnet.

Nach all dieser Zeit hatten die Amerikaner kein Interesse mehr

Aber darum geht es hier nicht, sondern darum, wie Arafat wieder einmal seine Sponsoren brüskierte. Bandar erzählt, dass er selbst zu Arafat ins PLO-Hauptquartier nach Tunis reiste, um ihm die Nachricht zu überbringen:

„Abu Ammar stand wie üblich auf und sagte ‚Palästina ist frei’, und er fing an zu tanzen und zu küssen und mich zu umarmen. Es ist wohlbekannt, dass Abu Ammar es immer geliebt hat, Leute zu küssen.“

Bandar habe Arafat gefragt, ob er sofort zum jordanischen König Hussein reisen könne, um mit diesem zusammen das Abkommen mit Reagan zu verkünden. „Unmöglich“, habe Arafat geantwortet. „Wie kann das nicht möglich sein? Das habt ihr verlangt und wir haben es für euch“, habe Bandar gesagt. Arafat habe geantwortet: „Ich folge einem arabischen Ehrenkodex.“ „Ich sagte: Absolut, jetzt mach es und verpasse keine weitere Gelegenheit“, so Bandar.

Dann habe Arafat gesagt, dass er zuerst nach Saudi-Arabien reisen müsse, um König Fahd für das zu danken, was er getan habe, bevor er König Hussein treffen würde. Bandar habe erwidert, dass das nicht nötig sei, Fahd habe gewiss nichts dagegen, wenn Arafat zuerst zu König Hussein reise, um die Erklärung abzugeben. Doch Arafat habe darauf bestanden. Saudi-Arabien habe Arafat dann ein Flugzeug zur Verfügung gestellt. Was dann passierte, muss man in Bandars eigenen Worten lesen:

„Arafat nahm das Flugzeug und einen Monat lang sahen wir ihn nicht. Er reiste nach Südjemen und nach Nordkorea, Länder, zu denen wir nicht einmal Beziehungen hatten. Er besuchte auch Länder in Afrika und Asien, ehe er im Königreich ankam. Nach all dieser Zeit hatten die Amerikaner kein Interesse mehr.“

„Die Geschichte wiederholt sich“, so Bandar. „Sie [die Palästinenserführer] sagen immer, dass wir sie nicht unterstützen, doch sie wissen, dass wir sie schützen. Dann kommen sie und sagen, dass sie ein Angebot akzeptieren werden, das gar nicht mehr auf dem Tisch liegt, und so weiter.“ Es habe immer wieder neue Chancen gegeben, so Bandar, „aber sie wurden immer verschwendet“.

Die Oslo-Abkommen

Dann kamen in den neunziger Jahren die Oslo-Abkommen. Bandar berichtet, dass der frühere ägyptische Präsident Hosni Mubarak ihm gesagt habe, dass er von dem historischen Abkommen nicht von Arafat erfahren habe, sondern vom israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin. Auch Ägypten wurde also von Arafat brüskiert. Nach den Oslo-Abkommen, so Bandar, habe er Arafat einmal gefragt, was er von den Autonomieregelungen des Camp-David-Abkommens halte (die Arafat ja abgelehnt hatte).

„[Arafat] sagte: ‚Bandar, Die Autonomieregelungen von Camp David waren zehnmal besser als das Osloer Abkommen.’ Ich sagte: ‚Nun, Herr Präsident, warum haben Sie dem nicht zugestimmt?’ Er sagte: ‚Ich wollte, aber [Syriens Präsident] Hafez al-Assad drohte, mich zu töten und einen Keil unter die Palästinenser zu treiben, um sie gegen mich zu wenden.’“

Bandar sagt, er habe bei sich gedacht: „[Arafat] hätte ein Märtyrer sein und sein Leben geben können, um Millionen Palästinenser zu retten. Aber es war so, wie Gott es gewollt hatte.“

Friedensverhandlungen in Camp David im Sommer 2000

Noch einmal sollte Camp David eine Rolle spielen. Im Juli 2000 lud der damalige US-Präsident Bill Clinton Arafat und den israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak nach Camp David ein, weil er ein halbes Jahr vor Ende seiner Amtszeit noch ein umfassendes Friedensabkommen zwischen der israelischen Regierung und Jassir Arafat erreichen wollte.

Die Einzelheiten sind bekannt beziehungsweise können hier nachgelesen werden. Israel hätte sich aus dem Gazastreifen und 90 Prozent von Judäa und Samaria zurückgezogen. Als Kompensation dafür, dass die großen israelischen Siedlungsblöcke bei Israel verbleiben sollten, sollte Israel dem arabischen Staat Palästina andere Gebiete überlassen. Ein großer Teil von Jerusalem, darunter das muslimische und das christliche Viertel, sollte ebenfalls übergeben und der Tempelberg unter die gemeinsame Verwaltung der Palästinenser und Marokkos gestellt werden.

Arafat sagte während der zweiwöchigen Verhandlungen: nichts. „Die einzige neue Idee, die er in Camp David äußerte, war, dass der Tempel nicht in Jerusalem stand, sondern in Nablus“, sagte Clintons Sondergesandter für den Nahen Osten, Dennis Ross, später. In seinen Memoiren schreibt Bill Clinton, wie er noch im Dezember 2000, in den allerletzten Wochen seiner Amtszeit, Arafat – der inzwischen die „Al-Aqsa-Intifada“ genannte Mordwelle gestartet hatte – bekniete, das Angebot doch noch anzunehmen:

„Arafat beging einen Fehler von historischen Ausmaßen“

„Nun war der Ball bei Arafat … Ich rief täglich verschiedene arabische Führer an, um sie zu bitten, Druck auf Arafat auszuüben, das Abkommen zu akzeptieren. Ich kann nicht wissen, was sie zu ihm sagten, doch der saudische Botschafter, Prinz Bandar, sagte mir später, dass er und Kronprinz Abdullah den deutlichen Eindruck gehabt hätten, dass Arafat die Kernpunkte akzeptieren würde.

Am 29. Dezember traf sich Dennis Ross mit Abu Ala [Kriegsname von Arafats Vertrautem Ahmad Qurai; Stefan Frank], den wir alle respektierten, um dafür zu sorgen, dass Arafat sich der Konsequenzen einer Ablehnung bewusst wurde: Ich würde nicht mehr im Amt sein. Ross würde ebenfalls nicht mehr da sein. Barak würde bei den kommenden Wahlen Scharon unterliegen. Und Bush würde sich nicht die Finger verbrennen wollen, nachdem ich so viel investiert hatte und gescheitert war.

Ich glaubte immer noch nicht, dass Arafat einen derart schweren Fehler machen würde. … Wenn man nach seiner Körpersprache ging, würde Arafat nein sagen, aber ich konnte nicht glauben, dass irgendjemand so dumm sein konnte, ein derart gutes Angebot auszuschlagen. … Indem er meinen Vorschlag abgelehnt hatte, nachdem Barak ihn angenommen hatte, beging Arafat einen Fehler von historischen Ausmaßen.“

„Amerika hat jeweils immer nur einen Präsidenten“

Bandar beschreibt mit vielen Details, wie Clinton noch im Januar 2001 versuchte, Arafat zur Zustimmung zu dem Abkommen zu bewegen, das, so Bandar, „meiner Meinung nach die ganze Landkarte hätte ändern können“. Doch Arafat sei dann auf die Idee gekommen, dass es für ihn besser wäre, zu warten, bis George W. Bush ins Weiße Haus eingezogen wäre. Bandar, so sagt er, habe „den Palästinensern gesagt, dass sie eine falsche Vorstellung“ hätten. Trotzdem rief Bandar George W. Bush an und berichtete ihm, dass die Palästinenser meinten, dass sie das Abkommen erst in dessen Amtszeit unterschreiben sollten. Bandar erinnert sich, was Bush antwortete:

„Bandar, du kennst mich gut, und ich will dir drei Dinge sagen. Das erste kannst du den Palästinensern sagen, beim zweiten und dritten Punkt überlasse ich es dir, ob du es ihnen mitteilst oder nicht. Der erste Punkt ist, dass Amerika immer nur jeweils einen Präsidenten hat. Sag ihnen, dass sie nicht mit mir diskutieren sollen, was sie planen zu tun, bis ich Präsident geworden bin. Die anderen beiden Punkte sind für dich, und wenn du willst, kannst du sie ihnen erzählen: Camp David ist kein Hotel. Ich fahre nach Camp David, um mich mit meiner Familie zu erholen oder um amerikanische Offizielle zu treffen. Ich werde nicht Camp David als Hotel öffnen, wie Clinton das zu tun pflegte.

Und schließlich: Ich spreche nicht gern am Telefon. Man hat mich informiert, dass Clinton mit Abu Ammar oft vier Stunden lang telefoniert hat. Ich telefoniere selbst mit meiner eigenen Mutter nicht länger als eine halbe Stunde, warum also würde ich so lange mit ihm reden? Was auch immer ich vom amerikanischen Präsidenten unterschrieben vorfinde, dem werde ich mich verpflichtet fühlen, und darüber hinaus habe ich nichts für dich.“

„Nur noch ein kleines Detail“

Nach dieser Episode, so Bandar, sah es erst einmal wieder so aus, als würde Arafat das Abkommen unterschreiben. Bandar war mit seiner Familie zum Skiurlaub in Colorado, als König Abdullah ihn bat, noch einmal nach Washington zu reisen, um dort Arafat zu treffen. Bandar sah darin keinen Sinn, kam der Aufforderung aber widerstrebend nach. Als er Arafat traf, sagte dieser, es gebe „nur noch ein kleines Detail“. Arafat, so Bandar, habe gesagt:

„Ich will, dass ihr sicherstellt, dass Prinz Abdullah, König Hassan und Präsident Hosni Mubarak sofort ihre Unterstützung erklären, nachdem wir das Abkommen zwischen Clinton und Barak verkündet haben, um die Dinge auszubalancieren. Und damit Syrien uns keine Probleme macht.“

Der ägyptische Botschafter, so Bandar, habe Arafat geantwortet: „Herr Präsident, wenn Sie es verkünden, werden sie nicht nur ihre Unterstützung erklären, sie werden hierherkommen und es unterstützen, wenn Sie wollen.“ Bandar sagt, er habe hinzugefügt:

„Ich sehe das auch so. Sobald Marokko, Saudi-Arabien und Ägypten ihre Unterstützung erklären, kann ich Ihnen versichern, dass auch die Golfstaaten dich unterstützen werden, und Jordanien wird Sie ebenfalls unterstützen, kein Problem, was das betrifft.“

„Es gibt noch eine winzige Sache, die mit der Sicherheit zu tun hat“

Arafat sagte „okay“ und ging, so Bandar. Am nächsten Tag habe er mit dem ägyptischen Botschafter gesprochen. Der habe, was Arafat betraf, ein schlechtes Gefühl gehabt. Am darauffolgenden Tag ließ Arafat Bandar in sein Hotel rufen. Bandar habe zu Arafat gesagt: „Abu Ammar, bitte gib uns Gewissheit.“ Arafat sagte: „Gute Nachrichten, es ist durch.“ Bandar sagte: „Bist du dir sicher?“ Arafat sagte ja. „Warum hast du es dann noch nicht verkündet?“, fragte Bandar. – „Es gibt noch eine winzige Sache, die mit der Sicherheit zu tun hat, ich warte jetzt auf den CIA-Chef, weil eine einfache Ergänzung gemacht werden muss, vielleicht linguistisch oder so was, und wenn wir das erledigt haben, werde ich ins Weiße Haus zurückkehren.“ Bandar gratulierte Arafat: „Danke für die großartigen Neuigkeiten.“

Dann erhielt Bandar eine Note, die ihn aufforderte, sofort das Weiße Haus anzurufen. Der Nationale Sicherheitsberater von Präsident Clinton sagte ihm am Telefon: „Abu Ammar ist verspätet, die Zeit ist um, und wir müssen seine Antwort wissen.“ Bandar antwortete: „Abu Ammar sagte mir, dass Sie sich geeinigt hätten.“ – „Was er sagt, ist nicht wahr“, lautete die Replik. „Wie das?“, fragte Bandar. „Es ist nicht wahr.“ Dann sei Präsident Clinton selbst ans Telefon gekommen und habe gesagt:

„Hör zu, Bandar, ich habe ein Abkommen angeboten, wie es niemand vor mir den Palästinensern angeboten hat, und vor zwei Tagen rief mich Ehud Barak an und sagte: ‚Ich kann mit dem Abkommen nicht weitermachen, weil ich dafür keine Unterstützung in Israel und in meiner Regierung habe.’ Und ich habe Barak gesagt: ‚Dieses Abkommen, das wir mit Ihnen erzielt haben, wird nicht geändert, und wenn Sie sich davon zurückziehen oder es ablehnen wollen, werde ich öffentlich erklären, dass Israel vor dem vorgeschlagenen und genehmigten Friedensabkommen gekniffen hat.’“

Clinton fuhr fort:

„Also habe ich Abu Ammar dasselbe erzählt, und jetzt will er einige Artikel ändern. Ich werde keine Änderungen akzeptieren, und wir können sie nicht ändern. Und ich habe jetzt die israelische Billigung, wenn Abu Ammar herkommt, werde ich die Erklärung mit ihm zusammen abgeben, Barak wird herkommen, und wir drei werden das Abkommen verkünden.“

„Ich könnte zehn Stunden damit verbringen, Ihnen alle Details zu erzählen“

Bandar sagt, er habe erwidert, dass Arafat ihm gesagt habe, er habe dem Abkommen zugestimmt. Clinton darauf: „Er lügt. Er sagte, er wäre in einer halben Stunde zurück, und wir warten auf ihn seit zwei Stunden.“ – „Ich wollte weinen“, sagt Bandar.

„Mein Herz brannte darüber, wie die Chance wieder vertan wurde, und vielleicht zum letzten Mal, als wenn ich einen Film vor meinen Augen gesehen hätte. Eine Chance kommt, und sie wird vertan. Nachdem sie vertan ist, stimmen wir dem zu, was wir abgelehnt haben, und legen es auf den Tisch. Dann kommen Leute und sagen, es läge nichts auf dem Tisch, und so geht es immer weiter. Wie die Redensart lautet: Durch Wiederholung wird man klüger.“

Das Scheitern der Friedensverhandlungen unter der Vermittlung Clintons war Arafats Schuld, und Bandar wusste das. Dennoch, so Bandar, habe er Präsident Clinton gebeten, den Palästinensern nicht die volle Schuld am Scheitern der Verhandlungen zu geben, und so geschah es auch. „Die Dinge sind klar und wir sind mit diesen Leuten an unserer Grenze“, sagt Bandar zum Schluss seiner Rede. „Und jetzt habe ich vermittelt, was in meinem Herzen war, und direkt mit dem Publikum gesprochen, das mir am Herzen liegt, und zu unseren Bürgern.“

Alles, was er gesagt habe, sei dokumentiert und bekannt, und er werde ein Social-Media-Konto, etwa auf Twitter, eröffnen, und „all diese Dokumente und alles, worüber ich gesprochen habe, auf diesem Konto veröffentlichen“. Jeder, der mehr Details möchte, könne sie dort finden, „anderenfalls könnte ich zehn Stunden damit verbringen, Ihnen alle Details zu erzählen, was ich nicht tun werde“, so Bandar. Der Schluss seiner historischen Abrechnung:

„Ich hoffe und bitte Gott, den Allmächtigen, dass ich meiner Verpflichtung treu nachgekommen bin, damit wir Lügnern, Betrügern, Untreuen und denen, die leugnen, was für sie getan wurde, nicht erlauben, uns ihre Traditionen und ihren Umgang untereinander aufzuzwingen. Wir haben auch unsere eigene Geschichte, wir kennen unsere und ihre, und das wollte ich meinen Mitbürgern angesichts der entscheidenden Bedeutung dieser Phase und der Umstände, die wir jetzt erleben, erklären. Und Allah ist der Ermöglicher des Erfolgs. Vielen Dank, dass Sie mir die Zeit gegeben haben, mit Ihnen darüber zu sprechen. Gute Nacht.“

Teil 1 dieses Artikels finden Sie hier.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Mena-Watch.

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Leserpost

netiquette:

Wilfried Cremer / 30.10.2020

Wenn der Islam aufhört, fängt er wahrscheinlich von seiner Mitte aus damit an.

Gerhard Küster / 30.10.2020

Die Palästinenser leben davon, dass sie Israel bekämpfen, sich dabei als arme Unterdrückte aufspielen und eine starke Lobby pflegen. Was hätten sie zu gewinnen bei einem Frieden mit Israel und der “2-Staaten-Lösung”? Nichts. Im Gegenteil würden die Gelder wegbrechen, von denen sie im Moment so gut leben, und sie wären dann nichts weiter als ein weiterer muslimischer Staat mit zu hoher Geburtenrate und zu hoher Arbeitslosigkeit. Eigentlich ist das doch sehr leicht zu verstehen und ich wundere mich, dass Profi-Politiker das nicht erkennen können - oder wollen?

Horst Jungsbluth / 30.10.2020

Eigentlich wird Arafat in den beiden Teilen dieses Beitrags so beschrieben, wie ihn sicherlich viele ganz normale Bürger ohne diese geschilderten Kenntnisse bereits damals wahrgenommen haben. Warum dieser Hasardeur aus diversen Quellen finanzielle Unterstützung ohne Limit erhielt, US-Präsidenten sich von ihm zu Narren machen ließen und er trotz der Verbrechen der PLO den Friedensnobelpreis!!! erhielt, ist ein Stück aus dem Tollhaus.  Unfassbar!!!. Im Cottbusser DDR-Gefängnis wurde übrigens der brutalste Wärter von den politischen Gefangenen als “Arafat” bezeichnet, was viel aussagt, da die SED-Führung ja die besten Freunde diese Mannes waren und es in den Zellen mit Sicherheit keinerlei Westmedien gab.  Natürlich sind Politiker auch nur Menschen, aber so langsam gewinnt man auch bezogen auf die hiesigen Verhältnisse den Eindruck, dass sie gar nicht wissen, wofür sie eigentlich da sind

R. Schäfer / 30.10.2020

Ich habe eher den Eindruck, daß dieses Volk nicht gestalten will oder kann. Mir ist jedenfalls nichts konstruktives aufgefallen. Daß sie auf Verlierer setzen mag eine vornehme Ausdrucksweise dafür sein.

giesemann gerhard / 30.10.2020

Womöglich beginnen die so langsam zu begreifen, dass ihr grimmigster Feind die Islam-Ideologie ist, die sie seit mehr als tausend Jahren von Humanität, Fortschritt, gar Wissenschaft und Technik fern hält. So wie man hier mühsam erkannt hat: Die Kirche/n sind unser Feind - es sei denn, man zieht ihnen die Zähne. Geben wir den Moslems, die wir inzwischen auf höherer Warte sitzen, eine Chance - aber OHNE ihnen die Gelegenheit zu geben, uns mit sich in den Abgrund zu zerren. So wie mit den Deutschen, die haben das auch gebraucht. Fast hätten sie die anderen mit in ihren Abgrund gerissen, ging gerade noch mal gut. Das gilt auch für die Japsen. Eine schwierige Gratwanderung, gewiß, aber mit etwas Geschick “schaffen wir das”. Dazu braucht es aber klare Ansage, klare Zurückweisung von aller Islam-Zumutung, Schotten dicht, so lange, bis sie weinen und sagen: Wir wollen ab jetzt richtig brav sein. Dazu müssen sie den Koran entnazifizieren, seine Göttlichkeit ablehnen, vom Jihäd, sowohl demographisch als auch juristisch abschwören. Dann erst können die Karten neu gemischt werden. Ganz andere Baustelle, die Brits: Die lernen jetzt, dass die EU keine britische Kolonie ist, dann werden auch mit denen eines Tages die Karten neu gemischt werden.

Thomas Taterka / 30.10.2020

@S.Marek - Die 49 gestern bei Letsch waren ganz grosse Klasse und bei der allgemein sehr traurigen Lage ein Grund zu verzweifelter Heiterkeit ( besonders die Feiertage waren Spitzentiming ) - Aber bei den Rothäuten sind Ihnen etwas die Pferde durchgegangen. Die hatten allen Grund, sich zur Wehr zu setzen, ganz gleich, was sie heute bei den Demokraten tun. Und noch etwas : am Mount Rushmore ’ ne Rede zu halten, ohne die überhaupt auch nur zu erwähnen : das muss man auch erst ’ mal hinkriegen. ” Reife ” Leistung, für den ” Häuptling “. Dafür hätte ich glatt am Little Bighorn seinen Skalp genommen und den Custer zu verscharren ” mit ” war eine echt indianische Geste gegenüber denen, die diese Barbarei eingeführt haben, finden Sie nicht, Herr Marek ? Einer meiner Lieblinge ist übrigens ” Hombre ” von Martin Ritt. Würd ’ mich freuen, wenn Sie Sich überwinden könnten. “Josey Wales” ist auch nicht übel oder der ” Jeremiah Johnson “. Bei John Ford und John Wayne ( The searchers ) handelt es sich um grosse Filmkunst, aber elende Propaganda. Niemand hat das besser gewußt als Marlon Brando und Jane Fonda ( Dick Cavett - Show !!!!!! ) .

H.Milde / 30.10.2020

Na, dann hat sich ja der -nicht mein!- Lametta verteilende Bundespräsident genau vor dem “Richtigen” verneigt. Hi5

Frank van Rossum / 30.10.2020

Schade, dass die genannten Abläufe nicht bereits 1994 dem norwegischen Nobelpreiskomitee zur Verfügung standen. , Nicht ausgeschlossen, dass Steinmeiers “Freund” dann den Friedensnobelpreis nicht erhalten hätte.

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