Geschafft! Die SPD hat sich frei gekämpft. Kann Margot Eskens nun die neue Angela Merkel werden? Moment mal. Margot Eskens? Das war doch früher diese weithin bekannte Schlagersängerin. Stimmt. Cindy, oh Cindy. Entschuldigung. Ich meine natürlich Saskia Esken ohne „s“, die weithin unbekannte SPD-Chefin. Sie und ihre Partei sind Thilo Sarrazin, den Gottseibeiuns der heutigen Sozialdemokratie, erst mal los. Tiefes, geradezu frommes Aufatmen. Ist die SPD jetzt gerettet, da sie diesen zehnjährigen Glaubenskrieg gewonnen hat? Kann sie jetzt, da der Häretiker exorziert ist, so richtig durchstarten?
Na ja. Thilo Sarrazin scheint nicht das einzige Problem der SPD sein. So sehr sie sich in ihn verbissen hat: Die Partei leidet ganz nebenbei auch ein wenig darunter, dass sie kaum noch Wähler findet. Die sind zu den attraktiveren Grünen übergelaufen. Oder ganz woanders hin. Lauter Renegaten, um den altlinken Jargon zu benutzen, der zum neolinken Führungs-Duo der SPD passt. (Darum sei hier schnell noch der Ordnung halber erwähnt, dass natürlich auch Norbert Walter-Borjans tief und fromm aufatmet.) Um mit den Beiden siegen zu lernen, muss die SPD nur noch ein paar Millionen Wähler zurückgewinnen, von denen viele die gleichen Gedanken haben wie der Häretiker. Schauen wir also mal.
Sarrazin selber ist ja schon lange ein grand-père terrible in der SPD-Welt von heute. Einerseits ist er als ehemaliger Berliner Finanzsenator und Bundesbank-Vorstand völlig überqualifiziert. Und dann diese unpassende Meinungsfrechheit. Er ist zwar nicht der Einzige, der etwas dagegen hat, wenn moslemische Fundis ihren Frauen und Töchtern unsere Bürgerechte vorenthalten. Aber er sagt und schreibt das auch noch. Kann er denn nicht seinen Mund halten wie all die andern, die sich keinen Ärger einhandeln wollen? Kann er offenbar nicht. Jetzt ist er umstritten. Das hat er nun davon.
Thilo Sarrazin kann sich noch wehren
Wer umstritten ist, gehört nicht in die SPD. Das war früher vielleicht mal anders, als Herbert Wehner noch frei nach Schnauze lospolterte. Oder als Willy Brandt mehr Demokratie wagen wollte. (Ach, der arme Brandt. Jetzt hängen sie seinen Namen auch noch der internationalen Lachnummer namens Berliner Flughafen an. Er kann sich nicht mehr wehren.)
Thilo Sarrazin kann sich noch wehren. Will er wohl auch. Bis nach Karlsruhe will er gehen, um in der SPD bleiben zu dürfen. Warum nur? Warum macht er es nicht wie Wolfgang Clement, der eines Tages nach dem Vorbild des letzten sächsischen Königs gesagt hat: Macht euren Dreck alleene. Aber Thilo Sarrazin scheint kein Friedrich August zu sein. Ist er vielleicht ein Nibelung, treu bis ans bittere Ende? Oder will er die SPD einfach nur ärgern, weil sie ihn ärgert? Auge um Auge, Sarrazahn um Sarrazahn?
Oder geht es ihm gar um die Ehre. Um was bitte? Um die Ehre? Was ist das denn? Ein Begriff aus den Zeiten von Margot Eskens, Herbert Wehner und Willy Brandt. Vorgestrig. Die Marotte eines alten weißen Mannes. Oder, um der heutigen Korrektheit zu dienen: Es könnte auch die Marotte einer alten weißen Frau sein. Auf jeden Fall alt. Tatsächlich ist die Ehre eine ganz alte Dame. Stolz, altersschön, aber schon ein bisschen tüddelig.
Ich fürchte, das ist es. Es geht Thilo Sarrazin um die Ehre, diese tüddelige Alte. Er hängt an ihr wie ein alter Kavalier. (Kavalier? Was ist das denn?) Thilo Sarrazin ist nicht nur aus der SPD gefallen, er ist auch aus der Zeit gefallen.
Derweil singt die SPD: Mit uns zieht die neue Zeit. Auch wenn nicht mehr viele mitziehen. Saskia und Norbert fast allein zu Haus. Fast. Denn Thilo poltert noch geisterhaft auf dem Dachboden herum. Man hört es bis nach Karlsruhe. Die Teufelsaustreibung ist noch nicht vollendet. Und die SPD ist wohl doch noch nicht gerettet.

Die SPD hat fertig. Was wir hier erleben, ist das Zucken dieses völlig verwesten Kadavers, der leider mit seinem Gestank noch die Umwelt vergiftet. Leisten wir doch bitte aktive Sterbehilfe. Ohne SPD sähe die politische Landschaft schon deutlich freundlicher aus. Denn überall, wo derzeit kriminelle Machenschaften, Ausgrenzungen, Bedrohung der einzigen wirklichen Opposition und seiner Mitglieder stattfinden, ist die SPD mit ihren Protagonisten involviert. Sie hat schon längst das Terrain aufrechter Demokraten verlassen und wandert mit totalitärem Impetus in marxistisch-stalinistischen Gefilden.
Einer der wenigen verbliebenen aufrechten Sozialdemokraten wird also vom Hof gejagt. Vom roten Matriarchat beiderseitigen Geschlechts. Und von kleinen Männlein. Vorerst zumindest. Denn wie ich ihn einschätze, wird er bis zur letzten Patrone kämpfen. Was mir sehr gefällt, in diesem glattgebügelten, verlogenen PC-Konglomerat der Altparteien. Die in ihrem Wahn eine einst stolze Nation zugrunde richten. Es gibt zuwenige von seinem Kaliber, aber mir scheint, es werden langsam mehr. Weil die Erkenntnis der um sich greifenden Blödheit und Inkompetenz immer größere Kreise zieht. Und dann geht es hoffentlich den ideologiekranken Figuren in Politik und Medien an den Kragen. Darauf freue ich mich schon jetzt.
Doch, Herr Bonhorst: Die SPD ist bereits gerettet! Ihre wichtigste Person ist nicht Brandt oder Wehner (Friede ihrer Asche) oder gar Esken. Ihre wichtigste Person ist die Schatzmeisterin. Sie nämlich hat still und leise ein (Medien-) Imperium aufgebaut, das die SPD auf Jahrzehnte unabhängig von Wahlergebnissen macht . Ungezählte hoch bezahlte und einflussreiche Pöstchen für mittelmäßige SPD-Parteibuch-Besitzer bieten neben der Politik und dem Öffentlichen Dienst auch die Medien, Gewerkschaften, Verbände, NGO's etc. So ist die SPD über die Deutsche Druck und Verlagsgesellschaft u.a. auch am mächtigen Madsack-Verlag maßgeblich beteiligt, der auf dem Zeitungssektor z.B. in und um Hannover nahezu eine Monopolstellung besitzt. Beispielhaft und erfolgreich zeigt die SPD, wie sich Parteien den Staat zur Beute machen. Ihr Einfluss ist gesichert - auch ohne Wähler.
Ginge es um die Ehre, wäre er schon vor Jahren ausgetreten, nachdem man ihn wegen seines Buches "Deutschland schafft sich ab" in der Luft zerrissen hat. Und zwar mit großem Abgang und öffentlicher Anklage der SPD, die weder andere Meinungen zulässt, noch, nicht zuletzt durch die Agenda 2010 und ihrer Einwanderungspolitik, ihrem Image als "Arbeiterpartei" mehr gerecht wird. Ich wage zu behaupten, dass die letzten 10% noch die SPD gewählt haben, TROTZ der aktuellen Vorsitzenden, nicht wegen. Und ich hoffe, dass es bei den nächsten Wahlen noch ein bisschen weniger werden. Mein Herz schlägt links, ich wünsche mir soziale, gerechte Politik für kleine Leute. In DEUTSCHLAND, wohlgemerkt, nicht für Hinz und Kunz aus aller Welt. Deswegen ist DIESE SPD für mich nicht mehr wählbar. WAS den Herrn Sarrazin dazu bewegt, unbedingt dort Mitglied sein zu wollen, ist mir ein Rätsel.
Ich würde so gern von Herrn Sarrazin selbst erfahren, warum er um seinen Verbleib in der SPD gekämpft hat. Ich würde es wirklich gern VON IHM hören und nicht nur Mutmaßungen anderer lesen. Werter Herr Sarrazin, die SPD ist verloren - und in dieser Partei haben auch Sie nichts mehr verloren, weil Sie nichts ausrichten können. Mit Ihrem Fachwissen und Ihrem unverschleierten Blick auf Deutschland werden Sie hoffentlich noch ein Betätigungsfeld - in welcher Form auch immer - finden. Andere Frage, die mich als Lehrerin i.R. umtreibt: Wie geht es Ihrer Frau (Kollegin), die ja vor Jahren wegen Ihnen sozusagen in "Sippenhaft" genommen wurde?
Ich habe mich lange gefragt, was ihn in diesem heruntergekommenen Haufen einer ehemaligen Volkspartei noch hält. In seiner Erklärung hat er sich zum Bad Godesberger und Hamburger Programm geäußert. Die sind offensichtlich nicht schlecht, und Sarrazin verteidigt diese gegen den aktuellen Ungeist, Ich habe zwar noch nie SPD gewählt, aber ich respektiere jene, die wirklich auf der Grundlage der Programme sich um die Zukunft Deutschlands sorgen.
Wen könnte man jetzt noch aus der SPD rauswerfen? Mir fällt da jetzt keiner mehr ein, der so kompetent wäre, dass man ihn rausschmeißen müsste.