Sag mir, wo Du stehst, Sahra

Nun liegt sie knapp eine Woche hinter uns, eine der wohl verlogensten (Macht-) Demonstrationen des herrschenden Merkelkartells, das sich am Samstag #unteilbar selbst beweihräuchert hat. Wie bereits ScienceFiles angemerkt hat, war diese Demonstration eben kein „Protest gegen politische Entscheidungen, sondern […] eine Art von Veranstaltung, die darauf abzielt, Themen zu inszenieren, […] die zwischen Demonstranten und der politischen Klasse, an die sie sich richten, nicht umstritten sind“, vielmehr noch sind solche „Aufmärsche“, wie weiland in der DDR, „politische Inszenierungen […] die dazu dienen, die Regierung und die sie tragenden Parteien zu stützen“.

Jeder Teilnehmer sollte sich zudem einmal selbst fragen, welche Aussagekraft seine Teilnahme an einer Demonstration hat, die erstens von einem Anwalt der linksextremen „Roten Hilfe“ organisiert, zweitens von antisemitischen wie demokratiefeindlichen Islamistenverbänden getragen und drittens von einem Sammelsurium linksextremer Ewiggestriger von MLPD über DKP bis hin zum VVN-BdA unterstützt wird. Wer nun sagt, wie ich es häufiger in Blasen der grünurbanen Kosmopolitenklasse gelesen habe: Wo ist das Problem, dass ein Anwalt der Roten Hilfe die Demo organisiert und was hat das mit der Roten Hilfe zu tun? Dann erwarte ich jedoch von solchen Menschen auch, dass sie es akzeptieren und so konziliant darüber hinwegsehen, dass ein Horst Mahler sich nicht nur für die NPD engagierte, sondern diese auch im Verbotsverfahren anwaltlich vertrat.

Und weiter. Wer sich über die Vorgänge in Chemnitz echauffiert, darüber, dass dort AfD, Pegida und Neonazis Hand in Hand marschiert wären, kann nicht Seite an Seite mit Hardcore-StalinistenMullah-treuen Holocaustleugnern und Steinzeitfaschisten von Hamas und Muslimbruderschaft demonstrieren gehen. Übrigens gibt es einen fundamentalen Unterschied zu Chemnitz: Während die Demos im Osten der Republik von Bürgern und Demokraten organisiert und dann in Teilen von hirnverknoteten Nazis missbraucht worden sind, ist es bei den Berliner Demonstranten genau umgekehrt. Antidemokraten und Antisemiten haben den „Aufmarsch“ mitorganisiert und inszeniert, einfache Bürger sind mitmarschiert.

Die linksliberale Medienblase feiert ihre „Sammlungsbewegung“

Sucht man #unteilbar-kritische Rezensionen in linken Medien, die auch die eben aufgezeigten Widersprüche reflektieren, wird man nur mit Mühe fündig werden. Beispiele sind hier die Jungle World, die ruhrbarone oder auch die NachDenkSeiten. Ganz im Gegenteil dazu feiert sich die Soja-Cappuccino-Medienlinke in vollendeter Selbstüberschätzung auf allen Kanälen vollkommen ungeniert selbst. 

So ist der Freitag „Für die solidarische Weltgesellschaft!“, das Neue Deutschland proklamiert den „Aufstand gegen Rechts“, die junge Welt reklamiert „Kilometerlang Solidarität“, die taz meint „#Wirsindganzvielmehr“, der Spiegel feiert die „Großdemo für eine offene Gesellschaft“ und die ZEIT schließlich sieht einerseits die „Zeit sich zu wehren“ und andererseits – und da wird es später nun spannend für Frau Wagenknecht – „Die Sammelbewegung ist da“

Ich greife hiervon zwei Artikel heraus, wovon der eine das Selbstbild dieser Champagnerlinken offenbart und der andere aus diesem Selbstbetrug eine zu Wagenknechts Aufstehen konträre Sammlungsbewegung postuliert. So darf in der ZEIT ein „Investigativjournalist“ sein ganz eigenes simples Weltbild zurechtzimmern, in der eine „Zeit sich zu wehren“, den Clash of Cultures für die Grünglobalisten zu ihren Gunsten entscheiden soll. Demnach gibt es für ihn zwei Deutschlands: 

„Die einen tragen und organisieren unser friedliches Zusammenleben, als Flüchtlingshelferinnen, in Sportvereinen, als Betriebsräte, in Naturschutzorganisationen, bei der freiwilligen Feuerwehr, im Schulelternrat oder im Kirchenvorstand. Die anderen machen sich Sorgen. Das tun sie ziemlich laut. Und sie werden damit gehört, weil vor allem konservative Politiker denken, wo es laut ist, müssten auch viele Leute sein.“

Das ist an moralinsaurer Selbstüberhöhung und Wirklichkeitsverleugnung wirklich ein Glanzstück linksliberaler Dialektik. Auf der einen Seite die Guten, die sich ehrenamtlich engagieren, also das hell leuchtende Deutschland. Und auf der anderen Seite die ohne Grund besorgten Bürger, kurzum: die Dunkeldeutschen, die nur herumstänkern können und doch als fleißige Steuerzahler gerne für den Migrationsspaß der Hedonistenlinke herhalten dürfen. Doch hier ist nicht Schluss:

„Über die Jahre ist aus der Sorge Wut geworden und aus Wut Hass […] Hass ist ein mächtiges Gefühl. Er macht stark, erhebt einen über die anderen, braucht keine Erklärungen, kennt keine Zweifel und macht vor nichts Halt. Menschen, die hassen, schreien dumpfe Parolen, verbreiten Lügen und denunzieren Andersdenkende, sie jagen Menschen durch die Straßen und greifen Geschäfte, Lokale und Wohnungen an […] Jetzt gilt es, laut und vernehmlich zu sagen, wie man gut zusammenleben kann und dass Hass hierzulande keinen Platz hat.“

Allerdings macht nicht nur Haß blind, erklärungsresistent und über alle Zweifel erhaben, dumpfe Flüchtlingslobhudelei hat in den letzten drei Jahren den gleichen Effekt auf der linksgrünen Seite erzielt. Frage: „Lügt“ der Investigativjournalist hier auch selbst, wenn er von Menschenjagden halluziniert? Aber im Grunde ging und geht es bei #unteilbar natürlich nicht um einen Kampf gegen Hass. Wie auch, wenn man mit Antisemiten und Verfassungsfeinden gemeinsame Sache macht! Sondern vielmehr darum, in einem Aufmarsch mit eindeutiger DDR-Reminiszenz, die Staatsdoktrin des „Wir schaffen das“ in einem kollektiven Wahn der „guten Deutschen“ abzufeiern.

#unteilbar begrüßt alle Armutsflüchtlinge der ganzen Welt

So ist demnach nicht verwunderlich, dass ein Autor des Freitag in #unteilbar die viel geeignetere linke Sammlungsbewegung sieht, da diese sich im Gegensatz zu Wagenknechts Aufstehen ganz anderes, weil antirassistisch und migrationstrunken, positioniere:

„Der Text von #aufstehen befasst sich zu gefühlt 95 Prozent mit der Sozialstaatsfrage und den Bestrebungen des deutschen Kapitals, während vom Rassismus nur sehr am Rand und in einer nicht ganz unproblematischen Begründungskette die Rede ist. Diese geht vom Verständnis dafür aus, dass, nachdem der Sozialstaat eh schon in der Krise sei, ‚die Flüchtlingsbewegung zu zusätzlicher Verunsicherung geführt‘ habe.“

Ganz anderes hingegen stellt sich diese unteilbare Sammlungsbewegung aus der Mottenkiste linker Islamophilie dar, die jeden islamistischen Judenfeind dieser Welt ihre uneingeschränkte Solidarität zukommen und unseren Sozialstaat plündern lässt, weil dies die deutsche Bevölkerung ja bekanntlich auch wünsche:

„Insofern als #unteilbar nicht von der Sozialstaats- auf die Rassismusfrage, sondern genau umgekehrt von der Rassismus- auf die Sozialstaatsfrage kommt, sind die Aufrufe einander diametral entgegengesetzt […] Theoretisch aber steht die Frage so, ob wir die Grenzen ‚allen, die Anspruch auf unsere Solidarität haben‘, öffnen oder nicht. Zu denen, die Anspruch haben, gehören selbstverständlich ‚alle‘ Armutsflüchtlinge ‚der ganzen Welt‘ […] weil eine seit 2015 konstante große Mehrheit der Deutschen die Immigration begrüßt.“

Warum diese hanebüchene Eindimensionalität in Analyse und Wahrnehmung der Realität vom linken Medienkartell so beklatscht wird, liefert ein in jeder Hinsicht „subjektiver“ Einblick eines Spiegel-Kommentators, der in einer unbeabsichtigten psychoanalytischen Selbstreflexion den Wahn der #unteilbar-Jünger transportiert:

„Beängstigend ist, dass Teile von CDU, CSU, und SPD vor den Drohgebärden dieser Möchtegerndiktatoren [gemeint ist die AfD] einknicken […], weil sie glauben, so ticke ‚das Volk‘ [… ] Auf der einen Seite steht [also] die AfD mit ihren chauvinistischen Träumereien und auf der anderen Menschen, die für ein freies, selbstbestimmtes Leben eintreten. Auf der einen Seite stehen die Autoritären - auf der anderen die Verfechter der Freiheit.“

Zusammengefasst also Wirklichkeitsverleugnung, Verschwörungstheorien und Flüchtlings-Abgötterei aus der linksliberalen Medienblase. Inwiefern dies eine Kassiererin im Einzelhandel, einen Maurer auf dem Bau oder einen flaschensammelnden Armutsrentner begeistern soll, die mit ihrem spärlichen Einkommen mehr schlecht als recht über die Runden kommen, aber jetzt „unteilbar“ die ganze Welt nach Deutschland kommen sehen und alimentieren sollen, bleibt wohl auf ewig das Geheimnis der grünurbanen Politik- wie Medienbohème, die sich hier tatsächlich eher selbst beklatscht als zu „sammeln“. Eigentlich sollte es für Sahra Wagenknecht doch ein leichtes sein, diese Proseccolinken zu entzaubern!?

Sahra Wagenknecht bleibt sitzen

Sahra Wagenknecht selbst scheint #unteilbar zunächst nicht ganz geheuer gewesen zu sein, wobei sie aus dem Aufruf „für eine offene und freie Gesellschaft […] Solidarität kennt keine Grenzen“ ganz naheliegende Schlussfolgerungen zog. Berechtigterweise stellt sie fest, dass eine „grenzenlose Solidarität“ im Grunde nichts anderes als eine Chiffre für „offenen Grenzen für alle“ sei. So zeige #unteilbar Tendenzen auf, „wo eine bestimmte Position, nämlich offene Grenzen für alle, schon wieder als die bestimmende Position dargestellt“ wird, und dies sei eine Forderung „die die meisten Leute als völlig irreal und weltfremd empfinden und damit ja auch recht haben“.

Mit dieser Kritik liegt Wagenknecht auch ganz auf der Linie von Albrecht Müller, ihres Spiritus Rector der NachDenkSeiten, der im Vorfeld der Demonstration schrieb:

„[Es] geht um die Frage, ob und wie offen die Grenzen sein sollen. Und auch um die Frage, ob und welche Folgen eine unbegrenzte Migration für die Löhne, für die Arbeitslosigkeit und den Wohnungsmarkt haben […] Akzeptieren wir, dass es Menschen unter uns gibt, die ihre – aus mancher Sicht kleine, begrenzte – Welt erhalten wollen. Es ist aus der Sicht der Weltbürger, aus der Sicht der Menschen im urbanen bunten Milieu eine provinzielle Welt. Wenn wir aber deren Lebensgefühl und ihre Vorstellung von ihrem Umfeld nicht als möglich betrachten und stattdessen als fremdenfeindlich, intolerant, verschlossen, eben Ausdruck des Gegenteils einer offenen Gesellschaft bezeichnen und brandmarken, dann diffamieren wir diese Menschen […] Es gibt Menschen, viele Menschen, denen es nicht gut geht. Ein Aufruf für eine ‚offene und freie Gesellschaft‘ geht an ihnen vorbei.“

Doch Wagenknecht hat hier die Rechnung ohne den Wirt, das heißt, die Nomenklatura der Linkspartei um die Parteivorsitzenden Kipping und Riexinger, gemacht, die in #unteilbar selbst ein Projekt linker Gesellschaftstransformation, mehr noch den Klassenkampf sehen:

„Rassismus und soziale Kälte sind Brüder im Geiste. Für eine freie und vielfältige Gesellschaft, für soziale Gerechtigkeit und Sicherheit gehen wir am Samstag gemeinsam mit Tausenden auf die Straße! […] Die solidarische Gesellschaft ist eine, in der sich Menschen die Hände reichen statt nach unten zu treten, in der alle aufeinander aufpassen und gemeinsam stark sind. Das riecht nach Klassenkampf [sic!] - und genau den führen wir. Wir können Gerechtigkeit nur gemeinsam erkämpfen […] wir alle ziehen an einem Strang, denn Menschenrechte, Freiheit und Solidarität sind unteilbar.“

So sprangen den Parteivorsitzenden mehrere Spitzenpolitiker der Linkspartei zur Seite. So sprach Jan Korte, der Parlamentarische Geschäftsführer der Linken, davon, dass er sich freue, „wenn am Wochenende Zehntausende gegen Rassismus und für soziale Gerechtigkeit aufstehen“ und es ihm so unverständlich sei, „dass sich Sahra Wagenknecht von der Demonstration offenbar irgendwie distanziert“. Noch schärfer ging Stefan Liebich, der außenpolitische Sprecher der Linkspartei im Bundestag, mit Wagenknecht und Aufstehen ins Gericht: „Die Aussage von Sahra Wagenknecht, dass sie und ihre Formation Aufstehen sich nicht an der Demonstration am Wochenende beteiligen […] das hat aus meiner Sicht eine Grenze überschritten“. So konstatiert Liebich weiter, „Sahra [muss sich] entscheiden, wo ihr Herz schlägt […] ob es links schlägt oder für Aufstehen [sic!]“.

Und sie bewegt sich doch … in Richtung #unteilbar

Angesichts dieses Gegenwindes aus der eigenen Partei bzw. der eigenen Fraktion und der offensichtlichen Unterstützung von Prominenten aus der Aufstehen-Sammlungsbewegung wie Fabio De Masi oder dem SPD-Linken Marco Bülow – mittlerweile sogar mit einem eigenen Facebook-Post von aufstehen garniert – ruderte Wagenknecht in zwei Facebook-Posts zurück. Im ersten Post auf ihrer eigenen Facebook-Seite schrieb sie, sich erst vorsichtig distanzierend:

„Selbstverständlich begrüße ich es, wenn Menschen für Solidarität und gegen Rassismus auf die Straße gehen. Gegen ein gesellschaftliches Klima des Hasses braucht es klare Zeichen. Am Samstag werden sich sicherlich auch Unterstützerinnen und Unterstützer von Aufstehen an der Demo in Berlin beteiligen. Der Unteilbar-Aufruf hat aber das Problem, dass weder die Verantwortlichen für Fluchtursachen noch für den massiven Sozialabbau der letzten Jahre benannt werden. Damit fehlt dem Protest aber die wichtige Adressierung der politischen Verantwortung für die gravierenden Missstände. Es gibt auch viele Menschen, die sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wehren wollen, und zugleich eine Regulierung der Migration für unerlässlich halten. In einer sachbezogenen und demokratischen Auseinandersetzung muss auch dieser Standpunkt respektiert werden.“

Im Facebook-Post auf der Seite von Aufstehen, der einen Tag später erschien, klingt das alles dann schon eher nach Kipping, Riexinger und deren Entourage:

„Richtig ist, dass Sahra Wagenknecht auf einer Veranstaltung in Berlin inhaltliche Kritik an dem Aufruf zur unteilbar-Demo formuliert, sich aber unabhängig davon dafür ausgesprochen hat, dass möglichst viele Menschen gegen Rechtsentwicklung und Rassismus auf die Straße gehen. Sie hat dafür geworben, in Zukunft auch Menschen in diesen Protest einzubeziehen, die für eine Regulierung der Migration eintreten. Auch hat sie bereits auf dieser Veranstaltung angekündigt, dass sich auch Mitglieder von „Aufstehen“ an der unteilbar-Demo beteiligen werden […] Wir werden unsere Energie darauf investieren in den kommenden Monaten den Druck auf der Strasse gegen soziale Spaltung, den Nährboden der Rechten, zu erhöhen.“

Wagenknechts Vorgehen keine Überraschung

Wer meinen letzten Artikel über Aufstehen noch im Sinn hat, wird Wagenknechts Vorgehen wenig überraschen. Mehr noch steht es im Einklang mit ihren Aussagen zu Chemnitz, bei der sie sich eben nicht mit den Demonstranten solidarisch erklärte, sondern ganz im Einklang mit der linksgrünen Bohème das Vierte Reich heraufbeschwor, indem sie „Hetzjagden gegen Migranten“, „Rassismus und Übergriffe auf Migranten“ sowie „rechten Umtriebe“ sah, der „AfD in Chemnitz“ vorwarf, weiter „zu zündeln und die Menschen gegeneinander aufzuhetzen“ und daher eine „gesellschaftliche Mobilisierung gegen Hass und Gewalt“ sowie „Demonstrationen gegen rechte Aufmärsche“ einforderte.

Wagenknecht und ihre Sammlungsbewegung haben ein offenkundiges Problem in der Analyse dessen, was ihre künftige Wählerschaft – sofern aus Aufstehen denn einmal eine Partei entstünde – tatsächlich bewegt. Statt die innenpolitische Migrationskrise aufzugreifen, lieber #unteilbar auf Flüchtlingstrunkenkeit zu setzen, statt sich mit den Protesten der ostdeutschen Bürger zu solidarisieren, lieber diese zu dämonisieren, statt die Interessen von Arbeitern, Angestellten und Rentnern zu vertreten, lieber Soja-Latte mit den Grünurbanen zu schlürfen, scheint einen potenziellen Wahlerfolg bereits heute nachhaltig zu beschädigen.

Allerdings passt dies zur Themensetzung der Beiträge auf der Facebook-Seite von Aufstehen seit dem Startschuss der Bewegung Anfang September. Als würden sich hier die Chefpropagandisten von grünen Wohlstandsbürgern die Klinke in die Hand geben, geht es in vielen Beiträgen darum, den „Hambi-Erfolg“ abzufeiern und den hirnverstrahlten Demonstranten im Hambacher Forst auch noch einen Persilschein für ihren Ökofaschismus auszustellen (beispielsweise hier,hier oder hier). Weitere Themen sind Bashing der Energie- und Automobilindustrie, Diesel-FahrverboteWelthungerTierschutz im Dienste des „Hambi-Erfolgs“, Pflegekollaps oder Miethaie. Das klingt alles nicht nur wie eine billige Kopie von den Grünen und der Kipping-Linken, das ist es in der Realität auch.

Steht Wagenknecht auf Seiten der antinationalen Grün-Globalisten?

Dazu korrespondieren auch Aussagen eines Interviews, welches Wagenknecht unlängst dem in den USA beheimateten, sozialistischen Magazin „Jacobin“ gegeben hat. Ganz der Blase des ergrünten Antifaschismus verhaftet, sagt sie dort über die AfD und den rechtsdemokratischen Widerstand:

„The AfD – a party that marches in street demonstrations alongside neo-Nazis – has become the leader of the opposition […] one of our key issues at the moment is driving back the advancing right wing in Germany and stopping people from drifting towards the Right“

Weiterhin wettert sie gegen das nationale Aufbegehren, was sie – dabei der grün-globalistischen Lesart verpflichtet – schlicht unter dem Begriff „Nationalismus“ zusammenfasst und welches „unvereinbar“ mit linker Politik sei:

„I consider nationalism to be irreconcilable with left-wing politics […] I fundamentally reject this kind of thinking and would under no circumstances accept catering to it.“

Wagenknecht scheint bereits hier vor den antideutschen wie antinationalen Entristen aus Grünen und SPD eingeknickt zu sein. Was besonders der Vergleich des Gründungsaufrufs von Aufstehen mit dem im Mai lancierten Aufruf, der damals noch unter dem Label #fairLand firmierte, nahelegt. 

So hat man zu Beginn den Satz „Macht triumphiert über Vernunft“ durch „Profit triumphiert über Gemeinwohl“ ersetzt, also in typisch sozialistischer Folkloristik die individuelle Ratio durch den kollektiven Schwarm substituiert. Während im ursprünglichen Text noch von der „Wahrung kultureller Eigenständigkeit […] mit Respekt vor Tradition und Identität“ die Rede war, fehlt dieser Teil Habeck-konform nun völlig. Stattdessen wird auf der grünesoterischen Klaviatur von Umwelt und naturverträglichem Wirtschaften gespielt, die vormals nur eine untergeordnete Rolle spielten.

Am deutlichsten wird diese Divergenz jedoch bei der Positionierung zur Flüchtlingskrise. War bei #fairLand noch sehr deutlich ein Zusammenhang zwischen fehlendem Sozialstaat, der „keine Sicherheit mehr gibt“ und dem Faktum, dass „die Flüchtlingskrise […] in Deutschland zu großer Verunsicherung geführt“ hat, erkennbar, übt sich Aufstehen in der Litanei des Antirassismus, wenn diese Verunsicherung in Zusammenhang gesetzt wird mit „Übergriffe[n] auf Menschen aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Religion“. Komplett hat Aufstehen eine recht prägnante Aussage von #fairLand gestrichen, die das Problem eines „radikalisierten Islams“ thematisierte:

„Wenn die Politik dann noch zuschaut, wie Hassprediger eines radikalisierten Islam schon 5jährigen Kindern ein Weltbild vermitteln, das Integration nahezu unmöglich macht, wird das gesellschaftliche Klima vergiftet.“

Es bleibt der Eindruck, dass Sahra Wagenknecht hier zu sehr auf ihre grünen Einflüsterer und die neuerdings Aufstehen-freundliche Tageszeitung „Neues Deutschland“ (siehe hierhier oder hier) gehört zu haben scheint. Statt des ursprünglichen Dreiklangs „Kultur und Identität bewahren“, „Mehr Sozialstaat wagen“ und „Migration Grenzen setzen“ setzt sie nun auf ein hipperes Programm von „grünem Sozialstaat“, „umweltverträglichem Wirtschaften“ und „linksalternativem Antirassismus“. Der Artikel im Neuen Deutschland verdeutlicht die grünurbane Malaise von Aufstehen:

„Die Hintergründe der Anwesenden sind unterschiedlich: Hier sitzt die Ostberliner Erzieherin neben dem Naturschutzbundler. Auch LGBTI-Aktivisten und Studenten sind gekommen […] Migrations- und Flüchtlingspolitik kamen als Themen kaum vor. Wohl aber die AfD und der Rechtsruck im Land, den viele als Beweggrund nannten, jetzt wieder aktiv zu werden“

Wagenknechts Einflüsterer und Vordenker

Weiter unterstreicht diese Hypothese „der falschen Einflüsterer“ ein am Dienstagabend im Tagesspiegel veröffentlichtes Interview mit dem Aufstehen-Vordenker und Dramaturgie-Professor Bernd Stegemann. Das Feindbild ist bei Stegemann so klar, wie es Sahra Wagenknechts Interview mit dem Jacobin-Magazin bereits verdeutlichte. Es heißt: AfD, AfD, AfD. Wobei die soziale wie politische Schieflage in Deutschland ja eigentlich ganz andere Mütter und Väter hat:

„Unser Ziel ist eine Befreiung aus der rechten Geiselhaft [sic!], indem wir eine linke Alternative so stark machen, dass die Leute sie der AfD vorziehen. Wenn ich mich auf das Spiel des Ressentiments einlasse, bin ich gezwungen, selbst ins moralisierende Ressentiment zu gehen […] Es bringt nichts, gegen das Rechte mit den Waffen des Rechten zu kämpfen. Entscheidend ist für mich, dass die Rechten an einem bestimmten Punkt anzugreifen sind: der sozialen Frage […] Interessant ist, wie dort die Rentenfrage verdrängt wird […] Und daran wird sie [die AfD] hoffentlich zerbrechen.“

Die Einlassungen Stegemanns zur Migrationspolitik scheinen auch dem grünen Flüchtlingskatechismus zu entstammen – man achte auf das PC-Wort „Geflüchtete“. Die Ängste der Menschen seien ja eigentlich nur auf einen Sündenbock fokussiert und somit völlig unbegründet:

„Die Angst entsteht nicht, weil plötzlich der Geflüchtete nebenan wohnt. Die Angst war vorher da. Weil Sorge um den Arbeitsplatz besteht, vor Überschuldung, um die Zukunft der Kinder. Plötzlich kommt ein Politiker, der sagt, übrigens, die Ursache all deiner Ängste ist der fremde Mensch, der nebenan wohnt. Das ist Sündenbock-Theorie.“

Dass Stegemann genauso wenig wie Wagenknecht in den Sinn kommt, dass es Menschen in Deutschland gibt, die ihre Kultur, Heimat und Identität erhalten und nicht durch islamistische Glücksritter verdrängt sehen wollen, ist eigentlich verwunderlich, wenn man den ursprünglichen Text von #fairLand noch im Sinn hat. Letztlich sind so auch seine Antworten auf die soziale Frage, der sich #fairLand originär einmal verschrieben hatte, nur noch in Form eines verschwurbelten Grünsprechs erhalten geblieben:

„In unserem Programm steht klar, dass wir für eine soziale Frage stehen und gegen alle Arten von Diskriminierung sind. Jeder, der gerade die hegemoniale Zusammenarbeit von Moral und Kapitalismus kritisiert, muss sich in einer bestimmten Weise aus einem grobianischen Vokabular bedienen, auf den Putz hauen, um Gehör zu finden.“

So kann man angesichts dieser immer fragwürdiger erscheinenden Ausrichtung von Aufstehen nur mit einer Frage an Sahra Wagenknecht schließen, die dem Agitationslied der DDR entstammt, und deren Beantwortung diejenigen Menschen interessieren wird, die in Aufstehen eine Alternative zum politischen Allparteienblock gesehen haben: Sag mir, wo Du stehst, Sahra?

Foto: Raimond Spekking CC-BY-SA 4.0 via Wikimedia

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Leserpost (39)
Martin Schau / 19.10.2018

Sarah Wagenknecht steht lediglich für den altbekannten sozialistischen Meinungsstreit und damit in einer langen Tradition der partei-intern verhassten “Abweichler”. Sie erlaubt sich vieles, weil zahlreiche Bürger sie mögen und ihren wahren politischen Positionen kaum Beachtung schenken. Gefährlicher für Land und Leute ist jedoch die vollkommen entfesselte Freund-Feind-Propaganda der ehemaligen Leitmedien.

Michael Jansen / 19.10.2018

Am Abend der #unteilbar-Veranstaltung wurde natürlich auch in der Tagesschau berichtet. Und siehe da, die Aktuelle Kamera schien fröhliche Wiederauferstehung zu feiern. Die Demo war erstes Thema, der Bericht ungewöhnlich lang (ich habe leider nicht mitgestoppt, ob das klassische 1:30-Format übererfüllt wurde) und der Sprecher hatte eine unübersehbare Begeisterung in Blick und Stimme. Er schien gar nicht zu merken, dass die angeblichen “Proteste” lediglich aktuelle Regierungspolitik propagierten und dabei gleichzeitig die Ansichten der Opposition als rassistisch und faschistisch verunglimpften. So etwas hat man doch bis 1989 des öfteren im Fernsehen der DDR bewundern dürfen, nur dass bei den damaligen Kundgebungen regelmäßig die Genossen Honecker & Co. gefeiert wurden und sich die Demonstranten auf die Verteidigung des Sozialismus einschworen. Einfach nur peinlich, damals wie heute!

Werner Kirmer / 19.10.2018

bin nicht ohne Grund 82 aus der SED ausgetreten. Karrieristen und Schleimscheißer, verbrämt mit Mielkes: “Ich liebe euch doch alle.”

REGINA KRAUSE / 19.10.2018

Ich glaube, hier akzeptieren einige, wie auch Sie, Herr Ermler, den Willen des Volkes nicht. Wir leben in einer Demokratie.  Deshalb sollten ALLE vor dem Grundgesetz demokratischen Parteien angehört werden. Frau Wagenknecht ist die einzige Politikerin, die “das Kind beim Namen nennt “. Die Medien sollten mehr die Ausschnitte der Bundestagsdebatten veröffentlichen, die konkrete Probleme unsere Gesellschaft ansprechen, damit das Volk über alle, auch die negativen Aktivitäten unserer aktuellen Regierung, informiert wird. Wir sehen in den Massenmedien nur noch das, was wir sehen sollen. Das entspricht schon lange nicht mehr der Wirklichkeit.  Die Konsequenz: Absturz der GroKo. Wachen Sie endlich auf, Herr Ermler.

Heinz Thomas / 19.10.2018

Zu viel Gewese um die Wagenknecht und die Berliner Massenverblödungs-Demo. Der Nebel würde sich schlagartig lichten, wenn man den Berliner Mitlatschern eröffnet hätte: Alles wofür ihr steht, wird auch von Euch finanziert. Das Affentheater hätte keine Affen mehr, nur noch Kulissen. Und Wagenknecht würde auch nicht mit ihrem Privatvermögen für die verqueeren Ideen einstehen.

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