Sachsens linksgrün gestützte CDU-SPD-Minderheitsregierung will auch Schwachwindgebiete zu sogenannten Windvorranggebieten erklären lassen. Der Widerstand in den betroffenen Regionen wächst, auch wenn den Bürgern der Widerspruch schwer gemacht wird.
Vor einer Weile sind die sogenannten Windvorranggebiete für den gesamten Freistaat durch die zuständigen regionalen Planungsverbände bekannt gegeben worden (zur Vorgeschichte mehr hier: „Windradkarte des Grauens für die Region Leipzig“). Am Freitag, den 11. Juli 2025, läuft die Frist aus, bis zu der sich betroffene Bürger, hauptsächlich im ländlichen Raum in Sachsen, gegen oder auch für Windvorranggebiete vor ihren Dörfern und Städten äußern können.
Nach einer vorläufigen vorsichtigen Schätzung des Autors wird es sachsenweit mehrere tausend Einwendungen geben. Ab Mai – direkt nach der offiziellen Bekanntgabe der Flächen, die von den Planungsbehörden als geeignet für industrielle Windkraftkraftanlagen erklärt werden – schossen quer durch den Freistaat Gegenwind-Bürgerinitiativen wie Pilze aus dem sächsischen Boden. Hier einigen Beispiele: Gegenwind Thallwitz, Gegenwind am Schildberg, Gegenwind Beucha Zweenfurth, Gegenwind Machern, Gegenwind Belgershain Naunhof, Gegenwind Bad Lausick, Gegenwind Zwickauer Land, Gegenwind Klingenberg, Rennersdorfer Gegenwind und Gegenwind Oderwitz Herrnhut. Weitere Bürgerinitiativen sind hier zu finden .
Für die Gegenwind-Bürgerinitiativen begann ein Rennen gegen die Zeit. Vom 12. Mai bis 11. Juli 2025 (das betrifft das Planungsgebiet Leipzig-Westsachsen) konnten sich Bürger, in deren Regionen Windvorranggebiete geplant sind, gegenüber der Planungsbehörde äußern. Doch wie soll sich jemand äußern, der überhaupt nicht weiß, dass er es darf und sollte, der über keine sachlichen Informationen verfügt und der sehr wahrscheinlich zuvor jahrelang der Deutsche-Windräder-retten-das-Weltklima-Propaganda grüner Lobbygruppen ausgesetzt war? Im Eiltempo organisierten sich zahlreiche Gegenwind-Initiativen, erstellten Webseiten, sammelten Informationsmaterial und organisierten Informationsveranstaltungen, alles ehrenamtlich, alles zeitintensiv. Aus eigener Anschauung bekam der Autor mit, dass der sogenannte Beteiligungsprozess eine pseudopartizipatorische Farce ist. Der einfache Bürger ist mit all den Informationen schlichtweg überfordert.
Planungsbürokratie und Bürgerbeteiligung: wie Feuer und Wasser
Wie hochbürokratisch, abgehoben und bürgerfeindlich Planungsbehörden relevante Unterlagen der Öffentlichkeit bekannt geben, zeigt sich am Beispiel des Planungsverbandes Leipzig-Westsachsen. Wer im ländlichen Raum ein stabiles Internet, Glück und einen Tipp bekommen hat, wo er sich informieren sollte, der musste sich zunächst von der Webseite des Planungsverbandes eine Zipdatei herunterladen, mehrere Dokumente entpacken, sich hunderte Seiten sorgfältig durchlesen, eigene Schlüsse ziehen und dann eventuell eine Einwendung an den Planungsverband schreiben, in der er sachlich fundiert begründet, warum er Mega-Windräder vor seiner Haustür nicht haben möchte.
Er hätte seine Einwendung auch gleich online zu einzelnen Punkten verfassen können. Wichtig wäre auf jeden Fall die Lektüre des 55-seitigen sogenannten Umweltberichtes der TU Dresden gewesen, ein – aus Sicht des Autors – pseudo-gutachterliches Traktat aus der Kategorie Schrottwissenschaft (junk science), das wortreich mit Tabellen und bunten Bildchen mitteilt, dass im Freistaat Sachsen eigentlich kein Platz mehr für Windräder ist, dass man aber hier und da problemlos ein paar Stahlmonster dazwischen quetschen kann - und raus kommt dann das gesetzlich geforderte Flächenziel von zwei Prozent. Was für ein schöner Zufall.
So heißt es auf Seite 7 des Umweltberichtes:
„Die Errichtung von Windenergieanlagen trägt zur Minderung von Treibhausgasemissionen bei und dient damit maßgeblich dem Klimaschutz.“
Klingt richtig unabhängig. Schlimmer wird es auf Seite 11:
„Um die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes der Vorranggebiete Windenergienutzung vergleichend zu bewerten, wurden statistisch die Quantile der Beeinträchtigungsgrade nach der visuellen Verletzbarkeit anhand der Größe des Sichtraumes und der landschaftlichen Erlebniswirksamkeit ermittelt.“
Was meinen die nur damit? Die Sicht des Autors: Knapp 300-Meter hohe Windräder sehen überall gleich schlecht aus. Die folgenden Zeilen von Seite 13 kann ich Ihnen leider auch nicht ersparen:
„Im Ergebnis wurde eine Bewertung der Raumempfindlichkeit von Landschaftsschutzgebieten (LSGs) in drei Wertstufen vorgenommen (gering, mittel, hoch) und flächenkonkret vorgeschlagen, wo Landschaftsschutzgebiete am Rande für Windenergieanlagen geöffnet werden könnten, während die Kernbereiche der Landschaftsschutzgebiete unangetastet bleiben sollten. Mit einer solchen Strategie kann der Schutzzweck des Schutzgebietssystems insgesamt bewahrt und eine „Durchlöcherung“ („Schweizer Käse“) des Schutzgebietssystems vermieden werden und dennoch in geeigneten, weniger schutzwürdigen Bereichen eine Öffnung für die Windenergienutzung erfolgen.“
Beim Thema Windkraft fällt die Brandmauer im Kreistag
Bis vor wenigen Jahren waren Landschaftsschutzgebiete – auch in Sachsen – sakrosankt. Jetzt erfinden Gutachter der TU Dresden plötzlich drei „Wertstufen“ und wollen die Schutzgebiete ja nur am Rande öffnen. So sieht ein astreines Gefälligkeitsgutachten einer staatlichen Universität für einem vom Staat beauftragten Planungsverband im Interesse einer ideologisch gelenkten Energiepolitik aus.
Eine Mehrheit aus BSW, Unabhängiger Wählervereinigung, CDU und AfD im Kreistag Leipziger Land forderte kürzlich bei einer Sitzung deutliche Einschränkungen für die Ausschreibung neuer Vorranggebiete für Windkraftanlagen. Mit 55 Ja-Stimmen, 11 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen wurde ein Antrag angenommen, der den Bau neuer Windkraftanlagen ablehnt, hinreichend Abstand zu Siedlungsflächen und die Einhaltung bestehender Höhenbegrenzungen fordert. Landrat Henry Graichen wurde aufgefordert, dass der Landkreis bei künftigen Genehmigungsverfahren alle Möglichkeiten nutzen solle, um Genehmigungen zu begrenzen oder zu versagen und beim Freistaat darauf hinzuwirken, das Flächenziel im Jahr 2027 von 2 auf 1,3 Prozent zu senken. Das kommentierte Matthias Berger, Kreisrat, unabhängiger Landtagsabgeordneter und ehemaliger Grimmaer OB in der Leipziger Volkszeitung:
„Das ist nichts anderes als ein politisches Zeichen. Aber es ist wichtig, dieses zu setzen.“
Windräder im Schwachwindgebiet sind Schwachsinn
Die Stromerzeugung in Sachsen im Jahr 2022 durch Wind betrug 2.000.000 MWh (Quelle: Statistisches Landesamt Kamenz) durch 852 Windräder mit einer installierten Leistung von 1.361 MW.
Das Kraftwerk Lippendorf produzierte 2022 mit einem Block 6.100.000 MWh grundlastfähigen Strom bei einer installierten Leistung 920 MW (Quelle: E-Mail des Kraftwerksbetreibers LEAG an den Autor). Das Kraftwerk Boxberg produzierte im selbem Jahr 18.000.000 MWh Strom bei einer installierten Leistung von 2.575 MW (Quelle: E-Mail LEAG an den Autor).
Der Anteil des Windstroms in Sachsen am Primärenergieverbrauch betrug 1,1 Prozent (Quelle: Statisches Landesamt Sachsen). Oder übersetzt: Ob Windräder hier stehen und sich drehen oder nicht, spielt überhaupt keine Rolle.
Frage an die Windkraftfreunde: Wenn Lippendorf und Boxberg abgeschaltet sind, was machen wir dann in windlosen Nächten oder an einem windlosen, grauen Tag?
Eine andere Aussage der Befürworter der gepflegten Landschaftsverspargelung macht mich oft ratlos: Irgendwoher muss der Strom ja kommen. Ich dann: Kohlekraftwerke einfach stehen lassen, Kernkraftwerke wieder hochfahren. Dann bräuchten wir kein einziges Windrad (mehr).
Kleiner Quiz: Wie viele Windräder müssen in Sachsen zugebaut werden, damit der grundlastfähgige, preisfähige Kohlestrom (Lippendorf, Boxberg) durch Flatterwindstrom ersetzt und damit das Weltklima auch von Sachsen aus gerettet werden kann? Gegeben: 6 MW installierter Leistung pro Windrad bei jährlich 2.000 Volllaststunden (sehr optimistische Annahme für ein Schwachwindgebiet). Ergebnis: 24.100.000 MWh (ein Block Lippendorf, Boxberg): 12 GWh (Jahresausbeute pro neugebautes Windrad) = 2.008 Anlagen.
Da es aber nicht nach Leistung geht, sondern nach dem politisch festgelegten Zwei-Prozent-Flächenziel, kann es sein, dass in Sachsen noch 3.000, 4.000 oder 5.000 weitere Windkraftmonster errichtet werden (die unsere Umwelt zerstören, Vögel schreddern, tonnenweise Mikroplastik in die Umwelt eintragen, uns mit Infraschall belasten und die wir über unsere Steuern mitbezahlen müssen, Subventionen genannt). Egal ob Leistungs- oder Flächenziel, beide Optionen sind furchtbar. Bevor tausende Windräder in einigen Jahren in Sachsen neu installiert sind: Bitte fotografieren Sie noch einmal Ihre Heimat.
PS: Für eventuelle Rechenfehler bittet der Autor um Entschuldigung.
Stephan Kloss ist freier Journalist. Er lebt bei Leipzig und absolviert nebenberuflich ein Bachelor-Studium im Fach Psychologie.

Die Windräder in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.
Sie drücken halt, so Merkel Sprech die planmäßige Konzerndiktatur durch.
Was für ein paradoxer Schwachsinn! Wie kann ein Schwachwindgebiet zum „Windvorranggebiet“ werden? Nur in Ideologie zerfressenen Politiker Gehirnen! Aber die Sache hat was. Sie ist der leicht nachvollziehbare Beweis daß diese Mischpoke genau weiß, daß dies nicht funktionieren kann. So wird das Schwachwindgebiet zum Schwachsinngebiet.
@Klaus Brand: Dankesehr für Ihren kritischen Blick auf die Zahlen!
„Windvorranggebiete“. Der Begriff spricht Bände.
Schwachsinn im Schwachwindgebiet. Nicht nur dort. Das ganze Konzept der Dauersubventionierung von Solar- und Windenergie ist idiotisch. Es bereichert die Solar- und Windbarone und zockt den normalen Stromnutzer ab.
Zitat: „Ergebnis: 24.100.000 MWh (ein Block Lippendorf, Boxberg): 12 MWh (Jahresausbeute pro neugebautes Windrad) = 2008 Anlagen. “
Nach den Angaben wäre das richtige Ergebnis 2.008.333 Anlagen. Allerdings ist der Wert von 12 MWh grob falsch, es muß nach den Werten die vorab angegeben wurden natürlich heißen 12.000 MWh Jahresertrag. (Anm. d. Red.: ist korrigiert)
Rechnet man mit diesem Wert, so kommt man auf das korrekte Ergebnis 2.008 Anlagen. Ein Doppelfehler, der sich kompensiert. Perfekt gemacht.
Was mich an dem Artikel stört: Ich habe stichprobenartig bei zwei der angeführten Gegenwindvereine nachgeschaut. Dort heißt es unisono: Wir sind ja FÜR erneuerbare Energien, aber doch nicht HIER bei uns. Das ist das klassische Trittbrettfahrerverhalten-oder wie man heute sagt NIMBY (Not In My BackYard-Nicht in Meinem Hintergarten). Das ist das typische tiefenverlogene Verhalten von feigen Spießbürgern. Entweder ich bin FÜR erneuerbare Energien, dann muß ich sie auch in meinem Umfeld dulden. Oder ich bin dagegen, dann stehe ich dafür ein, daß sie auch anderswo nicht eingesetzt werden. Dann bin ich konsequenterweise für Kohle und Kernkraftwerke. Letzteres trifft auf mich zu. Man macht sich bei den NIMBYs keine Freunde damit, aber offengesagt, die können mir mal gepflegt am Arsch vorbeigehen.