Stefan Frank / 19.05.2020 / 16:00 / Foto: Tasnim News Agency / 8 / Seite ausdrucken

Russische Luftabwehr ist gegen israelische Kampfjets wirkungslos

Das syrische Militär ist unzufrieden mit seinem russischen Luftabwehrsystem S-300: Es sei gegen israelische Luftangriffe und Cruise Missiles weitgehend wirkungslos. Das berichtet die Website Middle East Monitor unter Berufung auf ein russisches Militärfachblatt, das sich wiederum auf Aussagen von syrischen Militärs stützt.

Demnach klagen die syrischen Militärs, dass das S-300-System nicht in der Lage sei, herannahende Cruise Missiles zu entdecken und aufzuschalten (als „Aufschaltung“ – Englisch: lock-on – bezeichnet man die Umstellung des Radars vom Suchmodus auf die Zielverfolgung).

Was einst als gefährlich galt …

S-300 gilt als das nach dem Nachfolgemodell S-400 zweitmodernste Flugabwehrsystem, über das Russland verfügt. Es soll angeblich in der Lage sein, feindliche Flugzeuge – und sogar „Tarnkappenbomber“, die für das Radar normalerweise unsichtbar sind – in einer Entfernung von 200 Kilometern abzuschießen. Das System galt einst als so gefährlich, dass die Türkei 1997 Zypern mit Krieg drohte, sollte das System auf der Insel stationiert werden und damit den türkischen Luftraum bedrohen.

Israel hatte ebenfalls großen Respekt vor der russischen Militärtechnologie. S-300 galt als eine „komplexe Herausforderung“ für die israelische Luftwaffe, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu setzte sich persönlich beim russischen Präsidenten Wladimir Putin dafür ein, die Lieferung an Syrien zu stoppen. Diese Bemühungen waren zunächst erfolgreich, doch nach einem Zwischenfall im September 2018, als die syrische Luftabwehr bei einem israelischen Angriff versehentlich ein russisches Militärflugzeug abschoss, änderte der Kreml seine Politik und stattete seine syrischen Freunde mit dem S-300-System aus.

… hat seinen Schrecken verloren

Für israelische Kampfpiloten hat sich seither offenbar nicht viel geändert. Regelmäßig gibt es Berichte über israelische Angriffe auf iranische Ziele in Syrien, so wie zuletzt in der Nacht von Montag auf Dienstag, als Berichten zufolge Waffenlager iranischer Milizen in der Nähe von Aleppo und iranische Basen in der Nähe der Stadt Deir-Essor getroffen wurden.

Dabei sollen (laut dem Syrian Observatory for Human Rights in London, das über ein Netz von Informanten in Syrien verfügt) 14 Iraner und Verbündete getötet worden sein. Zudem sei es zu heftigen Explosionen gekommen, ein Hinweis darauf, dass Munition getroffen worden sein könnte.

Möglicherweise hat S-300 seinen Schrecken für feindliche Piloten verloren, weil die USA im Lauf der Jahrzehnte technische Details des Systems in Erfahrung gebracht haben. Zudem konnten israelische Piloten den Umgang mit der Luftabwehr üben: bei Manövern mit Griechenland, das ebenfalls über das S-300 verfügt. Das kommt ihnen sicherlich zugute.

Zurückdrängen des Iran

Die israelischen Streitkräfte sind inzwischen offenbar zuversichtlich, die iranische Militärpräsenz in Syrien zurückzudrängen. Mitarbeiter des israelischen Verteidigungsministeriums, die nicht namentlich genannt werden wollten, sagten dieser Tage der israelischen Nachrichtenwebsite Times of Israel, die iranischen Streitkräfte seien dabei, sich aus Syrien zurückzuziehen und einige Militärstützpunkte zu räumen. Dies führten die Quellen auch auf den Abnutzungskrieg zurück, den Israel in Syrien gegen den Iran führt.

Offiziell äußern sich die israelische Regierung und die Streitkräfte nicht zu konkreten Angriffen. Wenn israelische Zeitungen darüber berichten, dass die israelische Luftwaffe iranische Stellungen in Syrien bombardiert haben soll, geschieht dies meist unter Verweis auf „ausländische Quellen“. Dass es solche Angriffe aber gibt, wird von der Regierung nicht in Abrede gestellt und de facto sogar bestätigt.

Nach dem Angriff auf die Milizen in Deir-Essor sagte Verteidigungsminister Naftali Bennett in einem Fernsehinterview: „Der Iran hat in Syrien nichts zu suchen … [und] wir werden nicht stoppen, ehe er Syrien verlassen hat.“ Israel sei „entschlossen, entschlossener [als der Iran], und ich kann Ihnen sagen, warum“, so Bennett.

„Für den Iran ist Syrien ein Abenteuer, das 1.000 Kilometer von zu Hause entfernt stattfindet. Für uns ist es unser Leben. Iranische Soldaten, die nach Syrien kommen und dort operieren, haben ihr Leben selbst in der Hand. Sie gefährden ihr Leben, sie zahlen diesen Preis und werden dies auch weiterhin tun. Wir werden nicht aufgeben und die Errichtung einer iranischen Operationsbasis in Syrien zulassen.“

Laut Informationen von Times of Israel ist auch die Zahl der Transportflüge vom Iran nach Syrien zurückgegangen, mit denen hochmoderne Raketen ins Land gebracht werden. Von diesen fürchtet die israelische Regierung, dass sie der Hisbollah übergeben werden könnten, um gegen Israelis eingesetzt zu werden. Der Rückgang der Flüge, so Times of Israel, könne auf die israelischen Angriffe auf syrische Start- und Landebahnen zurückzuführen sein.

Daneben habe die israelische Luftwaffe Berichten zufolge auch die syrische Luftabwehr ins Visier genommen. Die ungenannte Militärquelle kommentierte die Situation gegenüber Times of Israel so: „Syrien zahlt einen wachsenden Preis für die iranische Präsenz auf seinem Territorium, für einen Krieg, der nicht [Syriens] ist. Der Iran ist für Syrien nicht mehr länger ein Kapital, sondern eine Belastung.“

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Mena-Watch.

Foto: Tasnim News Agency, CC-BY 4.0 via Wikimedia Commons

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Leserpost

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M.Besler / 19.05.2020

Das S-300-System ist nicht die gefürchtete Wunderwaffe. Es ist das S-400 Triumph, welches den Israelis Sorgen bereiten könnte. Besonders, wenn es von russischem Personal bedient wird. Weil zum Beispiel die Türkei das S-400-System anschaffen möchte, wurde sie von den USA aus dem F35-Joint Strike Fighter Program ausgeschlossen. MfG

Johannes Fritz / 19.05.2020

Es ist noch keinem gut bekommen, sich mit dem Judenstaat anzulegen, weil der einen allmächtigen Beschützer hat.

Gerd Heinzelmann / 19.05.2020

Sie verstoßen so ziemlich gegen jedes deutsches Naturgesetz. Welcome!

Dr.Wilhelm Dierkopf / 19.05.2020

Professionalität und Intelligenz kann sehr gut schützen : siehe Israel im jahrzehntelangen Kampf gegen seine Aggressoren. Hoffen wir, daß Deutschland nicht nun Dank seiner Politiker seine Kompetenzen, die es einmal hatte, verspielt.

S. Marek / 19.05.2020

Na ja, Herr Frank, da sollen doch die Russen jetzt die Syrer an die S-300 endlich rann-lassen, dann werden diese auch mehr Erfolg haben, entsprechend dem Volltreffer im “...im September 2018, als die syrische Luftabwehr bei einem israelischen Angriff versehentlich ein russisches Militärflugzeug abschoss, änderte der Kreml seine Politik und stattete seine syrischen Freunde mit dem S-300-System aus. ...”. Da fliegen doch noch so viele türkische, iranische und russische Maschinen herum die ein gutes Ziel abgeben.

Thorsten Pallmauer / 19.05.2020

Naja, so lange die Iraner in Syrien bleiben sollte das die Israelis nicht stören. Oder gibt es auch Iraner, die auf Israels Territorium agieren? Meines Wissens bilden sie bestenfalls irgendwelche Hamas und Hisbollah Hitzköpfe aus, was wiederum einen Vorteil darstellt, da so etwas teuer ist und dafür fähige Leute notwendig sind. Wartet man also, bis die Iraner fertig sind und befördert die frisch gebackenen Terrorfachleute im Libanon oder irgendwo in Gaza zu Allah, dann könnte man mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Einmal geben der Iran und die Hitzköpfe mit H mehr Geld aus als sie müssten, dann vereitelt man ihre Pläne in einer Phase, in der auch diese schon Mittel gefressen haben und schließlich kann man sich damit auch auf diplomatischer Ebene frei halten von Schaden.

Frank Dom / 19.05.2020

Die erste gute Nachricht heute.

Harald Unger / 19.05.2020

Das Teheraner Regime ist gerissen, heimtückisch und rücksichtslos. Intelligent ist es nicht. Übereinstimmungen mit dem Merkel Regime und der real existierenden EU drängen sich auf. Köstlich und verheerend war auch der Cyber Vergeltungsangriff auf den Shahid Rajaee Hafen in Iran, für den zuvor gescheiterten Versuch, die israelische Wasserversorgung lahmzulegen.

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