Der Ausgang eines aktuellen Rechtsstreits über die Beitragspflicht für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zeigt einmal mehr, dass der Kampf um den Zwangsbeitrag eher politisch als juristisch ausgetragen werden muss. Ein Prozessbericht aus München.
Wer seinen Rundfunkbeitrag, vulgo Zwangsgebühr, nicht zahlen möchte, weil er oder sie der Auffassung ist, dafür keine adäquate Gegenleistung in Form eines zumindest halbwegs ausgewogenen Programms zu erhalten, wird irgendwann vor einem deutschen Verwaltungsgericht landen. Und die Chance, mit einem Widerspruch zu einem Beitragsbescheid des „Beitragsservice“ von ARD/ZDF und Deutschlandradio Erfolg zu haben, ist gleich null. Klingt unbefriedigend, doch daran gibt es, wie die Dinge aktuell stehen, nichts zu rütteln.
Denn wer brav oder unter Protest seinen Rundfunkbeitrag überweist, hat nach höchstrichterlicher Rechtsprechung keinen Anspruch auf eine entsprechende inhaltliche Gegenleistung, wie auch immer sie beschaffen sei. Die Zahlung kann nur und ausschließlich dann verweigert werden, wenn der Betreffende keine physische Möglichkeit besitzt, die öffentlich-rechtlichen Hörfunk- und Fernsehprogramme empfangen zu können.
Dazu müsste er oder sie entweder in einem tiefen Tal leben, in das kein öffentlich-rechtliches Sendesignal je hinabreicht. Oder er/sie müsste gleichermaßen taub wie blind sein. Letzteres, so Mechthild Klein, Vorsitzende Richterin am 7. Senat des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes, „ist hier ja augenscheinlich nicht der Fall“. Verhaltenes Gelächter bei den Zuhörern. Stumm zu sein ist nicht nötig, denn man hat nur zu schauen oder zu hören, aber nicht mitzureden. Das dürfen nur die immergleichen, politisch korrekten Gäste in den Talkshows.
Ein Prozess in München
Ein Dienstagvormittag in München. Draußen auf der Münchner Ludwigstraße brütet die Sonne, drinnen im vollklimatisierten Sitzungsaal 3 des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes wird über die Berufung einer säumigen Beitragszahlerin gegen ein erstinstanzliches Verwaltungsgerichtsurteil verhandelt, in dem die Klägerin bereits abgeblitzt war. Unterstützt wird sie von der bundesweiten Initiative „Leuchtturm ARD“, die etwa mit Mahnwachen vor Funkhäusern gegen „offensichtliche Fehlentwicklungen beim Öffentlich-rechtlichen Rundfunk“, insbesondere mangelnde Ausgewogenheit; „einseitige Diskursverengung“ und zu große Staatsnähe protestiert und sich „umfangreiche historische Reformen“ der Anstalten zum Ziel gesetzt hat.
Doch beim 7. Senat des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes, besetzt mit drei hauptamtlichen Richterinnen, beißt der Rechtsanwalt und Buchautor Friedemann Willemer („Vom Scheitern der repräsentativen Demokratie“) auf Granit. Schon in einer ersten rechtlichen Einschätzung zu Beginn macht die Vorsitzende Richterin unmissverständlich klar, dass sich der Senat auf keinerlei inhaltlich-politische Diskussion einlassen will. Das von Willemer in einem halbstündigen Vortrag vehement apostrophierte „strukturelle Versagen“ nicht nur der Programmgestalter, sondern auch der öffentlich-rechtlichen Aufsichtsgremien könne keine Entbindung von der Beitragspflicht begründen. Oder in anderen Worten: Programmkritik kann die Pflicht zur Zahlung des Rundfunkbeitrages nicht aushebeln. Ausnahmen: siehe oben.
Der Senat sieht auch keine eigene „gerichtliche Aufklärungspflicht“ zu dem von der Initiative und der von ihr unterstützten Beitragsverweigerin vorgebrachten Argumenten, wonach die Meinungsvielfalt in den Programmen der Öffentlich-Rechtlichen nicht mehr gewährleistet sei. Entscheidend sei, so Klein, die „materiell-rechtliche“ Auffassung des Senats zur Konstruktion des Rundfunkbeitrags, die sich auf entsprechende Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts und des Bundesverfassungsgerichts stütze.
Keine Beachtung für ein Gutachten
Ein eigens von der Initiative in Auftrag gegebenes Gutachten des Münchner Kommunikationswissenschaftlers Michael Meyen, der „die Unausgewogenheit des ÖRR untersucht“ habe und zu „eindeutigen Ergebnissen“ gelangt sei, spielte im Verfahren keine Rolle. Meyen selbst steht an seiner Alma mater, der Ludwig-Maximilians-Universität, derzeit wegen ihm vorgeworfener Sympathien zur „Querdenker-Bewegung“ unter verschärfter Beobachtung.
Nach gut einer Stunde Verhandlung vor vollbesetzten Publikumsrängen im Münchner Verwaltungsgerichtshof blieb kein Zweifel, dass der Senat keinerlei Neigung verspürte, den Kritikern der Öffentlich-Rechtlichen in ihrer derzeitigen Verfassung auch nur einen Millimeter entgegenzukommen. Und so konnte der Rechtsvertreter des Bayerischen Rundfunks (BR) gelassen darauf verweisen, dass „politische Debatten“ über die konkrete Programmgestaltung eben nicht die Beitragspflicht berührten. Wo käme man auch hin, wenn jeder plötzlich auf den Gedanken käme, weil ihm dies oder jenes nicht zusage, einfach seinen Obolus nicht mehr zu entrichten.
Natürlich kann man zumindest theoretisch auf einen Richter treffen, der kurz vor der Pensionierung steht und vielleicht doch einmal ein Zeichen setzen will, selbst wenn das Urteil den weiteren Instanzenweg nicht überstehen sollte. Doch einstweilen hält die Bastion. Immerhin belief sich der Streitwert im vorliegenden Fall nur auf 63,53 Euro, den ausstehenden Rundfunkbeitrag. Die Gerichtskosten seien mithin sehr überschaubar, sagte Richterin Klein, mit einem Anflug von Bedauern. „Wir verdienen hier eben nicht so viel.“ Damit sieht es in den höheren Etagen der Rundfunkhäuser schon ganz anders aus.

Es ist doch völlig klar, daß die politisch völlig gewaltengetrennte Justiz nicht gegen die Wohnungszwangsabgabe für die staatlichen Propagandaanstalten angehen wird. Ohne die 8-Milliarden Propagandamittel sähen die Herrschenden schön nackt aus. Wer bezahlt noch mal die staatliche Justiz?
@Steffen Huebner:„…. nur über die Politik die Flügel stutzen, bzw. am besten ganz abschaffen. Kleiner Tipp: AfD.“ … Jawohl, richtig „getippt“, Herr Huebner! Ich halte es nicht nur für eine „Empfehlung“ – es sollte alternativ als „have to do“ verstanden werden, um wirklich mal etwas zu verändern! MfG
Wieder einmal fällt mir der Ausspruch des von mir sehr verehrten seligen Komponisten und Dirigenten Pierre Boulez ein: „Sprengt die Funk- (oh padong) die Opernhäuser in die Luft!“ Das Radio schalte ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr an, und das einzige, was ich mir im Staatsfernsehen manchmal noch ansehe, sind die Wetterberichte, aber auch die sind nicht immer zuverlässig. Für den übrigen Dreck ist mir meine Zeit zu schade.
Kann mir mal jemand erklären, wieso diese Rundfunk-Intendanti* teilweise mehr verdienen als der Bundeskanzler? Wer hat denn diese Tarife beschlossen? Ganz abgesehen von der Zwangsabgabe für den Bla-Bla-Funk (es gibt auch löbliche Ausnahmen) müßten Klagen doch auch dort ansetzen können.
@Karl Emagne: „Juristisch mag die Beitragspflicht einwandfrei sein.“ Wie kommen Sie darauf? Weil es das höchste deutsche Gericht sagt? Wechselnde höchste deutsche Gerichte haben schon allerhand schreiendes Unrecht als rechtens deklariert. Natürlich immer in Systemen, die sich selbst nicht so selbstherrlich als „FDGO“ bezeichnet haben, sondern bestenfalls als „demokratisch“. Besonders in dieser Zeit, in der jede technische Möglichkeit besteht, verschlüsselte Programme zum Kauf anzubieten, ist diese Zwangsgebühr ein nicht zu überbietender Anachronismus. Aber natürlich ist klar, warum daran festgehalten werden muss.
Suchen sie mal nach > Michelle Michel / Der Rundfunkbeitrag eine Steuer? < auf 472 Seiten bekommen sie eine Doktorarbeit aus dem Jahr 2022, wo in der Zusammenfassung steht (Seite6) : Der Rundfunkbeitrag ist eine verfassungswidrige Sonderabgabe.
Warum wurde so etwas als Doktorarbeit zugelassen?
Der Staat verteidigt sein vermeintliches Informationsmonopol mit Zähnen und Klauen. Und es gibt keinen Zweifel, auf wessen Seite eine Justiz, die gedenkt ihre Schäflein ins Trockene zu bringen, in Deutschland steht. Der Teil der Justiz, der noch den Rechtsstaat im Auge hat, wird ja zur Zeit platt gemacht und abgewickelt.