Die Frage, ob der Krieg zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten wieder aufgenommen wird, falls die Verhandlungen scheitern, hat eine neue Dimension angenommen, nachdem das U.S. Central Command angekündigt hat, dass seit dem 13. April 2026 sämtlicher Schiffsverkehr zu und von iranischen Häfen blockiert wird. Dieser Schritt stellt eine Form anhaltenden militärischen Drucks dar, die zwar unterhalb erneuter Luftangriffe bleibt, jedoch dennoch klare Eskalationsrisiken birgt. Er deutet darauf hin, dass Präsident Donald Trump möglicherweise bevorzugt, den wirtschaftlichen und strategischen Druck auf Teheran zu erhöhen, anstatt sofort zu einer direkten militärischen Konfrontation zurückzukehren.
Der iranische Außenminister Abbas Araghchi reagierte, indem er die US-Seite für das Scheitern der Gespräche in Islamabad am 10. April verantwortlich machte. „In intensiven Gesprächen auf höchster Ebene seit 47 Jahren hat der Iran in gutem Glauben mit den USA verhandelt, um den Krieg zu beenden. Doch als wir nur noch wenige Schritte vom ‚Islamabad-Memorandum of Understanding‘ entfernt waren, stießen wir auf Maximalforderungen, sich verschiebende Zielvorgaben und eine Blockade“, schrieb er auf X.
Sollte die Blockade erfolgreich sein, würde sie den Großteil der iranischen Exporte abwürgen, darunter etwa 1,5 Millionen Barrel Rohöl und dessen Nebenprodukte. Der Iran exportiert außerdem Petrochemikalien, Stahl und andere Güter über seine südlichen Häfen und erhält dort den Großteil seiner Importe. Getreide, Düngemittel und andere lebenswichtige Güter werden per Schiff zu Häfen transportiert, die sich hauptsächlich in der Straße von Hormus und im Persischen Golf befinden. Häfen am Golf von Oman verfügen nur über begrenzte Kapazitäten.
Der Iran verliert 13 Milliarden Dollar pro Monat
Die Blockade würde dem Iran schwere wirtschaftliche Verluste zufügen, indem sie die Exporterlöse um rund 280 Millionen Dollar pro Tag reduziert und weitere 160 Millionen Dollar an Importen beeinträchtigt. Insgesamt entspricht dies einer kombinierten Auswirkung von etwa 435 Millionen Dollar pro Tag beziehungsweise nahezu 13 Milliarden Dollar pro Monat.
Irans Verwundbarkeit ist erheblich. Mehr als 90 Prozent des jährlichen Handelsvolumens von 109,7 Milliarden Dollar laufen über den Persischen Golf, während Öl und Gas etwa 80 Prozent der Exporterlöse generieren und 23,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Allein die Insel Kharg bringt schätzungsweise etwa 53 Milliarden Dollar jährlich ein – wobei die gesamten Energieeinnahmen insgesamt über 70 Milliarden Dollar pro Jahr liegen.
Die größten Auswirkungen außerhalb des Iran werden in China zu spüren sein, das nahezu das gesamte iranische Rohöl importiert. Russland stellt zwar eine alternative Quelle dar, doch ein großer Teil seiner Exportkapazitäten wurde durch ukrainische Drohnen- und Raketenangriffe stark beeinträchtigt.
Die Blockade wird sofortigen Druck auf Teheran ausüben, das seit 2018 unter einer Wirtschaftskrise leidet, nachdem Trump aus dem Atomabkommen von 2015 ausgestiegen ist und umfassende Wirtschaftssanktionen verhängt hat. Seitdem hat die iranische Währung einen vierzigfachen Wertverlust erlitten – von 40.000 Rial pro Dollar Anfang 2018 auf 1,6 Millionen im Jahr 2026.
Wie wird China reagieren?
Am 11. April passierten zwei US-Zerstörer die Meerenge, was als Signal für einen amerikanischen Versuch gewertet werden kann, die wichtige Passage schrittweise wieder zu öffnen, während iranische Häfen unzugänglich werden könnten.
Der Iran, der seine Marine weitgehend verloren hat, ist nicht in der Lage, eine US-Blockade zu verhindern. Die entscheidende Frage ist jedoch, wie China reagieren wird, wenn seine Schiffe von der US-Marine gestoppt oder durchsucht würden. Größere Mengen an Waffen oder Raketentreibstoff können nicht per Luft transportiert werden, doch China könnte eine Schattenflotte ohne offensichtliche Verbindung zu sich selbst einsetzen. Dies würde China eine plausible Abstreitbarkeit verschaffen, gleichzeitig aber auch der US-Marine ermöglichen, Schiffe zu stoppen, ohne einen direkten Zwischenfall mit China zu riskieren.
Neben dem wirtschaftlichen Druck auf den Iran könnte die Blockade auch verhindern, dass das Land seine militärischen Fähigkeiten wiederaufbaut, nachdem die Vereinigten Staaten während ihrer Luftkampagne in 40 Tagen 13.000 Ziele bombardiert hatten. Falls Trump nicht plant, die Luftangriffe wieder aufzunehmen, könnte Teheran versuchen, seine Raketenstreitkräfte und Luftverteidigungssysteme wiederherzustellen. Eine Seeblockade würde solche Bemühungen zusätzlich behindern.
Dieser Text erschien zuerst beim Middle East Forum.
Mardo Soghom war drei Jahrzehnte lang Journalist und Redaktionsleiter bei Radio Free Europe/Radio Liberty, wo er bis 2020 die Iran- und Afghanistan-Programme leitete, und Chefredakteur der englischsprachigen Website von Iran International.
Guter Artikel. Es ist leider sinnlos. Die USA- und Israelhassser der AfD, die genauso vernagelt sind wie die Linken, sind für Analysen und Diskussionen nicht zugänglich. Da ist die Ideologie vor und der zu jeder Ideologie gehörende Fanatismus. Für die ist Trump ein Idiot, sein Team unfähig, die USA von Kapitalisten, Imperialisten undsoweiter beherrscht und hinter Israel steckt eh die zionistische Weltverschwörung. Ich bedanke mich für diesen und die vorangegangenen Artikel und die Informationen und Denkanstöße.
Liebe Forumteilnehmerr,
bitte bei der Beurteilung des Iran-Krieges außer Russia Today auch andere Quellen benutzen.
MfG
Boris Kotchoubey
Dem Iran geht’s im Großen, wie unsereinem im Kleinen, wenn wir feststellen, dass mit all dem US-KYC, AML, CRS unser Geld zwar noch uns gehört, aber nicht mehr rein genug ist, damit wir uns alles davon kaufen dürfen. Ob es ehrlich erarbeitet und X mal versteuert ist, kümmert keinen. Unrecht heißt jetzt Compliance und die Lösung ist eben die verpönte Geldwäsche. Auf nichts aus den USA ist mehr Verlaß, ihre Elite spielt schon lange nicht mehr nach Regeln. Der Iran hat diese Einstellung in den diversen Verhandlungsrunden um Dinge, die Israel wie selbstverständlich zugestanden werden, wiederholt zu spüren bekommen. Wer den USA gehorcht, gerät in absurde Knechtschaft. Wer es nicht tut, wird bombardiert, blockiert, gekidnappt oder sonstwie erpresst.
Schlimmer können die Chinesen eigentlich nicht sein und unter der Trump-Administration verbreitet sich diese Erkenntnis schneller, als jemals zuvor.
Die Blockade trifft vor allem Asien. Die merken gerade wie abhängig sie vom Öl aus Nahost sind. Insbesondere merken sie, dass alles was sie seit 30 Jahren hart erarbeitet haben, jetzt den Bach runtergeht, aufgrund der unbezahlbaren Rohstoffpreise. Das werden sie übelnehmen. USA und Israel haben sich in Asien jedenfalls keine Freunde gemacht. Das unterschätzen diese Analysten immer. China ist noch am besten dran. Sie haben alles: KKW, Kohlekraftwerke, Wasserkraft, und bauen immer neue Großkraftwerke. Dieser Krieg wird China erst recht stärken, denn fast alle asiatischen Staaten werden sich ab jetzt nur noch an China orientieren.
Die Erfahrung dieses Krieges (incl. des 2025er Krieges) zeigt: Nach Lektüre dieses Wunschzettels weiss man, was nicht passiert.
Die Blockade trifft nicht nur den Iran, sondern auch uns und vor allem China. Es wird daher eine Frage weniger Jahre, bis es eine Pipeline nach China durch Pakistan gibt. Und dann? Müßte wohl mal wieder vom Wertewesten gesprengt werden wie einst seitens der USA in Sibirien und vor knapp vier Jahren bei Nordstream durch die USkraine.
Trumps Hormus-Blockade trifft den amerikanischen Gallonensklaven mehr als den
persischen Teppichflieger, der nicht tankt und wählt. Das arme Knie des Trump.