Die Wissenschaftlichen Dienste (WD) des Deutschen Bundestages sind ein Netzwerk von festen Angestellten der Bundestagsverwaltung und ausgewählten Hochschullehrern, die bei Spezialthemen als Berater eingeschaltet werden. Ihre Mitarbeiter bleiben dauerhaft auf ihren Stellen, unabhängig davon, welche Parteien die Regierung stellen. Die WD müssen partei- und fraktionsunabhängig arbeiten, um die Unabhängigkeit der parlamentarischen Verwaltung zu sichern. Doch tun sie das immer? Hier ein Beispiel:
Stellen Sie sich vor, Sie sind Bundestagsabgeordneter, haben – wie ein großer Teil der Parlamentarier – Jura studiert, und keine Ahnung von Naturwissenschaften. Sie sitzen aber in einem Ausschuss, der sich darüber Gedanken machen soll, ob eine CO2-Bepreisung sinnvoll ist. Also bitten Sie die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestags um eine – für Laien verständliche – Zusammenfassung des Wissensstandes zu der Frage, ob ein Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre überhaupt zu einer Erhöhung der globalen Temperatur beitragen kann, oder ob dessen Absorptionsbanden bereits gesättigt sind. Der um fachkundigen Rat fragende Abgeordnete erhält daraufhin den „Sachstandsbericht: Kohlendioxid – Sättigung der Absorptionsbanden“, der hier öffentlich zugänglich ist. Er wurde ausgearbeitet von Angestellten der WD des Fachbereichs 8: Umwelt, Naturschutz, Reaktorsicherheit, Bildung und Forschung.
Der Bericht beginnt mit dem Satz „Kohlendioxid (CO2) und andere Spurengase bilden in der Atmosphäre ein komplexes System, das den Wärmehaushalt der Erde reguliert.“ Das ist schon mal sachlich falsch, denn es gibt eine Menge anderer Faktoren irdischen und nichtirdischen Ursprungs, die Einfluss auf das Erdklima haben. Mit dieser Aussage wird jedenfalls suggeriert, als wäre CO2 allein der treibende Faktor für Veränderungen des globalen Klimas.
Es geht weiter mit: „Die zeitlich schnelle Änderungsrate der globalen Temperatur ist soweit bekannt (hier fehlen Kommas) einzigartig in der bisherigen Erdgeschichte.“ Das ist faktisch nicht richtig, denn beispielsweise in den Zeiten der globalen Massenaussterben stieg durch extreme vulkanische Aktivität die Menge an Spurengasen sprunghaft und langanhaltend an. Siehe hier und hier. Mit diesem Satz wird der Mensch als Hauptschuldiger an der derzeitig stattfindenden Erwärmung herausgedeutet. Diese Einleitung bedeutet eine Verbreitung von Klima-Panik mit eingebauter Schuldzuweisung auch an den Parlamentarier, der gerade diesen WD-Sachstandsbericht liest – was er im besten Falle tut, um zu einem vernünftigen Standpunkt zu kommen.
Der dann folgende fachliche Teil des WD-Sachstandes zur Sättigung der Absorptionsbanden von Kohlendioxid ist für die meisten Laien komplett unverständlich: Er trägt nicht zur Aufklärung der Frage bei, ob weiteres CO2 in der Atmosphäre mit allen Mitteln verhindert werden muss oder nicht. Deswegen lasse ich ihn an dieser Stelle weg, und werde diesem Thema einen eigenen Artikel widmen.
Ärgerlich und aus naturwissenschaftlicher Sicht völliger Unsinn
Der WD-Bericht endet mit folgendem Abschnitt, der aus naturwissenschaftlicher Sicht in Abgründe blicken lässt:
„Wie weit die Erdatmosphäre von der Sättigung entfernt ist, verdeutlicht ein Vergleich mit der Venusatmosphäre. Der CO2-Gehalt liegt bei 96,5 % (Erdatmosphäre 0,04 %). Auf der Venus herrscht ein gigantischer Treibhauseffekt. Obwohl 95 % des einfallenden Sonnenlichtes durch die dicken Wolken reflektiert werden, reichen die restlichen 5 % aus, um unseren Nachbarplaneten aufzuheizen. An der Venusoberfläche herrscht eine mittlere Temperatur von 468 Grad Celsius.“
Einmal davon abgesehen, dass wir von der Venus vergleichsweise wenig wissen, ist doch folgende Aussage wahr: Die Vorgänge in der Atmosphäre des Planeten Venus sind nicht mit den Gegebenheiten auf der Erde vergleichbar. Der letzte Absatz des WD-Berichtes unterstellt aber, dass die Erde auf dem besten Wege ist, eine ähnlich hohe Globaltemperatur wie die Venus zu entwickeln. Dieser Vergleich ist geradezu ärgerlich und aus naturwissenschaftlicher Sicht völliger Unsinn.
Die WD des Deutschen Bundestages haben die Aufgabe, Recherchen zu aktuellen Fragen durchzuführen sowie Hintergrundinformationen und Stellungsnahmen beispielsweise für Ausschusssitzungen vorzubereiten. Oft geschieht dies auf Anfrage von einzelnen Abgeordneten oder Fraktionen: Der WD stellt dann den aktuellen Kenntnisstand zusammen und hilft den Parlamentariern, sich schnell in ein Thema einzuarbeiten und eine fundierte Einstellung für die persönliche Entscheidung zu finden. Fast alle Ausarbeitungen der WD werden nach einer Sperrfrist von drei Jahren auf der Bundestags-Website veröffentlicht. Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages sind eigentlich dazu verpflichtet, unabhängig, neutral und vertraulich zu informieren. Dass er dies in diesem Fall nicht wirklich tut, zeigt sich auch, wenn man den Quellen dieses WD-Berichtes nachgeht.
Ökosozialismus in naturwissenschaftlicher Universitätsvorlesung?
Der fachliche Teil des WD-Sachstandsberichtes folgt argumentativ dem Papier: „Argumente gegen den anthropogenen Treibhauseffekt und ihre Widerlegung“. Dieses „Argumente“-Papier wird im WD-Sachstandsbericht vierfach zitiert. Diese prominente Nennung legt nahe, dass es bei dem WD-Sachstandsbericht eine zentrale Rolle spielte, und möglicherweise als Vorlage diente. Die Themen (Sättigung, Angströms Irrtum, Flankenbereiche) und Argumentationsketten sind nahezu identisch, insbesondere in der physikalischen Tiefe (Infrarotspektroskopie, Stefan-Boltzmann-Gesetz), und zwei der Grafiken im WD-Sachstandsbericht sind sogar identisch mit dem Papier, dessen Titel „Argumente gegen den anthropogenen Treibhauseffekt und ihre Widerlegung“ bereits erahnen lässt, welche Seite in dem naturwissenschaftlichen Diskurs rund um den Klimawandel der Verfasser vertritt. Und spätestens in der Einleitung zeigt sich dessen Mission deutlich. Hier ein Auszug daraus:
„Die meisten der sehr aktiven Klimaleugner … widmen … einen Großteil ihrer Zeit der Beeinflussung der Öffentlichkeit und … von Lehrern im naturwissenschaftlichen Bereich. Diesen falschen Aussagen immer wieder entgegenzutreten ist, auch wenn es ermüdend ist, eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, der sich aktive Wissenschaftler auch zu stellen haben. Wir müssen uns der mühsamen Aufgabe, solchen Verfälschungen und Lügen entgegenzutreten und auch in der Öffentlichkeit zu agieren, trotzdem stellen. Zu lange ist dieses Feld den Klimaskeptikern überlassen, da wir uns auf den Standpunkt zurückgezogen haben, dass ja 97 Prozent der Wissenschaftler auf unserer Seite seien.“
Fast könnte einem der Verfasser dieser Zeilen leidtun, weil er sich als – seinen eigenen Ansprüchen gemäßen – seriöser Naturwissenschaftler, der sich zu den 97 Prozent auf der guten und richtigen Seite stehenden zählt, mit Gegenargumenten auseinandersetzen muss. Zweifach wird in dem WD-Sachstandsbericht außerdem auf ein YouTube-Video mit dem Titel „Was ist Klimawandel? Was sind Ursachen für den Klimawandel?“ hingewiesen. Es handelt es sich hierbei um die Aufzeichnung einer naturwissenschaftlichen Ringvorlesung des gleichen Autors, die zugleich fachliche und weltanschauliche Inhalte zu bieten hat. Hier ein Auszug aus der Vorlesung, im Video 1:10:06 bis 1:13:20:
„Wir dürfen in keinem Fall für die Konzentration der treibhausaktiven Gase dieses ‚weiter wie bisher‘ der Politik durchgehen lassen. ... Ab 1,5 Grad (ergänzt: Erhöhung der globalen Temperatur) ist eine Grenze erreicht, wo der Lebensbereich von Menschen betroffen wird. Also: Es gibt Bereiche auf der Erde, die werden nachteilig beeinflusst werden. Wenn ich sage, es gibt Bereiche, dann heißt das: Nicht alle werden nachteilig beeinflusst werden. Es gibt durchaus Bereiche auf der Erdoberfläche, die einen Vorteil haben werden von einem wirklichen Treibhauseffekt. Die Frage, die sich daraus ergibt: Wie kann man das ethisch bewerten? Wie kann man Weltregionen gegeneinander aufrechnen? Ist es gut, wenn wir hier länger anbauen können? Aber um welchen Preis werden wir das können? Was passiert in anderen Regionen? Was passiert in Afrika? Und die darüber hinaus gehende Frage: Was passiert mit Migration in Zukunft? Wenn die Leute in Afrika gar nicht mehr anbauen können, weil die Klimazonen sich so verschoben haben, dass es dort nicht geht? … Wo es Gewinner gibt, gibt es natürlich immer Verlierer. Und unser Wirtschaftssystem ist darauf ausgerichtet, dass Gewinner dadurch produziert werden, dass es Verlierer gibt: Unser Reichtum ist die Armut anderer Gegenden auf dieser Erde. Und genauso wird es beim Treibhauseffekt auch kommen. Und mögliche Lösungen werden überhaupt nur dann in Betracht kommen, wenn es in Zukunft gelingt, einen Ausgleich zu schaffen. Also: Diese Verlierer wird es geben. Wir müssen die in irgendeiner Weise entschädigen, auf eine sozial gerechte Weise entschädigen. Und nicht nur entschädigen: Wir müssen dafür sorgen, dass ihre Lebensbedingungen so sind, dass sie wieder da überleben können, wo sie das möchten. Wir reden … bei Klimagerechtigkeit häufig von Generationengerechtigkeit, das ist absolut richtig, … weil … wir, also als Ältere, haben einen Großteil des möglichen CO2-Budgets aufgebraucht und es steht für Euch Jüngere entsprechend nur noch weniger dieses Budgets zur Verfügung. Das ist nicht gerecht. Insofern muss ein Ausgleich zwischen den Generationen stattfinden.“
Was der Namensgeber der Universität, Heinrich Heine, wohl dazu sagen würde?
Es wird also vom Urheber, der offensichtlich die Grundlagen zum WD-Bericht lieferte, die Ansicht vertreten und im Hörsaal verbreitet, dass:
A: die westlichen Industrieländer die Verpflichtung haben, z.B. gegenüber „Afrika“ – was auch immer damit im Detail gemeint sein könnte – einen finanziellen Ausgleich zu leisten.
B: die Älteren zu viele Ressourcen verbraucht haben und die Jüngeren ihnen daher mit Fug und Recht etwas wegnehmen dürfen. Es handelt sich um eine ökosozialistische Predigt über Schuld und Umverteilung im Rahmen einer naturwissenschaftlich basierten universitären Ringvorlesung. Universitäre Lehre sollte vor allem faktengetrieben sein, und nicht agitatorisch.
Was der Namensgeber der Universität, Heinrich Heine, wohl dazu sagen würde? Heine kritisierte seinerzeit, dass in Deutschland demokratische Reformen unterdrückt werden und das geistige Leben von Zensur und Engstirnigkeit geprägt ist. Wie würde seine Neufassung von „Deutschland – ein Wintermärchen“ wohl heute aussehen?
Denn: Auf der anderen Seite wird ja die Befürwortung einer freier Marktwirtschaft und die Forderung tatsächlicher Meinungsfreiheit derzeit in die rechte Ecke gestellt, und solche Äußerungen werden an deutschen Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen nach Kräften erschwert und – wenn möglich – verhindert, siehe das Beispiel eines Historikers an der Universität Würzburg aus dem Frühjahr 2025, das Kaltstellen der Bibliothek des Konservatismus vor wenigen Tagen und der aktuellen kurzfristigen Wiederausladung eines Dozenten an der Münchner Jesuiten-Hochschule für Philosophie.
Die Freiheit der Lehre an Universitäten ist ein verfassungsrechtlich geschütztes Grundrecht in Deutschland, das Hochschullehrern die Freiheit gibt, Lehrveranstaltungen inhaltlich und methodisch frei zu gestalten und ihre wissenschaftliche Meinung zu äußern. Es handelt sich um ein Grundrecht, das durch das Grundgesetz (Art. 5 Abs. 3) geschützt ist und staatliche Eingriffe begrenzen soll. Wenn an den Hochschulen vorwiegend mit ökosozialistischen Ansätzen geforscht und gelehrt wird, zeigt sich den jungen Menschen, die dort studieren, kein anderer Weg auf. So kommt es, dass kaum noch jemand Physik mit Spezialisierung auf Kern- und Teilchenphysik oder Maschinenbau mit Schwerpunkt Kerntechnik studiert. Solche Kenntnisse könnten wir gerade jetzt aber gut gebrauchen.

Stellt sich die Frage, wie qualifiziert sind die Mitarbeiter des WD für die Aufgaben? Decken sich die Anforderungen der Stellenbeschreibung mit dem der da arbeitet?
Als ich las, dass der postmittelalterliche Fegefeuer-Klerus, die sogenannten „97% aller Wissenschaftler*innen“ mit venusartigen Verhältnissen bei 468 Grad auf der Erde drohen, purzelte ich vor Lachen vom Sofa. Ja, der Billionen-Ablasshandel raubt den Steuergeld gepäppelten Qualitätswissenschaftler:innen die letzte Hirnzelle aus ihren Hohlbirnen.
Das Beispiel mit der Venus ist in der Tat nur pseudowissenschaftliche Panikmache. Die Atmosphäre der Venus hat mindestens zehntausend mal mehr Kohlendioxid als die der Erde (92 bar Druck, 250 km Dicke, 96% CO2). Auch ohne Treibhauseffekt wäre es dort aufgrund der Nähe zur Sonne viel heisser als auf der Erde- zum Vergleich hat der Merkur ohne Atmosphäre eine Temperatur von 430 C auf der Sonnenseite. Die Öffentlichkeit, insbesondere die Mainstream-Presse, kann natürlich mit solchen Fakten nichts anfangen und glaubt den Unsinn des „Wissenschaftlichen Dienstes“ohne Vorbehalte.
Zitat: „und ausgewählten Hochschullehrern“ — Ab der Stelle ist schon klar, was kommt: Nimm ein paar qualifikationslose Grüne oder Rote, gib deren Meinung als Wissenschaft aus und zerstöre das Land.
Aktuell sind diejenigen, die gegen die Herrschende Wissenschaft antreten, immer die bösen Zeitverschwender: „Diesen falschen Aussagen immer wieder entgegenzutreten ist, auch wenn es ermüdend ist, eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, der sich aktive Wissenschaftler auch zu stellen haben. Wir müssen uns der mühsamen Aufgabe, solchen Verfälschungen und Lügen entgegenzutreten und auch in der Öffentlichkeit zu agieren, trotzdem stellen.“
Es ist eine Behauptung, dass „aktive“ – kommt das von Aktivist? – Wissenschaftler eine gesellschaftliche Aufgabe haben, der sie sich stellen müssen. Die haben sie nicht. Sie haben auch nicht die Aufgabe, sich Lügen und Verfälschungen entgegenzustellen und auch zu agieren. Sie haben die Aufgabe zu forschen. Aber die Masse läuft diesen Uminterpretationen hinterher.
Die Venus ist auch deutlich näher an der „Heizquelle“ Sonne, was den Urhebern besagten Pamphlets womöglich entgangen ist oder zumindest unwesentlich schien. Hauptsache, „die Story“ stimmt. Wie auch immer: solche Ergüsse können stellvertretend für den degenerierenden Zustand des Landes stehen. Früher international Spitzenklasse, heutzutage Tummelplatz minderbegabter Ideologen.