Deborah Ryszka, Gastautorin / 09.12.2020 / 17:00 / 8 / Seite ausdrucken

Robert Cray Band: That‘s What You Need to Hear!

Obwohl das Album „That‘s What I Heard“ bereits Anfang dieses Jahres herauskam, lohnt es sich, noch einmal die neue Platte der Robert Cray Band aufzulegen. Denn ein Feuerwerk der Sinne entfacht Robert Cray mit seiner Band. In dieser kalten Jahreszeit genau das Richtige: Sich Warmhören und in den Sound hineinkuscheln.

Doch wirklich überraschend ist das nicht. Wer Cray kennt, weiß weshalb. Der US-amerikanische Blues-Gitarrist und Sänger ist schließlich fünffacher Grammy-Gewinner, ein alter Hase im Musikgeschäft. So blueste er sich bereits mit Musikgrößen wie B. B. King, Stevie Ray Vaughan oder Hubert Sumlin in die Herzen Amerikas. Für die deutschen Herzen reichte es nicht aus. Leider.

Hierzulande gilt Cray immer noch als Geheimtipp unter Musikkennern. Doch dieser Geheimtipp hat es in sich. Das hört man wieder in „That‘s What I Heard“. Sinnlichkeit, Sehnsucht, Sentimentalität durchziehen das Album. Mit Schnulzigkeit und Selbstmitleid hat das mitnichten etwas zu tun. Es ist Sehnsucht und Herzschmerz, Liebe und Weltschmerz von der feinsten Sorte. Es ist: Erotik für die Ohren.

Hot, hotter, Robert Cray Band!

Ein Mann von Klasse mit einer Band von Weltklasse. Was will man mehr?„Anything You Want“, „You‘re The One“, „You‘ll Want Me Back“, „Promises You Can‘t Keep“, „To Be With You“, „You Can‘t Make Me Change“und „A Little Less Lonely“ sind typische Blues-Songs im Sound der Robert Cray Band. Hier bleibt sich Cray seinen Wurzeln treu. Es erinnert an Klassiker wie „Smoking Gun“ oder „I Wonder“ seines fünften Solo-Albums „Strong Persuader“ aus dem Jahre 1986.

Mit „Burying Ground“, „This Man“, „Hot“, „My Baby Likes To Bogaloo“ und „Do It“ tobt sich jedoch die Band mit anderen Musikgenres aus. So ist „Burying Ground“ der gospelmächtigste Song, „Do It“ der rockigste. Mit „My Baby Likes to Bogaloo“ und „Hot“ kommt auch der Rock'n’Roll nicht zu kurz. Letzterer Song rockt das Album. Dort groovt, fetzt und explodiert es. Der typische Rock'n’Roll-Sound des Pianos plus die hotten Gitarrenriffs plus die smoothe Stimme? Mehr Rock'n’Roll geht nicht. Hot, hotter, Robert Cray Band!

Doch mit „This Man“ geht es noch höher. Musikalisch ist es wahrscheinlich der beste Song des Albums. Allemal ist es das Souligste und R&Bigste. Rhythmik und Melodie treffen hier auf höchstem Niveau aufeinander. Allein die rhythmische Bassline in Kombination mit der dezent auftretenden Hammondorgel lassen einen in den Musikhimmel schweben.

Dass es noch höher gehen kann, beweist der Blues-Musiker nicht nur mit „This Man“. Das zeigt seine musikalische Entwicklung. Cray gleicht einem edlen amerikanischen Bourbon: Je älter, desto besser. Cray packt mit seiner markanten Stimme und den smoothen Gitarrensolos gänzlich den Hörer. Einfach zum Dahinschmelzen! „That‘s What I Heard“!

Foto: Steve Hopson CC BY 2.5, via Wikimedia Commons

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Alex Imme / 09.12.2020

Seit Crossroads, ich glaube 2007, Poor Johnny, bin ich hin und weg. Großartig! Danke für den Tipp. Werd gleich reinhören!

Sabine Schönfelder / 09.12.2020

Ein kleiner „Anti-Trump-Song“ zum Feierabend? Na, bis Januar werden Sie doch noch abwarten können, dann ist er „out of this house“. Cray ist ein solider „Handwerker“, der im demokratischen BLM-Wasser mitschwimmt. Sonst „cray“te kein Hahn mehr noch ihm. Wußte gar nicht, daß er noch lebt! Sie sind wohl eher von der anspruchslosen Sorte?

Andreas Kolitsch / 09.12.2020

Vielen Dank für diese Rezension, Deborah Ryszka. Sie hat “Appetit” gemacht, ich habe “gekostet” und das Album sofort bestellt. Exzellenter Tipp. Von der Band hatte ich tatsächlich noch nichts gehört. Ist doch schön, dass man immer noch etwas dazulernen kann.

Hartwig Dorner / 09.12.2020

Wann gibts von den Freitag Dirndln den Stormy Monday Blues ?

Frank Holdergrün / 09.12.2020

Höre ihn gerne, schon sehr lange, allerdings mag ich die Laberrhabarber-Anpreisungen (souligste, R&Bigste;) überhaupt nicht, ebensowenig die Begleit-PR-Bildchen von BLM Demos und PlanetClearing Tänzerinnen. Sein Tiny Desk Concert, direkt an meinem home office desk, super!

Karsten Dörre / 09.12.2020

Das Video im Achse-Header ist später von Robert Cray Band veröffentlicht und als Nachruf auf John Lewis (1940 - 2020) zu verstehen (anschliessende Redeausschnitt aus dem Jahr 1963). Der Titel “This man” ist Anfang 2020 entstanden. John Lewis ist der Mann, der George W. Bush jun. seines Amtes wegen der NSA-Abhöraffäre entheben wollte mit u.a. diesem Zitat:”„Er ist kein König, er ist Präsident.“ Im Titel “This man” kommt die Passage “Now he’s walking around. Like he’s a big king.” Der Link im Achse-Text „That’s What I Heard“ gibt den kompletten Titel “This man” wieder.

Armin Reichert / 09.12.2020

Mir gefällt Johnny Guitar Watson besser.

Rolf Lindner / 09.12.2020

Nichts gegen gute Bluesmusik. Ist mir aber schon zündenteres begegnet. Im Zusammenhang mit dem Hintergrundvideo eher ‘was für linke Internetseiten.

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