Gastautor / 02.08.2012 / 10:05 / 0 / Seite ausdrucken

Requiem für Europa

Eran Yardeni

Der Zionismus ist nicht nur eine der wenigen erfolgreichen Revolutionen des 20. Jahrhunderts sondern vor allem eine der innovativsten. Israel hat sich im Laufe der Zeit zum Patentenimperium entwickelt. USB-Stick, Cherry-Tomate, ein Großteil des Windows XP-Betriebssystems, Tröpfchenbewässerung und VOIP-Technologie sind nur ein paar Beispiele für die israelische aus dem Repertoire der israelischen Erfindungen. Der Judenstaat ist nicht nur die einzige Demokratie im Nahen Osten, sondern auch die einzige denkende Nation in einer geistigen Wüste: Während in der ganzen arabischen Welt in dem Zeitraum zwischen 1980-2000 nur 367 Patente angemeldet wurden, lag die Anzahl der Patente in Israel in diesem Zeitraum bei 7652.

Unter dem Titel „Israel – so klein wie Dänemark, so innovativ wie die USA“ berichtete Jacques Schuster in der WELT, dass im Jahr 2008 israelische Erfinder 9591 Patente angemeldet hatten während „in allen Staaten mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit“ nur 5657 Patente eingetragen wurden. In Israel, darf man nicht vergessen, leben heute weniger als acht Millionen Menschen, allein in Ägypten sind es mehr als achtzig Millionen.

Vor dem Hintergrund dieser Statistik sollte die Diskussion über die gesellschaftliche Rolle des Islams in Europa stattfinden. Nein, es hat gar nichts mit Rassismus zu tun, im Gegenteil. Nur kulturelle Unterschiede können erklären, warum eine kleine Nation wie Israel, die über keine Bodenschätze verfügt, technologisch und wissenschaftlich gedeiht, während die arabische Welt schon ein paar Jahrhunderte im Koma liegt. Nur vor diesem Hintergrund kann man auch die Frage beantworten, ob der Islam als politische und kulturelle Erscheinung mit den Grundideen der deutschen Gesellschaft in Einklang zu bringen ist oder nicht.

Die oben erwähnten Daten werfen aber auch ein paar andren Fragen auf: Wie kann es sein, dass eine kleine und ständig bedrohte Nation, deren Beitrag zu der Entwicklung der Menschheit in den letzten Jahrzehnten nicht hoch genug geschätzt werden kann, ausgerechnet in Europa, in der Heimat der Aufklärung, so tief und pathologisch gehasst wird? Wie kann es sein, dass die Palästinenser, die die Internationalisierung des Terrors zum eigenen kulturellen Meilenstein gemacht haben, die Sympathie von Menschenrechte- und Friedenaktivisten genießen, während Israel als „Gefahr für den Weltfrieden“ verurteilt wird?

Mit Antisemitismus allein kann man dieses Phänomen nicht erklären. Es ist an der Zeit, das Kind beim Namen zu nennen: Europa ist lebensmüde. Es gibt nach. Die Einstellung Israel und den USA gegenüber ist nur ein Symptom für einen kulturellen Autismus, für einen allmählichen Realitätsverlust, für eine akute Identitätskrise. Zweimal im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts hat Europa versucht, sich das Leben zu nehmen. Zweimal ist es gescheitert. Nur ein lebensmüder Kontinent könnte auf die Idee kommen, den Faschismus und den Nationalsozialismus mit Toleranz und Beschwichtigungspolitik zu beseitigen. Diese naive Grundeinstellung zum Leben kann und will Europa nicht mehr loswerden. Europa will seine Ruhe auf jeden Preis. Es will in Ruhe in die Vergessenheit versinken. Deshalb gelten die Islam-Kritiker im Inland, in Israel und in den USA im Ausland als Störfaktor.

Sie schreien, was Europa verschweigen will.

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