Volkswagen ist vom Stimmenanteil her zu 20 Prozent ein Staatskonzern. Das Land Niedersachsen als zweitgrößter Aktionär besitzt eine Sperrminorität. Im politischen Sinne ist es sogar zu 100 Prozent ein Staatsbetrieb, man könnte es auch „Tendenzbetrieb“ nennen. Volkswagen darf, was die sogenannte „Haltung“ anbetrifft, als Unternehmen wie die katholischen Kirche gelten. Ein Tendenzbetrieb ist eine Firma, bei der nicht Gewinn im Vordergrund steht, sondern eine ideele „Tendenz“. So ein Unternehmen will stets Überzeugungen verbreiten oder sogenannte „Werte“ umsetzen, nicht primär Geld verdienen, lediglich die Boni der Vorstände sind sakrosankt.
Und so verschrieb sich Volkswagen zu 100 Prozent dem politischen Diktum „die Zukunft ist elektrisch“. VW-Manager propagierten zu diesem Zweck das Verbrenner-Aus und fanden höhere Spritpreise gut. Nebenbei zeigten sie auf Demos gegen „rechts“ Gesicht und strichen der AfD die Dienstwagen-Rabatte. Damit war der Laden so beschäftigt, dass er ein wenig aus dem Auge verlor, qualitativ überzeugende, bezahlbare und durch neue Ideen und Konzepte überzeugende Automobile zu bauen.
Die VW-Modelle sollten Politikern gefallen, die Kunden waren zweitrangig, man gedachte sie mit E-Mobilen zwangszuversorgen. Die desaströsen Ergebnisse der „Die Zukunft ist elektrisch"-Strategie sind derzeit zu besichtigen. Volkswagen und seine Töchter verdienen primär immer weniger bis gar kein Geld. E-Mobile sind massenhaft auf den Händlerparkplätzen gestrandet wie Timmy der Wal auf seiner Sandbank. Standorte sollen geschlossen und viele zehntausende – möglicherweise auch viel mehr – Arbeitsplätze gestrichen werden.
Jetzt sind sie nun mal da, die Chinesen
Und jetzt kommt auch noch der Mann ins Spiel, der derzeit über die Sperrminorität Niedersachsens befindet. Er heißt Olaf Lies (SPD) und ist der Ministerpräsident des Landes und Diplomingenieur – immerhin. Seit etwa einem Jahr gehört er außerdem dem Aufsichtsrat von Volkswagen an. Gerade ist Lies von einem Ausflug nach China zurückgekehrt und machte einen interessanten Vorschlag: Volkswagen solle doch zur Auslastung von Werken wie Wolfsburg chinesische Elektroautos bauen. Man könne den Erfolg der Chinesen ohnehin nicht verhindern, dann wäre es doch realistisch und pragmatisch, wenn auf diese Art und Weise am Schluss noch ein paar Arbeitsplätze übrig bleiben würden. Der Gehaltsscheck der Wolfsburger kommt dann eben aus Peking. Jetzt sind sie nun mal da, die Chinesen.
Die Art, wie die schlechte Botschaft überbracht wird, ist zunächst einmal ein gigantisches PR-Desaster. Gründlicher kann man den Ruf einer Marke nicht ruinieren. Wenn einem der größten Anteilseigner von Volkwagen nichts Besseres zur Rettung des Konzerns einfällt, als öffentlich vor der chinesischen Konkurrenz zu kapitulieren, dann hat VW zumindest psychologisch fertig.
Wie wäre es stattdessen mit einer entschlossenen Attacke auf die automobilfeindliche Politik in Deutschland und Europa, die Volkswagen und andere – neben den hausgemachten Problemen – so richtig in die Grütze gefahren hat? Wie wäre es stattdessen mit mitreißenden neuen Fahrzeug-Konzepten? Mit Autos, die man wieder reparieren kann, ohne arm zu werden? Mit einem genialen, robusten und vielseitig verwendbaren Kleinwagen? 80 bis 90 Prozent der Weltbevölkerung besitzen noch kein eigenes Auto, träumen aber von einem. Außer natürlich deutschen Politikern. Die finden schon länger, dass zu viele Leute ein Auto besitzen. Und dass zu viele Leute wählen dürfen. Wie wäre es damit, zur Abwechslung einmal an die Zukunft und die Menschen zu glauben?
Das Ganze erinnert an das Ende der britischen Automobilindustrie
Techniker und Ingenieure, die bei Volkswagen in Diensten stehen, haben spätestens mit den Einlassungen von Lies gemerkt, dass sie in diesem Unternehmen wohl eher keine Zukunft haben. Und der letzte VW-Käufer, der bereit war, die Premiumpreise des Hauses für teilweise grottige Qualität zu bezahlen, macht sich von der Sandbank. So etwas kommt heraus, wenn Politiker über Autofabriken befinden. Das Ganze erinnert an das Ende der britischen Automobilindustrie, die von den Gewerkschaften und unfähigen Managern ruiniert und anschließend vom britischen Staat gerettet wurde. Allerdings nicht für lange. Danach standen die Deutschen bereit, um die Kronjuwelen der britischen Autoindustrie für einen Appel und ein Ei zu schlucken. Und heute stehen die Chinesen bereit, um sich in Deutschland von der Resterampe zu bedienen.
Zur Erinnerung und „just for the record“ der Ablauf des Geschehens: Erst lieferte VW den Chinesen sein gesammeltes technisches Know-how, um im großen Stil eine Automobilfertigung aufzuziehen. Die Deutschen wurden mit Massenverkäufen fürstlich entlohnt, bis die Chinesen alles wussten und besaßen, um den Laden alleine zu schmeißen. Dann kam der Zahltag.
Die Chinesen wurden immer besser und billiger. Die chinesische Politik beschloss zudem, trickreich elektrische Autos zu protegieren, von denen die Deutschen keine Ahnung – davon aber viel – hatten. Und die Klimabesoffenen in der EU machten die chinesische U-Boot-Strategie zur Erledigung der Konkurrenz ebenfalls zum Maßstab. Sie verboten faktisch die erfolgreichen und beliebten Verbrennungsmotoren.
Die Nieten in Nadelstreifen applaudierten dazu auch noch – in der Hoffnung, künftig elektrische Mobile der Kundschaft gnädigst zuteilen zu können. Die Produktivität der Fertigung wurde angesichts dieser vorzüglichen Aussichten großzügig vernachlässigt. Die ruinöse Energiewende, die ebenfalls mitgetragen wurde, war dann der letzte Nagel am Sarg. Und nun? Olaf Lies gibt der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) ein Interview und sagt: „Wir sind klug beraten, wenn wir selbst Teil der Entwicklung sind und mit China zusammenarbeiten. Dazu brauchen wir aber auch eine überarbeitete nationale Chinastrategie.“
„Sich stärker mit dem chinesischen Wirtschaftsmodell auseinandersetzen“
Politische Bedenken scheint es nicht zu geben. Auch Volkswagenchef-Blume schwärmte schon vom großen Steuermann Xi Jinping in Peking: „Die Chinesen gehen sehr planerisch vor mit sogenannten Fünfjahresplänen und haben dort auch klare Prioritäten“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Das ist verständlich, da die Restlaufzeit des Vorstandsvorsitzenden angesichts der beschleunigten Talfahrt eher bei fünf Monaten als bei fünf Jahren liegt.
VW-Chef Blume meint weiterhin, man solle sich „stärker mit dem chinesischen Wirtschaftsmodell auseinandersetzen“, denn „das ist optimal durchstrukturiert. Und was wir in China sehr positiv erleben, ist eine hohe Disziplin und Leistungsbereitschaft, die Themen umzusetzen.“ Bei Volkswagen gelingt dies derzeit nämlich nur den Vorständen, die aufgrund kreativer Buchführung gerade ihre Millionenboni für 2025 retteten und gleichzeitig 50.000 Mitarbeiter auf die Straße setzen wollen.
Die Resonanz auf die Ansagen von Olaf Lies ist entsprechend: Die Finanznachrichten zitierten einen Händler, der die Aussagen als „eine Art Offenbarungseid“ bezeichnete, andere sprechen von einem massiven „Tabubruch“ und einer „Abstiegspolitik“. Die VW-Aktie geriet nach dem Vorstoß ins Minus, da Investoren das Vertrauen in die Eigenständigkeit und Zukunftsfähigkeit der deutschen Standorte verlieren. Wache Beobachter warnen, dass VW damit die Konkurrenz im eigenen Haus zünftig großzieht und die Marke weiter entwertet.
Es bestehe die Gefahr, dass Deutschland vom führenden Autoland zur bloßen „verlängerten Werkbank“ für fremde Konkurrenz degradiert werde. In Kommentaren wird Lies vorgeworfen, die eigene Industrie erst durch politische Fehlentscheidungen geschwächt zu haben, um nun auf chinesische Produktion als Rettung zu hoffen. Dies dokumentiere vor allem die „eigene Hilflosigkeit“. Da VW zentrale Kompetenzen wie Plattformarchitektur und Software zunehmend nach China verlagert, wird die Produktion chinesischer Modelle in Wolfsburg als Symptom für den Verlust der deutschen Innovationshoheit gesehen. Es wird hinterfragt, warum man EU-Strafzölle gegen chinesische Hersteller befürwortet, wenn man ihnen gleichzeitig die Türen zu den eigenen Fabriken öffnet, um diese Zölle zu umgehen.
Es ist ein Desaster.

Das hatten schon die Nazis vor in der Deutsch Chinesischen Cooperation. Alles auch bei Lilly Abegg zu lesen. VW hätte als NS Konzern 1945 liquidiert werden müssen dann wäre das Problem nie zu diesem Monopol geworden. VW muß man zerschlagen Wie die IG Farben und Quandt Goebbels BMW. Das sind geerbte NS Strukturprobleme die tiefer gehen und eine Stagflation als Garantie enthalten. Die Automobilinflation als Überschußvolumen das war schon unter Schröder absehbar.
@Oliver Krug:
Es wird gerettet, was auf den Tisch kommt.
Wäre fast ein Thema für Herrn Etscheit, aber davon sollte man lieber die Finger bzw. die Gabel lassen.
Ein SPD-Genosse, dem nicht klar ist, was sein Geschwätz für wirtschaftliche Folgen zeitigen kann: Wie überraschend…
Es wird wohl kaum nur das „chinesische Wirtschaftsmodell“ sein, welches die BRD-Nomenklatura im Rahmen einer „überarbeiteten nationalen Chinastrategie“ für ihr Berliner Reich anpassen möchte. Die politischen und sozialen Modelle sind für die Partei- und Behördenbonzokratie mitsamt NGO-Pfründnern zweifellos genauso attraktiv. Und nicht allzu weit von den ´Modellen´ in der Anfangszeit des Volkswagen-Komplexes entfernt, in den Hitlerjahren des Berliner Reichs waren Jahrespläne, Marktdesigns und sämtliche Lebensbereiche umfassender Totalitarismus schließlich auch sehr populär. Das Diskursdesign mit dem das BRD-Regime jede Kritik an ihrer Adaption des Sinokommunismus und Xi-Jinping-Denkens, wie es von der CCP propagiert wird, zu unterbinden suchen wird, ist jedenfalls leicht vorhersagbar: der K(r)ampf gegen antichinesischen Rassismus und Sinophobie wird sicher mancher NGO neue Pfründe erschließen. Und dazu beitragen gemäß CCP-Phraseologie „Herzen zu vereinigen und Seelen zu schmieden“, kein Zweifel.
VW steigert sich noch und will nach einem Bericht der „Welt“ vom 19.93.2026 der AFD Fraktion kein Fraktionsfahrzeug rabattieren.
Legt VW denn auf die geschätzt 27% der Wähler dieser Partei auch keinen Wert mehr? Will VW vielleicht sogar vor dem Autoverkauf eine Anfrage beim Verfassungsschutz stellen?
Fragen über Fragen.
Die Chinesen zahlen die VW-Stundenlöhne Deutschlands? Hier hat der Achse-Autor die Dimension der Lies’schen Finanzidee noch nicht begriffen. Ich gehe nicht davon aus, dass VW Deutschland in den prekären Beschäftigungsmarkt wechseln wird und als weltrettende Vorbildfunktion für andere Wirtschaftszweige dient. Ich kann mir eher vorstellen, dass ein Teil der däumchendrehenden VW-Belegschaft für den Verfassungsschutz abgeworben wird, damit die zunehmende Überwachung von 86 Millionen Bürger gewährleistet wird.
Wenigstens übernehmen die Chinesen und nicht ausgerechnet die USA. Erstere bauen Brücken, Schleusen, Straßen, Pipelines und Fabriken. Letztere sprengen sie.