Wolfgang Röhl / 11.10.2020 / 06:25 / Foto: Krd / 101 / Seite ausdrucken

Rehabilitiert Relotius!

Was macht dieser Konditor feinsten Politkitsches, dessen Entlarvung als Lügenbold seinerzeit, im Dezember 2018, ein paar sehr naive Spiegel-Mitarbeiter in Tränen ausbrechen ließ? Wo hält sich die Edelfeder des New-Fake-Journalism auf? Schreibt er längst wieder Auftragsknüller, womöglich unter Pseudonymen? Er kann ja was, das hat er hinlänglich bewiesen.

Oh, der Mann lieferte die Ware, nach der deutsche Redaktionen verlangten. Auf Tränendrüsen drückende, dabei saucool geschriebene Moritaten für Lehnstuhlmoralisten, in denen es zum Beispiel um das bittere Los von fleißigen jungen Migranten ging, die nicht nach Almanya durften, kryptofaschistische Dumpfbacken in einem amerikanischen Kaff oder um schießlustige Bürgermilizen an der mexikanischen Grenze. So ein begnadetes Storytellertalent liegt gewöhnlich nicht lange brach. Es drängt zurück in die Öffentlichkeit, früher oder später.

Wo also hält sich Relotius auf? Seltsam, dass ihm niemand nachstellt, mal an seine Tür klopft, ihn mit der langen Tüte abschießt, oder? Ist er im Ausland abgetaucht? Der Mann müsste doch aufzuspüren sein. „So lebt der Spiegel-Fälscher heute“ – warum lässt sich „Bild“ diese Headline entgehen?

Kaum war die erste Aufregung über ihn verraucht, war er als Person auch schon abgelegt. Erstaunlich, da es sich im Fall Spiegel/Relotius ja um den – vorerst – zweitgrößten Skandal der bundesrepublikanischen Pressegeschichte handelte. Beim größten, nicht ganz schussechte „Hitler-Tagebücher“ betreffend, waren die ausführenden Fake-Produzenten Heidemann und Kujau jahrzehntelang immer mal wieder für Schlagzeilen gut.

Einen Schlussstrich unter die peinliche Chose

Andererseits gab es genug Spiegel-Leser, die schon bald nach dem Eklat einen Schlussstrich unter die peinliche Chose forderten. Schließlich habe ihr Leibmagazin wackere Aufklärungsarbeit in eigener Sache geleistet. Und dann, diese Stücke von Relotius lasen sich doch wunderbar! Hätten sie denn nicht wahr sein können?

Wirklich, das haben manche Spiegel-Treue damals gemailt.

Was nun die Branche selbst betraf, so war sie womöglich auch deshalb nicht sonderlich scharf auf langen Nachklapp zu dem Fall, weil nahezu jedes Blatt ähnliche Leichen im Keller hat. Über den „Stern“ ließ sich noch gut juxen; eine Fälscherkomödie dieses Kalibers war und blieb bislang einzigartig. Aber Relotius' Erzählungen? Von dieser fabelhaften Sorte gibt es einige. Würde man nur jene auserlesenen Reportagen penibel auf den Grill legen, die in den, sagen wir, letzten 30 Jahren irgendwelche Preise abräumten, so kämen sicher erstaunliche Erkenntnisse zutage.

Vom Tagesgeschäft der Medienzunft ganz zu schweigen. Erinnern Sie die nie belegten „Hetzjagden in Chemnitz“? Oder den Megapresseflop vom angeblichen Kindermord durch Nazis in Sebnitz, mit der sich so gut wie sämtliche deutsche Medien bis auf die Knochen blamierten und eine Reihe von ausländischen ebenfalls?

Aber vielleicht ist die Angelegenheit Relotius auch einfach irrelevant geworden. Ob eine Geschichte faktenmäßig richtig ist, wen schert das noch? Was heute zählt, ist, ob die Sache wichtig ist, für welche die Geschichte eintritt.

Die Schreiberlinge, würde Karl Marx sagen, haben die Vorkommnisse immer nur verschieden interpretiert, es kömmt drauf an, sie zu verändern! Über die Welt nicht nur zu berichten, sondern sie im Notfall zu berichtigen, das ist als Wille und Vorstellung mittlerweile auch im Mainstreamjournalismus angekommen.

Lange war das eine Art Flüsterdebatte

Seit etlichen Jahren wird über den „Objektivitäts-Schwindel“ in gewissen, meist linken Presseblasen diskutiert. Wer jetzt die Tags „Journalismus/Aktivismus/Haltung“ bei Google eingibt, bekommt eine Flut von Treffern zur Frage, ob ein Journalist heutzutage noch so tun darf, als gäbe es unterschiedliche Betrachtungsweisen zu angeblichen Überlebensfragen. Sollte man die Old School („All the things that’s fit to print“, Motto der „New York Times“ von anno 1896) nicht lieber dicht machen?

Müssen Journos, wenigstens dem Anspruch nach, ehrliche Mittler sein, die einigermaßen fair berichten, beide Seiten einer Münze zeigen? Oder sollen sie mit offenem Visier als Propagandisten für die guten-wahren-schönen Aufgaben reiten? Welche doch getan werden müssen, soll der Planet nicht im Hitzesturm verglühen, in steigender Meeresflut ersaufen, dem toxischen Wahn weißer alter Männer anheimfallen.

Lange war das eine Art Flüsterdebatte. Selbst jene, die insgeheim gern so wären wie Glenn Greenwald, der publizistische Arm des Verpfeifers Edward Snowden, zierten sich, dem zahlenden Publikum ihre Ansicht zu offenbaren, dass Journalisten im Grunde geborene Aktivisten sind. Und dass der 1995 verstorbene „Tagesthemen“-Moderator Hanns Joachim Friedrichs folglich Stuss verzapfte, als er seine legendäre Formel für guten Journalismus kundtat:

„Das hab’ ich in meinen fünf Jahren bei der BBC in London gelernt: Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein.“

In letzter Zeit sind bei einigen Medien einige Hüllen gefallen. Nicht bloß die „Taz“ überließ Gretas Kinderkreuzzüglern am „Weltklimatag“ die Gestaltung des Kinderstürmers (das wäre keine Meldung gewesen), auch der Stern verschwisterte sich an diesem Datum offiziell mit dem Panikorchester der Jungklimatiker. Was ein paar Kollegen immerhin irritierte, andere nicht so sehr.

Die „Neue Zürcher Zeitung“ nannte die Entscheidung der Stern-Chefredaktion, nunmehr jede, bislang ohnehin bloß angetäuschte, Distanz zur Heißzeitprophetie aufzugeben, „einfach ehrlich“. Der Stern habe sich damit „offiziell vom Journalismus verabschiedet“, konstatierte Marc Felix Serrao, Leiter der Berliner NZZ-Büros. „Aber das ist weder falsch noch fragwürdig. Es ist ein überfälliges Bekenntnis.“

Sich gern mal teilblöd stellen

Solche Klarsicht erfrischt. Anderswo wurden zum Thema schon mal Gespensterdebatten geführt, etwa in der „SZ“. Das Münchner Blatt berichtete über einen Briefwechsel zwischen dem erwähnten Aktivistenjourno Greenwald und einem ehemaligen Chefredakteur der New York Times. In dem Stück hieß es ganz im Ernst: „Es ging um die Wurst, um die Frage: Sind etablierte Medien wie die New York Times mit ihrem Objektivitäts- und Überparteilichkeitsanspruch überhaupt noch zeitgemäß?“

Gosh! Die gegenwärtige NYT in einem Atemzug mit „objektiv“ oder „überparteilich“ zu nennen, das ist apart. Etwa so, als würde man die Leute von „Fox News“ als fanatische Trump-Hasser bezeichnen.

Das halbschlaue Argument von Greenwald und anderen, die sich gern mal teilblöd stellen: Journalismus könne seinem Wesen nach gar nicht objektiv sein, weil Journalisten Menschen mit subjektiven Empfindungen und Interessen seien. Eine journalistische Entscheidung sei immer auch ein Akt des Aktivismus, der diesen oder jenen Interessen diene.

Mein lieber Friedrichs! Da rattert die Bartwickelmaschine. Natürlich weiß jeder im Medienzirkus – woke Leser inbegriffen –, dass bereits die Entscheidung, eine Nachricht groß, klein oder gar nicht zu bringen, eine Bewertung der Geschehnisse bedeutet. Ferner, dass kein Medium die laufende Chronik der globalen Ereignisse umfassend covern kann, nicht mal die der nationalen. Solche Einwendungen liegen allerdings auf dem Niveau des Witzes: „Ich wundere mich immer, dass jeden Tag genau so viel in der Welt geschieht, wie in meine Zeitung passt.“

Hilfreiche Dinge mit dem Segen von Mutter Angela

Und dann, steht da nicht auch noch in Blei gemeißelt das Wort des ehrenwerten Publizisten Paul Sethe, Pressefreiheit sei „die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten“? Oder, in zeitgemäßer Version: Pressefreiheit ist die Freiheit von zehn überwiegend linkslastigen Medienkonzernen, die Mehrheit der Bundesbürger jeden Tag mit Meldungen über den nahenden Klimakollaps, den andauernden Naziterror, die Untaten des Donald T. und die zehn Kostbarkeiten des Elektroautos zu überziehen.

Es darf vermutet werden, dass Medienmacher künftig wohl noch öfter mit jedem in die Kiste hüpfen werden, der hilfreiche Dinge befördern will und dafür den Segen von Mutter Angela hat. Auf dass die Transparenzmaßnahmen von „Taz“ und „Stern“ nicht isolierte Outings bleiben, sollte auch der Rest der Medien an unübersehbarer Stelle bekennen:

„Unser Verlag beschäftigt Haltungsjournalist*innen. Wir beziehen sie en gros von Journalistenschulen, wo sie auf die richtige Gesinnung geeicht wurden. Sie kosten uns nicht viel, weil sie eine Mission verfolgen und notfalls auch für Praktikant*innenlohn arbeiten. Bitte sehen Sie von Leser*innenkommentaren ab, die eine ausgewogene Berichterstattung oder ähnlichen Kokolores anmahnen.“

Auch bei bestimmten Stücken sollte es Hinweise geben. Etwa diesen: „Der folgende total unkritische Artikel über die FFF-Bewegung entstand, weil wir mit Panikmeldungen zum Klima leichte Klickbeute machen können.“ Oder: „Die Angaben in diesem Artikel über gelungene Integration von Migranten stammen vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, sind also mit hoher Wahrscheinlichkeit ganz oder teilweise falsch. Wir veröffentlichen sie in der Hoffnung, bei den in Aussicht gestellten Staatshilfen für notleidende Medienhäuser großzügig bedacht zu werden.“

It’s the Haltung, stupid

Und wie wär’s hiermit? „In unserem Artikel über Fortschritte bei der Energiewende befinden sich viele Fehlprognosen und jede Menge grünrotes Wunschdenken. Wichtige Komplexe haben wir unter den Tisch fallen lassen, etwa die mangelnden Speichermöglichkeiten von Strom. Wir tun das, weil wir im Gegenzug unserer Publikation regelmäßig 'Schwarzrotgold' beilegen dürfen, die Propagandabroschüre der Bundesregierung, wofür wir ordentlich Schotter erhalten.“

Wäre das nicht wunderbar? Der geneigte Leser wüsste die Offenheit zu schätzen. Wenn alle Medien mitmachen, würde das ein Riesenfortschritt. Ein Blog des „Deutschen Journalisten-Verbands“ empfahl schon vor drei Jahren:

„Aktivismus ist nach Karl Popper die Neigung zur Aktivität und die Abneigung gegen jede Haltung des passiven Hinnehmens. Diese Eigenschaft steht Journalistinnen und Journalisten gut zu Gesichte.

Ja, es wird Zeit, endlich Claas Relotius zu rehabilitieren. Nein, dieser Erbe des genialen Falsifizierers Egon Erwin Kisch und des nicht minder einfallsreichen Karl May hat nichts verbrochen, für das sich ein progressiver Journalist – per se ein Aktivist – irgendwie schämen müsste.

PS: May war übrigens auch ein Aktivist. Propagandist der Versöhnung von Völkern, Kulturen und, ähem, Rassen. Dass er es mit Fakten nicht so genau nahm – who cares? It’s the Haltung, stupid.

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Leserpost

netiquette:

B.Rehfeldt / 11.10.2020

Es sind seltsame Zustände im Land: er/sie/ es, die schlimmer als Tiere in einem besetzen Haus vegetieren,  sind ein anarcho quer feministisches Wohnprojekt . Damen mit oder ohne Migrationshintergründen mit auffälligem Halb bzw. Nichtwissen sitzen in Talkshows und sondern Worthülsen ab. Minister, die Millionen von Steuergelder in den Sand setzen, können sich der Gnade der Presse sicher sein. Überfälle, Messerstecherei, Vergewaltigung…alles Themen, die , wenn überhaupt, unter.. Sonstiges… erscheinen, und dann nur kurz. Alte weiße Männer, die Anteil am ehemaligen Wohlstand des Landes haben , sind per se rassistisch und sexistisch. Und über allem wird natürlich die schon gottgleiche Kanzlerin gestellt und „journalistisch“ begleitet. Nichts entspricht mehr den Tatsachen, alles ist geframt, gelogen, verdreht, , aufgebauscht oder vertuscht. Kann man machen, ist widerlich, wie ich finde, wird aber nicht auf Dauer funktionieren, da sich die Wahrheit immer einen Weg bahnt. Es bleibt nur, abzuwarten und auf die eigene geistige Gesundheit zu achten, Achse lesen gehört dazu.

Günter H. Probst / 11.10.2020

Was früher die Popen, sind heute die Propagandisten in den privaten und öffentlichen Medien. Sie werden von den Herrschenden in den privaten Medien üppig, wohl kaum zum Praktikantengehalt, und in den staatlichen Medien exorbitant bezahlt. Damit folgt die Politik den Privaten Unternehmen, die Milliarden in die Werbung stecken, deren Wahrheitsgehalt über die Eigenschaften des Produktes oder der Dienstleistung ebenfalls zweifelhaft ist. Ich habe schon in jungen Jahren stark und teuer beworbene Produkte gemieden, und lache mich seit der Bildung der Nationalen Front über Wahl k äm p f e nur noch schief. Die Nachrufe auf den angeblich neutralen Journalismus kann sich achgut langsam sparen. Propaganda steht immer im Dienste eines Herren, früher dessen ganz Oben: Gott und Kaiser.

Frances Johnson / 11.10.2020

Die Linksgerichteten aber, die haben das ignoriert. Sie haben Trump nie in wesentlichen Punkten angemessen kritisiert, sondern ihn permanent unter ein Dauerfeuer gestellt. Trump ist inzwischen ein Kampfstier, den die Picadores nicht mehr interessieren können, die sich ja wieder wunderbar bei seinem Krankwerden exponiert haben. Luisa Neubauer war dabei. Und Frollein Greta, 17 Jahr, langer Zopf, legt eine Scheibe nach und gibt den AmerikanerInnen eine Wahlempfehlung. Es geht nur um Macht. Medienleute aber, zumindest, solange sie nicht von Staatsknete leben, muss es um Vernunft und Substanz gehen. Und, wie gesagt, Selbstachtung. Und um uns. Die Linksgerichteten hören gar nicht zu, und deswegen sind sie Lichtjahre entfernt von dem Bertold Brecht, der die “Legende” geschrieben hat, einem Linken. Und deswegen ist dieses Etikett Grün oder Links nur noch ein dünnes Mäntelchen, auch wenn man an Abholzen für Ideologie denkt.

Frances Johnson / 11.10.2020

Wissen Sie, @ G. Dietzel, ich habe es schon mal gesagt: Da gibt es Menschen, die machen plötzlich die Tür zu. Die stehen zum letzten Mal als Tosca auf der Bühne in London, und dann gehen sie und ziehen sich in eine Wohnung zurück, z.B. in Paris. Arianna Huffington hat eine schöne Biographie über Maria Callas geschrieben und war bei dieser letzten Vorstellung, und das Herz mag ihr geblutet haben. Und dann gibt es Menschen, die kleben an ihren Stühlen. Und Nachfolger, die an ihrem Ehrgeiz kleben. Erstere geben uns etwas, Letztere werden von uns finanziert und geben inzwischen nur noch eins zurück: Maximale Demütigung, aber die Masse merkt es nicht. Nun hört die Masse wohl auch nicht solche Opern, sondern guckt zur Erbauung Dschungelcamp. Und dann gibt es noch den Einzelnen in den Medien. Ich war etwas entsetzt, wie Matthias Döpfner im März hier zerfleddert wurde und finde das kontraproduktiv. Kritisieren muss man sie, aber in Maßen. Wenn man sie erniedrigt, werden sie wie Tiere, die angegriffen werden. Letztlich muss man auf ihre Klugkeit bauen, die eines Aust, eines Poschardt, der sich eine Eisenstange im Rücken einbauen sollte, die er nur rausnimmt, wenn er seinen Garten beackert, die eines Schümer, eines Kellerhoff und wie sie alle heißen. Und man muss ihnen angemessen kontra geben, und ich bin sicher, dass sie das auch aufnehmen, und dass wir es können. Denn diese Sache jetzt stinkt schlimmer als drei Tage toter Fisch. Relotius ist nicht so wichtig. Aber es gibt andere, die wissen, dass sie eins für ihre letzten Jahre im Alter brauchen werden: Selbstachtung. Und das sind die, die so gut studiert sind, dass sie wissen, was das ist. Daher gebe ich sie nie ganz auf. Steter Tropfen höhlt den Stein. Oder wie Brecht sagte: „Daß das weiche Wasser in Bewegung/Mit der Zeit den mächtigen Stein besiegt./Du verstehst, das Harte unterliegt.“ Und: Denn man muss dem Weisen seine Weisheit erst entreißen/Darum sei der Zöllner auch bedankt/Er hat sie ihm abverlangt.

Karl Heinz Brandt / 11.10.2020

„Eine käufliche, zynische und demagogische Presse wird mit der Zeit ein Volk erzeugen , dass genauso niederträchtig ist , wie sie selbst.“ (Joseph Pulitzer)

Wolfgang Kaufmann / 11.10.2020

@Werner Arning, „Problem der Linken sind ihre Scheuklappen. Ihr Tunnelblick.“ — Absolut treffend beschreiben Sie den Dunning-Krüger-Nationalpark.

Stephan Maillot / 11.10.2020

@Gudrun Dietzel, Frances Johnson: Das mit der “Welt” sehe ich ähnlich. Für die wäre die Coronakrise eigentlich die Chance gewesen. Springer kann hier tatsächlich etwas unabhängiger agieren als Spiegel, FAZ und Zeit, die die Regierungsknete noch dringender brauchen. Konzept wäre gewesen: die “Welt” als so eine Art deutsche NZZ, zumal man ja doch lieber Nachrichten made in D liest, und die NZZ auch technisch völlig versagt. - Aber da hätte man bei Springer halt auch mal eine Linie entwickeln sollen, vorsichtig Maßnahmen-kritisch, weil es doch offensichtlich war, dass das bei den anderen völlig fehlte. Ich bin mir sicher, da hätten viele ein Abo geklickt, einfach auch um diese kritische Linie zu unterstützen (so wie ich z.B. auch an kritische Medien gespendet habe)! Dagegen so wie jetzt, mit dieser Mischung aus “Kritik” - die aber überwiegend daraus besteht, dass man unzensierte Kommentare zulässt - und dann doch wieder Zahlen-Panikmache… so wird das nix. Da hätte man um der Linie willen auf die Zahlen-Panikklicks verzichten müssen (bringen die wirklich so viel Geld?).

CZECH ALEX / 11.10.2020

Relo war nur ein Bauernopfer, um von dem wahren Ausmaß der organisierten linken Lügenpresse im Rautenzeitalter abzulenken. Auf das links kommunistisch verseuchte Mediensystem hatte die Reloaffäre keinen negativen Einfluss, im Gegenteil es wird weiter munter drauf los gelogen und Lügengeschichten am Fließband produziert.

Max Wedell / 11.10.2020

Das ist wieder ein hervorragender Artikel (wie von Röhl nicht anders zu erwarten), aber in seiner Haupteinschätzung liegt Röhl m. E. nicht richtig: Keiner dieser Haltungsjournalisten ist Überzeugungstäter. Wenn jemand täglich drei Sacher-Torten verschlingt, gibt es zwei theoretische Erklärungsmöglichkeiten: Entweder ist er überzeugt, damit seine Gesundheit und Langlebigkeit zu fördern, oder ihn treibt eine Eß- bzw. Genießsucht an. In der Praxis bleibt nur eine Erklärung übrig. Journalisten haben, wie jeder andere Mensch auch, eine innere Instanz, vor der sie bestehen müssen. Manche nennen es Gewissen, Freud nannte es das Über-Ich. Das Über-Ich ist Teil der Gefühlswelt des Menschen und “belohnt” die Handlungen des Menschen mit Wohlgefühlen oder mit Unbehagen. Wenn Linksjournalisten in ihren Artikeln Position beziehen, erwächst die oft nicht aus Überzeugungen, die basierend auf sachlichen Argumenten zustande kamen, sondern aus der Antwort auf die Frage: Was muß ich denken und somit auch schreiben, damit mich mein Über-Ich belohnt und nicht bestraft? Die erste große Belohnung, das erste Wohlgefühl, wohnt schon der Auffassung inne, man wäre durch seine Tätigkeit ganz allgemein ein Faktor für den Fortschritt des Guten in der Welt, bevor es überhaupt um konkrete Themen geht. Daß es Haltungsjournalisten nicht um Inhalte, sondern um die Belohnungen des Über-Ich (und Vermeidungen seiner Bestrafungen) geht, ist einfach beweisbar. Alle, denen tatsächlich etwas an der Bewältigung des Klimawandels liegt, wären doch außerstande, eine erheblich unzulängliche, in Teilen unmögliche Lösung wie die Energiewende positiv darzustellen. Beim Schönschreiben der Energiewende geht es aber nicht um eine Bewältigung des Klimawandels, sondern um eine Maximierung der Wohlgefühle beim Schreiben. - Wo der Mensch im Spektrum zwischen linker Gutmenschlichkeit und rechtem Realismus landet, entscheidet auch seine Fähigkeit, sich gelegentlich vom eigenen Über-Ich unter Schmerzen zu emanzipieren.

Hans-Jacob Heidenreich / 11.10.2020

Ein toller Artikel, Herr Röhl. Vielen Dank dafür, auch an die Achse! Leider werden Herr Kleber und Frau Marionetta heute wieder vor 100-1000 mal so vielen Menschen als die Zahl Derer(Pause)*Innen, die diesen Artikel gelesen haben (Ersterer mit gesenktem Blick, vielleicht schämt er sich für sein unverschämtes Salär?) öffentlich weinen und von “Infektionszahlen”, “Moria”, “Klimaschutz”, Rechtsradikalismus und dem bösesten POTUS aller Zeiten etc. erzählen und sonstige “Nachrichten” moderieren deren Auswahl durch Weglassen relevanter Tatsachen besteht. Relotius ist der Spiritus Rector des deutschen Medienmainstream und längst überall!

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