Volkswagen, Europas größter Automobilhersteller, so lautete vor zwei Tagen eine Meldung in mehreren israelischen Zeitungen, „befindet sich in Verhandlungen mit dem israelischen Rüstungsunternehmen Rafael“. Die israelischen Zeitungen zitieren ihrerseits die Financial Times, die, „unter Berufung auf mit den Verhandlungen betrauten Quellen“, als erste über die Gespräche berichtet hatte. Die Gespräche betreffen die Herstellung von „Komponenten“ des Raketensystems Iron Dome, das als „Eckpfeiler des israelischen Zivilschutzes im aktuellen Konflikt“ bezeichnet wird.
Geplant ist die Produktion von Spezialfahrzeugen für den Transport von Abfangraketen. Iron Dome ist ein mobiles Raketenabwehr-System, das sich in speziellen Trucks schnell bewegen kann, neben dem eigentlichen Raketenwerfer gibt es noch eine Radareinheit und ein Kontrollzentrum, beide in besonderen Fahrzeugen, so dass für jede Einheit drei sehr spezielle Fahrzeuge gebaut werden müssen. Außerdem geht es um „Teile für Startrampen und Stromgeneratoren“. Sollte eine Einigung erzielt werden, würden die Iron-Dome-Komponenten im Werk des Unternehmens in Osnabrück gefertigt.
Es wäre für beide Seiten, wie man in der Geschäftssprache sagt, eine Win-win-Situation. Der Volkswagen-Konzern hatte in jüngster Zeit schwere Gewinneinbrüche zu verzeichnen, musste tausende Mitarbeiter entlassen und ganze Fabriken stilllegen. Auch das Werk Osnabrück steht offenbar zur Disposition, sonst würde man dort nicht auswärtige Aufträge avisieren. Und für den israelischen Rüstungsgiganten Rafael wäre es gleichfalls eine günstige Lösung, denn in Israel fehlt es an Platz für weiträumige Fertigungsstätten, so dass man immer bemüht ist, große Objekte im Ausland herstellen zu lassen. So werden zum Beispiel große israelische Drohnen in Indien produziert. Auch deutsche Firmen liefern schon seit einiger Zeit Bestandteile für israelische Waffen.
Für die pragmatische israelische Jugend spielt Volkswagen-Vergangenheit keine Rolle
Es gibt natürlich auch Gegner solcher Projekte. Die Zeitung Yediot Acheronot erinnerte pflichtschuldig daran, dass die Firma Volkswagen „im Rahmen der Bemühungen zur Stabilisierung der deutschen Wirtschaft unter Adolf Hitler“ gegründet worden sei, also von Herkunft ein Nazi-Unternehmen, wie die ganze Stadt Wolfsburg. Doch ich bezweifle, dass solche Mitteilungen auf die eher pragmatische israelische Jugend – und diese Nation besteht zu zwei Dritteln aus unter 35-Jährigen – noch großen Eindruck machen.
Auch in Deutschland dürfte es Gegner geben, einmal unter deutschen Nationalisten, die es als Schmach betrachten, wenn ein deutscher Qualitätsbetrieb als Zulieferer israelischer Firmen fungiert (ja, solche Leute gibt es, man findet sie zum Beispiel im Leserforum liberaler Leitmedien) oder unter linken Kriegsgegnern und Antizionisten, die Israel für eine gewalttätige Besatzungsmacht halten, deren Rüstungsindustrie man auf keinen Fall unterstützen dürfe. Da nützt es nicht viel, zu betonen, dass es sich bei israelischen Raketensystemen um reine Verteidigungswaffen handelt (ganz anders als beim Iran, der nur Angriffswaffen produziert, so dass dieses hochgerüstete Land nicht mal seinen eigenen Luftraum verteidigen kann) und dass – wie die Zeitungsmeldungen vorsorglich betonen – im Fall einer Übereinkunft Volkswagen keinen Anteil an der eigentlichen Raketenproduktion haben würde.
Die Macht der Gegner des Projekts, fürchte ich, dürfte auf der deutschen Seite weitaus größer sein als auf der israelischen, so dass ich vermute, dass, falls das Projekt scheitern sollte, es eher von deutscher Seite torpediert wurde als von israelischer. Solche Spekulationen sollte ich vielleicht besser für mich behalten. Vielleicht auch die ganze Mitteilung, dass ein solches Vorhaben überhaupt im Entstehen ist. In großen deutschen Medien kann man jedenfalls nichts darüber lesen, dort herrscht standhaftes Schweigen, als handle es sich um einen anrüchigen, wenn nicht sogar schändlichen Deal.
Ich befürworte solche Projekte aus einem besonderen Grund: Wirtschaftliche Kooperation hilft Wunden heilen. Ich spreche mich seit Jahren dafür aus, das Verhältnis zwischen Israel und Deutschland von der Fixierung auf vergangene „Schuld“ zu befreien, zumal heute, da die Bürger beider Staaten die Enkel und Urenkel der „Täter“ respektive „Opfer“ sind und es Zeit wird, zwischen Deutschland und Israel ein neues, produktives und zukunftsorientiertes Verhältnis aufzubauen. In zehn Jahren wird fast niemand mehr leben, der an den Verbrechen beteiligt, beziehungsweise von ihnen betroffen war. Israel hat es längst mit neuen Bedrohungen zu tun, auch Deutschland ist eher ein bedrohtes als ein bedrohliches Land. Wenn der Volkswagen-Konzern in Wolfsburg und die Firma Rafael in Haifa in der Produktion eines Raketensystems zur Landesverteidigung kooperieren wollen, halte ich das für ein begrüßenswertes, positives Projekt.
Beitragsbild: IDF Spokesperson's Unit, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Könnte VW nicht gleich seine unverkäuflichen ID3 in den Iran liefern? Dann kämen die Mullahs gleich zum Stillstand. Bei den Raketen sollte Israel zumindest sicher stellen, dass es da keine Rückrufaktionen von VW gibt.
VW – zurück zu den Wurzeln des „Gründungsvaters“. Wer hätte das mal gedacht, daß wir das noch erleben dürfen.
„Wenn ich mir da im Vergleich die Russen ansehe und die Iraner, die haben das ganz allein geschafft“, sagte Schnatterinchen. Und das liebe Kinder, war wieder mal gelogen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschleppte die Sowjetunion im Rahmen der „Aktion Ossawakim“ im Oktober 1946 etwa 2.500 bis 3.000 deutsche Raketenwissenschaftler und Techniker in die UdSSR. Grundschulwissen.
Ich habe gehört, Raketen wären etwas Militärisches. Also militärisch wäre, wenn es darum geht, wer wen zuerst abmurkst. Es geht da förmlich um Bruchteile einer Sekunde, wenn man nicht aufpasst. Also abseits des 80/20-Problems. Die 99,9% müssen erstmal beide haben, sonst sollten sie gar nicht zum Duell antreten. Und dann geht es um die restlichen 0,1%, manchmal auch 0,04%, die dann entscheiden, wohin das Zünglein an der Waage geht.
So gesehen ist VW da ein berechenbarer Partner. Aber Hauptsache der Russe bekommt VW nicht. Wie hat es überhaupt der Chinese bis hierher geschafft, ohne VW. Wie machen das alle Nachbarländer? Die haben kein VW. Von allen Firmen dieser Welt ist VW die, die die wenigsten Schreikrämpfe in Isreal auslösen wird. Eine wahre Notgemeinschaft, die ohne Not vielleicht gar nicht zustande kommen würde. Aber vielleicht verstehen wir noch gar nicht alles.
Aber wer solls denn sonst machen? Opel zum Beispiel? Rüsselsheim? Ich war dort. Ich habe es gesehen. Gute Leute. Great! Ich stelle mir vor, wie die alle die Schwurhand für das Bekenntnis zu Israel heben. Feierliche Stimmung.
Hallo Herr Noll, alles schön und gut. Der Bremsklotz Steinmeier muss aber vorher weg, damit das richtig anrollt.
Zitat. „Pir Hossein Kolivand, dem Vorsitzenden des Iranischen Roten Halbmonds, wurden in Iran durch US-amerikanische und israelische Angriffe mehr als 85.000 zivile Gebäude beschädigt, darunter 64.583 Wohnhäuser und 19.694 Geschäftsgebäude, sagte er im iranischen Staatsfernsehen.“ Sicher nur alles Lüge und Propaganda, die Frauen, Kinder und Alten haben sich selbst gerichtet. Bei dieser Kriegspartei Israel fühlt sich VW wohl und geborgen? Achse-Leser, wollen wir Pflaster spenden in den Iran?
>>Wenn der Volkswagen-Konzern in Wolfsburg und die Firma Rafael in Haifa in der Produktion eines Raketensystems zur Landesverteidigung kooperieren, geht das in eine pragmatische Richtung.<<
## Mit Verlaub, das ist dieses assoziative Denken in Substantiven. Vielleicht sollte man es akkumulatorisches Denken nennen, wenn dadurch nicht eine Nähe zu Strom-Akkumulatoren irrtümlich zustande kommt.
Sind Sie denn schon mal berufsmäßig oder im Hobby einen VW gefahren? Und? Können Sie sich so ein Raketensystem vorstellen? Dabei haben die in Awolfsburg schon viel länger Erfahrungen mit Autos, als Israel überhaupt besteht. Der wirkliche Visionär war Wernher von Schwartzbraun, und den hat der Amerikaner sich weg gefangen. Der hatte wenigstens noch Jules Verne gelesen. Und dann die Wunderwaffen gebaut, die am Ende noch alles gerettet haben.
Wenn ich mir da im Vergleich die Russen ansehe und die Iraner, die haben das ganz allein geschafft, bis zum Mond, und beyond. Und was bei den Chinesen los ist, weiß man nicht, wegen Heimlichtuerei. Die fahren immer nur auf der Rückseite des Mondes hin und her, um uns zu täuschen. Und vorne grinsen sie. Wie soll man die in eine vernünftige Strategie einbauen? Das ist überhaupt das Übel, die Heimlichtuerei! Man müsste per Gesetz diese Heimlichtuerei verbieten. Dann könnten wir alle viel langfristiger planen. Das muss man mal abwägen. Was ist mehr wert? Zehnjahrespläne, oder dass einfach jeder sagen darf, was er will? Für mich ist die Frage geklärt.
Wir packen einfach an das fragile Schloss ein Verbotsgesetz dran, akkumulatorisch, fetisch. Vielleicht wären KI generierte Bilder besser, als Awolfsburg? Aber natürlich darf jeder in seine Zukunft investieren. Wenn er es hat, natürlich nur. Da fallen wir schon mal raus.