Stephan Kloss, Gastautor / 16.02.2021 / 11:00 / Foto: Doc.Heintz / 37 / Seite ausdrucken

Rätselhaftes Sachsen: Nach welcher Logik werden Schulen geöffnet?

Von Stephan Kloss.

Seit Montag sind in Sachsen die Grundschulen und Kitas nach zwei Monaten Zwangspause wieder im sogenannten „eingeschränkten Regelbetrieb“ geöffnet. Aber warum werden nicht alle Schulen geöffnet?

Bereits ab dem 18. Januar durften im Freistaat Abschlussklassen wieder in die Schulen. An jenem Montag wurden in Sachsen großflächige Corona-Tests bei Schülern und Lehrpersonal durchgeführt. Verwendet wurden Schnelltests.

Der Minister zeigte sich „erfreut“ angesichts einer „niedrigen Infektionsrate“. Es soll nicht kleinlich wirken, wenn ich hier schon wieder darauf hinweise, dass die ermittelten Zahlen keine wirklichen Infektionsraten abbilden, sondern – in diesem Zusammenhang – Häufigkeiten bzw. relative oder absolute Anteile an der Grundgesamtheit, also aller der an diesem Tag für diesen Test infrage kommenden Schüler bzw. Lehrer. Gut nachzulesen sind solche Berechnungsmethoden im Arbeitsheft Mathematik Klasse 7, auch in Sachsen. Dagegen ist „Infektionsrate“ die Ansteckung mit einer Krankheit in einem bestimmten Zeitabschnitt. (Siehe auch hier)

Aber darum soll es hier vordergründig nicht gehen. Mit dem Corona-Massentest hat Sachsen Kultusministerium eine Momentaufnahme produziert bzw. – strenggenommen – eine Stichprobe gezogen. Die Zahlen bergen – statistisch gesehen – als Momentaufnahme nur wenige Informationen. Um aussagefähiges Material zu erhalten, müsste jede Woche aus der gleichen Grundgesamtheit eine Stichprobe gezogen werden, möglichst unter den gleichen Bedingungen. Erst daraus ließe sich eine aussagefähige Statistik erstellen. Dann wäre noch die Frage, was damit aufgezeigt werden soll. Im vorliegenden Fall ist die Absicht der beauftragenden Stelle nicht ersichtlich.

Konkrete Fragen – zahlreiche ausweichende Antworten

Um mein Bild über den Massentest zu vervollständigen, schickte ich ein paar Fragen an das Kultusministerium Sachsen. Lesen Sie selbst.

Frage: Was wurde aus den Personen, die positiv getestet wurden? Mussten sie in Quarantäne?

Antwort: Das entscheiden die Gesundheitsämter. Die Schüler, die beim Schnelltest positiv abgeschnitten haben, durften nicht in die Schule.

Frage: Wurden die positiv Getesteten mit einem PCR-Test nachgetestet?

Antwort: Das entscheiden die Ärzte und das Gesundheitsamt.

Frage: Waren die Personen positiv getestet oder waren sie infiziert? Also gab es klinische Symptome?

Antwort: Darüber haben wir keine Informationen. Auch hier muss ich an das Gesundheitsamt verweisen.

Frage: Sie schreiben: Die "Infektionsrate ist erfreulich niedrig" – bei welcher "Infektionsrate" dürften die Schulen wieder aufmachen?

Antwort: Hier gibt es keine spezielle Zahlenvorgabe. Es kommt auf die gesamte Bewertung der Situation an.

Frage: Wie viel hat dieser Massentest gekostet?

Antwort: Hier muss ich an das Innenministerium verweisen …

Das Innenministerium aber verwies an das Sozialministerium. Das wiederum verwies an das Kultusministerium. Das beantwortete dann die Frage. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Journalisten gern im Kreisverkehr durch die Ministerien geschickt werden. Es ist nicht das erste Mal, dass mir so etwas passiert. Hier die Antwort des Kultusministeriums:

„Bisher können noch keine Aussagen zu den Kosten getroffen werden, die Rechnungen werden zu einem späteren Zeitpunkt an das Landesamt für Schule und Bildung gestellt […] Die Test-Kits und die Schutzausrüstung wurden vom Freistaat Sachsen zentral gestellt und an die Schulen geliefert.“

Wo sind die Hindernisse

Frage: Am 8.2. herrschte im Freistaat Sachsen aufgrund der winterlichen Situation Verkehrschaos – trotzdem wurden Corona-Massentests (es sollte der 2. Massentest werden bei Abschlussklassen – Anm. d. Autors) durchgeführt an den Schulen, obwohl viele Schüler ihre Bildungseinrichtungen gar nicht erreichen konnten, da der ÖPNV in weiten Teilen Sachsen stillstand und die Straßen vielerorts nicht befahrbar waren? Warum wurden die Massentests nicht abgesagt?

Antwort: Eine generelle Absage der Tests erschien nicht geboten, vielmehr wurden die lokalen Gegebenheiten betrachtet und dort getestet, wo es sinnvoll erschien. An Standorten an denen nicht getestet werden konnte, werden die Tests nachgeholt.

Frage: Welche Schlussfolgerungen hat das Kultusministerium aus den Ergebnissen gezogen? (gemeint ist der 1. Massentest vom 18.1.2021 – Anm. d. Autors)

Antwort: … Wir gehen nach wie vor davon aus, dass Schulen keine Treiber der Pandemie oder Hotspots sind. Das zeigen die Test-Ergebnisse und u.a. die Ergebnisse der wissenschaftlichen Studien der TU Dresden und der Uni Leipzig.

Dazu Nachfrage: Wenn die Schulen in Sachsen keine Treiber in der Pandemie bzw. keine Hotspots sind, warum setzt Herr Minister Piwarz im Kabinett nicht eine vollständige Öffnung durch? Was gibt es für Hindernisse? Bildung ist doch Ländersache?

Antwort: keine.

Viel Wind um nichts?

Fassen wir kurz zusammen:

  •  Im Freistaat Sachsen lernen 491.067 Schüler – davon 145.492 Grundschüler, die wieder zurück in ihre Klassen dürfen, so wie auch die Schüler der Abschlussklassen.
  • Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) findet die Ergebnisse des Massentests (vom 18.1.2021) erfreulich, aber viele Schulen bleiben trotzdem geschlossen und hunderttausende Schüler müssen zwangsweise daheim bleiben.
  • Eine erkennbar politische Konsequenz haben die Ergebnisse nicht.
  • Das Kultusministerium in Sachsen – verantwortlich für die Bildung im Freistaat – kennt die Kosten von angeordneten Corona-Massentests nicht.
  • Das Kultusministerium prüfte nicht, ob die Ergebnisse der sogenannten positiv Getesteten – die offenbar alle symptomfrei waren – durch Messfehler entstanden sein könnten und zieht offenbar auch nicht in Betracht, dass der Test selbst fehlerhaft sein könnte.

Die Corona-Massentests in Sachsen am 18.1. und 8.2. wurden bei den Abschlussklassen durchgeführt, also mit älteren Schülern. Dagegen geöffnet wurden am 15.2. Grundschulen und Kitas, die an den Erhebungen gar nicht teilgenommen haben. Welcher Logik folgt das Kultusministerium im Freistaat eigentlich?

 

Stephan Kloss ist freier Journalist. Er lebt in Leipzig und studiert Psychologie.

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Leserpost

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Heiko Stadler / 16.02.2021

Politik nach 15 Rautenjahren ist eine ausgewogene Mischung aus Aktionismus, Panikmache, Bessermenschentum, Arroganz und einer großen Portion an Distanzierung von jeglicher Logik.

Dorothea Paulat / 16.02.2021

Noch abstruser gehts in Australien im Bundesstaat Victoria zu, dass sich im 3. Lockdown wegen zwei positiv getesteter Fälle mit der englischen Virusvariante befindet. Ich sehe mir regelmäßig die Videos von Bernie aus Australien an.Ich sage nur Lockdown um des Lockdowns Willen. Da wird man schon mal leicht zum Aluhut. Ist es nun Korrelation oder Kausalität, dass ausgerechnet in linksgerichteten Bundesstaaten, so auch in den USA, die schärfsten Maßnahmen durchgeführt werden?

Karla Kuhn / 16.02.2021

Dirk Weidner, “...dass unsere Bundes- und Landesparlamente sich hinsichtlich der Corona-Maßnahmen wohl ebenfalls im eingeschränkten Regelbetrieb befinden.”  Offenbar vor allem die HIRNREGIONEN ! Dabei gab es früher gar kein “Gefängnis” und alle konnten unengeschränkt, ohne zu frieren , OHNE “MAULKORB” mit Sportunterricht und Freude in die Schule gehen. Heute wird vor allem die Sauerstoffzufuhr durch die FFP2 Masken signifiakant eingescränkt. Sie dürfen ja auch nur 75 MINUTEN mit anschließender 30 minütigen Pause getragen werden, also eine Schulst. 75 Minuten, danach 30 Minuten PAUSE ?? Ich würde meine Kinder aus der Schule nehmen und sie privat zu Hause unterrichten lassen. Lieber würde ich Tag und Nacht arbeite als meine Kinder diese Abartigkeiten zu zumuten !  Und mir bräuchte keiner mit Gesetzen kommen, die ja offenbar schon seit Jahre besonders von Merkel außer Kraft gesetzt wurden.

Matthias Fornach / 16.02.2021

Hier geht es nicht um Logik .Die Politische Diktatorische SED Bezirksleitung in Sachsen bestimmt wann die SED - Kreisleitungsvorsitzenden ihren untergeordneten SED Abteilungsleitern grünes Licht für unsinnige SED Maßnahmen genehmigen.

Petra Wilhelmi / 16.02.2021

Zitat: “Mit dem Corona-Massentest hat Sachsen Kultusministerium eine Momentaufnahme produziert bzw. – strenggenommen – eine Stichprobe gezogen. Die Zahlen bergen – statistisch gesehen – als Momentaufnahme nur wenige Informationen. ”——————————Das ist sehr zahm ausgedrückt. Die Corona-Massentest bergen ÜBERHAUPT KEINE INFORMATIONEN, die verwertbar wären. Sie sind das Alibi für das an die Wand fahren des ganzen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens. Dumme Schüler = dumme Erwachsene. Besser geht es doch gar nicht, wenn die Große Transformation dann einmal abgeschlossen sein wird. Man erhält eine Generation, die noch dümmer ist als die jetzige junge Generation. Macht nichts. Als Werkbank für China benötigt man auch keine klugen Köpfe, weil die ja denken könnten und das Denken ist so etwas von rääääächts. Meine Enkelin “lernt” Online im Gymnasium, wenn man das überhaupt lernen nennen kann. Online ist keine Schule. Sie muss weiterhin zu Hause bleiben, ergo lernt sie fast nichts. Sollten nicht Gymnasien kluge Schüler heranbilden, die mal Patente anmelden, neue Technologien entwickeln könnten o.ä.? Wenn Online Schule wäre, könnte man auf alle Lehrer verzichten. So wertet man auch Berufe ab. Sachsen hat für diese Misere nicht das Alleinstellungsmerkmal. Und die sächsische Landesregierung mit ihren “Schlauberger” Kretzschmar ist sowieso ein Totalausfall.

Dietrich Herrmann / 16.02.2021

Gemäß dem schönen Spruch: Denn sie wissen nicht, was sie tun!  Unfähige Taugenichtse eben.

Tobias Kramer / 16.02.2021

In Sachsen ist in dieser Sache sehr vieles rätselhaft. Aber was will man auch erwarten, wenn man schon eine ehemalige SED-Kaderin, Ex-Kleinkaff-Bürgermeisterin und Kurzzeit-Landrätin ohne jegliche medizinische Kenntnisse zur Gesundheitsministerin macht. Vorher war Frau Köpping übrigens Ministerin für Integration und Migrationsblablabla. Damit ist sie bestens geeignet, über die Gesundheit der Sachsen zu entscheiden.

Jürgen Schmidt / 16.02.2021

Das mag vielleicht planloser Aktionismus sein - was auch immer, egal. Im Ergebnis ist es jedenfalls massenhafte staatlich organisierte Kindesmisshandlung und ein Terrorangriff auf die Familien.

Werner Lange / 16.02.2021

Hallo Herr Weidner, Sie irren sich da ein bißchen…. Bundes- und Landesparlamente befinden sich im “Eingeschränkten DENKbetrieb” - so genau sollte man schon sein :-))

M.Bingel / 16.02.2021

Immerhin dient die ganze Aktion doch als Beweis dafür, dass das Land der Dummen und Doofen eben auch von solchen regiert wird….

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