Thilo Schneider / 07.08.2022 / 10:00 / Foto: Imago / 18 / Seite ausdrucken

Quark bei Twitter: Grüner wird’s nicht

Nicht mal zwei Wochen ist „QuarkDDR“ online und schon folgen über 20.000 Twitterer. Erfolgsgeheimnis: Der Satire-Account gibt sich noch grüner, regierungstreuer und belehrender als der vom öffentlich-rechtlichen QuarksWDR.

Einer der derzeit am schnellsten wachsenden Accounts auf Twitter ist die Satireseite #quarkddr. Seit der Anmeldung des Accounts am 15. Juli hatte QuarkDDR Stand 15:50 Uhr am 26. Juli 22.439 Follower einsammeln können. Im Schnitt sind das 2.000 weitere Twitterer täglich, die diesem Account folgen. 

Gestartet ist die Seite wohl als Persiflage auf den Account von „Quarks“ des WDR, der zwar konsequent alles und jeden durchgendert, sich gleichzeitig aber mit wirklich trivialen Themen wie ein Oberlehrer gegenüber seinen Followern aufführt („Was gehört in die Biotonne – was nicht“). Der Erfolg von QuarkDDR dürfte deswegen auch so bemerkenswert sein, weil er diese Gouvernantenattitüde des WDR nicht nur augenzwinkernd aufs Korn nimmt, sondern auch aufgrund der großen Ähnlichkeit mit der Machart der Kacheln von Quarks. Prominente wie Jörg Kachelmann oder Ali Utlu sind auf QuarkDDR hereingefallen und natürlich auch jede Menge „Unprominente“, was der oder die Machenden (QuarkDDR gendert recht konsequent) wie die Köpfe erlegter Feinde an Burgmauern an ihrer Wall auflisten und dabei augenscheinlich einen Heidenspaß haben. 

Tatsächlich muss man bei manchen Kacheln zweimal hinsehen, ob sich rechts unten das Logo des WDR oder das Logo „DDR“ von QuarkDDR findet. Sie sind sehr dicht dran, die Machenden des Accounts. Pro Tag wirft QuarkDDR vier bis fünf Kacheln auf Twitter, teilweise angelehnt an Quarks, aber auch eine eigenständige Linie scheint sich zu verfestigen. So werden Kacheln zum Thema Umweltschutz stets in dunkelrot, Kacheln zum Thema Politik in Weiß bei stets dem gleichen Gesamtlayout dargestellt. Insgesamt scheint das Konzept „Wenn Quarks woke ist, dann sind wir woker“ voll aufzugehen, auch wenn Twitter die unseriösen Kollegen schon einmal wegen einer Kachel mit dem Titel „Darum solltet Ihr Lesbennester nicht entfernen“ eine Auszeit verpasst hat. Die Kachel fehlt nämlich mittlerweile. 

Vorsicht, Verwechslungsgefahr!

Daneben verstecken die Macher von QuarkDDR immer wieder kleine „Easter-Eggs“ in ihren akribisch gestalteten Kacheln: So steht bei einer Erklärung der Farben der Regenbogenfahne neben der Farbe „lila“ das Wort „rosa“. Und während die Follower massig darauf anspringen und QuarkDDR korrigieren, findet sich am Ende der Zeile ein kleiner Text: „Reingelegt, das ist natürlich lila“ – übersehen von 90 Prozent aller Leser. Bei der grafischen Erklärung, wie die Schuldenbremse funktioniert (gar nicht – es geht nur ein Haufen Geld für NGO raus), wehen auf den Ministeriumsgebäuden kleine Regenbogenfähnchen, und bei der „Stadt ohne Autos“ gibt es nur Homosexuelle zu sehen. Bei der Aufzählung aller Geschlechter finden sich „Colatrinkende“ und „Mastodons“ oder „Habeck Verehrende“. 

Die „Machenden“ haben vorgesorgt: Je größer QuarkDDR wird, desto geringer wird natürlich die Verwechslungsgefahr mit QuarksWDR, und die Macher müssen sich etwas einfallen lassen. Schon wird an einer Hintergrundgeschichte über die Macher von QuarkDDR gewoben: Der ChefRed, der immer im Büro mit der Zahnarzthelferin „von unten“ verschwindet, ein gewisser Klaus, der angeblich die schweinischen Sachen macht und gelegentlich von der FU(N)CK-Redaktion nebenan rüberschaut und Geld und Pizza abgreift, der minderjährige Grafiker, der für zwei Pizze am Tag arbeitet und schließlich „das Praktikantende“, auf den die „Machenden“ von QuarkDDR jeden Fehler, den ja auch sie zweifellos fabrizieren, abwälzen und der dann von den anderen Redaktionsmitgliedern kollektiv verprügelt wird. 

Daneben fällt QuarkDDR durch freche eigene Grafiken auf, wie den „Geldkreislauf“ (das Geld, das der Staat ausgibt, zaubert sich dabei aus dem Nichts) oder die Idee, mit einem Atomkraftwerk ein „Masterwindrad“ anzutreiben, das dann den Wind für einen kompletten Windpark betreibt, wodurch das Atomkraftwerk obsolet wird. Herzlichen Glückwunsch zur Erfindung des Perpetuum mobile! Außerdem gibt QuarkDDR praktische Tipps („Alternativen zu Schuhen mit Schnürsenkeln“ oder „So lest Ihr die Uhr richtig“) und politische Anleitungen („So erkennt Ihr Feinde der Offenen Gesellschaft“), neben denen die Kahane-Stiftung plötzlich alt aussieht. 

Quark: Achgut unseriös, Indymedia vertrauenswürdig

Amüsant ist das Ganze allemal und wird durch den ständigen Austausch mit den Followern noch amüsanter, wenn sich QuarkDDR und seine Fans die Bälle gegenseitig zuspielen. Und ja – auch die Achse des Guten hat ihr Fett schon wegbekommen, wenn QuarkDDR sie als „böse, Fake-News, rechts, unklare Agenda, störend und verlogen“ bezeichnet – ganz so, wie das jede gute ultralinke Medienseite auch tun würde und ja auch tut. Beruhigend: QuarkDDR hat sich selbst in die gleiche Gruppe einsortiert, wir sind in guter Gesellschaft. Ganz ironisch sind bei den „vertrauenswürdigen Medien“ auch Indymedia und Belltower-News oder das Migazin aufgeführt. 

Aus einer Meta-Ebene ist es erstaunlich, wie viele Leser (QuarkDDR würde „Lesende“ schreiben) tatsächlich die Satire mit der Realität verwechseln oder schlicht nicht richtig oder bis zum Ende einer Kachel lesen. Wir sind es gewohnt, nur noch kurze Aufmerksamkeitsspannen zu haben – eigentlich schade um die sehr liebevoll gestalteten Kacheln. Aber auch kennzeichnend dafür, warum wichtige Informationen nicht mehr zu ihren Empfängern durchdringen. QuarkDDR legt dies als Nebeneffekt schonungslos offen. 

Ich habe diesen Artikel beendet, QuarkDDR hat 22.580 Follower. Nicht schlecht, so für Anfänger. Noch viermal so viel und QuarksWDR-Abteilung sollte ihren Anteil an den Rundfunkgebühren an QuarkDDR überweisen. Den oder die Machenden würde es freuen. Und verdient hätten er oder sie es auch. 

(Weitere mühsam recherchierte Artikel des Autors unter www.politticker.de)  

 

Von Thilo Schneider ist in der Achgut-Edition erschienen: The Dark Side of the Mittelschicht, Achgut-Edition, 224 Seiten, 22 Euro.

 

In eigener Sache:

Seit einigen Tagen ist Achgut.com erneut Verleumdungen und Boykott-Aufrufen aus dem antisemitischen Milieu auf Twitter ausgesetzt. Anonyme Denunzianten, die unser freies Onlinemedium wirtschaftlich vernichten wollen, denunzieren uns bei Unternehmen – verbunden mit dem Aufruf, keine Werbung mehr bei uns zu schalten. Mehr dazu finden Sie im Beitrag: Die „Compliance“ von Antisemiten. Aufgrund vieler Fragen von Achse-Lesern und Twitter-Nutzern, was man ganz praktisch dagegen tun könnte, beschreiben wir hier die Möglichkeit, verleumderische Twitter-Tweets und Nutzer-Profile bei Twitter zu melden: Was Sie gegen Twitter-Denunzianten tun können.

Foto: Imago

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Olaf Kränert / 07.08.2022

Ehrlich gesagt, bin ich mir nicht sicher, worum es hier geht, Herr Schneider ? Wer ehrlich ist, und die DDR erlebt hat (ich 19 Jahre), wünscht den WDR - Machern mal einen Monat DDR. Viel Spaß, oh, wie ich mich für diese Ahnungslosen danach sehne!

Sven Klabunde / 07.08.2022

„das Praktikantende“, auf den die „Machenden“ von QuarkDDR jeden Fehler, den ja auch sie zweifellos fabrizieren, abwälzen und der dann von den anderen Redaktionsmitgliedern kollektiv verprügelt wird” So war das bereits in “Schmidteinander”. Dort war Wolpers der Sündenbock, der nach Fehlern verprügelt wurde. Warum hat man das eigentlich nicht beibehalten ?? Dann bräuchten wir heute nicht all die Nazis und Rechtsextremen ;)

Ilka Wolff / 07.08.2022

Werter Herr K., es ist noch viel komplizierter. An der Wand im Bad haben sie Fliesen, der Ofen hat Kacheln. Ich liebe reale Sachen. Für Satire habe ich keine Nerven mehr.

Philipp Dehn / 07.08.2022

Herr Schneider, was ist mit Ihrem Twitter-Account geschehen? Was haben Sie für böse Sachen getwittert?

Franz Klar / 07.08.2022

Scheint ein Bericht aus einer Parallelwelt zu sein . Ich habe gar nicht verstanden , worum es eigentlich geht . Muß ich mir meinetwegen Sorgen machen ?

Sabine Schönfeld / 07.08.2022

Was dabei wirklich beeindruckend ist, dass QuarkDDR mit einfacher Bildsprache arbeitet, die sogar noch leichter zu verstehen ist wie die einfache Sprache unserer Behörden. Ein gutes Beispiel dafür ist die Kachel: “So funktioniert Fridays for Future (FFF)”: Ein Kind fürchtet sich, dass die Erde demnächst verbrennt, also schwänzt es die Schule und wird stattdessen von den Eltern wahlweise im SUV oder im Jeep zu einer FFF-Demonstration gefahren, wo die Kinder anschließend einen Haufen Müll zurücklassen. Danach wird das Kind wieder von einem Elternteil im SUV oder Jeep abgeholt und weiter geht es zum Flughafen, wo man dann als Familie Richtung Bahamas in den Strandurlaub abhebt.” Ich finde dies Art der Bildsprache wirklich großartig, sie könnte als nächstes die Schrift ablösen.

Hans Kloss / 07.08.2022

@Christian Feider Bessere DDR ist das schon. Nehmen wir Versammlungsrecht. In ddr hat man Gas und Schlagstock benutzt hier tut man es auch aber eher selten weil die Demos auf 10 Teilnehmer begrenzt sind und dürfen meist an dem Stadtrand stattfinden.  Da braucht man dann doch nichts mehr machen. Es ist also besser.

Udo Kemmerling / 07.08.2022

Was, um Himmels Willen, ist denn eine Kachel??? Bei mir sind die im Bad an der Wand!

Markus Schmidt / 07.08.2022

Solche Accounts erfüllen den Tatbestand der “Verächtlichmachung unserer demokratischen Institutionen” mit dem Ziel der Delegitimierung unterhalb der Strafbarkeit! In Deutschaland ist das ein schlimmes Gesinnungsverbrechen, das vom “Ministerium für Wahrheit” und deren Ministerin Nancy Faeser konsequent verfolgt wird!

Hjalmar Kreutzer / 07.08.2022

Herrlich erfrischend, und ich habe herzlich gelacht. Leider kann man über diese Parodien und Satiren irgendwann nicht mehr lachen, da diese von der Realität überboten werden. Anfang 2020 waren es böse Verschwörungstheoretiker, die eine Freiheitseinschränkung im öffentlichen Leben befürchteten, später hieß es es würde keine Impfpflicht geben, danach wurden diejenigen ausgelacht, die ein Impfabo voraussagten. Heute steht das alles in einem Gesetzentwurf.

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