Günter Ederer / 06.04.2018 / 18:00 / Foto: pixabay.de / 9 / Seite ausdrucken

Qualitätsfernsehen ohne Aprilscherz

Es war am Ostermontag, den 2. April 2018. Das Datum ist wichtig, dadurch ist sichergestellt, dass es sich nicht um ein Aprilscherzversehen handelt. Wie an jedem Tag begann um 20 Uhr die Tagesschau, das Aushängeschild des deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Sie gilt als Vorbild für das Qualitätsfernsehen der ARD schlechthin. Der Aufmacher, also die wichtigste Meldung des Tages: die Ostermärsche. An mehr als 30 Orten demonstrierten mehrere 10.000 Menschen, so die Angaben der Organisatoren, für mehr Demokratie und für den Frieden.

Qualitätsfernsehen? Welcher verantwortliche Schlussredakteur hat denn diese Meldung zu verantworten? Seit wann verlässt sich die wichtigste Nachrichtensendung auf die Angaben eines Veranstalters? Und wie viele sind „mehrere 10.000 Menschen". Ob es dann insgesamt 30.000 oder 90.000 waren, würde eine Menge über die Bedeutung dieser Veranstaltung sagen – und ob sie wirklich die wichtigste Meldung des Tages gewesen war.

Friedensfürst Che Guevara

Da seit zwei Tagen auf allen Kanälen in allen Sendern über die Ostermärsche berichtet wurde, waren da auch die Fahnen zu sehen, die mitgeführt wurden. Da gab es viele rote Fahnen und einige mit dem Abbild des Berufsrevolutionärs Che Guevara, selbstgemalte Schilder, die aus ihrer Friedensbewegtheit zum Klassenkampf aufriefen. Gleich in der ersten Reihe lautete das Spruchband: „Die Waffen liefern die Reichen." Im Kommentar ein Hinweis, dass die Bewegung vor 60 Jahren angefangen hat und heute nicht mehr so einen großen Zulauf hat, wie zu Zeiten der atomaren Aufrüstungsdebatte.

Eine Mitmarschiererin mit dem Namen Andrea Hornung wird befragt: Milliarden würden für die Rüstung ausgegeben. Jetzt solle auch noch der Wehretat auf 2 Prozent des Bruttosozialproduktes erhöht werden – statt Geld in Schulen zu investieren, damit die besser aussehen, sagt diese und zitiert damit wortwörtlich das Programm „der Linken“. Wer Andrea Hornung ist, wird nicht eingeblendet.

Im Kommentar geht es weiter: Allein 3.000 Demonstranten seien zur großen Abschlusskundgebung zum Frankfurter Römer gekommen. Ein Janek Neuhaus, auch er ohne Funktionsbezeichnung, wird interviewt, und er klagt an: Einer der größten Waffenexporteure sei die Bundesrepublik Deutschland. „Kitas statt Kriege" steht auf einem Plakat, das vorbei getragen wird, gefolgt von einer kurdischen Flagge.

3.000 Menschen auf der großen Abschlusskundgebung in Frankfurt? Da scheinen die mehreren 10.000, die – ungeprüft von der Tagesschauredaktion – vom Veranstalter übernommen wurden, doch ziemlich fraglich. Für den Aufmacher in der 20-Uhr-Sendung wäre das wohl eine Recherche bei der Polizei zum Beispiel wert gewesen.

Der Frieden der Marxisten

Dann der wichtigste Auftritt: Willi von Ooyen, der Verantwortliche für die bundesweiten Organisationen der Märsche. Er glaube, dass der Zulauf tragfähig ist, um auch nach Ostern weiterzuarbeiten, sagt er, eine nichtssagende und daher überflüssige Stellungnahme. Aber offensichtlich war dem Autor wichtig, Willi van Ooyen einen Auftritt zu bieten. Der Marxist hat eine schillernde Vergangenheit. Er gehörte jahrelang zum Führungskreis der Deutschen Friedensunion, der Nachfolgepartei der verbotenen KPD. Seit der Wende ist auch bekannt, dass die DFU, die immer zu Hauptinitiatoren der Ostermärsche gehörte, von der DDR finanziert wurde. Von Ooyen war von 2008 bis 2017 für die Linken als Abgeordneter im Hessischen Landtag.

„Eine Demonstration für den Frieden," wurde in dem Beitrag angekündigt. Mit keinem Wort aber wurde darauf hingewiesen, dass diese Demonstration von Kommunisten, Marxisten und allerlei Linkssozialisten dominiert wird. Wenn der rechte Rand mit und ohne AfD Kundgebungen organisiert, werden diese immer mit dem einordnenden Adjektiv „rechtspopulistisch" versehen, damit der Zuschauer gleich weiß, wo er dran ist. Entsprechend müsste es bei den Ostermärschen der Linken aller Schattierungen dann heißen: Die organisierten Ostermärsche werden von linkspopulistischen Gruppen angeführt.

Aber wer selbst über Che Guevaras Abbild bei den Ostermärschen als Friedenssymbol nicht stolpert, nimmt auch diese Kundgebungen der Linkspartei und restlichen Marxisten-Leninisten als Demonstration für den Frieden wahr und mutet dies den Gebührenzahlern als Qualitätsjournalismus zu.

Foto: pixabay.de

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Gabriele Klein / 06.04.2018

Danke für den sehr guten Kommentar und….. das Photo könnte gelungener nicht sein.  Es beantwortet die Frage was ist und wofür steht Deutschland schlichtweg perfekt. Deutschland als Mattscheibe wohin das Auge reicht….. horizontal und natürlich auch vertikal (auf jeder Produktstufe und in jeder Werkstatt die Quetschgebühr) und am Schluß sollte dieser “Elefant” natürlich möglichst unmerklich im Gewande von Daimler und Co. durch den amerikanischen Zoll, und man ist zutiefst beleidigt wenn dies nicht klappt, irgendwie so wie im Witz mit der Maus die, nachdem sie eine Semmelhälfte oben und eine unten am Elefanten befestigt hat beleidigt nach der Abweisung am Zoll meint: nicht mal ein belegtes Brötchen darf man mit rüber nehmen…..

Werner Arning / 06.04.2018

Linke gelten im derzeitigen Deutschland eben als die Guten, die Friedlichen. Als als die, die wirklich für den Frieden in der Welt eintreten. Aber brauchen wir denn überhaupt noch mehr Beweise, um verstanden zu haben, wer bei den Öffentlich-rechtlichen das Programm und die „Message“ bestimmt? Fast in jedem Beitrag wird übermittelt, was übermittelt werden soll. Erkennt man nicht immer die Intention? Ich persönlich sehe die Tagesschau als Anschauungsunterricht für Propaganda an. Und so sagen meine Frau und ich nicht mehr : „Stell mal die Nachrichten an“, sondern : „“ Gucken wir heute die Propaganda?“.

Oliver Förstl / 06.04.2018

Ein Grund warum ich kein Linker mehr bin, ist die unappetitliche Verehrung von Che Guevara. Nicht nur, dass er Erschießungen von gefangenen Batista-Soldaten anordnete und bei den Hinrichtunen dabei war. Kaum bekannt ist sein offen ausgesprochener Wunsch, dass es in Europa einen Atomkrieg geben solle, damit Lateinamerika weltweit an Bedeutung gewinnen würde. Millionen der heutigen Che-Fans wären nie geboren worden, wenn es nach dem Willen ihres Idols gegangen wäre.

Bernd Ackermann / 06.04.2018

Che Guevara auf Plakaten - wurde auch “Ho, Ho, Ho Chi Minh!” gerufen? Oder macht man das heute nicht mehr? Was skandiert man stattdessen? Hei, Hei, Heiko Maas? Anscheinend werde ich alt, ich bin echt nicht mehr auf dem Laufenden….

Klaus Reichert / 06.04.2018

Ein lokales Detail steckte mir ein in dieser Hinsicht absolut kundiger alter Schulfreund: Der Papp - Panzer, den man auf den Frankfurter Römerberg schleppte, stammte vom Oberurseler Karnevalsverein, wo er nach der diesjährigen Kampagne ja nicht mehr benötigt wurde. Von Ooyen und Konsorten haben also die Karnevalssaison quasi einfach verlängert und die Tagesschau hat den Zug wohlwollend begleitet. Helau und Alaaf!

Engelbert Gartner / 06.04.2018

Das Bild des Mörders Che Guevara, auf einer roten Fahne, habe ich auch gesehen. Besser kann man seine Ahnungslosigkeit bzw. Dummheit nicht zeigen.  Mit traurigen Grüßen. E. Gartner

Frank Stricker / 06.04.2018

Che Guevara, war das nicht der lustige Kerl aus Kuba ,  der während seiner politischen Tätigkeit wahrscheinlich mehr Todesurteile unterschrieben hat als der flüchtige Henker-Ayatollah aus dem Hannoveraner Krankenhaus ?  Mehr Glaubwürdigkeit als “Friedensfürst”  geht jetzt echt nicht…........

Bertram Scharpf / 06.04.2018

Das ist mir in der Berichterstattung auch aufgefallen: Ausgerechnet Che Guevara als Friedensengel. Dieses Detail verdient eine viel ausführlichere Behandlung.

Roland Müller / 06.04.2018

Im Kommentar ein Hinweis, dass die Bewegung vor 60 Jahren angefangen hat und heute nicht mehr so einen großen Zulauf hat, wie zu Zeiten der atomaren Aufrüstungsdebatte. Vor allem kein Hinweis darauf, das der große Zulauf während der Aufrüstungsdebatte vom KGB und der Stasi verursacht wurde.

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