
So interessant und vielleicht auch langfristig zutreffend der Beitrag ist, so sehr fußt er aus kurzfristiger Perspektive auf Wunschdenken. Wer heute eine „Konsolidierung der Europäischen Union“ konstatiert, der ist mit Peter Pan im fliegenden Tesla-Teppich unterwegs Richtung Mars. Doch Energie kommt nun mal nicht allein aus der Steckdose. Da mögen deutsche Romantiker im Tarnanzug des russischen Historikers so viel (hinzu-)dichten, wie sie wollen. Weniger romantischer Weise würde es im Fall plötzlicher Kälte im stillen Glück und trauten Heim schnell finster um die Einheit werden. Und zwar nicht nur um die europäische, sondern vor allem die deutsche. Die (der Bildungsbürger 2.0 kann es kaum fassen) nicht schon 1989, sondern erst 1871 entstand. Da hatte der russische Vielvölkerstaat (?) kraft immer schon irgendwie irrationaler slawischer Verfassung längst Napoleon hinter sich gelassen und nannte sich der Vater des zu gebärenden nächsten deutschen “Einigers” noch Alois Schicklgruber und war Zöllner auf der habsburgischen Flussseite des ersten “echten” tausendjährigen römischen Reiches deutscher “Nation”.
Der Beitrag beleuchtet sehr gut die Folgen, die der Kriegsverbrecher ausgelöst hat, wenn er auch die ideologischen sowjet-kommunistischen Ursachen nur streift. Mir ist er allerdings im Tenor etwas zu moderat, weil ich ständig den Vornamen W. zu lesen gezwungen werde. Weshalb ? @Hr. Kuhn Ihre “guten” Ratschläge für den Kreml - Irren kommen zu spät und sind überflüssig. Auf Frau @Kowalskis Kommentar gehe ich besser nicht ein. Angesichts dieser Ahnungslosigkeit würde ich die Contenance verlieren.
@ Chris Kuhn; “Was man Putins Rußland taktisch vorwerfen muß, das war eine Invasion ohne Ultimatum und deren mit unzureichenden Mitteln anfangs über den Donbaß hinaus vorgenommene Erstreckung.” Falsch, Putin sagt seit mindestens zwanzig Jahren wo Russlands rote Linien sind, hat die Nato nur irgendwie nicht interessiert. Soweit ich mich erinnere, sagten die USA für den 16.02.2022 den Einmarsch voraus, nicht weil sie wußten wann dieser geschehen sollte, so gut sind die auch nicht. Nein, was sie aber wußten war dass die Ukraine unter Wolodymyr, dem Friedensfürsten dann ihren massiven Angriff auf die selbsternannten VR starten würde. Und sie wußten dass keine russische Regierung ein Überrollen derer und der russischstämmigen Bevölkerung zulassen würde. Daraufhin erfolgte von russischer Seite erstens die Anerkennung und zweitens der Beistandspakt im Falle eines Angriffs. So viel Völkerrecht werden sie bei den USA vergeblich suchen, da muß irgendwas moralisches oder zumindest emotional Aufwühlendes reichen, irgendwas mit Brutkasten oder Völkermord, das zieht immer und schwups gilt plötzlich kein Recht mehr. Es gibt auch die Theorie, dass Kiev überhaupt nicht erobert werden sollte, es sei denn wie Sie, man unterstellt den Russen militärische Unfähigkeit, was einigermaßen absurd ist. Es sollte demnach lediglich Kräfte binden, was es auch tat, um im Donbas freiere Hand zu haben.
Es gibt im Internet den englischsprachigen Blog “Russians with attitude”. Dort erklärten schon vor ca. 4 Wochen zwei Russen, was der grosse Plan ist: Die Ukraine wird vom Norden her angegriffen mit Ziel Kiew. Idee dahinter: Die im Donbass massierten ukrainischen Verbände haben zwei Optionen: Dort zu bleiben und die ukrainischen Russen am St.-Nimmerleinstag zu vernichten - oder nach Norden zu ziehen und Kiew - Hirn und Herz der Ukraine - zu retten. Beides gleichzeitig geht nicht. Wenn ich das heute sehe, haben die Russen einen genialen Plan entwickelt, der vollumfänglich aufgeht: Im Donbass nur wenige Ukrainer, bald oder schon ganz umzingelt und von Waffenlieferungen abgeschnitten. Bald werden sie aufgeben müssen - und die “Belagerung” Kiews hat als Ablenkung bestens funktioniert. In meinen Augen macht diese Erklärung Sinn. Die Russen kennen den Nachbarstaat, wissen, wie Russland-feindlich ein beträchtlicher Teil der Ukrainer ist und eine “Befreiung” der Ukraine war nie das Ziel. Wenn man nicht nur West-Propaganda liest oder schaut, wird das Bild wesentlich interessanter. Vielleicht sollten Achse-Autoren gelegentlich nicht-westliche (oder sogar russische!) Quellen studieren. Was heute unter “Russland”-Berichterstattung läuft, unterbietet sogar den “Völkischen Beobachter”. Wäre ich Neo-Nazi, läse ich NZZ oder andere westliche “Qualitätsblätter”. Die Russen kennen die Ukrainer. Der Westen hat hingegen keinen Schimmer von der Welt und hat darum in 20 Jahren vier Kriege verloren (Afghanistan, Irak, Syrien und Libyen). Die Dummen sitzen alle im Westen. Sie wissen es nur selber nicht.
Mir scheint, die emotionalisierte Betonung der Metaebene (vorgeblicher mythisch motivierter historischer Größenwahn Russlands, Selbstopferung gewilltes Nationalgefühl aller ukrainischer Bürger, Rückbesinnung “des” Westens auf “seine” Identität), die in vielen auch “alternativen” Medien zu vernehmen ist, die hierfür bislang weniger anfällig schienen, dient der einfacheren Ausblendung realopolitischer Zusammenhänge. Warum müssen die eigentlich ausgeblendet werden? Zur “Unterwerfung der Völker” durch den Zaren als Gründungsmythos Russlands: wie kam es eigentlich zur Gründung der USA und zum amerikanischen Bürgerkrieg? ;-) Das Auge, der Balken und die besten Absichten.
Thomas Baader - Russland treibt Handel mit Teilen Europas, mit Indien, China und halb Afrika, weiteren Teilen Asiens und Lateinamerikas zu diesem Rubelkurs. - Alles manipuliert? - Die erheblich fallenden US-Aktienkurse?
Im Krieg stirbt zuerst die Wahrheit. Auch hier. Und das ist mir nicht nur zu blöd, es ist peinlich. PS.: Sie brauchen neu Kommentatoren. Die Hälfte inkl. mir sind für den Propagandakrieg nicht zu gebrauchen.
Wie sprach doch noch Uschi die Große vor einer Woche im Interview: „Die EU muss (!) weiter russisches Öl zu kaufen, damit Putin durch den Ölverkauf an andere Abnehmer nicht noch mehr als jetzt mit dem Ölverkauf an die EU verdient.“ So sprechen wahre Sieger!
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