Deutschland hat eine liberale demokratische Verfassung, aber keine liberale Gesellschaft, weder im kulturellen noch marktwirtschaftlichen Sinne. Deutschland tickt kollektivistisch. Und damit sind wir beim Kern der Probleme dieses Landes und einem neuen Buch.
Was in Markus Vahlefelds Buch "Die Krisenmaschine" steht, ahnen zahlreiche Zeitgenossen bereits, doch hier finden sie es fundiert begründet und auf sehr unterhaltsame und leichtfüßige Weise formuliert, inklusive witziger satirischer Einlagen.
Dass wir in einer Postdemokratie leben, haben seit Colin Crouch, der den Begriff 2007 einführte, zahlreiche Beobachter festgestellt, neulich auch Emmanuel Todd, sowie viele andere. Was bedeutet das? Achgut-Autor und Kontrafunk-Redakteur Markus Vahlefeld, der sowohl auf edle Gastronomie als auch politische und kulturelle Analysen spezialisiert ist, geht dieser Frage in seinem neuen essayistischen Buch „Die Krisenmaschine“ auf unterhaltsame Weise nach. Bevor wir hineinschauen, machen wir uns einmal die Begrifflichkeiten rund um das Thema Demokratie klar.
Jedes staatliche Machtsystem verführt dessen öffentlichen Amtsträger unter dem Einfluss der Inhaber des wesentlichen strategischen Eigentums der Gesellschaft dazu, das ihnen anvertraute Gewaltmonopol zu missbrauchen, so dass diese Eigentümer und jene Politiker und Magistrate davon profitieren. So kommt es zu Machtmissbrauch oder sogar zur Willkürherrschaft. Die Demokratie ist eine Staatsform, die diese Tendenz zur staatlichen Willkürgewalt durch Grundrechte, Prozeduren, Partizipation und Repräsentation aller Bürger zu begrenzen versucht. Historisch entwickelte sie sich unter selten anzufindenen Bedingungen relativ breit verteilten Eigentums und der Notwendigkeit, mit Hilfe von Verfahren die politische Willensbildung unter Gleichen zu ermöglichen und sie gegenseitig vor staatlicher Willkür zu schützen, deren Intensität in allen andere Staatsformen deutlich höher ist als in der Demokratie.
Diese verschwindet wieder, wenn das Eigentum sich in den Händen sehr weniger befindet und diese andere Wege zur politischen Willensbildung finden, und dadurch weder politische Partizipation noch Grundrechte brauchen. In einer solchen Phase leben wir seit zwei Generationen (die Ermordung J.F. Kennedys 1963 ist ein Ereignis, an dem man diese Entwicklung gut festmachen kann), und inzwischen wird es immer offensichtlicher, dass die demokratische Begrenzung staatlicher Willkür im Dienste des politischen Willens einer Minderheit nicht mehr gelingt.
Vahlefelds Kernthesen
Was erfahren wir bei Vahlefeld zu diesem hochkomplexen Themenkomplex? Er setzt bei den Begriffen der liberalen Demokratie und der Zivilgesellschaft an. Dabei beschreibt er im ersten Kapitel den Zustand Deutschlands, das eine liberale demokratische Verfassung, aber keine liberale Gesellschaft hat, weder im kulturellen noch marktwirtschaftlichen Sinne. Dies belegt er mit der Staatsgläubigkeit der Deutschen, den zahlreichen planwirtschaftlichen und neosozialistischen Elementen unserer Wirtschaftsform, die unter einer Staatsquote von deutlich über 50 Prozent wirtschaftet, wenn man die Notwendigkeit der zukünftigen Schuldentilgung einrechnet.
Auch unser Kulturleben, so hebt er hervor, ist nicht liberal, sondern kollektivistisch. Sodann katalogisiert er die Hauptsymptome aller postdemokratischen Gemeinwesen des Westens, die zu dessen Selbstzerstörung führen: Unkontrollierte Massenmigration, Überforderung der staatlichen Infrastruktur, Überblähung des Sozial- und Kontrollstaats, ein Ende der Isonomie mit systematischer Benachteiligung der autochthonen Bevölkerung, eine staatliche Förderung sexueller Devianz und Pathologie, sowie eine Absicherung dieses politischen Handelns durch staatliche Propaganda und vom Staat alimentierter “extrem aggressiver, demokratisch nicht legitimierter Gruppen”. In einem späteren Kapitel fügt er auch die sinnlose Zerstörung unserer Landschaften durch ineffektive und ineffiziente Energieproduktionsmaschinen infolge des Klimamythos hinzu und deutet auch die Sinnlosigkeit des Krieges gegen Russland an.
Vahlefeld konzentriert sich in den folgenden Kapiteln auf die kulturellen Ursachen des beklagenswerten Zustands unseres Gemeinwesens. Dabei sieht er in der Postmoderne, der Kultur der postmodernen (Pseudo-)Liberalen, und der zeitgenössischen Wissenschaft wichtige Faktoren. Sodann geht er auch auf die longe durée ein, nämlich die Frage, welche langfristigen kulturgeschichtlichen Entwicklungen zum heutigen Zustand beigetragen haben. Hier identifiziert er angelsächsischen (materialistischen und vollkommen diesseitigen) Liberalismus, aber auch Puritanismus und Protestantismus als wichtige Voraussetzungen.
Er geht auch auf den deutschen Idealismus ein, den er mit Materialismus und Positivismus kontrastiert, die seiner Interpretation zufolge über das deutsche Denken gesiegt haben. Hier ist kurz anzumerken, dass der Marxismus genauso ein direktes Ergebnis des deutschen Idealismus ist wie der radikale Hedonismus der totalen Selbstverwirklichung, und ohne diese beiden Ideenwelten die Postmoderne undenkbar ist. Beide haben Junghegelianer erfunden, ersteren der Hegel-Schüler Karl Marx, letzteren Max Stirner (Der einzige und sein Eigentum, 1848 erschienen und letztlich einflussreicher als Marx Kommunistisches Manifest).
Vahlefeld geht sehr detailliert auf den Begriff der Zivilgesellschaft ein, der bei dem Soziologen und Philosophen Jürgen Habermas eine zentrale Rolle spielt. Erfunden hat den Begriff der US-Pragmatiker John Dewey, der der Tradition C.S. Peirces und William James entstammt und selbst den postmodernen Philosophen Richard Rorty, einen der wichtigsten Kollegen Habermas in den USA, als Schüler hervorgebracht hat. Dewey beschrieb damit die Elemente der Gesellschaft, die das wahre Ethos eines demokratisch verfassten Staates tragen.
Die Zivilgesellschaft im Sinne Habermas, so zeigt uns Vahelfeld, dient hingegen anderen Zielen, nämlich der Durchsetzung eines totalitär-kollektivistischen, antidemokratischen Ethos, wie es heute unseren öffentlichen Diskurs bestimmt. Der Autor zeigt die Konsequenzen dieses Bedeutungswandels für die demokratische Öffentlichkeit (ein weiterer Begriff Deweys, den Habermas stark rezipiert hat, genau wie Deweys Wahrheitstheorie) auf. Diese Pseudo-Zivilgesellschaft dient dazu, einen postdemokratischen Zustand zu legitimeren und zu stabilisieren, einerseits durch scheinbar positive Botschaften (“unsere Demokratie schützen”, “soziale Gerechtigkeit herstellen”, “unseren Planeten retten”), andererseits durch konsequente Repression Andersdenkender und deren Ausschluss aus der Öffentlichkeit und dem Erwerbsleben, wie uns Vahlefeld zeigt.
Warum sich Vahlefeld lohnt
Vieles von dem, was der Autor vorträgt, ahnen zahlreiche Zeitgenossen bereits, doch formuliert er seine Thesen auf sehr unterhaltsame und leichtfüßige Weise, die vielen Lesern zusagen dürfte. Das Buch enthält auch fünf witzige satirische Einlagen in Form von Dramenfragmenten, die seine Thesen literarisch illustrieren; ein originelles Vorgehen, das heute selten verwendet wird.
Immer wieder wechseln Vahlefelds theoretische Überlegungen zu den Ursachen des Niedergangs unserer Staats- und Gesellschaftsform mit interessanten und sehr gut ausgewählten Berichten aus der Öffentlichkeit und des von ihr erzeugten Medien- und Politikbetriebs ab. Es finden sich auch analytische Höhepunkte. Beispielsweise analysiert der Autor (p. 50): “Diesem Liberalismus geht es nicht um Demokratie, sondern vielmehr darum, die Demokratie in einen Totalitarismus der Eliteherrschaft umzuwandeln. (…) Diese Art der Verachtung für das Volk und die Demokratie ist unschwer als Neofeudalismus des 21. Jahrhunderts auszumachen.”
Interessanterweise kontrastiert Vahlefeld, der offensichtlich stark vom Denken Nietzsches und Rudolf Steiners beeinflusst ist, die materialistisch-positivistische Weltsicht, die für die Moderne charakteristisch ist, mit einer transzendenten Sichtweise. Beispielsweise schreibt er, “dass jeder Mensch ein sehr eigenständiges und heiliges Wesen besitzt, (…), dass jeder Mensch sich im Schutz guter Wesen befindet”. Überhaupt setzt er sich immer wieder gegen die materialistische Sicht der Welt, die diese lediglich als zu mathematisierende Menge interagierender Atome ansieht, die der menschliche Geist in Gleichungen anordnen sollte, zur Wehr.
Andererseits sind viele seiner Beispiele aus dem Medienleben anschaulich und bei aller Tragik des Geschehens an Absurdität und unfreiwilliger Komik nicht zu überbieten, wie der Ausspruch Karl Lauterbachs vom Sommer 2023, der (angeblich durch den Klimawandel bedingte) “Hitzetod ist nur die Spitze des Eisbergs”, mit dem Vahlefeld sein Buch beginnt. Es folgen zahlreiche solcher informativen Beispiele, bei denen auch der einsame Leser laut auflachen muss und die den kulturellen Niedergang und intellektuellen Niveauverlust unsere politischen Klasse und der sie umschmeichelnden sogenannten Medienschaffenden verdeutlichen.
Vahlefeld hat auch immer wieder sehr überraschende und daher komische Einsichten. Beispielsweise merkt er an (p. 202): “Dreht man die beiden Mottos der Jahre 2015 und 2020 um, so beschreiben sie genau das, was eben pragmatisch, menschlich und vernünftig gewesen wäre.” Ein verblüffender Einfall, die verdeutlicht, mit welcher schalkhaften und instinktsicheren Art der Autor auf unsere Zeit blickt.
Insgesamt wird dem Leser auf unterhaltsame und vielfältige Weise gezeigt, wie unsere heutige Postdemokratie aussieht und wie sie funktioniert. Dabei verkörpert der Autor, welche Eigenschaften man braucht, um im Sinne Deweys ein Mitglied der wahren Zivilgesellschaft zu sein: Zivilcourage, Beobachtungsgabe, Urteilskraft, kritische Denken, Humor, echte Weltoffenheit und eine Bejahung der abendländischen Metaphysik, ohne die es den Westen gar nicht geben kann. Wer statt sich durch Nitzan/Bichler, Emmanuel Todd oder Michael Hudson durchzuarbeiten lieber Einsicht mit Humor verbinden möchte, dem sei das Buch wärmstens empfohlen.
Markus Vahlefeld: Die Krisenmaschine. Kontrafunk Edition, 2025
Dr. Jobst Landgrebe ist Arzt, Biochemiker und Mathematiker.
Beitragsbild: Staff Sgt. D. Myles Cullen (USAF), Gemeinfrei, via Wikimedia Commons
Der Gleichschritt, wie auf dem Bild, ist längst von den Füßen in den Kopf gestiegen.
Wir brauchen eigentlich keine Bücher mehr, die den gegenwärtig traurigen Zustand beschreiben, in dem sich die Bundesrepublik befindet (sicherlich schlimmer als „der Westen“ insgesamt), sondern eine Bewegung, die sich im Anschluss an die AfD anschickt, diese Zustände zu überwinden.
Wenn ein ÖRR (und ebenso die Privaten) rund um die Uhr das kollektivistische Gedankengut in die Hirne der Rezipienten hämmern – welches Endergebnis will man da erwarten bzw. kann man da erwarten?
Das Ausmaß der politischen Korruption durch gesamt Europa wird immer größer und gefährdet die innere und äußere Sicherheit, bis hin zu einem Krieg. Nebenbei plündern sie alle EU Bürger aus. CSU Eduard Lintner wurde nun verurteilt weil er Bestechungsgeld aus Aserbaidschan zur Karin Strenz, das ist die die im Flugzeug auf dem Rückflug von Kuba kollabierte, verbracht. Und wer die Vita des Eduard Lintner durchliest kann nur feststellen, korrupt bis ins Mark wie viele aus der CSU. Lobbyismus ist legalisierte Korruption, Bestechnung. Die Büchner Justizhure hat für gezahlte Bestechungsgelder ein schönes Wort „Kompensationsausgleich“. Diese Demokratiesimulation besteht aus den Mitmachfallen „Unsere Demokratie“ der bezahlten Demokratiesimulatoren, der bezahlten Graswurzel z.B. unter Stasi Führung wie die BDM Omas gegen rechts. Das die Antifa den Schwarzhemden des Duce gleichen, egal. Alex Carey zeigt in seinem grundlegenden Buch „Demokratie ohne Risiko“ wie Wirtschaftspropaganda und Massenmanipulation die Massen beeinflussen. „Immer wieder beschreibt Carey mit deutlichen Worten das schier unvorstellbare Ausmaß an Massenmanipulation, ….“ In Overton eine Rezension. Der Mafia Jäger Rolf Uesseler (Forschungen über die Erosion der staatlichen Macht) hat es schon lange zuvor erkannt „Private Militärfirmen – Konflikt als Kommerz“ und dazu extrem korrupte Politiker. Sie werden ihre Früchte ernten, genau wie Selensky. Gib einem Politiker Macht und er wird sie pflugs systemimmanent missbrauchen. P.S. Jesus war der erste Marxist.
Die beste Verfassung kann aus einem Menschen keinen „Liberalen“ machen, ist auch nicht ihre Aufgabe. Sie soll lediglich die liberal Denkenden von den Übergriffen der Kanallje, des Staates etc. schützen, das genügt. What is life? A tale, told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing. (Nach W.S.).
Wer meint, das Gras sei blau, der soll das tun, mich aber in Ruhe lassen: Ein Esel und ein Tiger streiten sich, der Esel sagt, das Gras ist blau, der Tiger nur: Bist du farbenblind, das Gras ist grün wie seit jeher. Als Schiedsrichter rufen sie den Löwen, den König der Savanne herbei und der sagt: Das Gras ist blau. Deshalb wirst du, Tiger, ab jetzt zum Schweigen verurteilt. Jauchzend springt der Esel davon, freut sich wie ein Idiot, fröhlich furzend. Der Tiger fragt den Löwen nochmals, der sagt nur: Natürlich ist das Gras grün, was denn sonst? Der Tiger ist verwundert, will wissen, warum ihn der Löwe bestraft. Der sagt: Du wirst bestraft, weil du dich mit einem Idioten, einem Seggluk auf solch eine Debatte eingelassen hast, du Depp. Moral: Rede nicht mit Blödsichtigen, denn die verdrehen alles und versauen es.
Der essayistische Philosoph Pascal Bruckner sieht die Liberalität allgemein durch einen eingebildeten Rassismus gefährdet und durch Konzepte wie etwa der Islamophobie und ganz allgemein der Multikulti-Ideologie. Diese schaffe lauter Helden, die Opfer sind: Indem man sich als Erniedrigter und Beleidigter ausgibt, generiert man gesellschaftliche Aufmerksamkeit, was sich bereits bis zum Parlament hin abzeichnet Die Konstruktion des weißen Sündenbocks und die ostentative Zurschaustellung der Großverbrechen von Kolonialismus bis Genozid vernebele, so Bruckner, den Blick auf westliche Errungenschaften wie Laizität, Menschenrechte, Kritik der Religion und den Abolitionismus, also der mehrheitlichen Ablehnung der Sklaverei. Der Korporatismus Deutschlands gerät so in die Versuchung, Gruppen und auch Ideen zu bevorzugen, die durch ein Geflecht undurchsichtiger NGOs, Thinktanks, Werbeagenturen verbreitet werden, bis selbst der allerletzte Käse als nachhaltig bezeichnet wird. Die Eigenart der Deutschen, jeden Stiefel bis zum Tode zu reiten ist auch ein Indiz für den Korporatismus, der durch Intransparenz die Mehrheit in eine Art kognitiven Lockdown schickt, da eh keiner mehr weiß, wer für was steht. Die CDU könnte auch werben mit „Mehr Experimente wagen“ und die Deutsch-Französische Aussöhnung anzweifeln, da Makron aktuell nicht zurechnungsfähig ist. Inhaltslose Beliebigkeit, diese Offenheit bis zum Dachschaden verkörpern viele unserer Repräsentanten ganz gut,
Draußen tobt noch der „Höllensommer“, da hagelt es auf der Achse schon Geschenkempfehlungen für Weihnachten.