Uwe Knop, Gastautor / 20.03.2020 / 11:00 / Foto: Pieterman / 12 / Seite ausdrucken

Protein-gepimpte Puddings? Alles Quark!

Obgleich Pasta in allen Variationen als aktueller Hamsterkauf-Topseller nicht zu toppen ist, so mausern sich derzeit Protein-Puddings, Eiweißbrote und „HighProt“-Produkte zum neuen Verkaufsschlager. Denn Protein-gepimpte Lebensmittel suggerieren Fitness, Schlankheit, Kraft und Gesundheit – ergo wird dafür gerne viel zu viel Geld bezahlt, denn Wunsch und Hoffnung nach „ewigem Leben“ kaufen mit. In Zeiten der Besser-Esser-Hypes´n-Hipster ist das ein sehr gutes Geschäftsmodell: Hoher Eiweißgehalt = hohe Margen = hoch erfreuter Hersteller und Handel. Fallen Sie nicht auf diesen Nepp rein. Was müssen Sie wissen? Die vier folgenden Fragen klären auf:

Immer mehr Produkte mit hohem Proteingehalt schaffen es in den Handel. Vor allem jüngere Konsumenten greifen zu. Was liegt dem zugrunde?

Es muss im Markt immer einen „Superstoff“ geben, der mit einem besonders gesunden, vitalen oder kraftspendenden Image emotional aufgeladen und vermarktet wird – ganz einfach deshalb, damit die entsprechend angereicherten Lebensmittel besser vermarktet und damit wesentlich teurer verkauft werden können. Und dieser „Superstoff“ ist derzeit Eiweiß (Protein). Die Konsumenten geben in dem Glauben, sich etwas besonders gesundes zu kaufen, gerne viel mehr Geld aus. Das ist alles. Rein pekuniäre Gründe liegen hier also zugrunde, sonst nichts.

Obertrend der Profilierung und Selbstoptimierung

Hat diese Entwicklung auch mit dem Drang nach Selbstoptimierung zu tun? Welche generelle Rolle nimmt die Selbstoptimierung in der Ernährung ein?

Definitiv spielt der derzeitige Obertrend der Profilierung und Selbstoptimierung durch „gesunde Ernährung“ eine große Rolle. Der Teller wird zum Schmelztiegel der Emotionen, des Lifestyles, der Egopositionierung – und mit Protein-Lebensmitteln wird der „heilige Gral gesunder Ernährung“ gefüllt, um ihn dann in Besser-Esser-Influencermanie(r) öffentlichkeitswirksam in den sozialen Medien zu leeren. Das Paradoxe daran: Es gibt keinerlei wissenschaftliche Kausalevidenz (Beweise) dafür, was gesunde Ernährung für alle überhaupt sein soll.

Darüber konstatieren inzwischen sogar die 7 großen ernährungswissenschaftlichen D-A-CH-Fachverbände klar und unisono: Die Einteilung in gesunde und ungesunde Lebensmittel ist weder wissenschaftlich vertretbar noch empfehlenswert (1). Diese strikte Kategorisierung ist Nonsens. Die Selbstoptimierung durch Ernährung grenzt derweil an ersatzreligiöse Züge, denn es dominiert Glaube über Wissen.

Wir können uns gar nicht „proteinfrei“ ernähren

Wie wichtig sind Proteine?

Sehr wichtig, überlebenswichtig. Allein unsere Körperzellen werden ständig erneuert, wir sind daher auf eine regelmäßige Proteinzufuhr angewiesen. Die Bestandteile, aus denen die Proteine zusammengesetzt sind, die Aminosäuren, diese werden in essenzielle (unentbehrliche) und nicht essenzielle (entbehrliche) eingeteilt. Erstere müssen wir mit der Nahrung zuführen, letztere kann unser Körper auch selbst herstellen. Wir können uns also nicht „proteinfrei“ ernähren, diesen „Besser-Esser-Trend“ wird es daher niemals geben.

Grundsätzlich ist es so: Es gibt weder gesicherte Daten noch Leitlinien, wie viel Gramm Eiweiß als „schädliche Obergrenze“ gelten. Gesunde Menschen können also gerne ordentlich zugreifen. Was sie heutzutage auch tun.

Was bringen diese Produkte? Reicht zum Beispiel auch ein herkömmlicher Quark für den Protein-Haushalt?

Kein Mensch braucht dieses Kunstfood

Die „Proteinprodukte“ sind nicht mehr als verkaufsfördernde Blender, sie bringen primär eines: Mehr Marge für Hersteller und Handel (siehe auch oben erste Frage). Kein Mensch, selbst Hobbykraftsportler brauchen dieses Kunstfood nicht. Wir nehmen in der Regel mit einer normalen Ernährung, in der auf nichts grundsätzlich und vollumfänglich verzichtet wird, genug Proteine auf, die reichen sogar für ein paar Kilo Extramuskelaufbau bei Bodybuildern. Proteinreiche Lebensmittel sind primär Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier. Auch einige pflanzliche Lebensmittel, hier vor allem Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen und Erbsen sind wertvolle Proteinlieferanten, ebenso wie die gute alte Kartoffel.

Konkret: Eine kleine Portion 150 Gramm Weißfisch (beispielsweise Alaska-Seelachs) liefert bereits 35 Gramm Eiweiß, überbacken mit 50 Gramm Parmesan kommen weitere 18 Gramm Eiweiß dazu – und der Tagesbedarf an Proteinen für eine 60 Kilo schwere Frau (48 Gramm) ist bereits mehr als gedeckt. Und das mit nur einer Zutat einer Mahlzeit. Essen Sie abends dann nochmal 150 Gramm Magerquark, liefern Sie Ihrem Körper erneut 20 Gramm Eiweiß ontop. Allein daran sieht man schon: Für das Geld kaufen Sie besser hochwertige Lebensmittel als hochgradig überteuerte Protein-Produkte, die keinen einzigen Zusatznutzen liefern.

 

Uwe Knop ist Ernährungswissenschaftler, Publizist und Buchautor, unter anderem von „Ernährungswahn: Warum wir keine Angst vorm Essen haben müssen“. Im Juli 2019 erschien sein jüngstes Buch „Dein Körpernavigator“ zum besten Essen aller Zeiten“.

Weitere Quelle

(1) Lesen Sie hier die Zusammenstellung der überaus einstimmigen Statements zur "Einteiliung in gesunde und ungesunde Lebensmittel" der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE), der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), dem deutschen Bundeszentrum für Ernährung (BZfE), dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) sowie der beiden Berufsverbände in Deutschland und Österreich, dem Verband der Oecotrophologen (VDOE) und dem Verband der Ernährungswissenschaftler Österreichs (VEÖ).

Foto: Pieterman

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Peter Holschke / 20.03.2020

@Gabriele H. Schulze - Wissenschufler? Absicht! Den Begriff habe ich anläßlich der Corona-Schaf-Enzephalopathie (CSE) erfunden, als ich durch das Fernsehen gezappt bin und überall Wierologen unsäglichen Schwachsinn genüßlich verbreitet haben, ohne das sich unter ihnen Boden aufgetan hat, damit sie in einer Stinkerhölle verschwinden. Der Begriff ist toll, oder? Finde ich auch, soviel Selbstlob muss sein.

Karla Kuhn / 20.03.2020

Lenzie Amhart, also HUNGERN müssen Sie sicher nicht ! Ich kaufe mein Brot in der Hofpfisterei in München, bis jetzt habe ich sogar noch meine Lieblingssorte bekommen. Schlimm sind die MEDIKAMENTEN ENGPÄßE. da geht s wirklich ans Eingemachte alles andere sind Luxusprobleme, für mich !

Gabriele H. Schulze / 20.03.2020

@Peter Holschke: Wissenschuftler! Absicht? Sehr schön!

Lenzie Amhart / 20.03.2020

Ich habe mich tatsächlich gestern zum Kauf von den besagten Schrottprodukten hinreissen lassen. Der Grund lag aber darin, dass der Rest bereits ausverkauft war. Jetzt also Nudeln, Klopapier und Brot weg. Meine Fragestellung daher gestern: Was ist besser ? Ein überteuertes Scheissbrot oder keins und Hunger ? Die Entscheidung fiel dann nicht ganz so schwer…

Rudi Knoth / 20.03.2020

Gehört die Anzeige von Pascogracil auch zum Text? Denn dort wird der Proteingehalt beworben.

Klaus Renft / 20.03.2020

Eiweiß macht schön satt und schmählert den Hunger auf schnelle Kohlenhydrate.  Der besagte Pudding schmeckt außerdem recht gut und ist ab und zu ganz gut geeignet als Alternative zu Magerquark, zu mal er netterweise zuckerreduziert ist. Für mich persönlich war Pudding wegen des hohen Zuckergehalts bis vor kurzem eine Tabuzone. Man kann auf jeden Fall mal ein bisschen entspannter mit diesen Convenience-Produkten umgehen. Ernährung ist eben mehr, als nur Nährstoffe in der richtigen Menge einwerfen. Ich habe auf jeden Fall nicht ständig Lust auf Hülsenfrüchte und Fisch.

Dov Nesher / 20.03.2020

2 Gedanken dazu: Bei einer proteinreichen Nahrung fühle ich mich langfristig gesünder und fitter. Dies beobachten auch einige meiner Bekannten. Ich spreche von natürlicher proteinreicher Nahrung: Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte. Wobei ich bei meinem zweiten Gedanken wäre: Zuerst die Inhaltsstoffe von diesen Hipster-Produkten anschauen und dann ganz schnell wieder ins Regal zurücklegen. Viel von dem Quatsch hat auch noch eine Unmenge von Zucker zugesetzt weil es sonst vermutlich ungenießbar wäre.

Karla Kuhn / 20.03.2020

SO ist das immer, eine Krise verursacht nicht nur Kranke , Tote und die Schwächung der Wirtschaft, nein, der SCHWACHSINN blüht besonders !  Der Glaube versetzt eben Berge, mitunter auch ins Grab ! Meine Devise: GESUND IST,  WAS SCHMECKT und WAS FREUDE macht !  WER sich diese sogenannten “Gesundheitssendungen, Gesundheits DOC” , die wie Pilze aus den Boden schießen,  noch reinzieht, kann mir nicht mal leid tun !  Für mich ist das Schwachsinn, darum bleibt die Kiste aus !

Rolf Lindner / 20.03.2020

Ich habe Berichte von glaubwürdigen Menschen über schwerwiegende körperliche Schäden bis zur Todesfolge durch hyperproteinische Ernährung gehört. Die betroffenen Individuen wurden mit aufgeblähten Bäuchen infolge schwerer Nierenschädigung gefunden. Bei der Nachkommenschaft wurden häufig Missgeburten beobachtet. Es handelte sich um Ratten, die zuviel von dem Produkt einer Futtereiweißfabrik genascht hatten. Ob diese Beobachtungen auf Menschen übertragbar sind, ist mir unbekannt, aber mit Sicherheit gilt auch hier: Allzu viel ist ungesund. Mit Sicherheit waren die Ratten jedoch nicht auf Religionen welcher Art auch immer, sei es im spirituellen, Ernärungs-, Klima- oder Genderbereich, hereingefallen.

Petra Wilhelmi / 20.03.2020

Sagen wir es doch einmal so. Die heutigen Alten sind in Zeiten aufgewachsen, als noch nichts selbst optimiert werden “musste”, man nicht einen bestimmten BMI einzuhalten “hatte”, man essen und trinken konnte, was einen schmeckt und trotzdem gesund war. Scharlatane wie Ernährungwissenschaftler brauchen ein Betätigungsfeld, genau wie Genderistas. Sie müssen ihren “Wert” beweisen und zwar der Industrie, so unter dem allseits beliebten Motto: Wir Menschen sind alle gleich. Das machen sie auch gern, weil sie selbst davon profitieren. Dazu kommt der Rattenschwanz der sogenannten Fitniss-Industrie einschließlich der vielen Experten, die in den Medien ihr Brot verdienen. Die wollen ja auch gut leben. Auf den Zug springen dann die KK auf. In den USA kann man z.B, wie ich einmal las, gesund sein, aber das Cholesterin hat einen höheren als vorgeschriebenen Wert - bums. Man muss höhere Beiträge zahlen. Nur deshalb werden auch die Werte z.B. von Cholesterin, des Blutdruckes auch immer weiter nach unten gesetzt. So wird aus gesund - krank. Das lohnt sich, weil viele Menschen auch nicht auf ihren Körper hören. Ich gebe zu, dass ist heute auch sehr schwer, durch die Werbung und Massenbeeinflussung. Mein Körper sagt mir immer, was ich essen soll und wann und was ich nicht essen sollte zu bestimmten Zeiten. Da ist es mir egal, was nun gerade wieder angesagt ist.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Uwe Knop, Gastautor / 15.05.2020 / 16:30 / 8

Das Dilemma der Ernährungstipps

Die Gründe, warum Ernährungsstudien keine Beweise liefern, sind außerordentlich vielfältig, aber sehr einfach nachvollziehbar. Auch wenn jetzt in Corona-Zeiten wieder von „Stärkung des Immunsystems durch…/ mehr

Uwe Knop, Gastautor / 18.02.2020 / 14:00 / 40

Lebensmittel-Ampel: Lieber rot als tot

Derzeit vergeht kaum ein Tag ohne neue Meldung, dass erneut ein Unternehmen ankündigt, schon bald den Nutri-Score einzuführen – natürlich nur der „gesunden“ Ernährung wegen,…/ mehr

Uwe Knop, Gastautor / 22.11.2019 / 16:00 / 8

Das Dilemma der Ernährungs-Ratschläge

Ende 2017 hat die EU beschlossen, die 5-am-Tag-Obst-und-Gemüse-Kampagne nicht weiter zu fördern. Aber die „Pflanzenkostpropaganda“ war schon vorher wissenschaftlich am Ende. Vor mehr als einem…/ mehr

Uwe Knop, Gastautor / 02.11.2019 / 06:00 / 45

Diät-Mythen und -Hypes: Ein aktueller Überblick

Diäten gibt es wie Sand am Meer. Schätzungen gehen von mehr als 500 verschiedenen Abspeckvarianten aus. Ganz neu im Fettwegkarussell: Die Candida-, Haferflocken-, TLC-, KFZ-, PFC-,…/ mehr

Uwe Knop, Gastautor / 28.08.2019 / 11:00 / 6

Vorkauer? Nein danke! (3): Fleisch und Fleisch gesellt sich gern

Von Uwe Knop. Fleisch ist böse – und wer Fleisch isst, auch. So denken zumindest viele Tierliebhaber, die Steak, Wurst und Schnitzel für die Wurzel…/ mehr

Uwe Knop, Gastautor / 27.08.2019 / 12:00 / 14

Vorkauer? Nein danke! (2): Ampeln, Steuern, Bevormundung

Von Uwe Knop. „Fünf am Tag“ ist aufgrund seiner langjährigen Omnipräsenz als „Ernährungsregel Nr. 1“ die gefühlte Speerspitze staatlicher Ess-Erziehungsmaßnahmen – und nur ganz nebenbei:…/ mehr

Uwe Knop, Gastautor / 26.08.2019 / 16:30 / 4

Vorkauer? Nein danke! (1): Hören Sie auf Ihren Körpernavigator!

Von Uwe Knop. Ende 2018 titelte die FAZ: „Die Ernährung sagt heute oft so viel über die Persönlichkeit aus wie die Kleidung, das Auto oder…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com