Der Herrentag hat im Unterschied zum Frauentag keinen guten Ruf. Er gilt als der Tag, an dem sich Männer besaufen, weil sie nicht wissen, was sie mit dem Tag anfangen sollen. Diesmal habe ich am Frauentag getrunken. Zusammen mit einer Frau. Mit einer Feministin.
Wir wollten gemeinsam feiern, wir wollten zusammen anstoßen. Sie wollte das Glas erheben, weil es „ihr“ Tag ist, an dem sie „als Frau“ was zu feiern hat; weil sie die Tradition, in der dieser Tag steht, weiterführen und ehren will, weil sie „ihren“ tapferen Vorkämpferinnen danken und die Erfolge des Feminismus hoch leben lassen will.
Ich trinke mit, um mir das, worauf sie anstößt, schön zu trinken. Ich sehe keinen Grund zum Feiern. Ich sehe nichts Gutes am Frauentag. Ich sehe keine Tradition, sondern ein Flickenteppich mit Löchern.
Wir sprechen gerne von einem „Narrativ“ oder „großen Erzählung“. Wenn ich die Geschichte des Weltfrauentages ebenfalls als Erzählung betrachte, dann sehe ich einen Schundroman mit vielen dunklen Kapiteln und einigen sprichwörtlichen Leichen im Keller. Wer Leichen im Keller hat, neigt dazu, selbstherrlich aufzutreten und besonders strenge moralische Maßstäbe anzulegen – natürlich an andere.
Michel Houellebecq sagte es so: „Die Frauen bilden keinen einheitlichen Block. Sie wollen nicht alle dasselbe. Der Feminismus hat kein überzeugendes Narrativ, keinen geschlossenen Diskurs hervorgebracht.“ Da ist nichts.
Es gibt nichts zu feiern, aber Gründe genug, sich zu betrinken. Ein Frauenversteher gilt bekanntlich als lächerliche Figur. Ein Frauentags-Versteher – und als solcher versuche ich mich – ist noch schlimmer. Mal sehen, wer von uns schneller betrunken ist. Los geht’s.
Auf Clara Zetkin. So fing es an
Am 19. März 1911 hatte es den ersten internationalen Frauentag gegeben … also nicht am 8., sondern 19. März, aber nehmen wir das nicht so genau. Besonders international war er nicht, er fand in vier Ländern statt, in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz. Immerhin. Er war im Jahr zuvor auf Initiative von Clara Zetkin beschlossen worden.
Unser erstes Glas erheben wir also auf Clara Zetkin. Ich verkneife mir die Frage, was wir da eigentlich feiern. Feiern wir etwa die Tradition des Kommunismus und tun so, als wüssten wir nicht, was daraus geworden ist? Beim ersten Frauentag ging es um das Wahlrecht, aber Clara Zetkin wollte keine Demokratie, sie wollte eine Räterepublik nach sowjetischem Vorbild. Ihre Urne wurde von Stalin persönlich zur letzten Ruhestätte getragen. Na dann: Prost.
Auf Karl Marx. So ging es weiter
Der Termin änderte sich im Laufe der Jahre: Er fiel nun auf den 5. Mai, dem Geburtstag von Karl Marx. Jetzt muss ich noch mal nachfragen: Was soll hier eigentlich gefeiert werden? An welche Tradition wird erinnert? Warum wird ausgerechnet Karl Marx, der bekanntlich ein Mann war, mit dem Frauentag in Verbindung gebracht? Weil er ein vorbildliches Verhältnis zu Frauen hatte? Weil in seinem Gesellschaftsmodell die Frauenfrage weniger wichtig und nur ein Nebenwiderspruch ist? Egal. Ich will meiner gut gelaunten Feministin nicht die Freude verderben, und obwohl ich auf den Geburtstag von Karl Marx auch anstoßen könnte, wenn gerade kein Frauentag ist (wenn ich es denn überhaupt wollte und ich will es eigentlich nicht), will ich kein Spielverderber sein, und ich notiere mir den 5. Mai, Prost.
Es geht noch weiter
Im Jahr 1917 gab es gleich mehrere Termine, da dauerte das fröhliche Feiern eine ganze Woche. Die „Rote Woche“ fand vom 5. bis zum 12. Mai statt. Prost, Prost, Prost, Prost ... Nun gab es auch neue Themen: Die Proteste standen nun im Zusammenhang mit der als „Steckrübenwinter“ bekannten Hungerkrise und kritisierten jede weitere Finanzierung des Krieges. Das war natürlich eine gute Sache, die jedoch nicht gerade neu war. Gegen die Gewährung von Kriegskrediten hatte Karl Liebknecht schon 1914 gestimmt, er war allerdings ein Mann.
Ich stelle mir auch hier wieder die Frage: Wieso ist das ein Thema für den Frauentag? Welchen vernünftigen Grund gibt es, dass Frauen in dieser Frage unter sich bleiben wollen und sich nicht mit Männern zusammentun, die auch gegen den Krieg sind und die auch nicht wollen, dass jemand hungert? Die KPD hat lange gebraucht, um zu merken, dass nicht die SPD, sondern die NSDAP ihr Gegner ist. Wie lange brauchen Frauen, um zu merken, dass Männer nicht ihre Gegner sind, wenn es darum geht, sich für den Frieden zu engagieren, der nach Kant „ein Meisterstück der Vernunft“ ist. Aber es geht ja auch ums Gefühl, also Prost.
Endlich Frieden
1918 war der Krieg beendet und das allgemeine Wahlrecht für Frauen und Männer wurde in Deutschland eingeführt. Der Frauentag wurde ausgesetzt, und unser Besäufnis könnte an dieser Stelle ein Ende haben. Doch nun ging es erst richtig los. 1929 wurde in Moskau auf der Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen ein neuer Weltfrauentag ausgerufen. Der Termin wurde auf den 8. März festgelegt, um an einen Textilarbeiterinnenstreik in Sankt Petersburg zu erinnern, der als einer der Auslöser der Februarrevolution von 1917 gilt. Das heißt: Zehn Jahre nach dem ersten Frauentag wurden streikende Textilarbeiterinnen mit dem Weltfrauentag in Verbindung gebracht. Also dann: Za zdoróvje! Wir können jetzt auf Wodka umsteigen. Ich hatte es schon geahnt.
Hierzulande dauerte es noch
In der Weimarer Republik konnte der Weltfrauentag erst 5 Jahre später, also erst 1926, seine Wiederauferstehung feiern – spät, aber dafür in doppelter Ausführung: in der kommunistischen Version mit dem von Moskau vorgegebenen 8. März als Termin und in der sozialdemokratischen Version ohne festen Termin. Die neuen Themen der Aktionstage waren die Forderungen nach regelmäßiger Schulspeisung und – ebenfalls neu – nach legaler Abtreibung.
Auch hier gilt, liebe Frauen in aller Welt, dass solche Forderungen und die erreichten Fortschritte immer auch Männerwerk sind. Da haben Männer und Frauen gemeinsam dran gedreht. Ich bin auch gegen den Krieg, ich bin auch für Schulspeisung … bei Abtreibungen bin ich zurückhaltend, aber es gibt viele Männer, die sich stark engagiert haben, die Abtreibungsmöglichkeiten voranzubringen. Also: Was ist das Besondere eines Frauentages? Das Alleinstellungsmerkmal? Vielleicht kommt das noch.
Nun war erst mal Schluss
Zunächst kam nichts. Die Nazis verboten den Frauentag. Die Aktivistinnen tauchten ab und feierten den Tag im privaten Kreis, indem sie demonstrativ rote Socken an Wäscheleinen flattern ließen. Womöglich haben die sprichwörtlichen „roten Socken“ daher ihren Legendenstatus. Das gefällt mir, es erinnert an die Vorweihnachtszeit und den Nikolaustag. Wir könnten jetzt auf Glühwein umsteigen.
Frauen Ost
Erst im Jahr 1946, also nach einer Besinnungspause von 20 Jahren wurde der Frauentag in Deutschland erneut eingeführt, jedoch nur in der SBZ, in der Sowjetischen Besatzungszone. Er sollte dazu beitragen, den Zwei-Jahres-Plan zu erfüllen (Die gefürchteten Fünf-Jahres-Pläne gab es erst später).
Der Frauentag wurde damit zu einer Kampagne umgemünzt, mit der die Planwirtschaft vorangetrieben werden sollte: Die Traktoristin mit Kopftuch und Blumenstrauß, wie man sie auf diesen schmucken Plakaten bewundern kann, wurde zur Galionsfigur der Misswirtschaft. Also, Prost. Auf die Traktoristin! Die Feministin zieht eine Schnute. Ich weiß immer noch nicht, worauf sie sich besonders freut, worauf sie besonders stolz ist, und was ihr am Frauentag besonders gut gefällt. Mir gefällt das alles nicht. Aber es geht ja noch weiter.
Frauen West
In den fünfziger Jahren kam das Gerücht auf, dass der März-Termin nicht etwa an streikende Arbeiterinnen in Russland vor der Revolution erinnern sollte, sondern an die Niederschlagung eines Streiks von Hemden-Näherinnen in New York am 28.2.1908. Damit wurde der Anlass nachträglich an einen anderen Ort und auf einen anderen Termin verlegt, blieb aber in derselben Branche. Spätere Recherchen ergaben, dass der Tag des Streiks auf einen Sonntag gefallen sein muss und dass es kein Streik war, sondern ein Brand.
Eigentlich müsste ich an dieser Stelle ausgiebig den Kopf schütteln und mich über die rasante Geschichtsschreibung, die schlampige Traditionspflege und über die Schnurzigkeit wundern, die sich da offenbart, aber ich spüre so langsam den Alkohol und wundere mich über gar nichts mehr. Ich gebe es offen zu: Ich hatte sowieso keine besonders hohen Ansprüche an eine feministische Deutung und Darstellung. Jede Frau hat ein kleines Geheimnis, heißt es im Schlager. Der Frauentag hat viele Geheimnisse.
Neue Themen, neue Kämpfe
Da kommt noch mehr hinzu. Neuerdings wird an einem Frauentag die Forderung nach einer Frauenquote in Dax-Vorständen erhoben. Ich frage mich, was die vorrevolutionären Textilarbeiterinnen in Sankt Petersburg und die Näherinnen in New York dazu sagen würden, wenn sie etwas dazu sagen könnten. Das können sie nicht. Sie können nicht widersprechen. Die können sich nur im Grab umdrehen.
Ein weiteres neues Thema ist ein härteres Vorgehen gegen sexualisierte Gewalt. Hier brauche ich mindestens kräftige Schlucke von besonders starken Getränken, wenn ich daran denke, wie Feministen heute gegen die Gewalt vorgehen, die tatsächlich zu einer beängstigenden Bedrohung angewachsen ist. Da sind Feministen mit Parolen wie „Alle Männer sind Vergewaltiger – auch die netten“ nicht gerade „hilfreich“, wie Angela Merkel sagen würde.
Neuerdings werden am Frauentag auch bessere Gagen für die weiblichen Stars in Hollywood gefordert. Oh ja, da wird man in Hollywood aufhorchen, und die Qualität der Filme wird sich bestimmt in Zukunft deutlich verbessern. Oder auch nicht … Ich bin, ehrlich gesagt, nicht überzeugt vom feministischen Wunschzettel.
Es wird immer bunter, und es gibt ein Geschenk
Inzwischen reiht sich der Feminismus in das ein, was man geheimnisvoll und angeberisch „Intersektionalität“ nennt, nun finden wir exotische Namen in der Hall of Fame; Namen, die ganz weit oben auf der Liste der Frauentags-Heldinnen stehen: Kimberlé Crenshaw, Audre Lorde, Katharina Oguntoye, Trịnh Thị Minh Hà, Demet Demir … „Kann mich gar nicht entscheiden“, hatte Nina Hagen einst gesungen, „ … alles so schön bunt hier“. Geht mir auch so.
Inzwischen wird der Tag als „feministischer Kampftag“ bezeichnet, oder als Frauen-Sternchen-Kampftag, um auch Transpersonen einzubeziehen. In einem Bekennerschreiben sieht sich auch die so genannte Vulkangruppe, die 2024 einen Anschlag auf das Tesla-Werk verübt hat, als Teil der feministischen Bewegung und versteht ihren Terrorakt als Geschenk an den Frauentag. Da haben sich die Frauen in Deutschland bestimmt gefreut. Prost.
Aber seien wir nicht kleinlich und nicht provinziell und schauen wir, wie es sonst so in der Welt aussieht.
Der Blick nach Amerika
Es ist schließlich ein internationaler Frauentag. Als Clara Zetkin den ersten Frauentag ausrief und das Wahlrecht für Frauen forderte, war sie von Aktivistinnen aus Amerika beeinflusst. Also schauen wir mal, was da los war. Vielleicht finden wir da Bewegungen, die wir weiterführen wollen, vielleicht entdecken wir da eine Tradition, an die wir gerne anknüpfen; vielleicht gab es da Aktionen, die uns besser gefallen, als das, was es hierzulande gibt. Also: Was war da?
Während des Bürgerkrieges hatte sich erstmals der berüchtigte Ku-Klux-Klan gebildet, eine Terrorgruppe, die Schwarze lynchte und sich mit dem Ende des Civil Wars auflöste. Um 1915 kam es zu einer Neugründung des Ku-Klux-Klans. Wenig bekannt ist, dass sich parallel dazu eine starke Frauenorganisation bildete, der WKKK, Women of the Ku-Klux-Klan, oder Women’s Ku-Klux-Klan. Dazu gesellten sich Geheimorganisationen wie die Ladies of the Invisible Eye und andere Unterstützergruppen, die sich auf Öffentlichkeitsarbeit konzentrierten, Artikel verfassten, Spendenaktionen, Picknicks und Aufmärsche organisierten.
Die schwarze Seite der weißen Frauen
Da staunt die Feministin und nimmt vor Schreck einen Schluck. Es gab unübersichtlich viele, zum Teil sehr mitgliederstarke Organisationen: die Dixie Protestant Women’s League, die Grand League of Protestant Women, die Kentucky Equal Rights Association, die geheimnisvollen Ladies of the Invisible Empire, die White American Protestants, die exquisiten Queens of the Golden Mask and Hooded Ladies of the Mystic Den und die berühmte Woman’s Christian Temperance Union, die als größte Frauenorganisation des ausgehenden 19. Jahrhunderts gelten kann.
So also sah die Frauenbewegung in Amerika aus: Sie bestand aus weißen Frauen aus der besseren Gesellschaft, die sich von den „Negern“, wie sie hemmungslos bezeichnet wurden, bedroht fühlten und im Ku-Klux-Klan ihre Schutzstaffel sahen. Ich frage meine angetrunkene Feministin, welche dieser Gruppierungen ihr allein schon vom Namen her am besten gefällt und bei welcher sie gerne Mitglied gewesen wäre. Sie weiß es nicht. Sie trinkt. Ich auch. Frauen, auch wenn sie nicht aktiv Mitglied im WKKK waren, bildeten das begeisterte Publikum bei den Lynchmob-Morden.
Mit der Axt gegen Rum
Die damaligen Frauen-Organisationen verbanden ihre Forderung nach Frauenrechten mit dem Kampf gegen Schwarze, gegen Juden und Katholiken sowie gegen weitere Zuwanderer, speziell aus Polen oder Irland; also gegen „Migranten“, denen sie nicht nur Lüsternheit, sondern auch Alkoholmissbrauch unterstellten. Gegen Alkohol waren sie auch. Und wie. Wir sollten vorsichtig sein und am besten nur noch heimlich trinken. Die Frauen meinten es ernst.
Carry Nation von der Temperance Union war mit dem Absingen frommer Lieder nicht zufrieden und griff zur Axt. In einer Vision hatte ihr Gott persönlich die „Lizenz zum Hacken“ erteilt. Daraufhin stürmte sie einen Saloon und schlug ihn kurz und klein. Nicht nur einen. Sie zertrümmerte über hundert Saloons, randalierte sogar im Senat und wurde dreißigmal verhaftet. Zwischendurch ging sie auf Tournee und wurde auf ihren Vortragsreisen wie ein Popstar gefeiert. Ihre Axt wurde zu ihrem Markenzeichen, das sie erfolgreich kultivierte; sie entdeckte schon früh die Möglichkeiten des Merchandisings und verkaufte kleine Äxte mit der Aufschrift „Saloon-Smasher“ oder „Death to Rum“. So waren sie, die Aktivistinnen.
Trinken kann man auch als Einarmige
Ich habe den Eindruck, dass ich der Feministin ein wenig die Freude verdorben habe. Vielleicht ist sie schon so weit, dass sie Trost im Alkohol sucht. Sie hatte sich wahrscheinlich vorgestellt, dass die Vorkämpferinnen aus dem wilden Westen mutige Heldinnen gewesen wären, die für die Nachgeborenen Rechte erkämpften, für die sie dankbar sein soll. Aber warum taten sie, was sie taten? Was wollten sie?
Hauptsächlich ging es ihnen darum, „das Neger-Wahlrecht zu verhindern“ und „die weiße Vorherrschaft durch das Wahlrecht der Frauen zu stärken“. So sah es Carrie Chapman Catt, die Präsidentin der National American Suffrage Association und Gründerin der League of Women Voters. Sie sagte: „Ich würde mir meinen rechten Arm abschneiden, bevor ich jemals dafür arbeiten oder fordern würde, dass der Neger und nicht die Frau das Wahlrecht bekäme“. Na, dann Prost, trinken kann man auch als Einarmige.
Rauchende Blaustrümpfe
Aber schauen wir nach England. Von den Suffragetten hat meine inzwischen leicht angetrunkene Feministin schon gehört. Für sie sind es die wahren Heldinnen des Feminismus. Mutige Vorkämpferinnen, die den Frauen von heute Rechte erkämpft haben, die inzwischen selbstverständlich sind. Oder? Gab es da nicht sogar mal einen Film, in dem das abgefeiert wurde? Und hatte nicht Alice Schwarzer die Suffragetten in den höchsten Tönen gelobt und gesagt, dass die Studentenbewegung in ihren Aktionsformen davon inspiriert war?
Emmeline Pankhurst hatte sogar eine Frauenpartei gegründet: Women’s Party – eine Partei, die sich zum Wohle Frauen zur „Rassenreinheit“ bekannte und nach heutigen Maßstäben als „gesichert faschistisch“ gelten kann. Na, dann: Prost.
Die Suffragetten waren auch auf der Straße aktiv. Ihr Beitrag bestand aus Selbstdarstellungen und Terror, oder wie es bei Wikipedia heißt: in der Entwicklung von „neuen Formen des Protests“, ohne dass die jungen Kämpferinnen wussten, was sie eigentlich wollten. Zunächst protestierten sie gegen verordnete Untersuchungen zum Gesundheitszustand von Prostituierten und machten auf sich aufmerksam, indem sie demonstrativ in der Öffentlichkeit rauchten: Blauer Dunst und blaue Strümpfe waren ihre besonderen Kennzeichen. Zunächst.
Neue Formen des Protests
Dann entdeckten sie den Kampf für das Wahlrecht und hatten damit ein Thema, mit dem sie ihre radikalen Übergriffe rechtfertigen konnten; sie prügelten auf Polizisten mit Regenschirmen ein. Vielleicht haben sie dabei schon „All cops are bastards“ skandiert. Sie setzten die Feuerwehr durch Fehlalarm außer Gefecht, kappten Telefonverbindungen und verübten Brand-und Bombenanschläge: Allein im Jahr 1913 wurden acht Kirchen gänzlich und neun teilweise niedergebrannt, außerdem 23 Schulen, Bahnhöfe und andere Gebäude. Ein Schulstreik der besonderen Art. Und wir sehen: Der Fernverkehr hatte damals auch nicht immer und überall reibungslos funktioniert.
Mary Richardson ging mit einem Schlachterbeil auf das Gemälde Venus vor dem Spiegel von Diego Velázquez los und rechtfertigte ihre Tat damit, dass sie es nicht leiden könne, wie Männer das Bild anstarrten: „I didn’t like the way men visitors gaped at it all day long“ (Heute würde sie vermutlich im Rahmen der gender studies ein Seminar zum Thema „male gaze“ anbieten).
Es war nur eins von zehn Attentaten auf Kunstwerke mit einem geschätzten Schaden von acht Millionen Mark. Den Klima-Klebern ist auch nichts Besseres eingefallen. Hauptsache es geht volle Kraft voraus gegen das Gute, das Wahre und das Schöne. Und es ist spektakulär. Und es bringt ganz, ganz, ganz, ganz viele Klicks. Emily Davidson warf sich in einer spektakulären Aktion bei einem Derby vor das Rennpferd des Königs und starb als Märtyrerin, nachdem vorangegangene Selbstmordversuche erfolglos geblieben waren.
Im Namen des Meerschweinchens
Bei der historischen Friedensdemo am Brandenburger Tor, bei der Alice Schwarzer und Sarah Wagenknecht gesprochen haben, habe ich zum ersten Mal – neben den Ukraine-Flaggen – eine Suffragetten-Fahne entdeckt. Ich wusste nicht, dass es das gibt. Ich musste die junge Frau fragen, was das für ein Land sein soll. Das feministische Wunderland. Die Suffragetten haben tatsächlich eine eigene Fahne. Sie weht immer noch. Emmeline Pankhurst ist immer noch die ungekrönte Königin – oder Prinzessin.
Studentinnen der Generation Snowflake (bekanntlich ist keine Schneeflocke wie eine andere, alle sind verschieden, alle sind eigenwillig, alle sind empfindlich) brauchen heute, wenn sie sich in das raue Klima einer Uni wagen, so genannte „safe-spaces“, in denen sie sicher sind vor Männern und vor möglichen Diskriminierungen. In den safe-spaces gibt es sogar Heulschränke, in die sich die Schneeflocken zurückziehen können. Was gibt es da sonst noch? Blumen, Süßigkeiten, Kuscheltiere.
Da gibt es beispielsweise Meerschweinchen mit dem Namen Emmeline, die nach Emmeline Pankhurst benannt sind (ich denke mir das nicht aus, auch wenn man mir so etwas durchaus zutraut und ich betone an dieser Stelle ausdrücklich, dass die armen Meerschweinchen nichts dafür können).
Der große Frauentags-Quiz. Wer ist Ihre Nummer Eins?
Nun sind wir durch. Wir sind im Hier und Jetzt angekommen. Nun können wir uns fragen: Welches Getränk hat uns am besten geschmeckt? Wer ist unsere Lieblings-Feministin? Wer ist die ungekrönte Königin auf der imaginären All-time-women’s-day-party? Wer ist unsere persönliche Heroine? Wie würden wir ein Meerschweinchen nennen, das uns besonders lieb ist? Oder wenn wir uns vorstellen, wir müssten auf einer einsamen Insel mit einer Person überleben: Wen würden wir wählen? Also:
Clara Zetkin, Mary Richardson, Emmeline Pankhurst, Carry Nation, Carrie Chapman Catt ... Namen, von denen Sie womöglich bisher nichts gehört haben. Aber es gibt noch mehr Heldinnen der internationalen Szene, vielleicht sind die bekannter: Gloria Steinem, Betty Friedan, Angela Davis, Mary Daly, Kate Millet, Germaine Greer, Shulamith Firestone, Valerie Solanas, Andrea Dworkin, Sally Miller Gearhart, Margaret Sanger, Simone de Beauvoir, Julie Bindel, Emma Watson, Oprah Winfrey, Judith Butler, Beyoncé … Na? Welches Meerschweinchen hätten Sie gerne? Auf wen wollen wir anstoßen? Mit wem?
Oder bleiben wir im Lande. Vielleicht ist da was dabei: Hedwig Dohm, Elisabeth Selbert, Andrea Nahles, Annalena Baerbock, Sarah Bosetti, Angela Merkel, Sophie Passmann, Margarete Stokowski, Luise F. Pusch, Senta Trömel-Plötz, Anne Helm, Alice Schwarzer … Genau die. Die wollen wir uns mal vornehmen. Ihre Stimme gilt – also:
Der reinste Hohn
Alice Schwarzer schrieb, der Frauentag sei eine „sozialistische Erfindung“, die auf einen Streik von Textilarbeiterinnen zurückgehe. Die Frauenbewegung wiederum sei Anfang der 1970er Jahre im Westen „nicht zuletzt aus Protest gegen die machohafte Linke“ entstanden. Das sei eine Linke gewesen, die zwar noch „die letzten bolivianischen Bauern befreien wollte, die eigenen Frauen und Freundinnen aber weiter Kaffee kochen, Flugblätter tippen und Kinder versorgen ließ. Auch die realsozialistischen Länder seien in den obersten Etagen bekanntermaßen frauenfrei gewesen“. Also schließt sie: „Unter diesen Vorzeichen ist die Übernahme des sozialistischen Muttertags als ‚unser Frauentag‘ für Feministinnen, gelinde gesagt, der reinste Hohn.“ Darum solle der „gönnerhafte 8. März“ am besten abgeschafft werden.
Wohl gemerkt: Das ist „gelinde gesagt“. Wie mag es erst klingen, wenn es nicht gelinde ist? Sie könnte noch weiter aufdrehen, da geht noch was. Denn es geht ihr nicht etwa um den „reinen“ Hohn, auch nicht um den reineren Hohn (der wie dieses Waschmittel, das weißer als weiß wäscht, reiner als rein ist), sondern um den „reinsten“ Hohn. Also Hohn, der nicht nur sauber, sondern rein, am reinsten ist. Da freut sich die Hausfrau.
Ich bin auch immer noch erschüttert, dass die linken Männer damals ihre Frauen nicht daran gehindert haben, Kaffee zu kochen. Schlimm, schlimm. Sie hätten eine Menschenkette um die Kaffeemaschine bilden müssen, no pasaran. Nein, im Ernst: Es ist ein jämmerlicher Text mit düster raunenden, maßlosen Vorwürfen und versteckten Boshaftigkeiten. Ein Musterbeispiel feministischer Prosa. Da ist alles falsch. Ich schlage den Text als Unterrichtsmaterial zum Verständnis der Geschichte des Feminismus vor.
Ich trinke schon lange nicht mehr auf den Frauentag, sondern auf den geschmähten bolivianischen Bauern, der noch ein richtiger „Macho“ war (so reden sie halt, diese Männer in Bolivien, die wissen es nicht besser).
Der Schwindel mit der Gleichberechtigung
Also, Hand aufs Herz, liebe Frauen, so ihr denn eins habt: Was feiert ihr eigentlich? Habt ihr wirklich jegliches Gespür für die Verlogenheit der ganzen Inszenierung verloren? Reicht es euch nicht, an den Lobeshymnen auf den Frauentag kurz zu schnuppern, um sofort zu merken, dass sie stinken? Worum geht es überhaupt? Richtig, da war noch was: Gleichberechtigung.
Aber, aber. Alles Lüge. Nicht nur, dass für Frauen die Rechte grundsätzlich von den Pflichten entkoppelt wurden (das ist übrigens auch der Grund, warum das Frauenstimmrecht in Appenzell erst 1971 eingeführt wurde, es musste vorher von der damit verbundenen Wehrpflicht getrennt werden), Frauen haben längst schon Gleichberechtigung, mehr noch, sie haben Vorrechte, Privilegien. Sie haben ein Recht, das Männer nicht haben.
Das Schlampen-Schutz-Gesetz
Offiziell heißt es natürlich anders – nämlich: „Recht auf geschützten Mehrverkehr“. Mit „geschützt“ ist nicht gemeint, dass eine Frau vor übertragbaren Krankheiten sicher sein soll, dafür muss sie selbst sorgen. Geschützt ist sie vor Nachfragen. Wir dürfen nicht erfahren, was an dem Termin, als das Kind gezeugt wurde, in ihrem Kalender eingetragen ist, mit wem sie im Bett war. Das darf sie geheim halten. Das ist ihr Recht. Das darf sie im Kalender einschwärzen wie bei RKI-Protokollen. Man stelle sich vor, dass im Sinne der Gleichberechtigung ein Mann ebenfalls das Recht auf geschützten Mehrverkehr hätte und damit das Recht, auf Nachfragen der eifersüchtigen Ehefrau nicht zu antworten.
Doch es ist viel schlimmer: Es geht nicht um einen Seitensprung, sondern um Vaterschaft. Da ist noch eine dritte Person im Drama: das Kind. Der Mann hat seit 2007 nicht mehr das Recht, einen diskreten Vaterschaftstest vorzunehmen, um zu erfahren, ob das Kind, für das er auf jeden Fall zahlen muss, wirklich sein Kind ist.
Frauen nutzen dieses neue Schutzrecht ausgiebig. Heute ist schätzungsweise bei jedem sechzehnten in Deutschland geborenen Kind der Vater unbekannt. Im Jahr 2018 waren es fast 50 000 Babys, bei denen „überhaupt keine Angaben zum Vater“ vorliegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Das ist ungefähr die Einwohnerzahl von einer Stadt wie Hameln oder Tübingen. In einem Jahr. Wie viele waren es in den Vorjahren? Das weiß man nicht. In bisher veröffentlichten Geburtenstatistiken wurde das nicht separat ausgewiesen, es liegen also keine Vergleichsangaben vor.
Wenn die Zahlen konstant bleiben, hätte man nach 20 Jahren etwa eine Million Kinder ohne Angaben zum Vater. Wer zahlt dafür? Wir alle. Egal. Das schaffen wir. Ich weiß, es geht beim Feminismus in erster Linie um Geld und in zweiter Linie auch um Geld, aber ich will dennoch leise an die Menschenrechte erinnern, an das Recht eines Kindes, zu wissen, wer der Vater ist.
Ist es wirklich das, worum es den Frauen im Kampf für Gleichberechtigung geht? Liebe Frauen: Ist es wirklich so? Ist es das, was ihr immer schon wolltet? Das, worauf ihr stolz seid? Was es zu feiern gilt?
Schluss!
Ich kann nicht mehr. Ich bin besoffen. Mir tun die Kinder leid. Die Feministin hat sowieso aufgegeben, sie liegt unterm Tisch, sie kann nichts dazu sagen. Ich bin offenbar durch Herrentage abgehärtet und gut vorbereitet. Doch ich bin geschwächt, ich habe auch Gefühle, ich bin sentimental, nicht nur wenn ich getrunken habe. Mir tun die Kinder wirklich leid. Ich bin ja auch Kinderbuchautor (was ich nach Habeck nicht mehr so laut sagen mag), ich habe früher viele Lesungen und Schulbesuche gemacht. Da war es bereits spürbar, dass vielen Jungs ein Vater fehlte und sie sich ersatzweise an mich gewandt haben.
Schluss mit der Vaterausgrenzung. Schluss mit dem tiefenverlogenen Kampf um die immer wieder beschworene „Gleichberechtigung“. Wenn die Feministinnen kein Geld mehr kriegen, werden sie von ganz alleine still sein. Ansonsten sollen sie getrost ihre Klagelieder singen, sie sollen sich nur nicht länger einbilden, dass die überall gut ankommen und dass es nicht immer mehr werden, die den Schwindel durchschaut haben.
Es sieht so aus, als könnten sich die Zeiten ändern. Es gibt neuerdings einen wind of change, der aus den USA kommt, da gibt es einen starken Gegenschlag zur „Great Feminisation“. Ich bin gespannt, wie die Stimmung am Internationalen Frauentag 2027 sein wird.
Beitragsbild: H0m3r, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

@Robert Bauer : >>Das wichtigste Privileg der heutigen Frauengeneration, welches sie mit Ossis und Rentnern teilen, ist das Vorrecht der Mittelspurbenutzung auf Autobahnen.<<
## Sorry, ich mache da eine Statistik. Ich schaue immer ins Cockpit. Und Ossis oder Rentner erkenne ich an kleinen Details. Z.B. daran, dass sie keine Frauenkleider tragen.
Oder meinen Sie mit Ossis die, mit dem B?
Ich habe im Gegensatz zu vielen Frauinnen beim Militär nicht Stretegie und Taktik gelernt, sondern nur „die militäische Dissiplinn unt Odnung“. Die aber gründlich. Aber für eine realistische Sicht reicht das vielleicht schon. Aber wenn ich die Nachrichtensprecherinnen, Kommentatorinnen, Feuilletonistinnen, Expert:Innen andere Innen und Marie-Agnes Strack-Zimmermann sehe, werde ich schon neidisch. So gescheit bin ich nicht. Daher fühle ich mich auch nicht berechtigt, den internationalistischen Frauinnenfeiertag mit Alkohol zu begehen. Nicht dass mir doch noch die Wahrheit rausrutscht. Früher war das unangenehm, aber noch nicht gefährlich. Heute schon.
Denk ich an Hypergamie in der Nacht, bin ich um den Frauentag gebracht.
Das wichtigste Privileg der heutigen Frauengeneration, welches sie mit Ossis und Rentnern teilen, ist das Vorrecht der Mittelspurbenutzung auf Autobahnen.
Na, wenigstens wurde kein Kopftuch Miss Germany… wer glotzt überhaupt so einen Müll???
Der Frauentag ist eins der vielen Spaltungsinstrumente des Sozialisten- und Kommunisten-Milieus. Warum die sowas brauchen? Ganz einfach: Spaltung ist die Grundlage ihres auf Sozialneid beruhenden, parasitären Geschäftsmodells.
Heulschränke in Unis? Um Himmels Willen! Wie wollen die denn mal später in der freien Wirtschaft reüssieren? Du meine Güte!