Gastautor / 07.11.2021 / 12:00 / Foto: Mark Fahey / 6 / Seite ausdrucken

Propaganda macht das Leben leichter

Propaganda dient auch der künstlichen Befriedigung realer Bedürfnisse oder, daraus folgend, die reale Befriedigung künstlicher Bedürfnisse (Etwa in der Werbung). Zweiter und letzter Teil des Auszugs aus Jacques Ellul „Propaganda. Wie die öffentliche Meinung entsteht und geformt wird".

Der französische Philosoph Jacques Ellul zeigt in seinen Arbeiten, dass die Natur der Propaganda in der Anpassung des Individuums an eine Gesellschaft besteht, die darauf abzielt, das Individuum dienstbar und konform zu machen. Er entschlüsselt, wie Propaganda im modernen demokratischen Staat in allen Bereichen des täglichen Lebens zum Einsatz kommt. Nun ist sein Buch unter dem Titel „Propaganda. Wie die öffentliche Meinung entsteht und geformt wird“ zum ersten Mal auf Deutsch erschienen. Eine gedankliche Fundgrube für alle, die besser verstehen wollen, wie Menschen dazu gebracht werden können, freiwillig zu gehorchen. Auszug, tweiter Teil.

Doch neben der Entfremdung, die von der Umsetzung der vernunftbegabten Person ins irrationale Kollektiv herrührt, lässt sich ein weiterer Aspekt ausmachen. Dabei handelt es sich um die künstliche Befriedigung realer Bedürfnisse oder, daraus folgend, die reale Befriedigung künstlicher Bedürfnisse (Werbung).

Ersteres antwortet dem, was wir weiter oben mit dem psychologischen Fundament von Propaganda beschrieben haben und wie sich diese aus der heutigen gesellschaftlichen Situation heraus entwickelt hat. Weil der Mensch beunruhigt, angespannt, frustriert ist, weil er nichts von der Welt versteht, in der er lebt und handelt, weil von ihm außergewöhnliche Anstrengungen und Opfer verlangt werden – deswegen entwickelt sich Propaganda. Sie stellt den Menschen also zufrieden. Doch sie befriedigt in falscher und illusorischer Weise. Sie erklärt ihm zwar seine Welt, diese Erklärung steckt aber voller Lügen und ist irrational. Entweder wiegt sie ihn in Sicherheit oder – wenngleich zur Unzeit – sie spornt ihn an. So lässt sie ihn wegen eines biologischen Krieges, den es niemals gegeben hat, vor Angst erzittern und an den Wunsch nach Frieden mit diesem oder jenem Land glauben, das keinerlei Absicht hegt, Frieden zu schließen. Sie liefert ihm Motive und Gründe für die Opfer, die von ihm verlangt werden, doch dabei handelt es sich nicht um echte Beweggründe. So spornt sie ihn 1914 dazu an, sein Leben für das Vaterland zu opfern und verschweigt nebenbei die ökonomischen Gründe des Krieges, für die sich der Mensch sicherlich nicht hergegeben hätte.

Propaganda stillt sein Bedürfnis nach Entspannung und Gewissheit, sie mildert zwar die Angespanntheit und kompensiert den Frust, dies jedoch mit rein künstlichen Mitteln: Wenn wir beispielsweise annehmen, der Arbeiter habe angesichts seiner materiellen Situation das Recht, sich frustriert, entfremdet und ausgebeutet zu fühlen, dann würden wir sagen, Propaganda (die eigentlich in der Lage ist, die Probleme der Arbeiter zu lösen, wie das Beispiel UdSSR zeigt) entfremde ihn noch mehr, sofern sie dazu führt, dass er sich dieser Frustration und Entfremdung nicht mehr bewusst wird, sofern sie ihn besänftigt und zufriedenstellt. Wenn wir dafürhalten, der Mensch, der unter unnormalen Bedingungen wie jene der Großstadt oder eines Krieges lebt, habe allen Grund dazu, sich angespannt zu fühlen, Angst zu verspüren und zu merken, für ein solches Leben nicht geeignet zu sein, dann würden wir sagen, dass Propaganda, die ihn an diese unnormalen Umstände anpasst und seine Konflikte auf irreale Weise löst (und zwar so, dass sie nichts an seinen Lebensbedingungen ändert), ein besonders schädliches Element von Entfremdung sei. Natürlich erscheint sie eher wie eine therapeutische Form. Doch ihre Therapie bestünde genau darin, gleichsam die Leber eines Alkoholikers in einer Weise zu versorgen (und zu heilen), dass sie ihn auch weiterhin mit Alkohol vergiften kann, ohne dass seine Leber darunter zu leiden hätte. Die künstliche und irrationale Antwort auf die psychischen Leiden der modernen Menschen entsprechen exakt folgendem Typ: Durch sie kann der Mensch fortfahren, je nach Umständen, in die er durch die Gesellschaft versetzt wird, auf unnormale Weise zu leben. Sie unterdrückt die Alarmsignale, die seine Ängste, Unzulänglichkeiten, Widerstände und Forderungen bilden.

„Väterchen“ ist immer mit von der Partie

Alles bisher Gesagte gilt auch, wenn Propaganda unsere innersten Triebkräfte und Neigungen befreit, zum Beispiel unsere erotische Neigung, unser Schuldgefühl, unseren Machtwillen. Doch bei derlei Befreiung geht es mitnichten darum, jenen Gefühlen eine wirkliche und echte Befriedigung zu verschaffen – genauso wenig, wie wenn sie unsere Forderungen, unsere aggressiven Haltungen rechtfertigt und dem Menschen erlaubt, sich trotz allem als gerecht und auf der richtigen Seite stehend zu empfinden. Es steht dem Menschen schlicht nicht zu, dass er selbst jenen Punkt wählt, an dem sich seine Aggressivität Bahn brechen soll. Auch kommt nicht infrage, dass er nach Belieben seine sexuellen Gelüste befriedigt. Die von Propaganda offerierten Befriedigungen und Befreiungen haben rein künstlichen Charakter. Ihr Zweck ist es, entweder eine „Dekompression“ dem Mechanismus gemäß herbeizuführen, den ich in La Technique ou l’enjeu du siècle untersucht habe, oder die Schockwirkung schrecklicher Kräfte zu nutzen, um ihn mitzureißen, ihn zu Handlungen zu bewegen, die ohne solche Hilfe wirkungslos wären. So aber lässt sich genau erkennen, wie das Individuum durch diesen Prozess seiner selbst beraubt wird.

Der moderne Mensch dürstet zutiefst nach Freundschaft, Vertrauen, Intimität. Er lebt in einer Welt, die sich durch Konkurrenz, Feindseligkeit, Anonymität auszeichnet. Er muss jemandem begegnen, dem er vollends vertrauen könnte, für den er absolute Freundschaft empfände, für den auch er jemand wäre. Nun, in seinem normalen, alltäglichen Leben lässt sich dies nicht so recht bewerkstelligen. Doch das Bild ist in dieser Hinsicht weitaus vielversprechender. Das Vertrauen in den Vorgesetzten, den Helden, den Star oder den Sprecher im Fernsehen ist umso vieles befriedigender. Die äußerst bemerkenswerte Studie von Jean Queval und Jean Thévenot zeigt, wie das Fernsehen Freundschaft, Intimität ganz neu erzeugt. Es befriedigt dieses Bedürfnis vollkommen. Doch was dieser Untersuchung fehlt, ist eine Aussage darüber, dass derlei Befriedigung reine Illusion ist: weil es keine wahre Freundschaft, keine intime Verbindung zwischen der Figur auf dem Bildschirm und demjenigen, der Freundschaft und Intimität empfindet, gibt. Wir haben es hier typischerweise mit trügerischen Befriedigungen eines echten Bedürfnisses zu tun. Was spontan, zufällig im Fernsehen geschieht, wird von Propaganda systematisch ausgenutzt. „Väterchen“ ist immer mit von der Partie.

Ein weiteres Beispiel: Chruschtschow hatte seit 1958 verkündet, der Kommunismus werde in der UdSSR bald vollständig verwirklicht sein und dass er nun, wie er erklärte, in Sicht sei. Zu diesem Thema gab es eine ganze Propagandakampagne, die vollkommen irrational war. Als Hauptargument fungierte die Aussage, der Kommunismus würde bald verwirklicht sein, da die UdSSR 1975 das Produktionsniveau der USA erreichen würden – was heißen sollte, dass diese kurz davorstanden, in die kommunistische Phase einzutreten! Halten wir nebenbei fest, dass 1958 das Datum auf 1975 festgelegt wurde, im April 1960 jedoch auf 1980. Diese Kampagne versuchte, das Bedürfnis der sowjetischen Massen zu stillen, ihr Vertrauen wiederzubeleben, ihre Forderungen zu beschwichtigen. Wir haben es hier mit einer rein theoretischen Antwort zu tun, gewiss, doch sie befriedigt, weil sie von den Massen geglaubt und infolge von Propagandamechanismen konkret, wahr gemacht wird.

Der Propagandist ist Herrscher über Erregung und Befriedigung

Es sollte aber auch der dazugehörige Aspekt betrachtet werden. Propaganda erzeugt künstliche Bedürfnisse. So wie Propaganda politische Probleme erschafft, die sich zwar niemals von allein stellen würden, deren Lösung von der öffentlichen Meinung gleichwohl gefordert werden wird, ebenso entfacht sie in uns ein Crescendo bestimmter Wünsche, bestimmter Vorurteile, bestimmter Bedürfnisse, wobei derlei Wünsche und Begierden keineswegs zwingend sind. Sie werden es kraft Propaganda, die dieselbe Rolle wie die Werbung spielt. Darüber hinaus kommt Propaganda, so verstanden, die Werbung zu Hilfe, die den individuellen Neigungen gewisse Einschläge und Gewohnheiten verpasst, wobei Propaganda dann die Wirkung der Werbung verlängert, den Anschluss sichert (nicht was den Inhalt, sondern was die psychischen Gewohnheiten anbelangt). Unter der Einwirkung von Werbung avancieren bestimmte Vorurteile (über Rasse, Glück) und Bedürfnisse (nach Gleichheit, Erfolg) zu verschlingenden, zerstörerischen Leidenschaften, die an nichts anderes mehr denken lassen, sich allen anderen Beschäftigungen und Tätigkeiten aufzwingen, nach Antworten, nach Stillung verlangen. Derlei oberflächliche Begierden werden letztlich zu dem, was uns zutiefst antreibt, sie bilden das Echteste und Innerlichste, das wir unser Eigen nennen. Derart wurde unter dem Einfluss verschiedenartiger Propaganda im 19. und 20. Jahrhundert der Wunsch nach Freiheit in einen abscheulichen Liberalismuskomplex verfälscht. Dasselbe gilt für den Sinn für Gerechtigkeit. In diesem durch Propaganda verursachten psychischen Durcheinander sorgt allein sie für Ordnung. Was bereits zutrifft auf die Massenkommunikationsmittel, die Bedürfnisse erzeugen (es hieß, das Fernsehen habe das Bedürfnis, einen Fernseher zu besitzen, und das Bedürfnis, ihn anzuschalten, geschaffen), stimmt umso mehr, wenn diese Instrumente in Propaganda zur Anwendung kommen.

Doch agiert Propaganda dergestalt als Schöpferin von Bedürfnissen, so macht sie auch ihre Befriedigung erforderlich. Wir haben gezeigt, wie sie Spannungen zwar abzumildern und aufzulösen vermag, durch Erregung von Bedürfnissen aber auch neue schafft. Allein, Letztere werden durch den Propagandisten, der das Gegenmittel in den Händen hält, gezielt hervorgerufen. Er ist Herrscher über Erregung und Befriedigung. Es scheint sogar, dass die von ihm erzeugte Spannung gerade dazu dient, das Individuum dazu zu bringen, das Heilmittel zu akzeptieren, eine bestimmte Maßnahme, die (in den Augen des Propagandisten) wünschenswert ist, zu verlangen, dem System, das exakt die Spannung abbauen wird, anzuhängen. Damit wird das Individuum in eine Welt künstlich geschaffener politischer Bedürfnisse eingeschrieben, die selbst dann noch ihren artifiziellen Charakter bewahren, wenn ihr Ausgangspunkt vollkommen real ist. Indem sie beispielsweise dem Proletariat ein Klassenbewusstsein verschafft, fügt sie dem Arbeiterelend eine zusätzliche Spannung hinzu. Desgleichen fügt sie durch Schaffung eines Gleichheitskomplexes eine weitere Spannung zu allen spontanen und natürlichen Forderungen der Unterlegenen hinzu.

Doch Propaganda bietet zugleich auch das Mittel zum Spannungsabbau. Sie eröffnet dem Individuum einen Ausgang (und wie wir sehen konnten, war dies einer der sichersten Wirkungstreffer von Propaganda). Nur erweist sich dies als nichts anderes denn tiefgreifende Entfremdung: Das Individuum ist nicht mehr es selbst, wenn es künstlich erzeugten Spannungen gehorcht (so wenig es beispielsweise biologisch es selbst ist, wenn es auf ein Beruhigungsmittel reagiert), wenn es insofern manipuliert wird, als es bestimmte individuelle Triebregungen unterdrückt, um jenen abstrakten Neigungen und Spannungsreduktionen den gesamten Platz zu überlassen, die ein wahres Heilmittel zu sein scheinen (und es auch sind!), wenngleich eines, das gegen eine Krankheit verabreicht wird, die erst hervorgerufen wurde, damit die Medizin zur Anwendung kommen kann.

Dem Individuum wird das Individuelle ausgetrieben

Und wie schon mehrmals angemerkt, gewinnen diese künstlichen Bedürfnisse infolge ihrer globalen Verbreitung und ihres Übertragungsmittels (die Massenmedien) zunehmend an Bedeutung. Sie drängen sich dem Individuum mit mehr Nachdruck, mit mehr Macht auf als die eigenen, individuellen Bedürfnisse; sie drängen darauf, die ganz eigenen Befriedigungen aufzuopfern. In der Politik wie auch in der Wirtschaft führt die Entwicklung künstlicher Bedürfnisse fortschreitend zur Beseitigung von natürlichen Bedürfnissen und Neigungen.

Also handelt es sich wirklich darum, dem Individuum das Individuelle auszutreiben, um es den abstrakten Mächten technologisierter Mechanismen auszusetzen.

Festgehalten sei ein weiteres Mal, dass auch auf dieser Ebene die Entfremdung umso größer ist, je mehr das Individuum davon überzeugt ist, selbst zu denken, zu fühlen und zu handeln. Der Psychologe William W. Biddle weist detailliert nach, dass sich das Propaganda unterworfene Individuum verhält, als hingen seine Reaktionen von eigenen Entscheidungen ab. Zwar gehorcht es Anweisungen, die es vor Angst erzittern lassen, und lebt sich aus, entspannt sich auf Befehl, doch hat dieser Gehorsam weder etwas Passives noch Automatisches an sich. Indem es der Suggestion nicht widersteht, entscheidet das Subjekt noch „selbst“, es hält sich für frei (und umso freier, je mehr Propaganda auf es ausgeübt wird!), verhält sich aktiv, wählt zum Beispiel, welche Handlung es ausführen wird. Im Grunde schlägt Propaganda ihm, um die von ihr erzeugte Spannung zu reduzieren, ein, zwei mögliche Handlungen vor, wobei sich die entsprechende Person dann als vollkommen selbstorganisiert, bewusst und individuell betrachtet, wenn sie ihre Entscheidung trifft. Natürlich wird dem Individuum hier nur wenig abverlangt! Es braucht nicht viel Energie, um eine Wahl zu treffen, denn in dieser folgt es seiner Gruppe, der Suggestion und den soziologischen Wirkkräften. Unter dem Einfluss von Propaganda entscheidet es sich zwar stets für den einfachsten Weg, geht es immer bergab (der Weg, den es wählt, ist auch dann noch leicht, wenn es sich dabei komplett aufopfert!), jedoch indem es vorgibt, bergauf zu gehen, indem es so tut, als vollbringe es eine heldenhafte Tat, eine individuelle Handlung, denn Propaganda hat in ihm ja gerade Feuer, Energie, Persönlichkeit, Sinn für Verantwortung entfacht, bloße Versprechungen, deren Wirklichkeit doch durch Propaganda überhaupt erst zerstört wurde. In dieser Doppelzüngigkeit besteht die zerstörerischste Macht von Propaganda – was uns wiederum dazu führt, ihre dissoziative Wirkung auf psychischer Ebene zu untersuchen.

Teil 1 des Auszugs finden Sie hier.

Jacques Ellul: „Propaganda. Wie die öffentliche Meinung entsteht und geformt wird“, 468 Seiten, aus dem Französischen von Christian Driesen, Westend Verlag 2021

 

Jacques Ellul (1912–1994) war promovierter Jurist, in der Résistance aktiv und rettete Juden vor der Deportation. 1944–1980 war er als Professor in Bordeaux tätig und bekannter Vertreter des christlichen Anarchismus. Heute gilt er als einer der wichtigsten französischen Philosophen des 20. Jahrhunderts.

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Ludwig Luhmann / 07.11.2021

@André Martin / 07.11.2021 “@Ludwig Luhmann. Weiterführende Gedanken sind nützlich, ganz gleich von wem sie stammen. Setzen Sie sich lieber mit deren Inhalt auseinander als bloß Ihre Meinung über den Urheber kundzutun. Letzteres sollten Sie besser den Haltungsmedien überlassen.”—-—- “Weiterführende Gedanken” kann man auch Kontextabhängig betrachten. Sie sollten sich mal ein paar Minuten mit den vielfältigen Perpektiven dieses Filosofen beschäftigen, dann erahnen Sie vielleicht, woher er kommt und wohin er geht, und was ich in der Ferne zu sehen meine. Überhaupt bin ich der Meinung, dass man anfangen sollte, eigene Worte und eigene Perspektiven für die Beschreibung unserer Zeit zu finden. Sapere aude!, Herr Martin, sapere aude.

André Martin / 07.11.2021

@Ludwig Luhmann. Weiterführende Gedanken sind nützlich, ganz gleich von wem sie stammen. Setzen Sie sich lieber mit deren Inhalt auseinander als bloß Ihre Meinung über den Urheber kundzutun. Letzteres sollten Sie besser den Haltungsmedien überlassen.

Werner Arning / 07.11.2021

Bei dem so modern gewordenen „Haltung zeigen“ geht es genau darum. Es wird suggeriert, diese Haltung habe etwas Mutiges, Entschlossenes, Verantwortliches an sich. In Wirklichkeit geht es um Folgsamkeit. Es geht um das Umsetzen einer fremden Meinung. Es geht um das Aufgeben eigener Urteilsfähigkeit. Es geht um ein Wohlfühlgefühl bei gleichzeitiger Selbstaufgabe. Der Betroffene fühlt sich als Teil einer auf der richtigen Seite stehenden Gemeinschaft. Gleichzeitig wird ihm bei seinem „Haltung zeigen“ eine Individualität und Originalität suggeriert, die jedoch nur in der persönlichen Vorstellung existiert. In Wirklichkeit unterwirft er sich einer Anordnung. Erreicht wird eine Spaltung der Gesellschaft in Propaganda-Gläubige und Ungläubige. Mittels Schlagworten wie etwa der „Gefahr von Rechts“ oder etwa einem angeblich überall präsenten Rassismus werden Realitäten erfunden, die es in dem Maße, wie sie von den Propagandisten beschrieben werden, gar nicht gibt. Es werden beim Bürger Gefühle wie Wut oder Angst erzeugt, die sich gegen das erwünschte Objekt richten, beispielsweise einen Kritiker der Regierungspolitik. Durch das Vorspiegeln von reell gar nicht vorhandenen Realitäten wird gleichzeitig von reell existierenden Realitäten, deren Erkennung seitens der Bürger für die Regierenden unangenehm sein könnten, abgelenkt. Der Bürger soll seinen Fokus auf künstliche Realitäten richten und die wahren Probleme, die ihn tatsächlich betreffen, nicht wahrnehmen. Sie dürfen nicht oder allenfalls beiläufig zum Thema gemacht werden. Auf diese Weise begleiten und schützen die Medien unter Umständen eine Politik, sie sich gegen die Bürger richtet und ihnen massiv schadet. Der Bürger wird sich jedoch aufgrund der erfolgreichen Propaganda des erlittenen Schadens nicht bewusst.

Peer Doerrer / 07.11.2021

Was mir nach fast 30 jähriger DDR -Propaganda aufgefallen ist , das sich ständige Propaganda je nach Intelligenzquotient verfestigt oder sich ins Gegenteil ( völlige Ablehnung ) verkehrt . Auch die Dauer der Propaganda Berieselung verpufft, je länger sie erfolgt . Eine ständige Propaganda führt zur Abstumpfung , in seltenen Fällen zu heftigen Aggressionen gegenüber den Propagandisten . ( Man fühlt sich regelrecht verarscht gegenüber der brutalen Realität ) Im Ostblock gab es auch zahlreiche bitterböse Witze der Bevölkerung im Kontext zur eingesetzten Propaganda . Bsp . : Kennen sie den Unterschied zwischen der sozialistischen Kaderpolitik und der Champignon-Zucht? Es gibt keinen, sobald sich ein helles Köpfchen zeigt, wird es sofort abgeschnitten .

Helge Grimme / 07.11.2021

Herzlichen Dank für die beiden Leseproben. Gleich nach der Lektüre des ersten Teils habe ich das Buch von Jaques Ellul bestellt, denn es macht die bizarre Gegenwart verständlicher. Bestellt habe ich es natürlich nicht bei dem datensaugenden amerikanischen Onlineriesen, sondern bei meiner lokalen Buchhandlung.

Ludwig Luhmann / 07.11.2021

Ist dieser Filosof und rot-schwarz-grüne Anarschisst im Kampf für seinen ziselierten Elfenbeinturm an der Seite eines Genossen im Bette entschlummert?

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