Wolfgang Röhl / 02.04.2014 / 11:14 / 6 / Seite ausdrucken

Prokon-Update: Carsten allein außer Haus

Was macht eigentlich Carsten Rodbertus? Der charismatische Barfußläufer, Energiewender, Bankenschreck und Gründer der „vorläufig“ insolventen Windkraftfirma Prokon hätte sich beinahe, so schien es nach einem freundlichen Bericht der „taz“ vom 25. März, doch noch an seinem berühmten grauen Langzopf aus dem Sumpf ziehen können. In welchen er sein mit 1,4 Milliarden Euro von insgesamt 74.000 Anlegern ausgestattetes Unternehmen geritten hatte. Er wollte die marode Firma von einer GmbH in eine Genossenschaft umwandeln, hieß es, um auf diese Weise auf der Brücke (und der Payroll) des Havaristen verbleiben zu können. Die Genossen von der taz beobachteten das Manöver gedämpft optimistisch.

Jetzt die ernüchternde Nachricht, diesmal von der FAZ: „Der vorläufige Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin hat ihn (Rodbertus, Red.) sowie als zweiten Geschäftsführer Rüdiger Gronau gefeuert und mit sofortiger Wirkung von der Arbeit freigestellt. ‚Die Tätigkeiten von Rodbertus und Gronau für die Genossenschaft sowie ihre jüngsten Äußerungen über Prokon haben keinen Raum mehr für eine konstruktive Zusammenarbeit gelassen’, sagte der Hamburger Rechtsanwalt am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.’“

Hütchenspiele mit der Gesellschaftsform sind in einem vorläufigen Insolvenzverfahren nämlich rechtlich ausgeschlossen. Rodbertus und sein Adlatus hätten die Firma nunmehr „dauerhaft verlassen“, meldete der vorläufige Insolvenzverwalter. Rodbertus rennt jetzt womöglich barfüßig durch den Wald und verflucht Banken und Schweinemedien, die ihm seine nachhaltigen Geschäfte zum Wohle von Mütterlein Erde vermasselt haben.

Echt angefressen ist inzwischen auch Rodbertus’ ehemalige Prätorianergarde, die im Verein „Freunde von Prokon“ (FvP) zusammengeschlossene Hardcore-Anlegerschaft. Es handelt sich dabei um eine Sekte innerhalb der Prokon-Genussscheininhaber, noch verbiesterter als die meisten anderen Geldgebernarren von Prokon. Lange Zeit passte nicht die Spitze eines Rotorblattes zwischen die FvP und ihren obersten Windbeutel Rodbertus. Noch am 14. März hatten die Prokon-Freunde auf ihrer Website „froh verkündet“, dass über eine weitere Zusammenarbeit mit dem geschäftlich längst erledigten Pleitier verhandelt werde.

Aber ach! Der kühne Visionär Rodbertus hatte, wie sich wohl zeigte, gar keine „echte Mitbestimmung“ der Prokon-Freunde im Sinn, nur sein eigenes Ding. Deshalb schwante es seinen ehemaligen Anhängern am 25. März: „Carsten Rodbertus hat eine Vision praktisch ausgenutzt, die in den Köpfen und Herzen von vielen Menschen schon lebt: Ein ökologisches, Großbanken freies und soziales Unternehmen. Wie ernst es ihm damit wirklich ist, wissen wir nicht.“

Eine späte Erkenntnis für die Schwarmgeister, die Rodbertus einst zum Bill Gates der Zappelstromversorgung hochgejazzt hatten. Mittlerweile ist in den Köpfen und Herzen der Prokon-Freunde zuvörderst dieser Gedanke quicklebendig: wenigstens einen kleinen Teil der Kohle retten, die sie ihrem Guru in einer Mischung aus Geldgier und grünem Weltrettungswahn anvertraut hatten. „Wir werden unsere eigenen Vorstellungen für den bestmöglichen Erhalt unserer Genussrechte entwickeln“, heißt es auf der Website der FvP. Der Messias aus Itzehoe hat bei ihnen nachhaltig verschissen.

Toller Stoff für eine Filmsatire, oder? Ideologische Verblendung, hochverzinstes Gutgetue und völlige Ignoranz gegenüber windigen Geldanlagemodellen treffen auf eine überaus farbige Figur, die souverän auf der Klaviatur gutmenschlicher Beknacktheit klimpert. Bis das Konzert mit einem lauten, misstönenden Akkord endet. Der begnadete, Rodbertus in mancherlei Hinsicht nicht unähnliche Anlegerverschaukler Jürgen Harksen hatte es seinerzeit sogar zum Protagonisten eines Fernsehzweiteilers mit Ulrich Turkur in der Hauptrolle geschafft.

Wetten aber, dass nicht eine einzige Filmproduktionsfirma Deutschlands an einem Drehbuch über den Fall Prokon Interesse hat? Weil, nicht mal der lausigste Privatsender würde sich mit den Gläubigen der Kirche zur hl. Energiewende anlegen wollen. Vom Staatsfernsehen ganz zu schweigen. Stattdessen immer gern genommen: irgendwas mit bedrohten Tieren und Hannes Jaenicke.
http://www.freunde-von-prokon.de/news/55/127/Warum-die-ploetzliche-Distanz-zwischen-den-Freunden-von-Prokon-und-Carsten-Rodbertus

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Leserpost

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Peter Bornholdt / 04.04.2014

Sehr geehrter Herr Monien, Sie bringen hier zwei Sachen durcheinander, die nicht einmal mittelbar etwas miteinander gemein haben: Das eine ist Ihr Kampf gegen Windmühlen. Der ist zwar naiv, dümmlich und zudem sehr rückständig, aber er ist ihr gutes Recht! Es sei Ihnen gesagt, dass die Grünen schon längst nicht mehr Vorreiter für die Windenergie sind, sondern durch den (angeblichen) Konflikt mit dem Artenschutz hier eher bremsen. Alle anderen Parteien haben mittlerweile kapiert, dass wir den folgenden Generationen keine strahlenden Müllberge und leere Ölspeicher hinterlassen dürfen. Das andere ist die Tatsache, dass es auch im Bereich der erneuerbaren Energien schlechte bis katastrophale Investments gibt. Da es in diesen Bereichen eben auch ein Vielzahl von Neugründungen gibt, gibt es demnach auch eine hohe Zahl von Ausfällen. Ich selbst bin an drei Bürgerwindparks in SH beteiligt (einer davon direkt vor meiner Haustüre) und kann eine solche Beteiligungsform nur begrüßen! Zudem sehen die Mühlen dann deutlich besser aus, und wenn man sie hört beruhigt das ungemein. Einzig eine stehenden Windkraftanlage macht dann noch ein bisschen nervös - und sieht auch noch schlecht aus! Ein Tip: Da Sie sich erst seit 8 Wochen an der IG beteiligen, ist es noch nicht zu spät! Informieren Sie sich neutral und sachlich, und Sie haben zumindest die Möglichkeit, ein grpßer Wind-Fan zu werden! In diesem Sinne, allzeit gut Wind! Peter Bornholdt

Klaus Metzger / 02.04.2014

Im neuen Focus sind die ganzen Öko-Pleitiers vorgestellt, Prokon, Windreich, Odersun und Co. Allein unter den 10 größten Kapitalvernichtern weltweit sind 5 Solarfirmen. Die Sonne schickt nicht nur eine gepfefferte Rechnung an die EEG geplagten Deutschen, sondern auch an Hunderttausende öko-beseelte Anleger. Prokon wird im Focus mit 480 Mitarbeitern genannt, davon allein bis zu 150 Festangestellte im Vertrieb, die sich damit beschäftigten immer neuen Öko-Gläubigen das vermeintlich „grüne Sparbuch“ aufzuschwatzen. Für mich hört sich das ganz nach der Drückerorganisation eines klassischen Schneeballsystems an. Dagegen sind die üblicherweise verlustreichen Bürger-Wind- und Solarparks die reinsten Waisenkinder.

Chris Deister / 02.04.2014

Herr Röhl, ohne Ihre Beiträge hätte ich die Achse längst aus meinen lesenswerten Blogs entfernt. Keep going!

Thomas Kirchner (@AlternativlosTK) / 02.04.2014

Die Sektenanalogie ist sehr passend. Wirtschaftliche Vernunft wird über Bord geworfen, weil man der Anti-Finanzideologie blind folgt. Wer schon unbedingt in Genussscheine investieren will fährt viel besser mit einem diversifizierten Portfolio von Unternehmen wie Roche, Bertelsmann, Dräger oder EDEKA, die auch wirklich Gewinn machen, in dessen Genuss man kommen kann. Wer unbedingt Windschnickschnack haben will muss KG Gesellschafter werden.

Manfred Haferburg / 02.04.2014

Die Energiewende immer erfolgreicher ausgestalten! Das Geschwurbel des FvP-Vorstandes spricht Bände: “Die Freunde von Prokon werden im Bemühen um den Erhalt ihrer Werte im Unternehmen zugleich anstreben, dass unsere Vision fortgeführt wird, aber auch um die notwendigen kooperativen Strukturen bereichert wird”. So, so, Mitbestimmung hätte also die Pleite verhindert? Meine Oma hat in solchen Fällen immer gesagt: “Dumm bleibt dumm, da helfen keine Pillen”. Und schon gar keine Fakten. Die 1,4 Milliarden sind ja nicht weg. Es hat sie nur jemand anderes als die treudoofen Anleger mit Visionen.

Matthias Monien (IG Roßdorf) / 02.04.2014

Trotz Prokon und zahlreichen anderen Windkraftpark Betreibern wird ja in unveränderter Schärfe und Härte gegen Windkraft GEGNER vorgegangen. Und auch wird weiterhin unter dem Deckmantel der ökologischen Erneuerung der Gesellschaft insbesondere die Bürgerbeteiligung an Windparks propagiert. Selbst Gemeinden und Kommunen dürfen sich in Hessen nun, obwohl hoch verschuldet, an solchen Projekten finanziell mehr beteiligen. Man nennt dies dann “rentierliche Schulden”. Man muß sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Da ist man knapp bei Kasse und darf Kassenkredite aufnehmen, die man in windige Geschäfte steckt, ohne auch nur den Hauch einer Garantie zu haben, am Ende sein Geld wieder zurückzubekommen. Das es sich meist bei diesen finanziellen Anlagen um echte Risiko Papiere handelt, wird völlig ignoriert. Ich habe mich seit knapp 8 Wochen in einer IG engagiert, um gegen den Windkraftwahn vorzugehen, der auch durch politisch völlig verblendete Partei Mitglieder insbesondere aus den Reihen der Grünen, weiterhin propagiert wird.

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