In Nigeria sind in den Jahren 2015 bis 2025 mindestens 212 katholische Priester entführt worden. Das hat das Päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) unter Bezug auf eine Auswertung der Katholischen Bischofskonferenz von Nigeria bekannt gegeben. Die Zahlen verdeutlichen das dramatische Ausmaß der Sicherheitskrise in dem westafrikanischen Land und die besondere Gefährdung katholischer Geistlicher. Weltweite Aufmerksamkeit richtete sich auf das Land, nachdem US-Präsident Donald Trump in einem Militärschlag gegen Islamisten in Nigeria vorgegangen war. Die Reaktionen darauf waren auch innerkirchlich unterschiedlich. Der Weihbischof von Maiduguri, John Bogna Bakeni, hatte den Angriff als notwendig bezeichnet. „Das ist längst überfällig“, sagte der Geistliche und verwies auf die anhaltende Unsicherheit im Land. Der Bischof von Sokoto, Bischof Matthew Hassan Kukah, hatte den Luftschlag und betont: „Gewalt kann Gewalt nicht besiegen.“
Die bereits Ende November vorgestellte Auswertung hatte Entführungen in 41 der insgesamt 59 katholischen Diözesen und Erzdiözesen Nigerias dokumentiert. Die Ergebnisse bestätigen die Erkenntnisse des im Oktober erschienen Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2025“ von „Kirche in Not“, der Nigeria als eines der gefährlichsten Länder für Geistliche und kirchliche Mitarbeiter einstufte. Wie die Untersuchung angibt, ereigneten sich viele Entführungen direkt in den Pfarrhäusern, auf dem Weg zur Feier der heiligen Messe oder bei Reisen in entlegene Pfarrgebiete. Von den 212 entführten Priestern wurden 183 später wieder freigelassen oder konnten entkommen. Zwölf Priester wurden dem Bericht zufolge ermordet, weitere drei starben später an den Folgen der Gefangenschaft. Zudem wurden laut Bericht mindestens sechs Geistliche mehrfach entführt.
Hohe Dunkelziffer
Das päpstliche Hilfswerk ACN geht von einer hohen Dunkelziffer aus, da 18 nigerianische Diözesen bislang keine vollständigen Daten vorgelegt haben. Darüber hinaus registrierte das Hilfswerk in den vergangenen Jahren weitere Entführungsfälle in mindestens fünf Diözesen, die in der Studie nicht erfasst worden sind. Entführungen von Ordensleuten sind in den vorliegenden Zahlen ebenfalls nicht enthalten.
Die Entführungen halten nach wie vor an. Es ist zu befürchten, dass die Zahl der verschleppten Geistlichen in den vergangenen Wochen nochmals gestiegen ist. Die Gewaltwelle in Nigeria hat zudem gravierende Auswirkungen auf die katholischen Gemeinden. Allein in der Diözese Minna im Bundesstaat Niger wurden aufgrund von Terror und anhaltender Unsicherheit mehr als 90 Kirchen geschlossen. Das berichten Projektpartner von ACN. Terror und Bandengewalt in Nigeria betreffen auch die muslimische Bevölkerung. Auch Papst Leo XIV. hatte bereits im November betont, dass Christen und Muslime gleichermaßen betroffen seien.
Entführungen haben sich in Nigeria zu einem Geschäftsmodell für kriminelle Banden entwickelt. Christliche Geistliche gelten als besonders verwundbare Ziele, da sie aufgrund ihrer Kleidung leicht erkennbar sind. Sie bewegen sich ungeschützt und ihre Gemeinden unternehmen zumeist große Anstrengungen, um das Lösegeld aufzubringen. Die Regierung in Nigeria hat angekündigt die Sicherheitsmaßnahmen vor kirchlichen Einrichtungen zu verstärken.