Michael Miersch (Archiv) / 08.01.2015 / 11:42 / 7 / Seite ausdrucken

Pressefreiheit 2005 und 2015

Bei den Hass-Attacken 2005 auf dänische Karikaturisten, traute sich nur eine deutsche Zeitung, die Mohammed-Karikaturen aus dem Jylands-Posten nachzudrucken: Die Welt.

2015 verteidigen schon ein paar mehr das Recht, sich über Religion lustig zu machen. Am mutigsten ist heute die Hamburger Morgenpost, die drei Charly-Hebdo-Titel zeigt, die für muslimische Hasskappen besonders provozierend wirken. Titelzeile: „So viel Freiheit muss sein!“.

Auch der Berliner Kurier macht mit einem frechen Hebdo-Cartoon auf. Tagesspiegel und Berliner Zeitung wagen es immerhin riskante Cartoons auf den Titel zu nehmen, rahmen sie aber politisch korrekt ein mit Hebdo-Zeichnungen, die sich über Christen und Juden lustig machen. FAZ und taz zogen es vor, den heißen Stoff nicht auf dem Titel aber immerhin im Blatt zu zeigen. Die SZ verneigt sich erwartungsgemäß vor dem Bilderverbot der Fanatiker. Und BILD zeigt innen unverfängliche Hebdo-Bilder ohne Islam-Bezug. Die Welt, die 2005 die mutigste deutsche Zeitung war, zieht es diesmal vor, keinen Hebdo-Cartoon zu zeigen.

Über den Umgang mit Witzzeichnungen über den Islam im Ausland schreibt perlentaucher.de: „Viele Medien zeigen die drastischeren Karikaturen von Charlie Hebdo lieber nicht, hat Buzzfeed herausgefunden. In den USA zeigen New York Times, New York Daily News, AP und alle großen amerikanischen Kabelsender wie CNN, NBC und ABC News keine Mohammed-Cartoons. In Britannien hat der Telegraph gar eine der Mohammed-Abbildungen von Charlie Hebdo verpixelt. Im Perlentaucher haben wir gestern einige religionskritische Zeichnungen zusammengetragen.“

Perlentaucher:
http://www.perlentaucher.de/9punkt/2015-01-08.html

Buzzfeed:
http://www.buzzfeed.com/rosiegray/some-outlets-are-censoring-charlie-hebdos-satirical-cartoons?utm_term=.xl1Nx665n#.as0wJo3JYG

Charly-Hebdo-Cartoons:
http://www.perlentaucher.de/appell/trauer-um-charlie-hebdo.html

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caroline Neufert / 09.01.2015

Sie haben aber ein verqueres Verständnis von Mut. Mut war 2005, nicht, wenn die Masse auf der Straße steht und ruft “Je suis Charlie” und ein paar Zeitungen nun Karrikaturen abdrucken. Dass das nichts mit Mut zu tun hat, schreiben Sie indirekt ja permanent hier auf diesen Seiten. Die Zeitungen würden vor dem Islam kuschen, nun aber machen sie sich in 2015 über Religion lustig ;-). Nicht die nächste Auflage nur in Millionen drucken. Nicht den “Charlie”-Stick tragen, Millionen Franzosen müssten Jahresabos kaufen, das wäre solidarisch. Wie bei einem Strohfeuer liegt Charlie Hebdo in paar Wochenwieder in der hintersten Ecke. Amerika hat ein anderes Verständnis zu Religion egal welcher, deshalb werden Sie wenig dort finden, müssten Sie als Journalist eigentlich wissen. Btw besonders mutig aus Ihrer Sicht ist Achgut auch nicht, außer dem nicht sehr provokanten Cartoon noch das dümmliche ” Je suis Charlie” zu zeigen. Was soll das heißen ? Es gab mal in D die Kampagne “Gesicht zeigen”- auch sehr geistreich.

Franziska Stalmann / 08.01.2015

Die SZ bringt lieber mal antisemitische Cartoons, das passt besser in die dortige Meinungslandschaft und ist außerdem sicher, denn Israel schickt bestimmt keine Kalaschnikow-Killer. Den mutigen Zeitungen bin ich von Herzen dankbar, besonders dem Berliner Kurier und der Hamburger Morgenpost, auch für die wunderbare Titelzeile. Da kommt Hoffnung auf und Erleichterung. Es geht ja, auch in Deutschland. Danke!

Ronald Schwanson / 08.01.2015

@MichaelLorenz Sie treffen den Nagel leider genau auf den Kopf. @MichaelMiersch Könnten Sie, lieber Herr Miersch, nicht wenigstens im Focus erreichen, dass mehr islamitische Karikaturen von CharlieHebdo dort abgedruckt werden?

Ralf Hart / 08.01.2015

Sehr geehrter Herr Miersch, leider ist “Die Welt” auch nicht mehr das, was sie vielleicht mal war. Da geriert sich die Redaktion als mutiger Verteidiger der Meinungsfreiheit, aber Foren werden ratzfatz geschlossen oder, wie es mir mehrfach passiert ist, Kommentare als “removed” blockiert!! Reizbegriffe wie PEGIDA, Lumpenjournaille, oder auch “tollwütige Mohammedaner” (bezogen auf das Mordduo in Paris) reichen offenbar aus, um das Fallbeil der Zensur niedersausen zu lassen. Diesen Test hat “Die Welt” nicht bestanden. Deswegen gibt es PEGIDA und AfD!! Zur Rettung der Meinungsfreiheit. Nur “Die Achse des Guten” gibt mir noch ernsthafte Hoffnung!! Mit freundlichen Grüßen R. Hart

Michael Lorenz / 08.01.2015

Und nun versetze man sich doch einmal in die Lage der analysierenden Hintermänner der Attentäter. Was für ein Fazit ist zu ziehen? Steht sogar schon oben, braucht nur abgelesen zu werden: “Viele Medien zeigen die drastischeren Karikaturen von Charlie Hebdo lieber nicht”. Was bedeutet: erst die HEUTIGEN Reaktionen machen den gestrigen Anschlag zu einem Erfolg! Ist uns wirklich klar, was wir da gerade tun?

Bianca Darius / 08.01.2015

Indem die überwältigende Mehrheit der deutschen Medien die Karikaturen nicht zeigte, um “die” Muslime nicht weiter zu “provozieren” - - - genau damit hat die Mehrheit der deutschen Journalisten die Mutigen exponiert. Indem die überwältigende Mehrheit der deutschen Journalisten damals geschlossen einen Schritt zurück trat und damit vor dem Fanatismus feige zurück wich: Genau dadurch wurden die wenigen Mutigen denunziert und buchstäblich zum Abschuss frei gegeben.  

Rupert Reiger / 08.01.2015

Der Krieg ist: Mohamed gegen Voltaire Kant Locke Rousseau Lichtenberg Wieland Moritz Lessing Montesquieu Hume u.v.a. Die SZ hat sich schon für eine Seite entschieden.

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