Thilo Schneider / 20.02.2018 / 17:55 / 12 / Seite ausdrucken

Porentiefe Netzhygiene! Ein Dank an Unilever!

Sehr geehrte Damen und Herren von Unilever,

sehr geehrte Knorr, Becel, Dove, Rexona, Signal, Domestos, Omo...,

mit Freude und Genugtuung habe ich von Ihrer Aussage gelesen, nicht mehr auf Plattformen werben zu wollen, die „im Hinblick auf ihre Transparenz zeitweise kaum besser als ein Sumpf sind“, und die „zur gesellschaftlichen Spaltung beitragen und den Jugendschutz vernachlässigen“. 

Wenn die entsprechenden Plattformen wie Google und Facebook schon nicht die unserer beider Ansicht nach intransparenten Inhalte und überkritischen Artikel und Meinungsäußerungen meiner Mitmenschen und Ihrer Kunden anständig überwachen, dann sollten sie auch auf Werbeeinnahmen verzichten. So und nur so, wenn wir Meinungsfreiheit nicht als das Recht auf blöde andere Meinungen interpretieren, erhalten wir eine ungespaltene Gesellschaft, die die Politik der Regierung komplett prima findet und zufrieden Unilever-Produkte kauft.

Ich habe mir das auch schon überlegt: Alleine in Deutschland gibt es so um die 80 Millionen Einwohner, die alle unterschiedliche Meinungen haben und nicht durch die Verbraucherbank Unilever-Produkte nutzen. Das ist natürlich ein Sumpf und ein heilloses Durcheinander. Wie soll man denn da vernünftig Politik und Marketing machen? Wenn dauernd jemand mit einer anderen Befindlichkeit um die Ecke kommt?

Nein, Ihr Schritt ist ein richtiger Schritt und ein guter Schritt. Man kriegt sie alle nur am Portemonnaie zu packen. Natürlich wird es auch jetzt wieder Querulanten geben, die sich fragen, ob das neu sei, dass jetzt Duschgel- und Limonadenhersteller bestimmen, wo die Meinungsfreiheit endet und der Sumpf beginnt, aber unter uns: Das sind wahrscheinlich von Danone und Nestlé bezahlte Trolle und Quertreiber, und je schneller Sie jetzt handeln, desto geringer wird deren Einfluss auf die Käuf… die Mitglieder der ungespaltenen Gesellschaft.

Magnum und Langnese als Keimzelle der Demokratie

Sie haben auch Recht mit der Aussage, dass fragwürdige Inhalte dem „sozialen Vertrauen, den Nutzern und der Demokratie“ schaden. Sie müssen jetzt nur hart bleiben, denn viele Menschen glauben, dass politische Ideen einem ebensolchen Wettbewerb wie unter den Produkten unterschiedlicher Hersteller ausgesetzt sein sollten. Das ist natürlich Unsinn.

Es genügt doch, den „Kindern“ verschiedene Namen wie „Magnum“ und „Langnese“ zu geben, und schon hat der Verbraucher die Auswahl zwischen zwei Speiseeisanbietern. Und egal, für welche Marke er sich entscheidet: Am Ende landet das Geld bei Ihnen. So funktioniert echte, nicht zur Spaltung der Gesellschaft beitragende Marktwirtschaft.

Ach, ich höre die konkurrierenden Wühlmäuse schon wieder alle klagen, das sei doch Augenwischerei. Nein, das ist gelebte Demokratie. Wie es sie schon in der gesellschaftlich ungespaltenen DDR gab. Da konnte jedermann auch die CDU, die LDPD, die NDPD oder die DBD wählen, und am Ende landeten alle Stimmen bei einer gütigen Staatsführung der Nationalen Front, die stets das Beste für ihre Bürger wollte. Langnese oder Magnum, LDPD oder NDPD, die Auswahl ist da und das Ergebnis bleibt bilanziell gleich. Da lässt sich doch viel konkreter arbeiten.

Sehr geehrte Damen und Herren, meine ungeteilte Unterstützung für Ihre Produkte und Ihren selbstgegebenen Auftrag zur Erhaltung und Wahrung der Demokratie haben Sie! Bitte teilen Sie mir freundlicherweise mit, wem ich meine künftigen unkritischen Artikel zur Genehmigung zu übersenden habe.

Mit sozialist… demokratischen Grüßen und Freundschaft!

Foto: Fabian Nicolay

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Karin Adler / 20.02.2018

Klasse!

Karla Kuhn / 20.02.2018

“.....nicht mehr auf Plattformen werben zu wollen,..”  Na prima, ich vermisse Werbung überhaupt nicht. Viele Werbung finde ich total geistlos und darum habe ich sie entfernt. Außerdem habe ich mich in meinem ganzen Leben noch nie von Werbung beeinflußen lassen. Ich bilde mir meine Meinung selber. Unilever Produkte kaufe ich auch nicht, schon gar nicht Margarine oder Kloreiniger, ich nehme Essig. Übrigens auch als Weichspüler. Von mir aus brauchte es keine Werbung zu geben. Die Produkte wären preiswerter und die Menschen würden sich wieder eine eigene Meinung bilden. Übrigens, was Eis betrifft: Man sollte es selber herstellen. Geht schnell, schmeckt super und man weiß genau was man ißt. Werbung ist nicht das Nonplusultra, es gibt -für mich- eine wesentlich sinnvollere Beschäftigung, nämlich kritische Leserbriefe schreiben, kritische Blogs lesen und sich mit guten Freunden darüber austauschen, etc.pp.

beat schaller / 20.02.2018

Danke Herr Schneider für Ihren Hinweis. Von solchen Machenschaften kann man sich befreien, indem man einfach nichts mehr von Unilever kauft! So einfach ist das.  Bis jetzt lasse ich mir auf jeden Fall nicht vorschreiben was ich zu denken habe, ob und wo ich meine Meinung sagen darf und schon gar nicht von jemandem, bei dem ich öfter mal eingekauft habe.  So weit kommt es noch, dass mir der Lieferant auch noch, nebst all den politischen Besserwissern sagen kann, wo ich mich äussere. Je grösser die Firma ist, desto monopolistischer darf der Auftritt sein? Ich hoffe, dass solche Firmen die solch vermessene Töne in die Welt hinaus posaunen, schnell mal die gigantischen (“gutmenschlichen und Menschen beeinflussenden) Werbeausgaben in Milliardenhöhe zum stopfen ihrer Verlust-Löcher brauchen werden. Anmassung, reinste Anmassung und unterste Schublade. Wahrscheinlich schlägt demnächst ein weiterer “Gutmensch” vor, dass, wenn jemand am morgen in den Spiegel schaut und sich sooo wahnsinnig schuldig fühlt weil er ein” Mensch” ist und er deswegen Mühe hat den Tag anzugehen, er sich direkt mit sauberen Kleidern und gewaschen zum Krematorium begeben kann und dort in der Schlange stehen, bis er an der Reihe ist. Nur so können wir doch dem grossen Leiden ein befreiendes Ende setzen. Ja, es ist wirklich so, dass wir Menschen ,vor allem die “rechten”, (die dank der Verschiebung der Mitte nach links heute überhaupt rechts stehen) auf dieser Welt nichts mehr zu lachen haben. Was kommt wohl als nächstes? Liebe Politiker, liebe Lieferanten, liebe Gutmenschen, ich freue mich trotzdem auf jeden Tag und ich weis, dass es mit jedem Tag offensichtlicher wird und dass es jeden Tag mehr Menschen gibt, die nicht mehr bereit sind sich schlecht machen zu lassen. Die Entscheidung liegt bei jedem einzelnen.  Wir haben die Möglichkeit der Wahl! Nicht nur der Bundestagswahl, auch der Lieferantenwahl und vielem mehr.  b.schaller

Constanze Rüttger / 20.02.2018

Kommt mir das nur so vor oder dreht mittlerweile die ganze Welt am Rad? Vielen Dank, Herr Schneider, für diesen erfreulichen offenen Brief in immer gruseligerigen Zeiten. Menschheit, mir graut vor Dir.

Bettina Federlein / 20.02.2018

Ach, soweit sind wir schon? Oder schon wieder? Aus der Affäre um Scholz und Friends nichts gelernt? Verstehen kann man das schon, rein wirtschaftlich gesehen. Unilever freut sich über Millionen neuer Verbraucher. Dann versteht es sich von selbst, keine Kritik an der Politik zu dulden. Wo kommen wir denn hin, wenn die Verbraucher/Steuerzahler als Bürger auch noch eine eigene Meinung haben dürfen? Da stehen Moneten und Machterhalt „Seit an Seit“. Ich stimme dann mit den Füßen und dem Einkaufskorb ab.

Stefan Lanz / 20.02.2018

Bei einem Konzern, der zB. auf sein Ben & Jerry’s Eis “Refugees Welcome” drucken lässt, wundert mich gar nichts mehr… Aus diesem Grund kaufe ich schon seit langem keine Unilever Produkte mehr. Das war übrigens meine eigene, ganz und gar undemokratische Entscheidung. Quasi Seelenhygiene ohne irgendein Produkt aus dem Hause Unilever - weil ich mir es verdient hab :-)

G. Fimiani / 20.02.2018

Ich habe mich köstlich amüsiert, Herr Schneider, haben Sie Dank. Satire, eine gute und schmackhafte Medizin.

Barbara Beata Nowak / 20.02.2018

Ach, wenn das der Erich noch erlebt hätte, er wäre so stolz auf sein Mädchen…

Axel Kracke / 20.02.2018

Hoffentlich fertigt das Kombinat VEB Unilever demnächst auch passende Winkelemente für die neue deutsche Spezial-Demokratie zum Anfassen und Mitmachen! “Seid bereit!” “Immer bereit!”

Anika Mielchen / 20.02.2018

Die gesellschaftliche Spaltung ist der Politik anzulasten und nicht den Menschen, die es wagen sich online zu informieren und auszutauschen. Auf jeden Fall wird meine Liste der Unternehmen, die ich boykottiere, immer länger.

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