Während die frisch gestrichenen Fassaden der Metropole glänzen, lebt das Regime wie gewohnt von Pomp auf Pump. Doch die eigentliche Bankrotterklärung liefert der Westen: Aus purer, neurotischer Angst vor dem unberechenbaren Despoten am Bosporus finanzieren die Alliierten ihm am Ende wahrscheinlich sogar die nächste Amtszeit.
Man ertappt sich in diesen Tagen immer öfter bei der Frage, wer eigentlich die wahren Regisseure im Hintergrund dieses vermeintlichen „Genies“ sind. Dass Erdoğan imstande sein soll, tiefgründige geopolitische Strategien im Alleingang auszuhecken, darf man getrost ins Reich der politischen Mythenbildung verweisen. Ohne seinen treuen Teleprompter bringt der Staatschef schließlich kaum noch einen Satz fehlerfrei über die Lippen. Er ist sichtlich gealtert, träge und wirkt wie das Relikt einer vergangenen Epoche.
Während hiesige Beobachter ehrfürchtig über seine taktische Brillanz raunen, ist das Drehbuch in Wahrheit von schlichter Natur: Washington zieht das Schicksal des Nahen Ostens an den Fäden, und mittendrin agiert Erdoğans bester „Schmusefreund“ Donald Trump. Das Muster ist so alt wie durchschubar: Erst lobt der US-Präsident den Sultan in den höchsten Tönen, nur um ihm im passenden Moment den politischen Mittelfinger zu zeigen – man erinnere sich nur daran, wie Trump ihn einst augenzwinkernd zum wahren Großmeister des Wahlbetrugs kürte.
Nun also das Gipfeltreffen in Ankara. Das Unterwurfungstheater stand schon vor dem ersten Handschlag fest: Trump wird mit militärischen Ehren und einer berittenen Eskorte zum Palast kutschiert, nur um prompt in die Mikrofone zu posaunen, er komme „ausschließlich wegen Erdoğan“. Ein billiger, rein symbolischer Sieg für die heimische Galerie. Der US-Präsident wird anschließend pflichtbewusst die renovierten Straßen und den glänzenden Flughafen loben. Kein Wunder, das Kulissendorf wurde ja auch extra für den hohen Besuch herausgeputzt. Schließlich muss auch Erdoğans eigener, von Katar geschenkter 500-Millionen-Dollar-Jumbo-Jet standesgemäß im Scheinwerferlicht funkeln.
Der Meister von Ankara dreht völlig durch. Mit Pomp auf Pump – dem bewährten Lebenselixier der maroden türkischen Wirtschaft – soll den Bürgern vorgegaukelt werden: „Schaut her, wir sind wieder wer!“ Als ob es im Weltgeschehen um Gebäudekosmetik und die Protz-Größe eines Palastes ginge. Die schiere Masse an Statisten in osmanischen Uniformen ließ zeitweise vermuten, der NATO-Gipfel fände nicht in der Moderne, sondern im tiefsten 16. Jahrhundert statt.
Merz auf Betteltour inmitten osmanischer Folklore
Mittendrin im orientalischen Kulissenzauber stolpert derweil die deutsche Außenpolitik herum. Friedrich Merz hat die Reise nach Ankara angetreten, um seinerseits die Rolle des ewigen Bittstellers zu perfektionieren. Während Trump Deals einfädelt und Erdoğan im Prunk schwelgt, wird der deutsche Kanzler wieder einmal um frische Gelder für die Ukraine betteln. Es ist das immer gleiche, traurige Schauspiel: Berlin reist mit vollen Kassen, aber ohne jeden geopolitischen Kompass an.
Merz wird pflichtschuldig seine moralischen Appelle vortragen und versuchen, das Bündnis auf weitere Milliardenhilfen einzuschwören, während die echten Machtpolitiker am Tisch ihn wahrscheinlich keines Blickes würdigen. Für Erdoğan ist das deutsche Scheckbuch ohnehin nur ein willkommener Finanzierungsquell für seine eigenen Zwecke; das Schicksal Kiews ist ihm herzlich egal, solange der Rubel – oder besser gesagt der Euro – rollt.
Doch hinter dieser folkloristischen Fassade, der deutschen Betteltour und der offensichtlichen Marionetten-Show steckt knallharte, zynische Realpolitik. Durch den verheerenden Iran-Krieg sind Zeitpunkt und Austragungsort des Gipfels für Ankara ein echter Jackpot. Die geopolitische Lage begünstigt den Autokraten so stark, dass er am Ende als lachender Sieger vom Platz gehen könnte.
Washingtons Ruf im Nahen Osten und in Europa liegt ohnehin im Keller. Trump hat kaum noch verlässliche Verbündete und braucht die Türkei verzweifelt als strategischen Anker für seine Vision der Region. Dazu kommt der europäische Kuschel-Faktor: Europa lechzt nach türkischer Munition, Drohnen und der Kontrolle über die Meerengen an Russlands Südflanke. Selbst die offenen Kommunikationskanäle Ankaras nach Moskau und Teheran machen das ewige NATO-Sorgenkind unverzichtbarer denn je – wichtiger noch als zu Hochzeiten des Kalten Krieges.
Die F-35-Illusion
Erdoğan tritt folglich mit einer unverschämten Einkaufsliste an den prunkvollen Tisch. Auf dem Wunschzettel stehen:
- Wirtschaftshilfe: US-Währungs-Swap-Linien als Rettungsring gegen den drohenden Staatsbankrott.
- Militär-Deals: Die prompte Rückkehr in die US-Verteidigungslieferketten und F110-Triebwerke für den eigenen KAAN-Kampfjet.
- EU-Milliarden: Frecher Zugriff auf den neuen EU-Verteidigungstopf im Wert von 150 Milliarden Euro.
Und natürlich träumt man insgeheim von der Lieferung der heißbegehrten F-35-Kampfjets. Doch hier hat Trump bereits präventiv die Notbremse gezogen: Das müsse das Parlament entscheiden. Auf gut Deutsch: Vergesst es. Solange die USA an der Seite Israels stehen, wird die Türkei diese Jets niemals aus der Nähe sehen. Erst recht nicht, weil Erdoğan daheim mit schriller anti-israelischer Rhetorik und unverhohlener Hamas-Unterstützung auf Stimmenfang bei den Hypernationalisten geht.
Sollte der gealterte Herrscher bei diesem Gipfel also taktische Rückschläge hinnehmen müssen, um sein wirtschaftliches Überleben zu sichern – etwa durch ein feiges Stillhalten im Gasstreit mit Griechenland –, ist das für ihn kein Problem. Er weiß genau, wie er das dem heimischen Stimmvieh verkauft. Vor seinen treuen Anhängern wird er wie gewohnt gegen die „Treulosigkeit des Westens“ wettern und im selben Atemzug die ewige, unbesiegbare Stärke der Türkei besingen. Das Kollektiv schluckt es blind, denn der Staatschef hat zusammen mit seinen medialen Einpeitschern ein herrlich absurdes Opfersystem etabliert: das angebliche „Große Spiel“ – auf Türkisch "Büyük Oyun".
Es ist die Allzweckwaffe seiner Demagogie. Die Story ist simpel: Eine namenlose, finstere Kabale ausländischer Mächte – von Erdoğan auch gern als "üst akıl" (der „übergeordnete Verstand“ oder die „verborgene Hand“) bezeichnet – zieht im Hintergrund die Strippen, um die Türkei zu schwächen. Diese Erzählung reicht wahlweise zurück bis zu den Kreuzzügen und bedient verlässlich tief sitzende, oft antisemitische Ressentiments. Sie ist bewusst so schwammig formuliert, dass man jeden beliebigen Feind hineindichten kann.
Die Wirtschaftskrise? Ein Teil des Büyük Oyun. Die Gezi-Proteste oder der Putschversuch von 2016? Gesteuert von der verborgenen Hand. Und die Oppositionellen, die letzten freien Journalisten und kritische Studenten? Alles nur willige Marionetten des großen Spiels. Erdoğan ist ein Meister darin, Sündenböcke zu kreieren. Wenn ihn seine NATO- oder EU-Partner beim Gipfel also abblitzen lassen, ist das in seiner Logik kein diplomatisches Versagen, sondern einfach die nächste Runde in diesem fiktiven Verschwörungs-Krimi – perfekter Treibstoff für die heimische Propaganda.
Das Exit-Dilemma: Retten vorgezogene Wahlen den Thron?
Egal, ob man dieses Regime nun euphemistisch als „illiberale Demokratie“, als „Wahlautoritarismus“ oder schlicht als das bezeichnet, was es ist – eine sanfte Diktatur: Die Uhr tickt unerbittlich. Eigentlich läuft Erdoğans Präsidentschaftsfrist im Jahr 2028 endgültig ab. Laut der Verfassung, die er sich einst selbst auf den Leib geschustert hat, darf niemand länger als zwei Amtszeiten regieren. Doch es gibt ein verfassungsrechtliches Hintertürchen: Wird das Parlament vorzeitig aufgelöst, darf der Sultan noch einmal antreten.
Hier liegt sein klassisches „Exit-Dilemma“: Er kann es sich schlicht nicht leisten, abgewählt zu werden oder friedlich abzutreten. Dafür liegen mittlerweile zu viele Leichen im Keller. Die Vorbereitungen auf diesen pompösen Ankara-Gipfel dienten deshalb praktischerweise schon als Vorwand, um eine neue Verhaftungswelle gegen die Opposition loszutreten. Kritiker wie der Philanthrop Osman Kavala verrotten weiterhin im Knast, während die NATO hilflos zuschaut. Das westliche Wertebündnis ist strukturell überhaupt nicht darauf vorbereitet, mit autokratischen Erpressern umzugehen. Jedes diplomatische Friedensangebot des Westens wird von Erdoğan sofort in innenpolitischen Propandatreibstoff umgewandelt.
Was passiert also, wenn der Sultan in Ankara nicht bekommt, was er zur innenpolitischen Rettung braucht? Dann wird es gefährlich. Seine Drohkulisse reicht von inszenierten inneren Unruhen über militärische Abenteuer im Mittelmeer bis hin zur völligen Kuschelei mit Russland, China und dem Iran.
Aus purer Angst vor diesen Szenarien wird die NATO wie gewohnt kuschen. Und so wird das schmutzige Ende dieses Gipfels aussehen: Man wird einen windigen bürokratischen Umweg finden, um die Türkei an den 150-Milliarden-Euro-Verteidigungstöpfen der EU zu beteiligen – elegant vorbei am Veto der Griechen. Trump wird sein angekündigtes „großes Geschenkpaket“ schnüren (natürlich ohne F-35), und während Deutschland unter Merz artig die Zeche zahlt, werden frische Milliarden zur Stabilisierung der türkischen Wirtschaft fließen. Der Westen blecht, der Sultan bleibt – das Spiel geht in die nächste Runde.

„Washingtons Ruf im Nahen Osten und in Europa liegt ohnehin im Keller. Trump hat kaum noch verlässliche Verbündete und braucht die Türkei verzweifelt als strategischen Anker für seine Vision der Region.“ Welch ein Blödsinn, der braucht die Türkei ungefähr so nötig, wie einen Kebap zum Superbowl. Trump hat mit Israel und den Golfstaaten wesentlich potentere Partner, als der Pausenclown vom Bosporus und seine Dönerlieferanten aus Berlin. Trump wird den Laden da unten neu ordnen, und diejenigen, welche pleite und mit langem Gesicht am Ende blöde aus der Wäsche schauen, sind hinlänglich bekannt.
Bei Erdogan ist es die selbe Nummer wie mit Putin: Macht euch viel mehr Sorgen darum, wer danach kommt. Das wird nämlich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit für westliche (ziviligesellschaftliche) Interessen viel schlimmer sein. Ich erinnere an Saddam Hussein: Im Irak installiert um den Iran in Schach zu halten, hat er nachher nicht mehr das getan, was die Amis und ihre Connection rund um den Petro Dollar erwarteten und wollte das Öl nicht mehr in Dollar handeln. Und deswegen wurde er abgesägt. Und was darauf folgte, war der unsägliche völkermordende IS. In Syrien genau das selbe. Unter Assad war das noch üblich, dass Frauen geschminkt und ohne Kopftuch durch die Gegend liefen. Heute regiert Al Scharaa… Wie das da langfristig weiter geht ist klar. Wer bei Verstand will diese Nummer auch in der Türkei haben? Keiner. Insbesondere wir Deutschen nicht, denn wir haben die größte türkische Diaspora jenseits des türkischen Mutterlandes im Land. Insofern ist das schon nicht ganz verkehrt, in dieser Situation eher mit als gegen Erdogan zu handeln. Wenn die Amis an die Türkei keine F35 liefern, ist das kein Verlust. ;-) Wo wir hier aber die Grenze ziehen müssen, ist das Getöse der Türkei gegen Israel. Aber wir sitzen auch auf einem anderen Kontinent mit anderen Regeln. Die Türkei sitzt halb in Europa, halb im Nahen Osten. Und dort sind kurzzeitge Zweckbündnisse und umgekehrte Feindbilder nicht die Ausnahme sondern die Regel. Da muss man zunächst irgendwie durch, damit die Türkei nicht kippt. Und wenn da irgendwann der Machtwechsel folgt, dann hoffentlich wieder in die alte Atatürk Richtung mit einem laizistischen Militär als Kontrolle. Damit sind die Türken lange sehr gut gefahren. In beide Richtungen, nach West UND Nahost.
Donald Trump ist eigentlich kein Präsident, sondern ein Gärungsprodukt der weltpolitischen Gemengelage. Der wird auf eine unglaubliche Weise der komplizierten Wirklichkeit nicht gerecht, weil er keinen Normalzustand hat, und das macht ihn so besonders. Fragen nach seinem überhitzten Politikstil wird er wohl nicht beantworten können, sofern er die Frage überhaupt versteht.
Am besten, man fragt Friedrich Merz, der sich wahrscheinlich in Arsch beißt, sich als Kanzlerkandidat zur Verfügung gestellt zu haben. Wenn Donald Trump „Der Nächste“ donnert, bekreuzigt sich Friedrich Merz und fragt, ob er heute seine Beruhigungspillen bekommen hat, und bittet den Himmel schon mal um Gnade.
Die Russen abschrecken, welche Schande für die Christenheit, sage das mal ganz unorthodox. Der Moslem feixt und weiß: „Wir werden immer mehr und beanspruchen Deutschland für uns.“ – plus X. „Der Leib unserer Frauen wird uns den Sieg bescheren“, Houari Boumedienne – Zitate – Gute Zitate
Wien ist doch so nah: Inschrift an der Wand eines Pissoirs zu Wien: Die Welt ist voller Tücken, Wien 1683. Erst urinieren, dann ruinieren.
Der Ösi aber sagt: Geh scheiß’n. Wollen die einen neuen Staatsvertrag für uns machen? Die Russen unter den Tisch saufen mit Grünem Veltliner? Ist wahrscheinlich billiger als NATO – da sind die Österreicher nämlich nicht drin. Ob das hilft?
Wer Wurst und Politik liebt sollte nicht zusehen wie sie gemacht wird.
Bei all den Spannungen die sich momentan dort aufbauen frage ich nur, wann ein flächendeckender Krieg beginnt.
Frieden liebt momentan niemand. Nur Stärke.
Ehrlich gesagt weiß ich nicht,ob Trump wirklich noch auf der Seite Israels steht.Die „deals“,die er mit der Türkei, und mit Mitsprache von Katar und Pakistan abschließt,dienen doch hauptsächlich seinen eigenen Wirtschaftsinteressen.Von der Bedrohung Israels durch das iranische Atomprogramm ist gar nicht mehr die Rede…
„ … und (Trump) braucht die Türkei verzweifelt als strategischen Anker für seine Vision der Region.“ Welche Vision, wie sieht die aus? Bei diesen Brüdern … .