Während Schlüsselbranchen der deutschen Wirtschaft wie Chemie, Autoindustrie und Maschinenbau ins Trudeln geraten, erfreut sich die Sicherheitsindustrie einer stetig wachsenden Nachfrage. Auf Unsicherheit spezialisierte Unternehmen machen gute Geschäfte, von Wachdiensten über Waffenproduzenten und -händler bis zu den Anbietern komplexer Einrichtungen zur Terroristenvergrämung, wie sie heute jedes Stadtbild bereichern.
Mobile oder fest installierte Terrorsperren gehören längst auch zur Standarddekoration von Weihnachtsmärkten, die in Deutschland bislang zweimal zum Ziel islamistischer Attentäter wurden. In Magdeburg wurden vergangenes Jahr bei einem solchen Anschlag sechs Menschen getötet und mehr als 300 verletzt, in Berlin waren 2016 bei einer Attacke auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz im Stadtzentrum 13 Todesopfer zu beklagen.
Das Angebot an sogenannten Zufahrtssperren für jeden Anlass ist breit gefächert und für jeden Stadtsäckel erschwinglich - wie jene monströsen Säcke aus stabilem Kunststoffgewebe, auch Big Bags genannt, die im städtischen Bauhof mit Sand, Erde oder Steinen befüllt werden können und per Tieflader zum Einsatzort gelangen. Sie sind eigentlich zum Transport sogenannter Schüttgüter bestimmt und in ihrer Müllsack-Anmutung keine Zierde. Immerhin können die Beutel mit bunten Motiven bedruckt werden.
Anlässlich der „Kieler Woche“ 2025 wurden 340 „Sandsäcke“ und „mobile Sperren“ im Stadtbild verteilt, auf denen für die „Sailing City“ geworben wurde. Vielleicht nutzt sie der neue grüne Kieler Oberbürgermeister Samet Yilmaz, Sohn türkischer Gastarbeiter, demnächst als Werbefläche für die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ in Kiel und anderen Städten an der Waterkant mit Veranstaltungen wie einer „Sensibilisierungsaktion für gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“. Dabei kann er sich ein Beispiel nehmen an Hamburg-Niendorf, wo der lokale Gewerbeverein originellerweise auf die Idee kam, zum Schutz des dortigen Weihnachtsmarktes aufgestellte Merkel-Legos mit „Bunte-Vielfalts“-Überzügen zu schmücken.
Immer aufwändigere und kostspieligere Sicherheitskonzepte
Im schweizerischen Luzern wurde die Innenstadt dieses Jahr zur Fastnacht ebenfalls mit Big Bags „geschützt“, siebzig an der Zahl, die anlassbezogen mit bunten Konfettis bedruckt waren. So sollte ein „Worst-Case-Szenario“ wie in Magdeburg oder Berlin verhindert werden. Vielerorts im Einsatz sind auch mit Wasser gefüllte Container oder massive Beton-Blumenkübel, die, wie in der Münchner Fußgängerzone, schon in ihrer ursprünglichen Funktion keine ästhetische Bereicherung darstellen.
Ebenfalls eher im Low-Budget-Milieu angesiedelt sind spezielle Betonsperren, wahlweise in naturgrau oder bunt angestrichen und mit Noppen versehen, deswegen auch „Merkel-Legos“ genannt nach jener Kanzlerin, die mit ihrer vorausschauenden Migrationspolitik der Sicherheitsbranche den roten Teppich ausgerollt hatte. Sie könne problemlos gestapelt und transportiert werden und sollen heranbrausende Fahrzeuge durch ihre schiere Masse stoppen. Sie wiegen schon mal mehr als zwei Tonnen. Manchmal gibt es sie auch verkleidet, als praktische Stehtische.
Unüberwindbar die Brocken, sollte man denken. Doch die AfD-Fraktion im Kieler Landtag wies 2017 darauf hin, dass „das Aufstellen von Beton-Pollern und übergroßen Sandsäcken“ Sicherheit nur suggeriere. Bei Tests der Dekra seien solche Sperren von LKWs „mühelos durchbrochen“ worden, selbst jene, die aus den „größten und schwersten Beton- Pollern bestanden, die auf dem Markt erhältlich sind“. Hätten die Sicherheitsbehörden davon keine Kenntnis? Oder hätten sie es „bewusst auf eine Placebo-Sicherheitspolitik abgesehen, um die Bevölkerung in dem irrigen Glauben zu wiegen, Weihnachtsmärkte würden vor LKW-Attentaten wirksam geschützt?“
Seither gab es Magdeburg und für jeden Weihnachtsmarkt, jeden Faschingsumzug, also immer, wenn sich viele Menschen im öffentlichen Raum versammeln, müssen immer aufwändigere und immer kostspieligere Sicherheitskonzepte vorgelegt werden. Die Kosten für allfällige Terrorprävention sind so hoch, dass vor allem kleinere Veranstalter schon mal das Handtuch werfen und ihr Vorhaben absagen.
Das Angebot an Sperren aller Art hat sich unterdessen weiter verbreitert. Die Anbieter werben mit größtmöglichem Schutz bei geringstmöglichem „Impact“ auf die Stadtbilder, schließlich ist den Verantwortlichen daran gelegen, die Schutzmaßnahmen so unauffällig wie möglich zu gestalten. Nicht dass man auf den Gedanken kommen könnte, dass jene Politiker, die uns mit der Polleritis beglücken, uns den Schlamassel ja erst eingebrockt haben.
Berliner Breitscheidplatz wirkt wie eine Festung
Ein paar Fundstücke aus dem Netz: „Unafor Produkte stehen für innovative zertifizierte Lösungen, die sich einfach installieren, flexibel anpassen und harmonisch in jedes Umfeld integrieren lassen. So bewahren Städte ihren einzigartigen Charakter und bleiben zugleich sicher vor Bedrohungen durch unbefugte Fahrzeugüberfahrten“, heißt es auf der Webseite von „Volkmann Strassen- und Verkehrstechnik“ (VSV). So kann man das auch formulieren. Oder sollen potentielle Terroristen erst einmal um eine Durchfahrtsgenehmigung nachsuchen?
„Sicherheit für besinnliche Weihnachtsmärkte“ verspricht die Silbitz Group. „Weihnachtsmärkte sind ein beliebtes Ziel in der Adventszeit und erfordern besondere Sicherheitsmaßnahmen. CitySafe bietet Barrieren, die Weihnachtsmärkte effektiv vor Fahrzeugangriffen schützen und ein sicheres Umfeld für Besucher schaffen.“ Ein Crashtest-Video zeigt, „wie wirkungsvoll CitySafe einen Zehn-Tonnen-Lkw mit 55 Stundenkilometern aufhält“. Mögliche Einsatzbereiche: Öffentliche Silvesterfeiern, Weihnachtsmarkt, Stadtmarathon, Mittelaltermarkt, Strandparty, Dorffest…
Noch anmutiger wird das System Blockmaxx angepriesen. „Blockmaxx kombiniert innere Stärke mit äußerem Charme. Daher eignet sich das innovative Stadtmobiliar hervorragend als zuverlässige und gleichzeitig unauffällige Zufahrtssperre. Die mobile Fahrzeugsicherheitsbarriere besteht aus einem extrem widerstandsfähigen Schwerbeton, kann farblich individuell gestaltet werden und überzeugt durch eine ausgeklügelte Wirkungsweise.“ Man denkt an Loriots Bettenverkäufer und schmunzelt. Doch wirklich lustig ist das alles nicht.
In Wiesbaden sind alle Zufahrtsstraßen zum dortigen „Sternschnuppenmarkt“ mit stählernen Rampen versehen, die über hochklappbare Stahlzungen verfügen. Diese werden Schlag zehn Uhr morgens vom Sicherheitspersonal per Hand aktiviert und sind dann nur noch für Radfahrer und Fußgänger zu passieren. Falls Rettungswagen allzu Glühwein seligen Weihnachtsmarktbesuchern zu Hilfe eilen müssen, können die Zungen vorübergehend wieder abgesenkt werden.
Wie eine Festung wirkt der Berliner Breitscheidplatz, Schauplatz des verheerenden Anschlags vom 19. Dezember 2016. Die Bandbreite der Sperrvorrichtungen ist so bunt wie das Leben in der auf ihre „Vielfalt“ so stolzen Stadt. Martialische Betonklötze neben Big Packs in Stahlkäfigen, stählerne, mit Pollern versehene Rampen, kleinere „Betonrenner“ nebst verstärkten Polizeikontrollen und einem privaten Wachschutz mit zwanzig Mann, der den Schaustellerverband als Veranstalter bis Anfang Januar 180.000 Euro kostet. Vielleicht hätte man lieber darauf verzichten sollen, an diesem belasteten Ort überhaupt noch einen Weihnachtsmarkt zu veranstalten.
Lustige Piktogramme, was alles nicht erlaubt ist
München setzt auf das System Pitagone F11 von „einem der europäischen Marktführer für mobile Terrorbekämpfung“. Die spinnenartigen, ineinander gesteckten Konstruktionen ohne feste Verankerungen im Boden sehen fast zu filigran aus, als dass man sich von Ihnen Schutz gegen einen in mörderischer Absicht gesteuerten Monstertruck erwarten könnte, doch wirbt das Unternehmen mit einem „Vollzertifikat gemäß der Technischen Richtlinie der deutschen Polizei“, es stehe somit für „maximale Sicherheit“. Auch die Veranstalter der Tour de France oder der Fußball-EM in England hätten auf das System gesetzt.
Sicherheitsexperten der Münchner Stadtverwaltung und der Polizei betonen laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“, dass eine hundertprozentige Garantie für Sicherheit durch keine Maßnahme zu erreichen sei. Schon allein die Art der Veranstaltung beeinflusse die Möglichkeiten, Gefahren durch einfahrende Lastwagen oder Autos zu minimieren. Ein Weihnachtsmarkt etwa an einem festen Platz mit definierten Zufahrten sei im Vergleich leichter zu schützen, als ein Demonstrationszug, der sich durch die Straßen bewegt. Ein solcher Zug war im Februar dieses Jahres Ziel eines Anschlags mit einem Pkw, der von einem mutmaßlichen Islamisten gesteuert wurde, zwei Menschen starben.
Effektiver und auch ästhetisch ansprechender wären fest eingebaute, versenkbare Poller an allen Zufahrtswegen zur Fußgängerzone vom Stachus bis zum Marienplatz. Inklusive einer ständig besetzten Leitstelle hätte die klamme bayerische Landeshauptstadt laut SZ für diese Variante 30 bis 40 Millionen Euro investieren müssen; mobile Barrieren kosten einen Bruchteil dieser Summe.
Noch günstiger indes dürften großflächige Informationstafeln sein, die etwa auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Schlossplatz mittels lustiger Piktogramme aufzeigen, was alles nicht erlaubt ist. Darunter Stich- und Schusswaffen, Sprengstoffe sowie „Substanzen und Flüssigkeiten, die das Wohlbefinden und die Gesundheit beeinträchtigen“. Möglicherweise ist hier auch jener aus billigem Fusel zusammengepanschte Glühwein gemeint, den die Besucher in sich hineinschütten, um die Misere für ein paar Stunden vergessen zu können.

„…zum Ziel islamistischer Attentäter wurden. In Magdeburg wurden vergangenes Jahr…“ —
Wirklich jeder weiß oder müsste wissen, dass Taleb Al Abdulmohsen weder Islamist noch Moslem war/ist. sondern ein Apostat und – zuletzt rechtsextremer – Islamhasser. Sein Twitter-Account sprach Bände. Auf seiner Website wearesaudis net, auf der er früher muslimischen Frauen Hilfe bei Asylgesuchen geboten hatte, ist seine 180-Grad-Wende („My advice: do not seek asylum in G e r m a n y.“) in Internetarchiven dokumentiert. Seine Parteipräferenz verdeutlichte er mit Naomi Seibt-Retweets u.a.
Und bevor gleich wieder eine mit „Taqiya“ ankommt: Nein, es macht absolut keinen Sinn, sich jahrelang zu tarnen, wenn man mit einem Auto – oder sonstwie – einen Anschlag durchführen will.
Anschläge auf Veranstaltungen kennt man in München z.B. schon seit dem Oktoberfestattentat vom 26. September 1980. Gundolf Köhler war mutmaßlich kein Islamist, sondern ein Rechtsextremer.
Piktogramme: Auf dem Aachener Weihnachtsmarkt werden die Piktogramme mit dem Hinweis versehen, dass das Mitführen von Schuss- und Stichwaffen „strengstens“ verboten sei. Der sicherheitstechnisch laienhafte Besucher fragt sich, was alles passieren würde, wenn das Mitführen besagter Gegenstände nur „einfach so“, und nicht „strengstens“ verboten wäre. Kaum auszudenken.
Der Unterschied zwischen Lego Duplo und den M-Pollern ist das große M. M16.
In Gesprächen mit meinen Mitbürgern – bei denen ich mich vornehm zurückhalte – sind offene Grenzen eigentlich kein Thema. Ebenso die Hochsicherheitszonen die wie Sperrgebiete anmuten. Aber 5 € für eine laue Tasse Glühwein und 3 € Pfand – holla die Waldfee. Daß diese Pseudosicherheit der Glühweintrinker bezahlen muß? Warum bleiben die dann nicht daheim? Setzen sich vor den Adventskranz und geben sich die Kanne mit 1 l Selbstgekochten aus Spätburgunder. Für 5 €.
of topic….aber lebenswichtiger!!! Breaking News….Deutsche Handballfrauen dürfen auf WM Titel hoffen….oh frohe Weihnachtszeit…es gibt nochHoffnung…ich kann nicht mehr
Was nutzt die Pollerparade wenn sich einer unser wertgeschätzten Gäste per Sprengstoffgürtel zu den verheißten Jungfrauen expediert?
Was machen wir eigentlich, wenn neben Islamisten nun auch noch Christisten, Judisten und Buddhististen öffentliche Veranstaltungen gefährden?