Die unangenehm oberlehrerhafte Gestalt, für die er heute steht, war der Moderator Frank Plasberg nicht immer. Es ist auch bestimmt nicht allein seine Schuld, dass es so kam. Wenn einer wie er über Jahre bei ARD-Talkshows arbeitet, also ständig Leute vorgeführt bekommt, über die seine Redaktionen ihm Informationen zugesteckt haben, welche das Publikum nicht kennt; wenn er, wann immer er möchte, Diskussionen oder für ihn brenzlige Situationen abwürgen und stattdessen Einspielfilmchen abspulen darf, dann entwickelt so einer halt ein Paukersyndrom. Bin immer der Schlauere, hehe! Zumal die meisten Kandidaten ja nicht ihn oder seine Fragen je infrage stellen, sondern sich lieber mit anderen Teilnehmern zanken. Das Fernsehen als Klassenraum. (Fingerschnippen): „Herr Lehrer, ich weiß was!” - „Moment, Sie kommen gleich dran“ (Plasberg, gnädig).
Als er noch im Dritten des WDR talkte, war „Hart aber fair“ manchmal interessant, jedenfalls überraschend. Einmal im Ersten gelandet, verkam die Sendung zum üblichen Quasselformat, wie Will/Illner/Maischberger/Beckmann usw. Richtig arg wird es jedoch, wenn man Pauker Plasberg auf unschuldige Kinder los lässt. Wie in der Sendung vom 1. August („Die klügsten Kinder im Norden“, NDR), wo er kleinen Menschen folgende Aufgabe stellte:
„Auf einer Strecke von 1,6 Kilometer werden im Abstand von 400 Meter Windkraftanlagen gebaut. Wie viele sind das?“
Hätten Sie´s gewusst? Ein Junge kam schnell auf die Lösung. Es sind deren fünf! Fünf wundervolle Riesenspargel, die das Landschaftsbild auf Prächtigste versauen und vielen Aasfressern Nahrung geben, welche geschredderte Vögel mögen. Anlagen, die wahrscheinlich „ein Dorf von 3000 Einwohnern mit Strom versorgen können“, wie das Energiewende-Märchen für Kinder und kindlich Gebliebene gewöhnlich geht.
Letzteres hat Plasberg übrigens nicht abgefragt. Nicht in dieser Sendung. Vielleicht in seiner nächsten? Titelvorschlag: „Die grünsten Kinder im Norden“.