
Mit das Interessanteste am Artikel von Herrn Miersch ist wahrscheinlich der eine oder andere der Leserkommentare, die ihm folgen. Zum Weglachen nämlich: die Generation der heutigen Alten mit einer Scheidungsrate in astronomischen Höhen, wo das Patchworkfamilienleben zum öffentlich gefeierten Standard wird, also Leute aus dieser Generation, samt ihrer Fans, haben die Stirn, den Jungen zu erklären, wie Familie geht: “Unfähig [ ... ] zu Aufbau von Bindung und Familie”. Yo! Genau! Die Jungen heute sehen besser aus, sie duschen regelmäßig und sie scheinen im Allgemeinen deutlich weniger rechthaberisch als die Betonköpfe aus der Generation der heutigen Alten. Ausreichende Gründe also, ihnen mit freundlicher Sympathie zu begegnen. Also wo ist das Problem??! Ich schätze, es liegt eben auch an den aufgezählten Qualitäten der Kleinen. Die Alten heute haben so ziemlich alles versiebt, was man nur versieben kann: Der Euro hängt an der Wand, seit langem. Kein Aas weiß, wie man ihn intakt von dort weg bekommt. Eine fast unterschiedslos paranoide Rentnergeneration von Gesundheitsfanatikern, Klima- und Weltrettern will denen, die das von ihnen hinterlassene Elend in seiner ganzen Wucht zu spüren bekommen, erklären, wie Freiheit geht? Gehts noch, Herrschaften und Damen?!! “Vielleicht muss Freiheit verdient werden” “Das “Freiheits”-Denken von Linken und Konsorten ist durchaus totalitär” Alte Verräter, könnte man solchen Leuten fröhlich zurufen. Es gibt einen Grund für die Abscheu vor den heutigen Alten. Wer ihn verstehen will, darf den einen oder anderen Leserkommentar zum Artikel lesen.
Herr Voigt hat zwar recht, daß die Erben von Marx und Engels - zu denen auch die Grünen und Feministen gehören - gerne die Familie zerstören würden, unbedingt beide Elternteile in Arbeit haben möchten (von wegen der nur so möglichen “Selbstverwirklichung der Frau”) und es inzwischen geschafft haben das eine Frau die “nur” Hausfrau und Mutter ist und sein will, schief angesehen wird, aber NOCH kann da nicht von erfolgreichem Abschluß der Mission gesprochen werden. (Und wird es hoffentlich auch niemals!) Der von ihnen, Herr Miersch, angesprochene Gruppendruck ist altbekannt und völlig normales Verhalten pubertierender Jugendlicher auf dem Weg zum Erwachsenen und meines Wissens nach in der Soziologie auch als zur Abnabelung von den Eltern und zur Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit als notwendig und richtig erkannt! Bei uns waren die Zeichen neben Parka, Jeans und Wildlederboots, im Sommer die obligatorische Jeansjacke (möglichst mit in der Brusttasche - Griff musste herausragen - steckender Haarbürste; die wegen der langen Haare auch bei Jungen auch notwendig war). Es fragt sich, was für ein “Jugendforscher” Herr Voigt eigentlich ist, wenn ihm dies nicht bekannt ist!
Sehr geehrter Herr Miersch, gut möglich, dass der von Ihnen zitierte Autor etwas übertreibt und von der Freiheit des Menschen einen nicht weniger verkürzten Begriff hat wie seine intellektuellen Widersacher. Von daher: Gut gebrüllt. Was Sie gschrieben haben, kann man schon sagen oder schreiben. Aber ist es Ausdruck eines ehrlichen Blicks auf die Tatsachen? Ich wünsche es Ihnen nicht, aber wie wäre das für Sie, wenn eines Ihrer heranwachsenden Kinder je gesagt hätte: “Ich finde jemanden bei den Mormonden (oder Scientology oder, oder , oder…) so toll, ich werde mich denen anschliessen.”? Dann hätten Sie vielleicht auch Zweifel, ob es sich um eine wahrhaft freie Entscheidung handelt. “Die oder der sollen sich nicht so beeinflussen lassen!” würde man vor sich herraunen. Wenn die jungen Mädels heute fast alle gleich aussehen, sich in austauschbarem Stil schminken und überhaupt möglichst ein vollweriges Mitglied ihrer “Peer-Group” sein wollen, dann ist das per se weder beängstigend noch verwerflich. Die Frage muss erlaubt sein, wo denn die Keimzellen der Peer-Ideen (zu unseren Zeiten gab es noch Bierideen, aber keine Bier-Groups, man hat einfach getrunken, was einem geschmeckt hat) zu verorten sind. Ist es so, dass eine Mädelclique in Trondheim von einem Tag auf den anderen einen neuen Haarschnitt angesagt findet und - upps! - einer Gruppe in Münschen zufällig zur gleichen Zeit dasselbe passiert? Die heutige Jugend bezieht ihre Idealvorstellungen von den Ausdrucksformen über die Lebensgenüsse bis hin zu den Argumentationsmustern wie sowieso fast allen Informationen zur aktuellen Weltlage aus dem Fernsehen bzw. aus artgleichen Internetkanälen. Ist das schlecht? Nein, aber man muss Edward Bernays gelesen haben, um zu erkennen, dass dies Kanäle auch die Ansatzpunkte der Manipulation der Massen - eben alles Kanalisierten - sind. Die heutige Jugend mag hin und wieder ihre guten Sitten für einen Augenblick vergessen, ist aber im Kern so kreuzbrav, angepasst und gefügig wie die kleine Zopftante aus der nächstbesten altbackenen Traditionalistenfamilie. Mindestens. Die Jugend hat Angst vor der Zukunft und findet Zuflucht bei den Rattenfängern des medialen Geschäfts und den Hütern der Trends. Das müssen vor allem die Produzenten dieser Programme zur Lenkung der Massen gut finden. Die Rückbesinnung des Individuums auf andere Autoritäten muss ihnen ein Greuel sein. Wollten Sie G’schaftlhubern und Steigbügelhaltern sich abzeichnender Diktaturen das Wort reden. Nicht, oder?
Das “Freiheits”-Denken von Linken und Konsorten ist durchaus totalitär. Es ist diese Beliebigkeit der Sichtweise, die Beiträge wie den hier von Herrn Miersch so unerträglich macht. Man muss sich ja nicht gleich im Biedermannfrack sehen, nur weil man konservative Werte gut findet. Bei allen Übertreibungen von Voigt, der aktuelle Gegenentwurf ist ja wohl auch nicht der Knaller.
Die von Herrn Voight formulierten Interpretationen der gegenwärtigen Veränderungen psychosozialer Aspekte sind aus meiner Sicht nicht einfach von der Hand zu weisen. Die geschilderte Problematik mit dem Focus auf die heutige Jugend wird z. B. von mir persönlich bekannten Psychotherapeuten ähnlich kritisch gesehen. Man kann solche Beiträge auch unter anderen Parametern interpretieren als Fortschrittsfeindlichkeit vs. Fortschrittvertrauen. Da kritisiert ein Journalist ausnahmsweise einmal relativ differenziert die linken Paradigmen mit Bezug auf heutige Entwicklungen der Gesellschaft und dann wird er auf der Achse in dieser Weise interpretiert. Jemanden mit Absicht falsch zu verstehen ist normalerweise eine Kernstratiegie der Gegner der Achse.
Ihr immer mit eurem ollen Orwell. Habt ihr in der Schule nichts anderes gelesen?
Sie als Liberaler mögen Voigts konservativen Standpunkt nicht teilen, aber die Unterstellung er sei totalitär, ist ..., nun ja, selber problematisch. Fängt rechts von ihnen etwa die Wand an, und Voigt stromert, wo er schon nicht mehr darf? Für ihn ist der Freiheitsanspruch der post-marxistischen Linken totalitär, nicht die Freiheit selbst. Wobei er, wenn er denn noch darf, dem post-Marxismus unterstellt, Marx nicht etwa überwunden zu haben, sondern als Kutscher lediglich Pferd und Zaumzeug gewechselt zu haben. Zudem erkennt er, wie jeder Konservative, wie aber eigentlich jeder vernünftige Mensch, ein Dilemma in der Beziehung von Freiheit und Individualität. Ihm mit den üblichen semantischen Spielereien Popper und Orwell über den Kopf zu hauen, ist eher links* als liberal. * im schlechtesten Sinn, da gab es sehr vernünftige Leute, nicht zuletzt Orwell selbst, den die heutige regressive Linke als Rassisten, Kulturimperialisten und Homophoben entlarven würde, lebte er denn noch. Als Säulenheiligen lässt man ihn gerade noch gelten, er kann ja nicht mehr meckern.
Ich fürchte, Sie haben das nicht verstanden. Voigt beschreibt ja gerade, dass Jugendliche nicht frei sind, sondern sich ohne anderweitig ausreichende Basis und Bindung einer Gruppe anschließen, die wie ein Klon wirkt. Das ist keine Freiheit, sondern Unfreiheit. Jugendliche sind naturgemäß unsicher. Können sie sich nicht auf eine sichere Basis wie die Familie zurückziehen, werden sie anfällig für andere Gruppierungen. Oder wie würden Sie sich erklären, dass im Extremfall zum Islam konvertiert und dann, ebfs. in einem monotonen Outfit, z.B. weißem Gewand, in einer entsprechenden Gruppe Aufmunterung gesucht wird, im äußersten Fall gefolgt von einer Reise in die Levante? Jugendliche können nicht frei sein - der Vergleich mit Pflanzen taugt nicht, sondern der mit Puppen (den Vorstufen von Faltern). Voigt beschreibt einen Hang zur Uniformisierung, der auch in den immer gleichen Kleidern auffällt. In Ihrer Generation trugen nicht alle Parka und Fellstiefel. Es gab eine gewisse Diversität, auch im Denken, und es sagten nicht so viele immer nur “ich, ich, ich”. Sie würden achgut nicht machen, wenn Sie so gewesen wären. Ihre Generation hat offensichtlich ein anderes Problem: Wenig Erziehung, wenig Grenzen, wenig Einfluss, was ich Ihnen nicht persönlich unterstellen möchte. Auf jeden Fall beschreibt Voigt exakt, was ich sehe, und dürfte daher richtig liegen. Die Spitze dieser hohlen Ichbezogenheit durfte ich mal vor Jahren vor London’s Abercrombie & Fitch beobachten, wo sich mehrere Mädchen um eine Klamotte schlugen. Diese Generation ist die seichteste seit Lichtjahren. Die Industrie wird sie gern als Telefonfräulein für Werbezwecke einstellen, mehr können ca. 70-80 Prozent von denen nicht, und es wäre kostengünstiger, man würde sie gleich auf der Realschule lassen und die Universitäten den restlichen 30 Prozent vorbehalten. Das wäre Freiheit für die 30 Prozent. Vielleicht muss Freiheit verdient werden, z.B. durch Erziehung zum Nonkonformismus und Denken, statt zum Darstellen und Liken. Die Mädchen, die Voigt beschreibt, sind hübsch, hohl, einfältig und insgesamt unsympathisch und werden allesamt von den Jungs, nicht etwa nur türkischen Jungs, als Turnmatte zum Üben herumgereicht. Bis sie das merken, dürften einige davon kaputt sein, wobei Drogenkonsum das Seine dazu packt. Unfähig danach zu Aufbau von Bindung und Familie, werden sie die Tragödie weiterführen. M.f.G., Sie gucken weg.
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